Best of Corporate Content 2019: Echte Beispiele aus einem Jahr voller Content-Marketing

Beitrag aus Ausgabe 81 / Dezember 2019
Online Marketing
Andreas Schülke

ist Head of Content-Marketing bei der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

Es gibt Branchen, da macht es schon jeder, und Branchen, die haben Content-Marketing erst 2019 entdeckt. Nischen, in denen Online-Marketing ohne großartige, unkommerzielle Inhalte funktioniert, werden immer weniger. Die hier gezeigten Beispiele aus dem letzten Jahr zeigen Erfolgsprinzipien, die auch 2020 noch gelten und sich wunderbar auf andere Produkte und Dienstleistungen übertragen lassen.

Definiert als „Vermarktungstechnik, die auf der Erstellung und Verbreitung von Inhalten mit Mehrwert für eine klar definierte Zielgruppe“, ist Content-Marketing aus dem Online-Werbe-Arsenal nicht mehr wegzudenken. Nach dem Hype vor einigen Jahren hat sich die Erstellung und Verbreitung von Corporate Content zuletzt immer stärker professionalisiert – sowohl auf Agentur- als auch auf Unternehmensseite. Überzeugende Ergebnisse abzuliefern wird jedoch nicht einfacher, weil immer mehr Quellen guter Inhalte um die begrenzte Aufmerksamkeit des Publikums kämpfen.

Die folgenden Beispiele aus der freien Wildbahn zeigen, welche Ansätze 2019 punkten konnten und welche Ergebnisse erwartet werden dürfen. Der Fokus bei der Bewertung der Ressourcen liegt auf SEO-Kennzahlen, also Backlinks und Rankings. Es geht hier also nicht vorrangig um Inhalte, die besonders häufig geklickt, gelesen, angesehen, geliked oder geteilt wurden – obwohl das häufig angenehme Nebeneffekte sind.

Studien

Selbst durchgeführte oder beauftragte Studien fallen immer wieder als solides Standbein effektiver Content-Marketing-Strategien auf. Der Onlineshop für Baustoffe Benz24 muss in diesem Jahr erneut als eine der Top-Content-Marketing-Adressen erwähnt werden. Dank der Studie „Wohngesundes Deutschland“ in Zusammenarbeit mit dem Innofact Marktforschungsinstitut und dem Berufsverband Deutscher Baubiologen e. V. (VDB) ist es abermals gelungen, viele starke Links zu generieren, die für andere Händler mit ähnlichem Sortiment völlig unerreichbar sind (siehe Abbildung 1). Einige Beispiele:

Ein Bild, das Screenshot enthält.Automatisch generierte Beschreibung

Für viele Unternehmen lassen sich ähnliche Studien sogar noch einfacher realisieren, wenn bspw. Nutzerverhalten oder Verkaufszahlen anonymisiert ausgewertet werden oder andere bereits vorhandene Daten anhand guter Hypothesen untersucht werden, deren Interpretation sich in einer guten Story verpacken lässt. Besonders die kritische und kaum erreichbare Zielgruppe der Journalisten lässt sich für solche (quasi-)wissenschaftlichen Aussagen leichter begeistern.

Utility Content

Inhalte, die sich komplett vom Kerngeschäft und der potenziellen Kundschaft lösen, können im Sinne des Linkbuildings ebenfalls eingesetzt werden. Das aktuellste Beispiel in einer Schar von ähnlichen Ratgebern von Klingel, einem Onlineshop für Mode und Lifestyle-Produkte, wurde bereits im suchradar-Artikel zu Utility Content in Ausgabe 77 genannt. Es handelt sich dabei um einen Ratgeber rund um das Thema Ehrenamt (www.klingel.de/ehrenamt-ratgeber/), der Backlinks von interessanten Domains eingebracht hat. Umstritten bleibt unter SEO-Experten, wie viel diese völlig themenfremden Backlinks für umsatzrelevante Rankings bringen.

Wie widersprüchlich und sogar völlig kontraproduktiv solche Ratgeberinhalte im Sinne der Absatzsteigerung ausfallen können, zeigt eindrucksvoll der Onlineshop für Spirituosen Rum & Co. Unter www.rumundco.de/alkohol-hilfe werden hier Informationen rund um die Entstehung und Behandlung von Alkoholsucht angeboten (siehe Abbildung 2). Die bizarren Backlinks verdeutlichen die wahre Kraft des Content-Marketings – diverse Suchthilfen verlinken dadurch auf einen Spirituosen-Onlineshop:

Gleichzeitig wird die Website durch den mittelmäßigen Ratgeber zum Alkoholismus in Kombination mit diesen Links für Suchbegriffe wie „Alkohol Hilfe“ und andere gut in den Top 10 der Google Suchergebnisse gefunden.

Ein Bild, das Screenshot enthält.Automatisch generierte Beschreibung

Geholfen hat sicherlich, dass die Domain www.alkohol-hilfe.de als Linkziel dient und dann weiterleitet. Allem Anschein nach handelt es sich um eine Expired Domain und die Backlinks waren bereits vorhanden. Ein guter Vorwand, an dieser Stelle daran zu erinnern, dass neben eingehenden Backlinks auch ausgehende Links auf der eigenen Website im Auge behalten werden sollten. Diese Diskussion wäre an dieser Stelle aber akademisch und würde zu weit führen.

Video-Content

Waren die bisher gezeigten Beispiele eher fachlich und trocken, gab es auch 2019 wieder einen Case, bei dem ein Unternehmen versucht, unterhaltsame Videos für sich zu nutzen. Der Möbel-Discounter Poco ließ eine YouTube-Serie im Stil einer Telenovela produzieren. Janine Kunze, Werbegesicht der Marke seit 2017, stellt sich als Hauptdarstellerin – halbironisch oder auch nicht – den täglichen Herausforderungen und sozialen Tücken im Möbelhaus-Setting (siehe Abbildung 3).

Suchmaschinenoptimierung und Linkaufbau waren sicher nicht die alleinigen Gründe für die Produktion und würden die Kosten nie rechtfertigen können. Andererseits schaden die Links, die im Zuge der Berichterstattung entstanden sind, der Domain sicher nicht im Kampf um Rankings für Suchbegriffe wie Regale, Schränke und Co.

Events

Rund um Veranstaltungen passiert Linkaufbau ebenfalls eher als Nebenprodukt – genau wie bei der oben vorgestellten YouTube-Serie. Trotzdem lohnt es sich, solche Aktivitäten des eigenen Unternehmens auch fürs Online-Marketing zu nutzen. Beim Freiluft Testival von Globetrotter handelt es sich um genau so einen Fall. Mit dem Rebranding von GLOBEBOOT zu Freiluft wurde die URL www.globetrotter.de/aktionen/freiluft-testival/ gleichzeitig im Laufe des Jahres zu einer der meistverlinkten Unterseiten der Website mit Backlinks von vielen starken Domains, z. B.:

Sicher lohnt es sich nicht, nur für die Links ein eigenes Event aus dem Boden zu stampfen. Nichtsdestotrotz dient Globetrotter hier als Paradebeispiel dafür, was man herausholen kann. Denn ohne nachzuhelfen und die nötigen Anreize zu schaffen, wird in der Regel nicht so fleißig über kommerzielle Veranstaltungen berichtet.

Fazit

Content-Marketing lässt sich auch 2019, 2020 und weit darüber hinaus einsetzen, um nachhaltig starke Backlinks zu verdienen, etwa mit Studien oder Ratgebern. Ratsam ist eine Content-Marketing-Strategie, die sich in die gesamte Werbestrategie der Marke einfügt. Denn wer Meilensteine aus anderen Unternehmensbereichen wie Veranstaltungen, Gewinnspiele oder Werbe-Kampagnen gewinnbringend für die eigene Website verwertet, erreicht sichtbare Ergebnisse viel effizienter, als es mit aufwändigen Content-Marketing-Kunstgriffen möglich wäre.

Spannend? Dieser Artikel ist im suchradar #81 erschienen

Lesen Sie weitere spannende Artikel aus der Ausgabe „Von der Konkurrenz lernen: Neue SEO- und SEA-Potenziale schöpfen“! Entweder online oder als PDF-Magazin.

Kostenlos als PDF-Version Alle Artikel aus der Ausgabe ansehen