Der Online-Marketing-Stundenplan für Content-Marketing

Beitrag aus Ausgabe 76 / Februar 2019
Online Marketing
Andreas Schülke

ist Head of Content-Marketing bei der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

Von der Entwicklung der langfristigen Strategie über regelmäßige Redaktionssitzungen und die Abstimmung des Redaktionskalenders bis hin zur tagtäglichen Erstellung von Inhalten – im Content-Marketing gibt es viele Aufgaben, die in unterschiedlichen Intervallen erledigt werden sollten.

Bei der Priorisierung sollte die strategische Planung immer Vorrang vor allen anderen Maßnahmen erhalten. Verinnerlichen lässt sich die daraus folgende Hierarchie anhand folgender Fragen an die eigene Tätigkeit:

  1. Warum tun wir das?
  2. Wie tun wir das?
  3. Was genau tue ich heute?

Die hier vorgeschlagenen Zyklen für die jeweiligen Aufgaben sind keineswegs in Stein gemeißelt. Vielmehr sollten sie an individuelle Prozesse und Teams im jeweiligen Arbeitsumfeld angepasst werden.

Jährliche Planung: Content-Marketing-Strategie

Die strategische Planung kann im Content-Marketing in der Regel im jährlichen Rhythmus sinnvoll durchgeführt werden. Der wichtigste Schritt dabei ist die Definition von Zielen, die sich aus den Unternehmenszielen ableiten und realistisch mithilfe von Content-Marketing erreichen lassen.

Content-Marketing-Ziele sollten möglichst präzise und langfristig formuliert sein: Welcher Wert wird wann wie von wem gemessen und mit welchem Wert verglichen? Welches Ergebnis wird als Erfolg definiert? Welches als Misserfolg? Gab es schon für das Vorjahr eine fundierte Content-Marketing-Strategie, sollte diese im Rahmen der jährlichen strategischen Planung evaluiert werden.

Oft lassen sich durch diese Beurteilung der Zielerreichung oder das Errechnen der Rendite (auch „ROI“) allein keine aussagekräftigen Schlüsse ziehen, was in Zukunft verändert werden sollte. Daher kann ein umfangreicherer Content Audit (https://blog.bloofusion.de/content-audit/) nützlich sein, der dann idealerweise vor bzw. im Rahmen der Entwicklung der Content-Marketing-Strategie durchgeführt wird. Auch Umfragen beim Publikum, Zielgruppen-Analysen oder gar Erkenntnisse aus der Marktforschung sollten hier einfließen, sofern vorhanden.

Monatliche Termine

Monatlich oder wöchentlich können die Steuerung des Content-Teams und die grundsätzliche Arbeitsaufteilung und Ressourcenplanung vorgesehen werden – je nach Größe des Teams und Dynamik bei der Planung und Erstellung von Inhalten.

Redaktionssitzung

Im Rahmen der Redaktionssitzung sollten mindestens drei Punkte auf den Tisch kommen.

  1. Rückschau auf den vorherigen Monat:
    Die vorgesehenen Ziele und ihre Erreichung werden hier besprochen, wenn das nach einem Monat schon möglich ist. Bei langfristigeren Zielen sollte sich die Rückschau nicht auf den direkt vorangegangenen Monat beziehen. Manchmal werden sich aus dieser Rückschau schon kurzfristige kleinere Korrekturen an der Content-Marketing-Strategie ergeben.
    Tipp: Lob immer gerne öffentlich äußern, Kritik zunächst nur privat und erst nach Zustimmung der/des Betroffenen als „Teachable Moment“ der ganzen Redaktion vermitteln.
  2. Themenplanung für die Periode zwei bis drei Monate nach dem Meeting:
    Der Redaktionskalender wird in Absprache mit den vorgesehenen Themen befüllt und Verantwortlichkeiten werden verteilt (https://blog.bloofusion.de/redaktionsplanung-fuers-content-marketing-tipps-und-tools/). Die jeweiligen Ziele für einzelne Content-Stücke werden definiert.
    Tipp: Genügend Pufferzeiten im Redaktionskalender für spontane Themen vorsehen. Nur die eigene Erfahrung wird zeigen, wie viel davon in einem durchschnittlichen Monat gebraucht wird.
  3. Review des Redaktionskalenders für den direkten Folgemonat:
    Zuletzt sollte noch besprochen werden, wie der aktuelle Stand bei den Projekten ist, die zur Veröffentlichung im kommenden Monat vorgesehen sind: Gibt es Hindernisse, die gemeinsam überwunden werden können? Welche Ressourcen werden benötigt bzw. wie werden sie zwischen den verschiedenen Projekten aufgeteilt (Recherche, Text, Design, Fotografie)?

Content Seeding

Ein Mindestmaß an Arbeitszeit (bzw. Budget für die Auslagerung) sollte in jedem Monat für die proaktive Kontaktaufnahme zur Verbreitung der erstellten Inhalte vorgesehen sein (https://blog.bloofusion.de/content-seeding-was-ist-das-und-wie-geht-das/).

Tägliche To-dos

Aufgaben von entscheidender Wichtigkeit gibt es auf täglicher Basis gar nicht so viele im Content-Marketing. Womöglich lauert die eine oder andere Deadline während der Woche, doch diese kommen ja nie überraschend. Je nach Geschäftsfeld sind Content-Themen schnelllebiger. Unter Umständen sollte hier ein guter Prozess etabliert werden, damit aktuelle Nachrichten, die von ihrer Exklusivität und Neuheit leben, schnell veröffentlicht werden können.

Branchen-News, Konkurrenz-Check, Google Alerts

Bei der laufenden Themenrecherche lohnt es sich, relevante Publikationen und Portale in der eigenen Branche im Auge zu behalten. Gleichermaßen gilt das für Konkurrenten, die regelmäßig Inhalte veröffentlichen. Damit man nichts verpasst, kann es hilfreich sein, Google Alerts für die wichtigsten Begriffe anzulegen, um stets mit einer Nachricht über neuen Content informiert zu werden. Gibt es etwas interessantes Neues, kann entweder spontan einer der Puffer-Slots im Redaktionsplan damit gefüllt werden oder die Themenidee wird in der nächsten Redaktionssitzung vorgestellt.

Eingehende Anfragen, Content-Klau, Erwähnungen

Wer gerade erst mit Content-Marketing begonnen hat, wird sich vielleicht wundern. Tatsächlich machen sich gute Inhalte irgendwann auch dadurch bemerkbar, dass Anfragen für Kooperationen ankommen und die Inhalte zitiert bzw. leider auch unerlaubterweise kopiert werden. Anfragen sollten möglichst zeitnah beantwortet werden. Zitate, Content-Klau und Erwähnungen der eigenen Marke lassen sich gut Tool-basiert überwachen. Hier sollte ebenfalls möglichst rasch eine Reaktion erfolgen, sobald eine automatisierte Meldung eingeht, die das erfordert.

Kreation, Delegation, Kommunikation

Ein großer Teil des Content-Marketing-Alltags fließt neben Themenrecherche und Seeding in die Erstellung von Inhalten. Vieles davon wird nicht vom Content-Marketing-Manager selbst erledigt werden, sondern von einem individuellen Team aus Inhouse-Kreativen und anderen Kollegen, Freelancern und Agenturen. Neben der eigenen Arbeit am Content spielt hier also das Management in der Regel die größere Rolle – wie die Berufsbezeichnung schon vermuten lässt.

Fazit

Der Arbeitsalltag im Content-Marketing bildet lediglich die absolute Basis, um einer übergeordneten Strategie zu folgen. Sonst wird durch den täglichen Fleiß wenig mehr erreicht, als es ein Hamster im Laufrad schafft. Der Unterschied zwischen kalkulierbarem Erfolg und ängstlichem Bangen steckt in der regelmäßigen, langfristigen Planung.

Spannend? Dieser Artikel ist im suchradar #76 erschienen

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