Themenradar: Wie optimiert man für E-A-T?

Beitrag aus Ausgabe 79 / August 2019
SEO
Markus Hövener

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

In den Quality Rater Guidelines wird oft das Stichwort E-A-T erwähnt. Was bedeutet E-A-T für Unternehmen konkret? Wie kann man seinen „E-A-T Score“ optimieren und vielleicht sogar messen?

Worum geht’s?

In Googles Quality Rater Guidelines (static.googleusercontent.com/media/www.google.com/de//
insidesearch/howsearchworks/assets/searchqualityevaluatorguidelines.pdf
) gibt es das Konzept E-A-T (Expertise, Authoritativeness and Trustworthiness). Gerade in YMYL-Themenbereichen
(Your money or your life) sind die Anforderungen an Autor und Website besonders hoch.

Olaf Kopp

Head of SEO / Co-Founder, Aufgesang GmbH

Die E-A-T-Bewertung, die in der Version 5.0 der Quality Rater Guidelines im Jahr 2015 das erste Mal Erwähnung gefunden hat, war eine der wichtigsten Neuerungen in den Guidelines bis heute, da die Bewertung zusammen mit dem PQ-Rating die beiden wichtigsten Bewertungskriterien darstellt. Seit 2015 hat die Bedeutung der E-A-T- Bewertung in den Guidelines immer mehr Raum bekommen. Gerade für Unternehmen, die sich im Your-Money-Your-Life-Bereich (YMYL) bewegen, sind Expertise, Autorität und Trust nach meiner Meinung die Grundlage, um überhaupt auf die erste Suchergebnisseite zu kommen. Meines Erachtens kann E-A-T sowohl auf Dokumenten-Ebene als auch auf Domain-Ebene optimiert werden. Auf Domainebene spielen hier Offpage-Signale wie Kookkurrenzen, Backlinks und Brand-Thema-Suchmuster eine entscheidende Rolle, die man fördern sollte.

Auf Dokumenten-Ebene sollte man auf semantisch sinnvolle interne Verlinkung bzw. Nutzung konsistenter Linktexte, TF-IDF und Suchintentions-orientierte Inhalte achten. Da wir nicht genau wissen, welche Signale bzw. Werte Google für die E-A-T-Bewertung nutzt, ist das mit dem Messen schwierig. Ich empfehle immer, sich mit dem gesunden Menschenverstand und mit Nutzerperspektive die eigene Website und deren Umfeld zu bewerten.

Uli Zimmermann

Geschäftsführer, eMinded GmbH

Ganz ehrlich: Pfeift auf E-A-T und ähnliche Buzzwords! Im Bereich Content hat sich eigentlich in den letzten zehn Jahren nichts geändert. Denn wenn man nicht nur auf unsinnigen Traffic scharf war, musste man auch vor Panda, Penguin & Co. die Seiten so gestalten, dass der Suchende den Content findet, den er auch wollte. Ansonsten kein Umsatz, keine Interaktion, keine Page Impressions – oder wie auch immer die Seite monetarisiert wird.

Für mich zeigt E-A-T nur, dass es Google auch 2019 noch nicht vollends gelingt, SEO-Texte von relevantem Content zu unterscheiden. Da können sie noch so viele Rankbrains bauen. Wenn Google wieder mit Scores arbeiten muss, ist das doch der Beweis, dass sie Inhalte noch immer nicht richtig interpretieren können und vor Manipulationen nicht gefeit sind.

Sergej Semjonow

SEO-Experte, eology GmbH

Content war im Online-Bereich schon immer wichtig. Spätestens nach der offiziellen Einführung von E-A-T wissen wir, dass Webseiten durch Googles Quality Evaluator Guidelines viel granularer und spezifischer unter die Lupe genommen werden. Das bestätigten sowohl John Mueller am 18.09.2018 via Google Webmaster Central Hangout als auch Danny Sullivan („besserer Content bedeutet bessere Rankings“) am 01.08.2018 via Twitter.

Meiner Meinung nach ist die Optimierung auf E-A-T für Unternehmen kein „Blindflug“, da Google alle für sich ausschlaggebenden Faktoren öffentlich in den Search Quality Evaluation Guidelines preisgibt. Ich gehe sogar einen Schritt weiter und behaupte, dass der E-A-T-Score durchaus einen Rankingfaktor darstellt. Diese Guidelines wurden nicht umsonst in dieser Form aufgesetzt und öffentlich kommuniziert. Entweder der Suchmaschinen-Gigant arbeitet bereits daran, alle Guideline-Faktoren algorithmisch auszuwerten, oder es ist peu à peu in Planung.

Das Messen der Optimierungen des „E-A-T-Scores“ wird aufgrund der Vielzahl an Berechnungsfaktoren weiterhin schwer bleiben. Der E-A-T-Score einer Webseite kann konkret durch das Erstellen und Aktualisieren von Content durch fachspezifische Personen bzw. Experten sowie durch die Umsetzung von sicherheitsrelevanten technischen Maßnahmen wie z. B. https, Zertifikate, Logos etc. positiv beeinflusst werden.

Letzten Endes bleibt eines gleich: Um die Bedürfnisse des Nutzers zu befriedigen, will Google die bestmöglichen Ergebnisse für jede Nutzeranfrage bereitstellen. Mit Expertise, Autorität und Vertrauen kann man guten Evergreen-Content erstellen. Das Ziel davon sollte sein, die Nutzer zu befriedigen und schlussendlich bei Google entsprechende Rankings erzielen.

Rainer Winkler

Leitung SEO OnPage, SEO-Küche Internet Marketing GmbH & Co. KG

EXPERTISE: Investment-Tipps vom verschuldeten Kneipenkumpel? Oder lieber von jemandem mit Expertenwissen und Erfahrungen auf seinem Gebiet? Fachpublikationen, Gastbeiträge und Auftritte in sozialen Medien hinterlassen Eindrücke. Eindrücke und Verlinkungen. Passen diese dann noch zum Gesamtkonzept der Webseite, können Mensch und Maschine davon ausgehen, dass eine Expertise zu diesem Themengebiet besteht.

AUTORITÄT: Sind Sie gefragt? Sucht man nach Ihrem Namen, Ihrer Marke? Wie vital sind Ihre Auftritte in sozialen Medien und wie präsent sind Sie allgemein? Spricht man über Sie? Sehen und gesehen werden funktioniert nicht nur offline.

VERTRAUEN: Wie lange gibt es Sie schon? Würden Sie einer neugegründeten UG (haftungsbeschränkt) ein großes Bauprojekt anvertrauen? Wie sicher ist Ihre Seite? Wirken Sie seriös oder eher marktschreierisch (Anzeigen und Pop-ups)? Findet der Nutzer auf Ihrer Seite, was der Seitentitel und der Textinhalt versprechen? Oder wird er hereingelegt, weil das Sortiment doch nicht so einzigartig/vielfältig/gut ist?

Artur Kosch

Geschäftsführender Gesellschafter, Kosch Klink Performance

Vereinfacht ausgedrückt beschreibt der „E-A-T-Score“ in den Guidelines, dass der Autor des Inhaltes Erfahrung zu dem Thema hat (Expertise), diese Erfahrung nachweisen kann bzw. einen Expertenstatus hat (Authoritativeness) und wie glaubwürdig es ist, dass der Autor mit seinem Wissen dem Leser mit den richtigen Inhalten und der gesamten Webseite helfen möchte (Trustworthiness).

Der Grad der Erfahrung (Expertise) unterscheidet sich maßgeblich je nach Thema. In Sachen Medizin, Finanzen, rechtlichen Themen etc. (YMYL) werden ein abgeschlossenes Studium und jahrelange Praxis eher als ausreichend „Erfahren“ eingestuft. Bei weniger sensiblen Themen wie z. B. Inhalten zur Katzenhaltung wird ein abgeschlossenes Studium weniger dazu beitragen. Google möchte sicherstellen, dass der Autor wirklich Ahnung von dem hat, worüber er schreibt. Ich denke, bei diesem Punkt können die meisten Unternehmen profitieren, da das Expertenwissen bei den Mitarbeitern im Unternehmen steckt. Voraussetzung ist, dass der Autor inkl. Bio und Bild dargestellt wird.

Da es für Google nur schwer nachzuvollziehen ist, ob dieses Expertenwissen tatsächlich existiert und es sich bei dem Autor auch wirklich um eine echte Person handelt, kommt der zweite Punkt (Authoritativeness) ins Spiel. Im Grunde beschreibt er lediglich, wie sehr eine Person online als Autorität bekannt ist. Dies lässt sich durch Personal Branding für einzelne Autoren sehr gut beeinflussen. Um mich selbst als Beispiel zu nehmen: Ich habe zahlreiche Fachartikel veröffentlicht, werde regelmäßig in Magazinen befragt (wie hier …) und halte Vorträge auf Konferenzen rund um das Thema SEO. Dies hilft Google natürlich ungemein, meine Autorität zum Thema SEO zu erkennen. Ein Mini-Tipp, wie man sein „Personal Branding“ mit der SEO-Brille messen kann, ist, sich die Top-Suchergebnisse zu dem Namen des Autors anzuschauen und eine TF*IDF-Abfrage zu dem Namen durchzuführen. Bei meinem Namen erscheinen unter den Top-Themen: „SEO, Marketing, Experte, Unternehmer, Fachartikel, Vorträge“.

Bei dem Punkt Vertrauenswürdigkeit geht es um den eigentlichen Kern, den „User“. Welchen Zweck verfolgen der Autor, die Webseite und deren Inhalte?

Hierbei kommen alle Aspekte ins Spiel, die gute Webseiten von schlechten unterscheiden, wie Content-Qualität, UX, Design, Ladegeschwindigkeit, Informationsarchitektur, Sicherheit, Datenschutz, Transparenz etc.

Spannend? Dieser Artikel ist im suchradar #79 erschienen

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