Konkurrenzanalyse Off-Page-SEO: Linkaufbau der Wettbewerber im Blick

Beitrag aus Ausgabe 81 / Dezember 2019
SEO
Andreas Schülke

ist Head of Content-Marketing bei der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

Die Backlinks der Marktbegleiter können wertvolle Erkenntnisse liefern, die die weitere Strategie im Linkbuilding und bei der Content-Erstellung maßgeblich beeinflussen sollten. Hier wird gezeigt, welche Tools sich eignen, wie man bei der Analyse vorgeht und welche Potenziale sich typischerweise daraus ergeben.

Keine SEO-Konkurrenzanalyse wäre komplett, ohne die Linkprofile des Wettbewerbs unter die Lupe zu nehmen und Handlungsempfehlungen aus den wichtigsten Diskrepanzen abzuleiten. Doch welches Tool-Set wird dafür benötigt und welche Schritte sollte man beim Backlink-Check befolgen?

Warum überhaupt Backlinks analysieren?

Links sind einer der wichtigsten Rankingfaktoren für Google und andere Suchmaschinen. Auch in aktuelleren Aussagen bestätigen Sprecher von Google gerne die drei wichtigsten Signale für die Sichtbarkeit in den organischen Suchergebnissen (Quelle: searchengineland.com/now-know-googles-top-three-search-ranking-factors-245882):

  1. Links
  2. Content
  3. RankBrain

Branchenexperten sehen es ganz ähnlich und verorten die Qualität der verlinkenden Webseiten auf dem zweiten Platz der Rankingfaktoren hinter herausragenden Inhalten, die zur Suchanfrage passen (Alle Ergebnisse der Befragung mit 1 584 Teilnehmern: sparktoro.com/blog/resources/google-ranking-factors-2019/).

Seit der damals revolutionären Einführung des Page-Rank-Algorithmus durch Google betrachten führende Suchmaschinen Backlinks von einer Domain zu einer anderen als Empfehlung bzw. Zitat einer Quelle für weiterführende Information. Daher kommt keine Website, die auch für umkämpfte Suchbegriffe möglichst gut gefunden werden möchte, ohne Links aus. Der größte Mehrwert, den die Konkurrenzanalyse hier beisteuert, liegt in der Bewertung des eigenen Linkprofils in einem aussagekräftigen Kontext. Nackte Zahlen aus Tools zur eigenen Domain können so eingeordnet, verglichen und im zeitlichen Verlauf betrachtet werden. Stärken einzelner Konkurrenten, Lücken im eigenen Linkprofil und Content-Chancen werden identifiziert und können als Ansporn genommen werden, die eigene Website kontinuierlich erfolgreicher zu machen (siehe Abbildung 1).

Tools

Bevor die eigentliche Analyse beginnen kann, muss die Frage beantwortet werden, woher die Daten zu den Backlinks kommen. Zu diesem Zweck stehen verschiedene Linkdatenbanken zur Auswahl, z. B.:

  • Majestic (de.majestic.com)
  • Moz (moz.com)
  • ahrefs-Tool (www.ahrefs.com)
  • SEOkicks (www.seokicks.de)

Keine dieser Datenbanken ist perfekt in dem Sinne, dass der Index eine komplette Kopie der Linkdaten darstellt, die Google und andere große Suchmaschinen zur Verfügung stehen. Eine pauschale Empfehlung lässt sich nicht aussprechen. Alle Anbieter bieten für einen begrenzten Zeitraum bzw. mit eingeschränkten Funktionen einen kostenlosen Testzugang an, daher darf und sollte ausprobiert und verglichen werden. Die vollständigste Auskunft zum Backlink-Profil einer Domain wird sich erst durch den kombinierten Einsatz mehrerer Datenbanken realisieren lassen.

Nach der Auswahl des bzw. der Tools muss entschieden werden, was genau nun mit der langen Liste von Backlinks sinnvollerweise zu tun ist.

Wie geht man bei der Analyse vor?

In seltenen Fällen wird es möglich sein, alle Backlinks händisch bewerten zu können. Meist bietet sich eine regelbasierte Filterung bzw. Sortierung nach relevanten Kriterien an, damit nur die wichtigsten URLs manuell untersucht werden müssen. Die verschiedenen Tools bieten dazu diverse Metriken an, die Kraft, Vertrauenswürdigkeit, Spam-Score, Kontext auf der verlinkenden Webseite und ähnliches widerspiegeln sollen.

Folgende Punkte sollten während der Analyse beachtet werden:

  • Linkquellen:
    Auf welchen Domains gibt es Links zu Konkurrenz-Websites (Partner, Magazine, Blogs, Foren)? Von welchen Seitentypen verweisen Links auf die Konkurrenz (Verzeichnisse, Linksammlungen, Gastbeiträge, Interviews, Sponsorenlisten)? Sind Muster zu erkennen?
  • Linkprofil:
    Gibt es bei einzelnen Konkurrenten auffällig hohe Anteile bestimmter Arten von Links (Deeplinks vs. Links auf die Startseite; auffällige Ankertexte; Nofollow-Links; Broken Links)?
  • Zeitlicher Verlauf:
    Gibt es signifikante Spitzen oder einen allgemeinen Trend bei Betrachtung der entstandenen Links oder verweisenden Domains über einen gewissen Zeitraum (siehe Abbildung 2)?
  • Meistverlinkte Unterseiten:
    Auf welche URLs außer der Startseite zeigen besonders viele andere Domains mit einem Hyperlink? Gibt es Seitentypen, die für mehrere Konkurrenten in dieser Hinsicht funktionieren (Ratgeber, Konfiguratoren, Pressemitteilungen, Studien, Gewinnspiele etc.)

Typische Potenziale

Je nach Branche können die Ergebnisse der Offpage-SEO-Konkurrenzanalyse sehr unterschiedlich ausfallen. Die enttäuschendste Schlussfolgerung wäre, dass bisher noch keiner der Marktteilnehmer aktiv Linkaufbau betreibt – doch auch hier lassen sich oft Muster und Chancen erkennen, die dann vom Pionier besonders leicht genutzt werden können. Viel öfter wird man hingegen auf typische Potenziale stoßen, die sich dank der Untersuchung von Wettbewerber-Backlinks umsetzen lassen.

Potenzial

Maßnahme

Starke Linkgeber verweisen auf die Konkurrenz, aber bisher noch nicht auf die eigene Domain

Klassischer Linkaufbau:
Kontakt aufnehmen und um einen Link bitten, sofern gleichwertige Inhalte vorhanden sind

Es gibt erkennbare Muster in den Linkprofilen der Konkurrenten, z. B. viele Links durch Gastbeiträge

Taktik skalieren:
In kleinem Umfang testen, bei Erfolg ausbauen – ohne das eigene Linkprofil einseitig werden zu lassen

Es gibt URLs mit gutem Content, die durch besonders viele Backlinks hervorstechen

Skyscraper Technique:
Eigene Seite erstellen, die von den Inhalten der Konkurrenz inspiriert und noch viel besser ist – anschließend Content Seeding

Es gibt URLs, die häufig verlinkt werden und nicht mehr erreichbar sind

Broken Linkbuilding:
Inhalte auf der eigenen Domain aufbauen, die angeboten werden können, um den fehlerhaften Link zu reparieren

 

In den meisten Branchen wird von vielen Playern im Zuge der kontinuierlichen Suchmaschinenoptimierung hart am Aufbau guter Links gearbeitet. Die Offpage-SEO-Wettbewerbsanalyse sollte daher in regelmäßigen Zeitintervallen durchgeführt werden, um die Marktbegleiter nicht aus den Augen zu verlieren, Trends möglichst früh zu erkennen und blinde Flecken beim eigenen Linkbuilding zu vermeiden.

Fazit

Von den Backlinks der Konkurrenz kann man viel lernen, wenn Budget für eine Linkdatenbank bzw. eine SEO-Agentur vorhanden ist. Die besten Ideen können fast immer für die eigene Domain genutzt werden. Neben proaktiver Kontaktaufnahme mit potenziellen Linkquellen ist dafür oft eine Investition in Content nötig. Doch das Risiko hält sich dabei in Grenzen, denn in der Branche war etwas Ähnliches ja bewiesenermaßen schon einmal von Erfolg gekrönt.

Spannend? Dieser Artikel ist im suchradar #81 erschienen

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