Themenradar: Rückblick, Ausblick und Einblick

Beitrag aus Ausgabe 75 / Dezember 2018
Online Marketing
Markus Hövener

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

Was meinen die Online-Marketing-Vordenker? Was war in diesem Jahr die wichtigste Änderung/Neuerung? Gibt es ein Thema, das man 2019 definitiv verfolgen sollte?

Martin Witte

CEO, Online-Profession GmbH

2018 galt im Vorfeld als das Jahr von AMP und DSGVO – aber nun kurz vor Ende des Jahres muss man feststellen, dass sowohl AMP als auch DSGVO zwar mit viel Brimborium angekündigt wurden, am Ende aber im Tagesgeschäft nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben.

Für 2019 erwarte ich eine noch engere Vernetzung der einzelnen Online-Marketing-Disziplinen, weg von der Betrachtung der einzelnen Kanäle hin zu einer holistischen Gesamtbetrachtung und stärkeren Vernetzung der verschiedenen Kanäle sowie einen deutlich höheren Fokus auf Videos und Video-Advertising.

Maik Bruns

Inhaber, Metrika e. K.

Bei den nach wie vor in puncto Daten wenigen aufgeklärten Unternehmen spielt die Analyse eine wesentliche Rolle. Daraus ergibt sich in vielen Fällen der Bedarf, zentrale Positionen zu schaffen, die sich nicht nur der Daten bedienen, sondern sie gleichsam im Unternehmen verfügbar machen (Daten-Demokratisierung) und mit hoher Qualität ausrüsten.

Positionen wie der Chief Data Officer (CDO) oder der Chief Analytics Officer (CAO) sind mitunter auf Vorstandsebenen zu finden und ziehen Positionen nach sich, die eben nicht nur Analysen betreiben, sondern auch für weitere Daten-Demokratisierung und sauberes Tracking sorgen, wie etwa Tagging Manager. Mit ihrer Hilfe werden datenbeeinflusste oder gar datengetriebene Unternehmen zunehmend in der Lage sein, ihre Optimierungsstrategien voranzutreiben und sich von etlichen Wettbewerbern abzugrenzen.

Einzig die Herausforderung, entsprechende Fachkräfte zu finden, bremst das System mitunter noch stark. Insofern steht und fällt vieles mit dem Auffinden eines passenden Kandidaten/einer passenden Kandidatin, der/die im Zweifel selbst „herangezüchtet“ werden muss.

Magdalena Meus

Geschäftsführerin, CLANEO GmbH

Im SEO war definitiv die Umstellung seitens Google von einem reinen Desktop- auf einen Mobile-Index im März dieses Jahres am bedeutendsten. Googles Mobile-First-Index bewertet nunmehr die mobile Version einer Webseite und zieht diese zur Berechnung des Rankings heran. Da Google die Website-Betreiber seit Jahren für das Thema „Mobile“ sensibilisiert hat, blieben große Verluste aus.

Ein weiteres Thema, das die letzten zwölf Monate stetig an Relevanz gewann, ist „Voice Search“. Zwar sind die Anwendungsfelder noch überschaubar; aber die Möglichkeit eines Featured Snippets, das bei der Sprachsuche vorgelesen wird, haben bspw. viele Unternehmen als Chance erkannt und ihre Inhalte noch stärker darauf ausgelegt, dass sie sich für Featured Snippets eignen. Die Themen „Mobile“ und „Voice“ werden auch 2019 zentrale Rollen spielen, da die Smartphone-Nutzung weiterhin stark zunimmt.

Unternehmen sollten sich von neuen – zum Beispiel technischen – Entwicklungen und Trends nicht verunsichern lassen. Solange sie ihre Websites für ihre Kunden und nicht für die Suchmaschinen optimieren, können Unternehmen nur gewinnen.

Marco Janck

CEO, SUMAGO GmbH

Ich hatte in diesem Jahr drei Themen aus dem Bereich SEO & Content-Marketing im Fokus. Die Strukturierung von holistischen Landingpages: Sie funktionieren grundsätzlich sehr, sehr gut. Durch die massive Länge müssen aber andere Strukturformen gefunden werden. Das zweite Thema war Bilder SEO: Wie Bilder SEO das organische normale Ranking aktuell pusht, ist grandios. Und das dritte große Thema war Content Distribution.

Julian Dziki

Geschäftsführer, Seokratie GmbH

Es gibt viele Trends, die viele Unternehmen noch nicht auf dem Schirm haben – da schließe ich mich selbst nicht aus. Was wir bei Seokratie 2018 intensiv neu begonnen haben, sind mehrere Dinge: Erstens Video-Marketing, weil das immer noch stark unterschätzt wird. Video-Marketing in Kombination mit Ads (auf Facebook oder YouTube) hat derzeit einen gewaltigen ROI.

WhatsApp-Marketing hat gefühlt noch niemand auf dem Schirm, obwohl knapp 90 % der Bevölkerung in Deutschland die App nutzen.

Mich ärgert außerdem das Content-Marketing vieler Online-Marketer, das in die immer gleiche Kerbe schlägt, anstatt einmal kreativ zu sein. Da ist noch sehr viel Luft nach oben!

Wolfgang Jung

Geschäftsführer, team digital GmbH

Neben den Klassikern wie der DSGVO-Problematik, der Künstlersozialabgabe, der unsäglichen Debatte um die Digitalisierung in diesem Land beschäftigen mich oft grundsätzliche Dinge. Ich wundere mich immer wieder, wie wenig „Basics“ in den Unternehmen bekannt sind. Das betrifft das gesamte Spektrum des Online-Marketing. Da ich eher im SEO-Segment unterwegs bin, fokussiere ich natürlich speziell darauf. Dort sind immer noch die einfachsten „Hausaufgaben“ nicht bekannt, geschweige denn erledigt. Auf der einen Seite wird gelerntes Wissen (dachte ich) nicht konsequent umgesetzt, auf der anderen Seite steht dieser enorme Innovationsschub mit AR, KI und der Sprachsteuerung. In diesem Dilemma befindet man sich als Fachmann und als Agentur. Du diskutierst mit Kunden über „OnPage-Faktoren“, die seit vielen Jahren bekannt sind und einfach nur erledigt werden müssten, auf der anderen Seite nimmt die Technik an allen Rändern des Online-Universums rasant Fahrt auf und „die CEOs“ möchten am liebsten morgen „bei Alexa“ auf Platz 1 sein. Und dann ist da noch die Empathie-Ebene. Online-Marketing, Marketing und unternehmerisches Handeln insgesamt sind eben nicht nur „Malen nach Zahlen“, sondern immer auch von Leistungsbereitschaft, Enthusiasmus und, ja, auch von jeder Menge Arbeit geprägt. Die Diskussionen darum finde ich allerdings überflüssig.

Natürlich ist ein guter Redakteur per se nah an WDF/IDF, um dieses Beispiel zu bemühen. Kann er deshalb durch eine Überprüfung seine Arbeit nicht noch etwas besser machen? Ich glaube doch, das kann er, so what? Dass es für eine Marke heute grundsätzlich wichtiger denn je ist, sich in diesem Online-Universum zu etablieren und präsent zu sein, wenn der potenzielle Kunde nach Produkten oder Dienstleistungen sucht, setzt sich zunehmend in den Köpfen der Verantwortlichen durch. Das nehme ich so wahr und das ... stimmt mich optimistisch und motiviert mich ungemein.

Martin Mißfeldt

Künstler, DUPLICON

Aus meiner Sicht nutzen immer noch viel zu wenige die Möglichkeiten des Bilder-SEO. Aber darüber hinaus: Im Jahr 2018 hat Google konsequent die „User-Intention“ vorangetrieben. Die „künstliche Intelligenz des Algorithmus“, die Google seinerzeit als „RankBrain“ vorgestellt hatte, hat sich mit zahlreichen (unknown oder Phantom-)Updates in den Suchergebnissen bemerkbar gemacht. Diese Veränderungen sind kaum noch berechenbar.

Suchmaschinenoptimierung 2019 bedeutet im Grunde nur noch: Biete den Usern den besten Content.

Thomas Kilian

Agenturleiter, Thoxan GmbH

Bei Fragen nach Änderungen, Neuerungen und dem „richtig heißen Scheiß“ vergessen viele die „Basics“. Deshalb möchte ich einfach daran erinnern, dass es auch 2019 auf eine eindeutige „Positionierung“, eine „Sichtbarkeit“ bei der relevanten (!) Zielgruppe und vor allem „Kontinuität“ ankommt. Wer dauerhaft online erfolgreich sein will, braucht eine saubere Strategie, muss seine Kunden lieben, darf mit kreativen Ansätzen überraschen, weiß Qualität zu schätzen und bringt langen Atem mit. Das zeigt sich beim Aufbau von (holistischen) Landingpages ebenso wie bei Facebook-Kampagnen, SEO-Strategien oder der Gestaltung eines „einfachen“ Kontaktaufnahme-Formulars. Viele würden gut daran tun, statt der neuesten Sau durchs Dorf zu folgen, ihre bisherigen Online-Aktivitäten zu hinterfragen: Wie kann ich das für die Nutzer noch besser machen? Wie bringe ich Emotionen ins Netz? Welche Trigger kann ich setzen? Was lässt sich vereinfachen? Was wünscht sich meine Zielgruppe wirklich? Wo muss ich mir noch mehr Mühe geben? In welchen Bereichen fehlt noch Leidenschaft? Die Antworten auf diese Fragen führen zu mehr Themen als in ein Jahr hineinpassen – bei der Umsetzung wünsche ich allen ganz viel Erfolg!

Olaf Kopp

CBDO, Aufgesang GmbH

Die DSGVO war wohl das wirklich Einschneidendste, was uns passieren konnte. Die Einschränkungen machen personalisierte und damit relevantere Kommunikation deutlich schwieriger und werfen uns Marketer in Europa um mindestens zehn Jahre zurück. Aber viele von uns sind auch nicht unschuldig daran. Aus Content-Marketing-Sicht wird es immer wichtiger, den Content mit dem richtigen Thema zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort in der passenden Art und Weise zu platzieren, um relevant zu bleiben. Aus SEO-Sicht fand ich spannend, dass sich Google immer weiter an Trust und Autorität von Quellen zu orientieren scheint. Spannend finde ich auch, dass Google die Personalisierung der Suchergebnisse wieder stark zurückgefahren hat.

Sören Bendig

CEO, Audisto

Die DSGVO hat fast alle Bereiche direkt oder indirekt beschäftigt und zumindest dazu geführt, dass viele Portale sich konkret angeschaut haben, welche Tracker und externen Systeme überhaupt eingebunden sind. Teilweise wurde im Hintergrund dann kräftig aufgeräumt – gut so. Ich sehe vor allem im E-Commerce das Thema „technische Plattform auf gesunde Füße stellen und mit Altlasten aufräumen“ erneut im Kommen.

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Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 75 von Dezember 2018 mit dem Titelthema „Webanalyse für Einsteiger: Von Anfang an alles richtig machen“.

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