Google My Business: Mehr als Unternehmensprofile

Beitrag aus Ausgabe 76 / Februar 2019
SEO

Iso Feldmann arbeitet seit über fünf Jahren bei Dept in Zürich (vormals Yourposition AG) und berät als Senior Project Manager Unternehmen in Webprojekten zu SEO-Strategie, Local & Technical SEO.

Agentur: Dept

Google My Business hat sich in den vergangenen Monaten enorm entwickelt. Das Tool bietet neue Funktionen und pusht die Aktivitäten von Standort-Inhabern und -Besuchern. Ein Überblick.

Um mit den eigenen Unternehmensstandorten auf Google Maps und in der Google-Suche gefunden zu werden (z. B. „Möbelhaus XY“ oder „Möbel Zürich“), ist Google My Business unverzichtbar. Denn hier können die Daten zu den Filialen verwaltet werden. Grundsätzlich ist es nur erforderlich, die Standorte in Google My Business mit den wichtigsten Informationen wie Firmenname, Branche (Business-Kategorie), Öffnungszeiten und Web-Adresse auszustatten und von Google freigeben zu lassen. Natürlich bestehen diverse Optimierungsmöglichkeiten.

Neuerungen

Zahlreiche Neuerungen in Google My Business bieten attraktive Möglichkeiten, Informationen bereitzustellen und mit Kunden in Kontakt zu treten. Verschiedene Chancen sind in den letzten Monaten hinzugekommen – aber auch Herausforderungen:

  • Unternehmensinformationen & Funktionen: Google erweitert laufend die Möglichkeiten, die Unternehmensdaten auf den Standortprofilen zu präsentieren. Neue Funktionen für Standortinhaber, aber auch für User werden zur Verfügung gestellt.
  • Interaktivität: Waren Standortprofile lange relativ statische Einträge, sind immer mehr Interaktionen mit potenziellen Kunden möglich.
  • Verwaltung von größeren Unternehmenskonten: Gerade für Unternehmen mit vielen Standorten ist die Verwaltung der Daten in Google My Business nicht immer einfach. Unter anderem mit dem Google My Business App-Update vom November 2018 (siehe https://www.blog.google/outreach-initiatives/small-business/new-google-my-business-app/) stehen hilfreiche neue Features zur Verfügung.

Ob Kleinunternehmen mit einer Filiale oder internationaler Konzern mit mehreren hundert Niederlassungen – die nachfolgenden neuen Features sollte man beim Managen von Standorten auf Google My Business in Betracht ziehen.

Unternehmensinformationen

Standortinhaber können im Verwaltungs-Interface von Google My Business verschiedene Informationen und Medien hinterlegen (siehe https://support.google.com/business/answer/3039617?hl=de). In den letzten Monaten kamen zahlreiche Neuerungen hinzu.

Beschreibung des Unternehmens

Dieses Feature gab es früher schon einmal, dann wurde es Anfang 2018 neu lanciert: Die vom Unternehmen bereitgestellte Beschreibung wird im Knowledge Panel direkt angezeigt. Auf max. 750 Zeichen (initial werden knapp 250 Zeichen angezeigt, der Rest lässt sich ausklappen) können für Suchende nützliche Informationen präsentiert werden (siehe Abbildung 1).

Videos

Neben Bildern sind neu auch Videos mit einer Länge von bis zu 30 Sekunden erlaubt. Die Videos sind auf Google Maps am selben Ort wie die Bilder sichtbar und lassen sich auch für Google My Business-Posts verwenden (siehe nachfolgend).

Service-Menü

Seit einiger Zeit können Restaurants die eigene Speisekarte direkt in Google My Business bereitstellen. Neuerdings ist es für weitere Branchen möglich, eigene Service-Angebote und deren Preise direkt im Standortprofil zu hinterlegen (siehe Abbildung 2). Explizit neu verfügbar ist das Feature für Unternehmen aus dem Bereich „Health & Beauty“. Mit dem Google My Business App-Update vom November 2018 sind die sogenannten Menu Links für Gastronomie-Standorte einfach zu verwalten.

Attribute

Attribute sind Eigenschaften der Standorte, welche auf den Listings in Google Maps eingeblendet werden. Attribute können bspw. Informationen zur Barrierefreiheit des Unternehmensstandortes sein oder bei Restaurants Fragestellungen wie „Gibt’s vegetarische Gerichte?“ oder „Ist es OK nur Getränke zu bestellen?“ (siehe Abbildungen 3 und 4).

 

Einerseits können die Inhaber von Standorten selbst Attribute hinzufügen. Die möglichen Attribute hängen von der Unternehmens-Kategorie/Branche des Unternehmensstandortes ab – mögliche Attribute sind im Verwaltungsinterface vorgegeben. Zusätzlich können User ebenfalls Feedback zu Eigenschaften des Standortes einreichen. Letzteres wird in Google Maps durch Google stark gefördert – nicht zuletzt auch mit dem Programm Google Local Guide.

Google Local Guides

Google Local Guides (https://maps.google.com/localguides) ist ein Programm von Google mit dem Ziel, Rückmeldungen von Nutzern zu erhalten – insbesondere Sterne-Bewertungen und Text-Rezensionen. Die Teilnehmenden – die Local Guides – werden aktiv nach Unternehmensinformationen gefragt, um für Maps Informationen anzureichern und Informationen zu Eigenschaften zu bestätigen (Attribute). Local Guides können mit Feedbacks Punkte verdienen, an Events teilnehmen und sich selbst mit dem eigenen Account profilieren (siehe Abbildung 5).

Einzugsgebiet und Neueröffnung

Unternehmen, die ein begrenztes Liefergebiet haben oder Services bei Kunden vor Ort bieten, konnten bisher den Radius ihres Liefer- und Service-Gebietes hinterlegen. Neuerdings muss immer eine Postleitzahl, eine Stadt o. ä. als Einzugsgebiet (siehe https://support.google.com/business/answer/9157481?hl=de) ausgewählt werden. Unternehmen, die an einem Standort keine Kunden bedienen, können nun die betreffende Adresse in Google Maps verbergen.

Für Standorte, die erst noch eröffnet werden, können Unternehmen jetzt bereits vorab die Werbetrommel rühren und auf den Eröffnungstermin hinweisen (siehe https://support.google.com/business/answer/9174409).

Interaktivität

Neue Features in Google My Business gehen über das bloße Bereitstellen von Informationen durch die Standortinhaber hinaus. Mehr und mehr sind User auch direkt darin involviert, welche Informationen in den Einträgen ersichtlich sind. Unternehmen werden angeregt, auf My Business laufend Beiträge zu publizieren und mit Usern direkt via My Business in Kontakt zu treten.

Fragen und Antworten

Bereits 2017 eingeführt, haben sich die „Fragen und Antworten“ fest in den My Business-Ergebnissen eingenistet (siehe Abbildung 6). Die Idee: User können Fragen zum Unternehmen stellen, welche sodann vom Unternehmen selbst oder durch andere User, die das Unternehmen kennen, beantwortet werden. Mittlerweile sind vielerorts Fragen eingereicht worden – aber von den Unternehmen noch nicht beantwortet. Dies mag damit zusammenhängen, dass Standortinhaber bei neu gestellten Fragen bis anhin keine E-Mail-Benachrichtigung erhalten. Momentan müssten Standortinhaber alle Q&As laufend einzeln manuell prüfen, um keine neuen Kundenfragen zu verpassen, was insbesondere für Unternehmen mit vielen Standorten eine Herausforderung ist. Erst gegen Ende 2018 wurde die Möglichkeit geschaffen, in der aktualisierten API von Google My Business (Version 4.3) die Fragen und Antworten zu einzelnen Standorten abzufragen.

Posts

Beiträge (Posts, siehe https://support.google.com/business/answer/7342169?hl=de) bieten Unternehmen die Möglichkeit, kurze Beiträge zu Events, Angeboten und Produkten mit Text, Bild oder Video sowie einem Call-to-Action-Button auf Google My Business zu erfassen und Usern anzeigen zu lassen (siehe Abbildung 7). In der Desktop-Suche erscheinen die Posts beim eigenen Knowledge Panel, auf Mobile sind diese in der Kartenansicht verfügbar. Mit Posts wird Google My Business zu einem Kanal, über den User regelmäßig auf Neuigkeiten hingewiesen werden können.

Folgen-Funktion

Ergänzend zu den Posts wurde für User neu die Möglichkeit geschaffen, Neuigkeiten von Standorten zu abonnieren. Die Folgen-Funktion (Follow-Button, siehe https://www.blog.google/products/maps/fresh-ways-stay-date-your-favorite-places-and-find-new-ones/) wird zurzeit noch ausgerollt. Die Funktionalität wird für mobile User auf den Maps-Einträgen von Standorten verfügbar sein.

Messaging

Ein weiterer Schritt in Richtung mehr Kundeninteraktion schafft das Update an der App Google My Business für iOS und Android. Neben Verbesserungen an den Bearbeitungsfunktionen und der Anzeige von Analytics-Daten zu den Standorten können neuerdings auch hier Posts erstellt werden. Für neue Kundenreviews gibt es in der App Benachrichtigungen. Die größte Neuerung dürfte aber der Messagingdienst sein: Ist das Feature in der App aktiviert, können mobile User via Maps-Eintrag einen Chat mit dem Unternehmen starten. Der Inhaber wird via App informiert und kann im Chat antworten.

Buttons für Termin-Buchungen

Mittlerweile global ausgerollt sind auch die Buchungs-Buttons. Unternehmen können zugelassene Buchungssoftware ans Google My Business-Profil anbinden. Vorteil: Es erscheint ein Booking-Button (siehe https://www.blog.google/outreach-initiatives/small-business/easy-booking-button-businesses-google/) im Listing von Google My Business, mit welchem User direkt einen Termin reservieren können (siehe Abbildung 2).

Produkte

Es ist damit zu rechnen, dass in Kürze das neue Feature „Produkteditor und Produktkatalog“ (siehe https://support.google.com/business/answer/9124203?hl=de) ebenfalls für alle relevanten Unternehmensstandorte freigegeben wird, mit dem einige Eigenprodukte in den eigenen Google My Business Listings abgebildet werden können.

Für kleinere Unternehmen

Viele dieser Neuerungen sind für kleinere Unternehmen mit einem oder wenigen Standorten sehr einfach nutzbar. Google bietet inzwischen neben einem Basiseintrag eine ganze Reihe von Möglichkeiten – vom Website Builder (https://www.google.com/intl/de_ch/business/how-it-works/website/) über Produktpräsentation, Reservierung, Kundeninteraktion bis zum jüngst lancierten Gimmick Small Thanks (https://smallthanks.withgoogle.com/), mit welchem Unternehmen sehr einfach kleine Creatives für Google Posts, Social Posts sowie kleinere Drucksachen erstellen können.

Verwaltung von Unternehmenskonten

Für Unternehmen mit vielen Standorten sind unter den Neuerungen folgende besonders interessant: Erstens die neuen Google Posts, mit denen sich Promotionen und Events bewerben lassen. Zweitens der Messagingdienst, der einem Customer Care Center eine kostenlose Möglichkeit bietet, via Chat Kundenanfragen zu beantworten – direkt via Google My Business-App. Beim User-Rechtemanagement und der API sind weitere Neuerungen vorhanden, die gerade für Verwalter größerer My Business-Konten spannend sind.

Zusammenarbeit mit Agenturen

Die Zusammenarbeit von Unternehmen und Agenturen ist jetzt seitens Google My Business genauer geregelt (siehe https://support.google.com/business/answer/9199701?hl=de). Für Agenturen ist eine neue Verwaltungsoberfläche vorhanden und das User-Rechtemanagement ist jetzt weit differenzierter.

Google My Business API

Es stellt sich die Frage, wie der zunehmenden Interaktivität auf My Business begegnet werden kann. Die API bietet Unternehmen die Möglichkeit, eine Massenverarbeitung beim Lesen und beim Schreiben von My Business-Daten vorzunehmen – seit dem API-Update im November 2018 auch zum Feature „Fragen und Antworten“. Dies erleichtert es enorm, auf Benutzerfragen und Feedbacks zeitnah zu reagieren. Damit ist die API für Unternehmen mit vielen Standorten ein wichtiges Instrument geworden, um am Puls der User-Signale bleiben zu können.

Fazit

Google My Business bietet weit mehr als nur Unternehmensprofile. Features wie der Website Builder, Posts, Messaging, Follow- und Booking-Buttons bieten auch Interaktion statt ausschließlich Information. Standortinhaber können davon in vielfältiger Weise profitieren. Unternehmen mit vielen Standorten sind durch die kommunikativen Ansprüche von Plattform und Benutzern stark gefordert – hier können die App sowie die API von Google My Business Abhilfe schaffen.

Spannend? Dieser Artikel ist im suchradar #76 erschienen

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