Klein gegen groß: Drei SEO-Fallbeispiele für kleine Shops

Beitrag aus Ausgabe 74 / Oktober 2018
SEO
Markus Hövener

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

Gegen Amazon & Co. hat man doch eh keine Chance in den Suchergebnissen. Oder doch? Drei Fallbeispiele zeigen, wie man es zu einer starken Sichtbarkeit bringen kann. Die richtige Strategie macht’s möglich.

Wer sich mit SEO beschäftigt, weiß, dass z. B. die externe Verlinkung ein wichtiger Ranking-Faktor ist. In dem Punkt kann man mit Amazon, eBay & Co. natürlich niemals mithalten. Selbst wer massiv in den Linkaufbau investiert, wird es nicht schaffen, die E-Commerce-Größen auch nur annähernd einzuholen.

Und doch gibt es einige Shops, die sich gut behaupten und für die auch SEO wohl ein starker Kanal sein dürfte. Was machen diese Shops gut? Kann man von ihnen etwas lernen?

Beispiel 1: www.gourmetfleisch.de

Der Name Gourmetfleisch ist bei diesem Shop wirklich Programm. Das, was man hier kaufen kann, hat so ziemlich gar nichts mit den abgepackten Fleischhappen zu tun, die man bei Lidl & Co. aus der Frischetheke holen kann. Neben dem Fokusprodukt Steaks gibt es hier auch Geflügel, Lamm, Wild und vieles mehr (z. B. Vorspeisen oder Gewürze) – all das immer auf hohem Niveau.

Produktdetailseiten

Wer hochpreisige Produkte verkaufen will, muss natürlich mehr Energie in die Produktinformationen stecken als bei Standardprodukten. Am Beispiel der Produktdetailseite für „Frenched Racks“ (https://www.gourmetfleisch.de/bone-in/frenched-racks.html, siehe Abbildung 1) kann man sehen, was das bedeutet:

  • Ein ansprechendes Produktbild
  • Informationen zu Rasse, Ursprung und Fütterung (im Tab „Details“)
  • Gute Produktbewertungen
  • Rezepte (sowohl im HTML-Format als auch als PDF zum bequemen Ausdrucken)
  • Ein Produktvideo, das die Zubereitung zeigt und Hobbyköchen gute Insidertipps gibt

Bye-Bye SEO-Text

Viele Onlineshops haben Schwierigkeiten damit, Rubrikenseiten mit sinnvollem Text zu füllen. Bei Gourmetfleisch scheint das grundsätzlich kein Problem zu sein. Seiten wie https://www.gourmetfleisch.de/teilstuecke-vom-rind/entrecote/ haben nicht den allseits gefürchteten „SEO-Text“ (minderwertige Inhalte, die Besucher des Shops ohnehin nicht lesen), sondern hilfreiche Informationen zum Thema Entrecôte. Dort gibt es umfangreiche fachliche Informationen, die dafür sorgen, dass die Rubrikenseiten wie eine Mischung aus Magazin und Shop wirken.

Offensichtlich führt das zum Erfolg. Die Rubrikenseite ist bereits seit mehr als einem Jahr auf dem ersten Platz für die Suchanfrage „entrecote“. Analog gilt das auch für andere Rubriken/Suchbegriffe wie „schweinenacken“ und „bisonfleisch“.

Informationeller Content

Auch bietet der Shop viele beratende Inhalte, vor allem in der Oberrubrik „Gourmetwissen“. Was bedeuten Begriffe wie „Rare“, „Medium“ und „Well done“? Wie viel Ruhezeit braucht ein Steak zwischen Zubereitung und Servieren? Und wie brät ein Steak abhängig von der Dicke? All diese Informationen finden sich im Ratgeber „Steak richtig braten“ (https://www.gourmetfleisch.de/steak-richtig-braten), der für den allgemeinen Suchbegriff „steak“ sogar auf den vordersten Plätzen zu finden ist.

Aber es gibt natürlich noch mehr Inhalte rund ums Braten, Grillen, Auftauen und viele andere Aspekte, die perfekt zu einer Zielgruppe passen, die das Besondere sucht und die auch edukativ begleitet werden möchte.

Kreative Ideen generieren Links

An vielen Stellen finden sich kreative Ideen wie der Currywurstbrunnen (https://www.youtube.com/watch?v=oSnlDoQ3jvw). Solche Inhalte verhelfen nicht nur zu Reichweite in den sozialen Medien, sondern sorgen auch für wertvolle Backlinks.

So gibt es z. B. die Steakabos (https://www.gourmetfleisch.de/steakabos/), die zu einer Verlinkung durch deutsche-startups.de geführt haben (https://www.deutsche-startups.de/2011/08/15/trends-gruenderszene/). Aber auch der „T-Bone Tea“ (Fleisch-Tee nach dem Motto „Abwarten und Steak trinken“) hat durchaus zu starker Resonanz geführt (z. B. https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/T-Bone-Tea-Jung-von-MattNeckar-entwickelt-das-Steak-zum-Trinken-143517).

Beispiel 2: www.luxurydogs.de

Wer einen Hund hat und diesen nicht nur mit der handelsüblichen Supermarktware ausstatten möchte, ist bei www.luxurydogs.de sicherlich gut aufgehoben. Standard scheint es in diesem Shop nicht zu geben.

Rubrizierung

Dass der Shop anders ist und nicht einfach die typischen Produktkategorien bietet, sieht man schnell. So gibt es eine Oberrubrik „Nach Charakter“ (gemeint ist der Hund). Unterrubriken wie „Ich bin Fast-Food-Junkie“ bieten dann jeweils passende Produkte, z. B. Popcorn oder Hundebier. Aber auch die Oberrubrik „Überraschungspakete“ bietet spannende Produktwelten, z. B. die „Hundeüberraschungsbox Halloween“.

Die einzigen „echten“ Oberrubriken sind „Hundezubehör“ und „Hundefutter“, die auch insgesamt sehr erfolgreich sind. So gibt es #1-Rankings für Suchbegriffe wie „hundebekleidung“, „hundetaschen luxus“ und „hundetorte bestellen“.

Verlinkungen

Die etwas andere Positionierung des Shops wird natürlich auch durch andere Websites aufgegriffen – und mit externen Verlinkungen belohnt. Die Redaktion von „Absolut Radio“ hat z. B. in ihren Beitrag „Die fünf skurrilsten Hundekostüme“ (https://absolutradio.de/entertainment/die-5-skurrilsten-hundekostueme.html) auch einen Link eingebaut. Einen ähnlichen Beitrag zur Weihnachtszeit gibt es auf https://www.heise.de/tp/features/Ziemlich-beste-Freunde-3377379.html.

Aber auch Blogger greifen Luxus-Themen gerne auf. So gibt es bei „tierisch wohnen“ den Beitrag „Träum schön! Ausgefallene Hundebetten“ (https://www.tierisch-wohnen.de/hund/ausgefallene-hundebetten/), der auch auf Luxurydogs.de verlinkt.

Produkte

Hilfreich ist bei Luxurydogs.de sicherlich auch, dass viele Produkte gut auf Suchbegriffe abgestimmt sind. Wer z. B. „koppelleine für 3 hunde“ sucht, stößt weit oben in den Suchergebnissen auf ein entsprechendes Produkt namens „Koppel-Hundeleine für 3 Hunde, 10, 30 und 60 cm“, während z. B. Fressnapf.de und Zooplus.de erst auf den weiteren Seiten zu finden sind.

Auch das „Rentier-Geweih für Hunde“ oder das „Hundekostüm Hot Dog“ passen optimal zu Suchbegriffen. Die jeweiligen Produktbeschreibungen sind übrigens in der Regel nicht sonderlich umfangreich – generieren aber trotzdem gute Rankings.

Beispiel 3: www.lloyd-shop.de

Zalando.de schlägt alles in den Suchergebnissen? Wer nach „lloyd“ oder „lloyd schuhe“ sucht, wird den Primus erst signifikant hinter www.lloyd-shop.de erblicken – ein Mono-Brand-Shop, der Herren- und Damenschuhe der Marke Lloyd verkauft.

Verlinkungen: schwierig

Ein solcher Shop, der – anders als die ersten beiden Beispiele – nur „langweilige“ Produkte anbietet, hat es beim Aufbau relevanter Verlinkungen sicherlich nicht leicht. Und gerade hier ist www.lloyd-shop.de ein gutes Beispiel, denn gute Verlinkungen gibt es kaum. Zum Glück scheint man hier auch nicht mit den typischen gekauften Links bei diversen Bloggern nachgeholfen zu haben.

Somit ist der Shop ein gutes Beispiel dafür, dass gute Rankings auch ohne umfangreichen Linkaufbau möglich sind – was natürlich nicht bedeutet, dass mehr Verlinkungen nicht in der Breite zu besseren Rankings führen könnten.

Rankings

Wer sich der Antwort nähern möchte, was www.lloyd-shop.de besser macht als Zalando.de, kann dafür ein SEO-Tool wie SISTRIX nutzen. In Abbildung 2 ist eine Chancen-Auswertung zu sehen: Suchanfragen, für die der Lloyd-Shop in den Top 10 zu finden ist – Zalando aber nicht.

In der Auswertung sieht man viele Eigennamen von Lloyd-Produkten wie „lloyd alaska“ – Suchanfragen, bei denen die Zalando-interne Suche keine passenden Produkte anzeigt, während der Lloyd-Shop dafür durchaus noch passende Produkte anbietet (z. B. den Sneaker https://www.lloyd-shop.de/herrenschuhe-alaska-1330010047.aspx). Hier zeigt sich wohl, dass der Shop ein umfangreicheres Portfolio an Lloyd-Produkten hat – was man als Marken-Shop ja auch haben sollte.

Aber auch die recht umfangreiche und auf Suchbegriffe abgestimmte Rubrizierung („Hausschuhe, „Slipper“, „Sneaker“ …) hilft, für viele Suchbegriffe in Kombination mit der Marke gefunden zu werden.

Insgesamt profitiert der Shop also von zwei Faktoren:

  • Es ist ein Mono-Brand-Shop, d. h. dass er von Suchmaschinen für diese Marke als relevanter als Multi-Brand-Shops wie Zalando und Mirapodo angesehen werden kann.
  • Die Produkte und Rubriken sind sinnvoll auf die wichtigsten Suchanfragen abgestimmt (Marke in Kombination mit generischen Kategorien und Eigennamen).

Sechs Strategien: So schlägt klein groß

1. Mono-Brand statt Multi-Brand: Eine Strategie für „klein gegen groß“ besteht sicherlich darin, sich auf eine bestimmte Marke zu konzentrieren und durch die Spezialisierung Vorteile auszuspielen.

 

Spannend? Jetzt Artikel zu Ende lesen!

Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 74 von Oktober 2018 mit dem Titelthema „Online-Marketing-Strategien für kleine Shops: Wie David gegen Goliath gewinnen kann“.

Kostenloses PDF-Magazin bestellen Online weiterlesen? Einfach kostenlos für den Newsletter anmelden. Kostenpflichtiges Print-Abo bestellen