Themenradar: Werden lokale Google-Listings kostenpflichtig?

Beitrag aus Ausgabe 78 / Juni 2019
SEO
Markus Hövener

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

Google überlegt, Google My Business mit optionalen kostenpflichtigen Features zu monetarisieren. Ist das das Ende der kostenlosen Listings in Google Maps?

Worum geht’s?

Wer mehr über die geplanten Änderungen erfahren möchte, kann das z. B. bei Search Engine Land nachlesen:

searchengineland.com/google-may-decide-to-charge-for-google-my-business-listings-316098

Malte Landwehr

VP Product, Searchmetrics

Kostenlose Listings werden auf keinen Fall aus Google Maps verschwinden. Genau wie das kostenlose Listing im Google Index sind sie die Basis für den Erfolg des Produkts. Ich bin überzeugt, dass Google versuchen wird, Dienstleistungen on-top zu verkaufen. Geschäftsmodelle wie Booking oder OpenTable haben gezeigt, dass viele Unternehmen bereit sind, eine Gebühr pro vermitteltem Gast zu zahlen. Ähnlich wird Google vorgehen. Zusätzlich gibt es natürlich viele Möglichkeiten, Werbung innerhalb der Profile ähnlicher Etablissements zu platzieren.

Julian Dziki

Geschäftsführer, Seokratie GmbH

Wäre ich bei Google, dann würde ich mir das auch einmal überlegen. Auf diese Weise könnte relativ leicht der Umsatz in ungeahnte Höhen schießen.

Die Risiken wären aber gleichzeitig sehr groß: Neben der Gefahr, dass man keine guten Ergebnisse mehr liefern könnte (wenn nur zwei Drittel der Unternehmen bezahlen, dann sind nicht mehr alle relevanten Unternehmen gelistet und die Suchergebnisse damit qualitativ schlechter), gäbe es auch erneute kartellrechtliche Probleme. Die gibt es ja schon seit Langem bei Google Shopping und nun würde man hier eine neue Front eröffnen.

Es ist aber schon auffällig, dass derzeit kaum noch etwas gegen Spam in den lokalen Suchergebnissen unternommen wird. Fake-Bewertungen und Fake-Listings florieren mehr als je zuvor. Vielleicht deswegen, weil sowieso bald alle lokalen Listings bezahlt sind?

Sven Deutschländer

Geschäftsführer, SEO Profi Berlin @ dskom GmbH

Seitdem das Ende von Google+ absehbar war, weit vor der offiziellen Mitteilung im Jahr 2018, wurde es spürbar: Google will mit Google Maps zukünftig deutlich mehr erreichen. Plötzlich tauchten für Firmen-Inhaber die Profilbeschreibungen wieder auf. Facebook-like können diese seither via Google My Business Beiträge posten, Events online stellen und Videos hochladen.

Auch für die Nutzer tut sich viel, so wurde z. B. das Local-Guide-Programm ins Leben gerufen. Maps-User sehen auch, wie voll es zu welcher Tageszeit in einem Restaurant ist und können über einen Follow-Button Fan ihres Lieblings-Restaurants werden. Mit dem „Für dich“-Tab hat nun jeder User sogar einen Newsfeed, der neben Restaurant-Empfehlungen auch Ausflugstipps enthält.

Google Maps wird (ist sogar schon fast) ein soziales Netzwerk mit mehr als 1 Milliarde Nutzern. Und wie jedes andere soziale Netzwerk auch wird es über kurz oder lang Werbeflächen zur Verfügung stellen.

Für ein Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht ist das nicht nur legitim, es gehört sich sogar so! Da macht Google keine Ausnahme. Das wird nicht das Ende kostenloser Listings bedeuten. Die kostenlosen Standard-Einträge werden sich aber mit Zusatz-Features aufpimpen lassen.

Ziel: Mehr Unterscheidung zum Wettbewerb für Unternehmen, die diese Angebote wahrnehmen. Da ist von Promoted Pins die Rede, von der Verifizierung von Kundenbewertungen oder auch der Buchung spezieller Werbeformate. Ich würde mir „on top“ auch noch Push-Meldungen an die Follower wünschen.

Fädelt Google dies alles clever ein, dann werden sich genügend lokal agierende Unternehmen finden, die diese Werbemaßnahmen zur Neukundengewinnung und Bestandskundenbindung einsetzen.

Matthäus Michalik

Gründer und Geschäftsführer, Claneo GmbH

Google My Business (GMB) stellt für viele Unternehmen mit lokalem Einzugsgebiet die wichtigste Möglichkeit dar, mit wenig Aufwand einen Großteil der Kunden zu generieren. Wir betreuen einige lokale Kunden, die über 50 % der Kunden auf der Website durch Google Maps/das Local Pack generieren. Das ist deutlich mehr als über die klassische organische Suche.

In Deutschland wird der Wert von GMB immer noch massiv unterschätzt. Wir zahlen lieber für Scam Branchenbücher ohne Besucher, verschwenden Zeit mit rein organischen Posts auf Facebook und vertrauen zu sehr auf Reichweiten statt auf Conversions.

Wenn Google My Business seine Pforten für „Pay to Win“ öffnet, sollte man das tun, was man bei jedem Umsatz- und ROI-starken Kanal tun sollte: Die neuen Features auf jeden Fall für sich ausprobieren, also die Performance der Paid Features anhand der internen Statistiken, der Websitebesucher sowie der Conversions über den eigenen Eintrag tracken. Die Kern-Features werden kostenlos bleiben.

Philipp Rodewald

Webbosaurus GmbH, Geschäftsführer

Die Bewertungen auf Google Maps sind bei der Hotel- und Restaurant-Recherche zur wichtigsten Quelle geworden. Auch bei anderen Unternehmen schauen die Kunden immer häufiger auf die Bewertungen – nicht zuletzt wegen der Maps-Integrierung in den SERPs. Sollte Google wie in den SERPs primär bezahlte Einträge darstellen, so würde nur ein Bruchteil der Unternehmen seine Google Maps-Bewertungen beobachten und die Einträge vernachlässigen, da sie nicht bereit sind, für das Listing Geld auszugeben. Auch die Nutzer würden immer weniger Bewertungen veröffentlichen – aus meiner Sicht ein Schritt in die falsche Richtung.

Ein spannendes Feature sehe ich in der Platzierung bei Konkurrenten, sofern es keinen Einfluss auf die Rankings der Einträge hat.

Christoph Pawletko

Teamleiter Content-Marketing, SEO-Küche Internet Marketing GmbH & Co. KG

Zunächst muss man abwarten, wofür Google genau Gebühren verlangen will. Die Umfrage deutet darauf hin, dass eher kostenpflichtige Zusatzfeatures kommen könnten und keine generelle Gebühr. Inwieweit die dann einen Vorteil bringen und auch in der Breite genutzt werden, wird die Zeit zeigen. Klar ist: Wo viel Wettbewerb herrscht, werden Konkurrenten jedes Mittel nutzen, das einen Vorteil bedeuten kann. Features, die den eigenen Eintrag bei Google Maps besser sichtbar machen, werden sicherlich sinnvoll sein, das zeigen Erfahrung aus Veränderungen bei Snippets.

Wenn die Kosten für einzelne Features im angekündigten Rahmen bleiben, diese aber mehr Kunden in ein Geschäft oder Conversions online bringen, dann werden diese schnell auch genutzt werden.

Hier könnte jedoch ein Verdrängungswettbewerb entstehen. Wenn sich die kostenpflichtigen Features in der Breite durchsetzen, werden sie von Usern als normal angesehen und „kostenlose Einträge“ könnten subjektiv als minderwertig oder weniger vertrauenswürdig eingeschätzt werden. Ein Schritt mehr in Richtung Abhängigkeit von Google.

Hannes Richter

Head of SEO, Clicks Online Business

Der Aufschrei ist immer groß, wenn tolle kostenlose Services kostenpflichtig werden oder kostenlose organische Reichweite beschnitten wird. Dabei ist Google nicht die Wohlfahrt und bietet mit Google My Business einen sehr hohen Mehrwert. Insofern wäre der Schritt nachvollziehbar. Wenn es soweit kommt, muss Google aber auch liefern: vernünftiger Support, Reaktion auf Rechtsverletzungen in den Google Rezensionen, Schluss mit Reputationsbeschädigungen durch unfaire Wettbewerber!

Daniel Frent

Junior SEO Consultant, eology GmbH

Aus meiner Sicht war das bisher komplett kostenlose My Business eine sehr unterschätzte Kundenquelle. Der lokale Traffic ist selten Star des Marketingreports und unterliegt einem gewissen ROPO-Effekt. Möglicherweise will Google mit der Aussicht auf ein zukünftiges Bezahlmodell ein wenig Werbung für das kostenlose Angebot machen.

Meiner Einschätzung nach wird das kostenfreie Modell weiterhin wie gewohnt verfügbar sein. Für Google ist dies immer noch die beste Möglichkeit, an lokale Daten zu gelangen.

Das zusätzliche Bezahlmodell wird vor allem für große Unternehmen mit Marketing-Know-how und einem Medienbudget interessant sein. Natürlich wird sich dann ein Vorteil für bezahlende Unternehmen ergeben, so wie es bisher bei Google Ads und Shopping der Fall war. Bedenkt man jedoch, dass der durchschnittliche Nutzer den Unterschied zwischen einer bezahlten und organischen SERP-Anzeige nicht kennt, wird die Suchmaschine kaum an Glaubwürdigkeit verlieren.

Thomas Ottersbach

Geschäftsführer, PageRangers GmbH

Ich denke schon, dass ausreichend viele Unternehmen von den kostenpflichtigen Zusatzleistungen profitieren könnten, bspw. wenn ein Kaufbutton innerhalb der Local Packs integriert werden würde.

Auch andere Services, die direkt oder indirekt Einfluss auf den Umsatz oder das generelle Anfrageaufkommen nehmen, wären sinnvolle Ergänzungen.

So ist es sicherlich denkbar und für Unternehmen durchaus attraktiv, fehlende lokale Sichtbarkeit über eine entsprechende Werbemaßnahme einzukaufen. Für die Unternehmen bleibt zu hoffen, dass Google die Veränderung auf Basis von zusätzlichen Premium-Features vollzieht und nicht einen ähnlichen Weg plant wie damals bei Google Shopping. Auch dieser Dienst war einige Zeit kostenlos und wurde im Jahr 2012 in Google AdWords (heute: Google Ads) kostenpflichtig integriert.

Uli Zimmermann

Geschäftsführer, eMinded GmbH

Google, der Dealer deines Vertrauens: Erst abhängig machen, dann kräftig kassieren. Wäre ja nicht das erste Mal, dass Google einen kostenlosen Service auf ein Bezahlmodell umstellt, wir erinnern uns an Shopping. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass Big G eine Art Freemium-Modell aufsetzt. Denn strategisch ist der Markt der kleinen Unternehmen noch nicht vollends erschlossen, hier ist noch einiges an Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit zu betreiben. Also warum nicht das Profil frei zugänglich machen, Telefonnummer oder Link zur Website bezahlen lassen?

Dass irgendwann auch die hoch frequentierten lokalen Ergebnisse monetarisiert werden, steht wohl außer Frage. Das „Wie“ lässt noch Interpretationsspielraum zu. Fragt sich nur, wie lange noch.

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Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 78 von Juni 2019 mit dem Titelthema „Das Online-Marketing-Glossar: Von Alt-Attribut bis Zielgruppe“.

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