Amazon Keyword-Analyse (Teil 2): Auf die richtigen Keywords setzen – Priorisierung und Einsatz der Suchbegriffe

Beitrag aus Ausgabe 78 / Juni 2019
SEO
Nico Erpel

ist seit drei Jahren bei der Online-Marketing-Agentur Projecter als SEO Specialist beschäftigt. Seinen Fokus widmet er der lokalen Suchmaschinenoptimierung und den Entwicklungen auf Amazon.

In der letzten Ausgabe wurden verschiedene Möglichkeiten der Keyword-Recherche vorgestellt und erklärt, wie dadurch eine umfangreiche Liste an Begriffen zusammengestellt werden kann. Im zweiten Teil wird gezeigt, wie man die erstellte Keyword-Sammlung weiterverarbeitet und wo die ausgewählten Keywords in der Produktoptimierung ihren Einsatz finden.

Serie: Amazon Keyword-Analyse

Erster Teil: Amazon-Algorithmus allgemein und Quellen für eine Keyword-Recherche

Zweiter Teil: Priorisierung der Keyword-Auswahl, Anwendung dieser sowie Ranking-Analyse

Um die passenden Suchbegriffe für Amazon-Produkte zu finden, gibt es eine Vielzahl an Recherche-Möglichkeiten. Kombinationen aus Begriffssammlungen, Exporte aus Keyword-Tools und weitere Recherchen können dann schnell zu einer unüberschaubaren Anzahl an Keywords führen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Ansätze zur Kategorisierung gefunden werden, um bei der Optimierung der einzelnen Produktseiten die richtigen Keywords mit einem hohen Suchinteresse und entsprechender Relevanz zu finden.

Der wichtigste Faktor bei der Wahl der Keywords ist die Relevanz. Passt der Suchbegriff nicht zum Produkt, dann besteht die Gefahr, dass die Abbruchrate aufgrund nicht erfüllter Erwartungshaltung des Nutzers steigt. Eine höhere Abbruchrate kann sich dann negativ auf die Rankings auswirken. Es ist demnach nicht empfehlenswert, durch rein suchvolumenstarke Begriffe Nutzer auf die eigenen Produktseiten zu leiten, wenn diese dann aufgrund des unbefriedigenden Suchergebnisses nicht kaufen.

Suchvolumen vs. Relevanz

Die besten Keywords für ein Produkt sind die, die relevant sind, ein hohes Suchvolumen aufweisen und im besten Fall verhältnismäßig wenig Konkurrenz mitbringen.

Kategorisierung und Priorisierung der Keywords

Nachdem über mehrere Recherche-Möglichkeiten eine Liste mit Keywords gesammelt wurde, sollte eine Struktur entwickelt werden, die später den Aufwand bei der Auswahl der Keywords minimiert. Im besten Fall wurden dabei mithilfe von Amazon SEO-Tools (z. B. ShopDoc, Amalyze, Sellics u. a.) die Suchbegriffe mit den Suchvolumen und der Wettbewerbsstärke als weitere Kennzahlen in der Keyword-Sammlung ergänzt (siehe Abbildung 1).

Das Suchvolumen ist ein Indikator für das Interesse an einem Produkt. Ist das Keyword für ein Produkt sehr relevant, wird aber kaum bis gar nicht von Nutzern gesucht, sollte nach alternativen Suchbegriffen recherchiert werden. Der Wettbewerb ist ebenfalls eine wichtige Entscheidungshilfe, da bei gering konkurrierenden Suchbegriffen die Wahrscheinlichkeit höher ist, auf der ersten Suchergebnisseite zu landen.

Als Zusatz können die Suchvolumen vom Google Keyword-Planer hinzugenommen werden, um bei der Keyword-Wahl zu unterstützen. Wenn ein Suchbegriff (z. B. „schnittmuster shirt damen“) ein sehr geringes Suchvolumen auf Amazon aufweist, aber ein hohes bei der Google-Suche, dann sollte dieses Keyword dennoch bei der Produktoptimierung berücksichtigt werden. Denn so können Nutzer, die nicht mit Amazon, sondern mit Google suchen, auf die Amazon-Produkte aufmerksam gemacht werden (siehe Abbildung 2).

Thematisches Clustern der Keyword-Liste

Neben den Kennzahlen ist eine thematische Kategorisierung der Keywords sinnvoll, um einen besseren Überblick zu bekommen. Hierfür werden die Keywords nach Themen (z. B. Zielgruppe, Geschlecht, Kleidungsart usw.) gefiltert und in separaten Tabellen-Spalten kategorisiert. Die zusätzlichen Spalten mit den einzelnen Themen sind in diesem Sinne sinnvoll, da daraus später eine nützliche Pivot-Tabelle erstellt werden kann. Mit der Pivot-Tabelle lassen sich dann verschiedene Übersichten erstellen, um somit schneller relevante Keywords mit ihren Kennzahlen für ein Produkt zu recherchieren (siehe Abbildung 3).

Long-Tail- vs. Short-Tail-Keywords

Nach einem kurzen Blick auf die Keyword-Liste mit ihrem Suchvolumen fällt schnell ein Zusammenhang auf. Kurze Keywords, auch Short-Tail-Keywords genannt, weisen oft ein hohes Suchvolumen und zudem eine starke Konkurrenz auf (z. B. „schnittmuster kleid“ hat ein sehr hohes Suchvolumen und weist 3 000 Produktergebnisse auf). Long-Tail-Keywords – also Suchbegriffe mit mehr als zwei Wörtern – haben den Vorteil, dass sie weniger umkämpft sind, aber auch ein geringeres Suchvolumen aufweisen (z. B. „schnittmuster etuikleid damen“ mit geringem Suchvolumen und 687 Konkurrenz-Produkten).

Eine Konzentration auf einen Typ von Keywords ist nicht zu empfehlen. Bei der Wahl von Short-Tail-Keywords werden zwar oft viele Produktaufrufe generiert, aber im Verhältnis kaufen die Nutzer weniger. Bei kurzen Suchbegriffen ist der Spielraum für die Suchintention größer. Sucht ein Nutzer nach „iPhone“, wird nicht unbedingt das Smartphone gesucht, sondern vielleicht eher Zubehör zum Smartphone. Je spezieller der Suchbegriff ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Nutzer auch kauft, da die Intention hinter der Suche besser verstanden werden kann.

Zusammengefasst ist es ratsam, eine Balance zwischen beiden Typen von Keywords zu finden. Des Weiteren sollte die Suchintention zu den ausgewählten Keywords hinterfragt werden. Was könnte der Nutzer meinen, wenn er nach etwas sucht? Passt der Begriff zu meinem Produkt und erfüllt es die Erwartungshaltung des Nutzers?

Einsatz der Keywords bei der Produktoptimierung

Nachdem die Keyword-Sammlung und -Priorisierung einen guten Überblick gibt, welche Suchbegriffe für die eigenen Produkte relevant sind, sollte nun jedes Produkt auf diese individuell optimiert werden. Bevor die Inhalte der Produktseite angepasst werden, sollte eine Priorisierung der Produkte vorgenommen werden. Oft sind es hunderte Produkte, die optimiert werden müssen. Da ist es sinnvoll, diese nach dem Potenzial hinsichtlich der Verkäufe zu sortieren.

Mithilfe eines Amazon SEO-Tools lassen sich für die eigenen Produkte Werte für den Optimierungsgrad exportieren (bei ShopDoc ist es z. B. das Optimierungslevel). Hierbei wird über alle relevanten Amazon SEO-Faktoren hinweg ein Mittelwert gebildet. Somit lassen sich die Produkte nach ihrem Optimierungspotenzial sortieren (siehe Abbildung 4). Als zweite Kennzahl kann z. B. die Anzahl der verkauften Produkte genutzt werden. Produkte, die ein hohes Verkaufspotenzial aufzeigen, aber schlecht optimiert sind, sollten demnach zu Beginn angepasst werden, um das Potenzial nach der Optimierung auszuschöpfen.

Keyword-bezogene Optimierungsfaktoren

Nachdem die relevanten Keywords recherchiert und die zu optimierenden Produktseiten priorisiert wurden, geht es an die Umsetzung. Die Keyword-relevanten Optimierungsfaktoren sind: Title, Bullet Points, die hinterlegten Keywords und die Beschreibung des Produkts. Wie auch beim klassischen SEO haben manche Faktoren mehr Gewicht als andere (siehe Abbildung 5). Amazons Gewichtung ist bei den Experten zum Teil umstritten. Dennoch ist davon auszugehen, dass Keywords im Title und in den Bullet Points die höchste Relevanz für das Ranking haben, gefolgt von den Hidden Keywords und der Produktbeschreibung.

Title und Bullet Points

Da Title und Bullet Points den größten Einfluss auf die Rankings haben, sollten dort die relevantesten Suchbegriffe aus der Keyword-Recherche platziert werden.

Es gibt ein paar Aspekte, die bei der Erstellung der Inhalte zu beachten sind. Die empfohlene Länge des Titles liegt bei 120 Zeichen. Die wichtigsten Fakten sollten dabei möglichst am Anfang platziert werden, da in der mobilen Darstellung nur 75–85 Zeichen dargestellt werden. Der Title sollte zudem den Markennamen zur Förderung der Wiedererkennung aufgreifen sowie die wichtigsten Fakten zum Produkt aufführen.

Bei den Bullet Points handelt es sich um bis zu fünf Stichpunkte unter den Preisinformationen des Produkts. Die ersten drei sind dabei die wichtigsten, da mobil oft nur drei Stichpunkte angezeigt werden. Pro Bullet Point sollten nicht mehr als 15 Wörter verwendet werden. Idealerweise greifen diese relevante Produktinformationen auf und beantworten die häufigsten Fragen der Käufer. Darüber hinaus sollten die Stichpunkte wichtige Keywords aufnehmen, die im Title noch nicht vorkommen (siehe Abbildung 6).

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Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 78 von Juni 2019 mit dem Titelthema „Das Online-Marketing-Glossar: Von Alt-Attribut bis Zielgruppe“.

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