Usability-Tests (Teil 1): Die Theorie zur Performance-Optimierung

Beitrag aus Ausgabe 80 / Oktober 2019
Conversion-Optimierung
Andreas Engelhardt

ist SEO-Berater und Head of CRO bei der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

Über Web-Analyse-Tools kann man sehr gut nachvollziehen, wie sich der Nutzer auf der Seite verhält. Welche Seiten werden vom Nutzer angeklickt? An welcher Stelle bricht ein Nutzer ab? Wie häufig wird etwas gekauft oder ein Formular ausgefüllt? Aber die Frage nach dem Warum bleibt. Das verraten uns die Zahlen, so akkurat sie auch gesammelt wurden, leider nicht. Eine Möglichkeit, um dem Warum etwas genauer auf den Grund zu gehen, sind Usability-Tests.

 

Mit Usability ist die Gebrauchstauglichkeit von Produkten, Systemen oder Diensten gemeint. In der Norm ISO 9241 ist der Begriff »Usability« wie folgt definiert: »Usability ist das Ausmaß, in dem ein Produkt durch bestimmte Benutzer in einem bestimmten Nutzungskontext genutzt werden kann, um bestimmte Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen.« (Quelle: www.handbuch-usability.de) Im Kontext von Websites ist damit auch häufig die Benutzerfreundlichkeit gemeint und damit ein Bestandteil der gesamten User Experience (UX).

Wie passen Usability und Conversion Rate zusammen?

Ist eine Website besonders benutzerfreundlich, weil sie schnell verständlich und leicht zu bedienen ist, ohne dass ein Nutzer zu viel nachdenken muss, steigert das die gesamte Nutzererfahrung. Zufriedene Nutzer sind eher dazu geneigt, zu konvertieren, also z. B. einen Kauf abzuschließen oder ein Kontaktformular auszufüllen. Die Conversion Rate lässt sich also durch eine gute Usability steigern. Eine gute Möglichkeit, um festzustellen, wie nutzerfreundlich die eigene Website ist, sind Usability-Tests.

Was sind Szenarien-basierte Usability-Tests?

Unter Szenarien-basierten Usability-Tests versteht man eine Technik, mit der die Gebrauchstauglichkeit durch potenzielle Nutzer geprüft wird. In einem solchen Szenario muss der Nutzer mehrere Phasen durchlaufen. Der Nutzer kommentiert dabei seine Gedankengänge laut und lässt so das Optimierer-Team daran teilhaben. Dabei ist auch die direkte Kommunikation mit dem Probanden möglich, um Rückfragen stellen zu können.

Wie funktionieren Remote-Usability-Tests?

Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit, Remote-Usability-Tests durchzuführen, bei denen eine kommentierte Videosequenz entsteht. Es gibt eine Vielzahl von Anbietern, die bei der Durchführung von Remote-Tests helfen. Die Vorteile: Es entstehen keine Aufwände bei der Akquisition von Testpersonen und die Tests sind in der Regel schnell verfügbar. Hinzu kommt, dass es durch einen großen Testpool nicht zu Dopplungen kommt. Nutzer sehen die Seite also lediglich in einem Szenario.

Die Videosequenzen müssen anschließend ausgewertet werden. Verwirrung, Missverständnisse und aufkommender Frust können so schnell und einfach identifiziert werden.

Warum sind Usability-Tests von Vorteil?

Umsatz sichern und Akquisitionskosten senken

Wie bereits angesprochen, konvertieren Nutzer häufiger, wenn sich die Nutzererfahrung verbessert. Nutzer sind auch geneigter, einen Shop häufiger zu besuchen und zu Stammkunden zu werden. Nutzer kaufen also häufiger und bleiben dem Shop treu. Das wirkt sich positiv auf den Umsatz aus. Gleichzeitig erhöht sich der Return on Investment (ROI) der Marketingmaßnahmen und die Akquisitionskosten für Neukunden können gesenkt werden.

Betriebsblindheit vermeiden

Wenn man sich selbst oder auch im Team intensiv mit den eigenen Websites beschäftigt, verliert man sich häufig in seinen eigenen Meinungen. Oder noch schlimmer, auf einmal zählt nur noch die Meinung der bestbezahlten Person im Unternehmen. Regelmäßiges Testen – z. B. einmal im Monat – bewahrt einen vor Betriebsblindheit und man hat einen fortlaufenden Prozess, um neue Potenziale zu entdecken.

Kostenaufwand beim Support reduzieren

Eine Verbesserung der Usability kann auch dazu führen, dass Anfragen an den Support reduziert werden. Indem Produkte besser verständlich und viele Fragen seitens der Nutzer direkt auf den Seiten geklärt werden können, vermeidet man unnötige telefonische Anfragen oder Tickets an den Support. Der Support bekommt somit mehr Freiraum, um die Kundenbeziehung zu pflegen.

Senkung von Entwicklungskosten

Auch in früheren Entwicklungsstadien können Usability-Tests zum Einsatz kommen. Ist also ein Relaunch geplant, sollten Tester befragt werden, um das Konzept der neuen Website zu testen. Schwachstellen, Stolpersteine und Fehler können somit frühzeitig erkannt werden und gleich zu Beginn des Projekts gefixt werden. Es muss also nicht zwangsläufig eine fertige Seite getestet werden. Auch erste Prototypen und einzelnen Ideen können via Usability-Test auf den Prüfstand gestellt werden.

Fazit

Usability-Tests bieten viele Vorteile, um die Performance der eigenen Website zu verbessern. Getestet werden kann in allen Entwicklungsstadien. Wichtig sind regelmäßige Tests, um sich kontinuierlich verbessern zu können. In der nächsten Ausgabe geht der Blick dahin, wie Usability-Tests erfolgreich ausgestaltet werden können.

Spannend? Dieser Artikel ist im suchradar #80 erschienen

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