Usability-Tests (Teil 2): Die Vorbereitung für die Praxis

Beitrag aus Ausgabe 81 / Dezember 2019
Conversion-Optimierung
Andreas Engelhardt

ist SEO-Berater und Head of CRO bei der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

Ebenfalls erschienen:

Usability-Tests (Teil 1): Die Theorie zur Performance-Optimierung
suchradar 80 (Oktober 2019)

Im ersten Teil wurden die Theorie rund um Usability-Tests sowie die Vorteile erläutert. Dass Usability-Tests nicht nur in der Theorie von Vorteil sind und wie Tests (insbesondere Remote-Usability-Tests) zur Benutzerfreundlichkeit in der Praxis aufgesetzt werden, zeigt dieser Beitrag.

Ein kurzer Rückblick auf die Theorie von Usability-Tests: Unter anderem bieten diese die folgenden Vorteile:

  • Umsatz sichern und Akquisitionskosten senken
  • Betriebsblindheit vermeiden
  • Kostenaufwand beim Support reduzieren
  • Senkung von Entwicklungskosten

Des Weiteren hat sich gezeigt, dass eine gute Usability Einfluss auf die Conversion Rate hat.

Remote-Usability-Test

Die meisten Teams haben leider häufig nicht ausreichend Zeit oder genügend Ressourcen, um so viele Usability-Tests durchzuführen, wie es eigentlich erforderlich wäre. Eine kostengünstige Methode, um die Benutzerfreundlichkeit zu prüfen, sind Remote-Usability-Tests.
Diese unmoderierten Usability-Tests (häufig auch als asynchrone Tests bezeichnet) sind eine beliebte Methode, um ein Produkt von Probanden testen zu lassen, ohne gleich die Bank zu sprengen. Neben den niedrigen Kosten hat die Methode einige wesentliche Vorteile:

  • Kostengünstig
  • Schnelle Ergebnisse
  • Keine Rekrutierung erforderlich
  • Keine Moderationsfähigkeiten notwendig
  • Einfache Testeinrichtung
  • Hervorragende Ausweitungsmöglichkeiten

Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch einige Einschränkungen:

  • Kurze Testsitzungen (Die Dauer ist nach den Regeln des Testdienstes begrenzt, beträgt jedoch normalerweise etwa 20 Minuten – verglichen mit ein bis zwei Stunden für Usability-Tests, die im persönlichen Gespräch stattfinden.)
  • Es gibt keine Möglichkeit, etwas mehrdeutige oder unklare Anweisungen zu klären
  • Des Weiteren gibt es keine Möglichkeit, Benutzer aufzufordern, einen Kommentar näher zu erläutern und tiefer in seine Gedanken blicken zu lassen

Ablauf von Usability-Tests

Für die Durchführung des Tests stehen eine Vielzahl von Anbietern zur Verfügung. Dennoch ist der Ablauf von Remote-Usability-Tests jeweils ungefähr der gleiche.

Auswahl der Zielgruppe und Endgeräte

Im ersten Schritt können in der Regel Angaben zur Zielgruppe gemacht werden. Es können also demografische Merkmale und Interessen festgelegt werden. Außerdem kann ausgewählt werden, auf welchem Endgerät der Test stattfinden soll. Weit verbreitet ist noch immer die Entwicklung von Website-Designs auf dem Desktop. Die Tests bieten eine hervorragende Möglichkeit, sich intensiv mit dem Design für mobile Endgeräte zu beschäftigen und den Fokus auf die Entwicklung mobil-optimierter Seiten zu legen.

Selbstverständlich kann man auch in Erwägung ziehen, eine neue Zielgruppe zu testen oder zwei Zielgruppen miteinander zu vergleichen, um zu schauen, wie unterschiedliche Gruppen eine Aufgabe bewältigen können.

Testaufbau und Aufgabenstellung

Anschließend kann der Testaufbau eingestellt werden. Dabei wird festgelegt, wie der Proband den Test durchlaufen soll. Dazu lassen sich bei den meisten Anbietern kleinere Aufgaben erstellen, die dann ein gesamtes Szenario, wie z. B. das Durchlaufen einer Landingpage mit anschließendem Ausfüllen eines Formulars oder die Auswahl eines Produkts in einem Shop bis zum Checkout, ergeben. Neue Features, kleinere Entwicklungsschritte, neue Designs und Webseiten können so schnell überprüft werden. Es sollte also stets ein Ziel definiert werden, das Nutzer in einer Aufgabe erreichen sollen. Erst dann sollte die Aufgabenstellung erfolgen.

Wichtig bei der Testerstellung sind möglichst konkrete Handlungsanweisungen an die Probanden, um möglichst vergleichbare Ergebnisse zu bekommen. Ebenso sollten möglichst offene Fragen formuliert werden, die die Probanden dazu animieren, ihre Gedanken laut zu erläutern. Denn genau hier liegt der enorme Wert von Usability-Tests. Genau an dieser Stelle werden die Sorgen, Nöte, Zweifel und Verunsicherungen aufgedeckt.

Das bedeutet auch, dass in der Aufgabenstellung keine Tipps zur Lösung vorhanden sein sollten. Kommt ein Nutzer trotz präziser Handlungsanweisung nicht auf die Lösung, muss auf jeden Fall nachgebessert werden.

Quick-Tests für den ersten Eindruck

Eine weitere spannende Möglichkeit, um schnelles Feedback zu bekommen, sind die sogenannten Quick-Tests. Dazu werden mehrere Nutzer auf eine Seite geschickt. Anschließend sollen sie sich einen groben Überblick verschaffen und von ihrem ersten Eindruck berichten. Somit kann sehr gut die Struktur einer Webseite auf Verständlichkeit überprüft werden. Auch wird deutlich, welche Inhalte dem Nutzer direkt ins Auge springen und welche – möglicherweise sehr wichtigen – Informationen übersehen werden.

Testanalyse und -auswertung

Anschließend liegt der Test in Form eines Videos inklusive des entsprechenden Kommentars vor. Nun gilt es genau hinzuhören, was dem Probanden auffällt, und gleichzeitig darauf zu achten, was er anklickt und wie er sich auf der Seite bewegt. Sowohl positives als auch negatives Feedback sollte sofort dokumentiert und mit einer entsprechenden Zeitangabe vermerkt werden.

Das Ganze erfordert etwas Übung und auch Geduld. Erst nachdem man mehrere Tests gesehen und analysiert hat, gelingt es, die Tests schneller auszuwerten. Doch auch bei der Analyse helfen in der Regel die angebotenen Tools. So können Vermerke, Labels und Prioritäten innerhalb der Tools gemacht und anschließend heruntergeladen werden. Häufig kann man auch kleinere Videosequenzen aus dem Tool ziehen, um diese für die Nachbesprechung in den Teams zu nutzen.

Fazit

Usability-Tests bieten viele Vorteile, um für ein besseres Verständnis der eigenen Website zu sorgen. Probleme und Potenziale können somit früh erkannt und ausgebessert werden. Mittels Remote-Usability-Tests können die Tests schnell in die Praxis umgesetzt werden und für schnelles Feedback sorgen.

Spannend? Dieser Artikel ist im suchradar #81 erschienen

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