Content-Marketing: Best Practices aus der Travel-Branche

Beitrag aus Ausgabe 74 / Oktober 2018
Online Marketing
Lisa Heidemann

ist Trainee im Bereich der Suchmaschinenoptimierung bei der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

Auch in der Travel-Branche wird versucht, über Content-Marketing Reichweite zu generieren. In diesem Artikel wird anhand von unkonventionellen Beispielen gezeigt wie dies erfolgreich funktionieren kann.

Wer in den Urlaub fahren oder fliegen möchte, hat heutzutage die Qual der Wahl: Mache ich Urlaub auf Balkonien oder fliege ich ans andere Ende der Welt? Deutschland hat aber auch so viel zu bieten und die europäischen Länder sind so vielfältig … Um sich da entscheiden zu können, fragen immer mehr Deutsche das Internet um Rat (de.statista.com/statistik/daten/studie/157735/umfrage/internetnutzung-zur-information-ueber-urlaubsreisen-seit-2001/). Doch dort werden sie mit unzähligen Angeboten überhäuft und sind schnell überfordert.

Um potenzielle Kunden genau dort abzuholen, bieten viele Reiseanbieter mittlerweile eine Reihe von Content-Marketing-Formaten an. Sie zeigen, welche großartigen Orte man unbedingt gesehen und welche Aktivitäten man unbedingt erlebt haben muss. Doch neben den klassischen Erfahrungsberichten und Empfehlungen haben sich einige unkonventionelle Präsentationsweisen und Themen in der Tourismus- und Reisebranche etabliert, die besonders gut funktionieren. Ein Blick darauf bietet einiges an Inspiration für Content-Marketer.

Top-10-Listen

Ein besonders beliebtes Stilmittel im Content-Marketing der Travel-Branche sind, wie in Abbildung 1 zu sehen, Top-Listen. Top 10 Mallorca Hotels (blog.tui.com/die-top-10-besten-mallorca-hotels/?contentid=1_rl_blog10Mallorca_20170516), Top 10 griechische Inseln (www.urlaubsguru.de/reisemagazin/griechische-inseln-top-10/) oder Top 16 romantische Orte für Verliebte in Deutschland (www.kurzurlaub.de/blog/reise-experten/romantische-orte-fuer-verliebte-das-sind-die-top-16-fuer-2015.html) – die Möglichkeiten dieses Trends sind unbegrenzt. In der Regel handelt es sich hierbei oft um Städte, Länder und Hotels. Spannender wären vielleicht Sehenswürdigkeiten oder Aktivitäten in einer Stadt oder Region.

Dabei wird vor allem auf Bilder gesetzt, die die schriftlichen Aussagen noch einmal unterstützen. Oft werden die einzelnen Listenpunkte mit Links zu weiteren Informationen oder zu direkten Angeboten kombiniert. Externe Links können zum Beispiel über Veröffentlichungen in Online-Reise-Magazinen wie reisenexclusiv.com/ oder www.travelbook.de/ aufgebaut werden.

User Generated Content

Eine andere Möglichkeit, Erfahrungen und Empfehlungen zu teilen, ist bspw. auf der Webseite meinniedersachsen.de der TourismusMarketing Niedersachsen GmbH (TMN) zu sehen (siehe Abb. 2). Diese setzt auf User Generated Content (UGC), also Inhalte, die nicht von einer Redaktion, sondern von Nutzern produziert werden. Häufig handelt es sich dabei um Mitglieder der passenden Zielgruppe. Die TMN nutzt dabei zwei Varianten: In einer Art Blog können erfahrene Blogger aus der Region von ihren Reisen durch Niedersachsen erzählen. Verbreitet werden können diese über die eigenen sozialen Netzwerke.

Selbst Teil der Plattform können Leser über #meinNiedersachsen werden. Unter diesem Hashtag gepostete Beiträge in den Netzwerken Twitter, Facebook, Google+, Pinterest und Instagram werden auf dem Blog unter der Überschrift „Niedersachsen Live!“ in Echtzeit veröffentlicht. So wurde #meinNiedersachsen zum Beispiel auf Instagram bisher mehr als 64.000 Mal verwendet.

Besondere Ernährungsweisen zum Thema machen

Doch nicht nur die Präsentationsweise lässt sich variieren. Für viele ist zum Beispiel ein Urlaub erst dann gut, wenn dort sie viel und vor allem gut essen können. Deswegen verwundert es auch nicht, dass in zahlreichen Texten zum Beispiel von dem Besten der landesspezifischen Küche erzählt wird oder Restaurant-Tipps für die verschiedenen Länder und Metropolen ausgesprochen werden. Doch hierbei muss es nicht nur um den Genuss gehen. Der TUI Reiseblog macht es vor und stellt z. B. die Top 10 Hotels am Meer mit glutenfreier Küche vor (blog.tui.com/die-top-10-glutenfreien-hotels-am-meer). Bei dem steigenden Bewusstsein für Lebensmittelunverträglichkeiten und spezielle Ernährungsweisen bietet dieses Themengebiet noch einiges an Potenzial für den eigenen Content. So könnten Content-Marketer passende Artikel in Ernährungsblogs für vegane Ernährung (z. B. www.wir-essen-gesund.de/) oder bei Anbietern von Superfoods (z. B. www.foodspring.de) streuen. Auch wären Webseiten und Foren denkbar, die konkret auf Lebensmittelunverträglichkeiten spezialisiert sind (z. B. www.zoeliakie-austausch.de/).

Zur rechten Zeit am rechten Ort

Ein besonders reichweitenstarkes Beispiel für Content in der Travel-Branche ist der Reisekalender von Urlaubsguru.de. Mit einem Sichtbarkeitswert von über 3,5 bei SISTRIX erreicht diese einzelne URL ähnlich viele, wenn nicht sogar noch mehr Internetnutzer als so manche Domain. Das Reiseportal hat sich dafür die zweitwichtigste Frage der Urlaubsplanung, nach der Frage nach dem Wohin, zunutze gemacht: Die Frage nach dem Wann. Die beste Reisezeit, die besten Reiseziele für jeden Monat, Ferienzeiten und Brückentage – für jeden Suchenden gibt es die passende Information zu seiner Reise.

Marketer sollten sich deshalb ein Beispiel an dieser Aktion nehmen, da Urlaubsguru.de hier nicht nur auf die richtigen Informationen, sondern auch auf Ausführlichkeit setzt. Jeder Suchende wird auf der Seite auf Informationen stoßen, die für ihn und seine Reise relevant sind.

Hinzu kommen die Links von Stadttourismusseiten (z. B. www.reise-nach-italien.de/staedtereisen.html), von anderen Reiseanbietern (z. B. www.winterreisen.de/Top-Skigebiete-in-den-Alpen.html), Online-Magazinen (z. B. www.ok-magazin.de/lifestyle/reisen/welches-reiseziel-passt-zu-welcher-jahreszeit-44876.html) oder Flugportalen (z. B. www.billigflieger.de/reiseinfos/die-besten-reiseziele-fuer-jede-jahreszeit) – sind also thematisch sehr breit verteilt.

Raus aus der Komfort-Zone

Gerade im Content-Bereich neigen viele Marketer dazu, in ihren gewohnten Gefilden zu bleiben. Hier dreht sich dann in der Reisebranche alles um großartige Orte und gute Hotels. Natürlich ist dies nicht negativ zu bewerten, aber manchmal lohnt es sich aber doch, über den eigenen Tellerrand zu schauen.

DERTOUR hat zum Beispiel einen Ratgeber für Safari-Fotografie erstellt, in dem ein erfahrener Fotograf Tipps zu den Themen Ausrüstung, Bildgestaltung und -bearbeitung gibt (www.dertour.de/static/safari-fotografie-e-book.html). Damit hat man die Kernzielgruppe verlassen und Content produziert, der zunächst nicht direkt mit den angebotenen Reisen zusammenhängt. Es entsteht jedoch ein positives Erlebnis mit DERTOUR, welches später zu einer Bevorzugung gegenüber anderen Reiseanbietern führen kann.

Links auf den Ratgeber kommen beispielsweise von den eigenen Angebotsseiten, die geografisch zum Thema Safari passen (z. B. www.dertour.de/fernreisen/afrika), und externen Reiseseiten (z. B. www.afrikarundreise.com/ratgeber-fotosafari/). Besonders interessant ist allerdings, dass viele sehr gute Links durch Fotografie-Seiten aufgebaut werden konnten, die mit herkömmlichen Reisethemen nicht hätten erreicht werden können (z. B. www.docma.info/freeloads/e-book-safari-fotografie).

Checklisten

Die bisher vorgestellten Formate dienen vor allem dazu, Reichweite zu generieren und Interesse bei potenziellen Kunden zu wecken. Haben sich die Suchenden allerdings bereits für ein Reiseziel entschieden, stecken sie in einer tieferen Phase des sog. Conversion Funnels (mehr Informationen: www.suchradar.de/magazin/71/unternehmenskommunikation-entlang-customer-journey-content-marketing-conversion-funnel).

Oft stellen sich die Buchenden viele Fragen erst nach der Entscheidung für ein Reiseziel bzw. nach der Buchung:

  • Brauche ich einen Reisepass oder reicht mein Personalausweis aus?
  • Muss ich mich vorher impfen lassen und wenn ja, wogegen?
  • Muss ich bei der Einreise etwas Besonderes beachten?
  • Sollte ich bei der Kleiderwahl etwas beachten?
  • Was darf eigentlich ins Handgepäck?
  • Was muss ich auf jeden Fall mitnehmen?

Doch nur, weil manche Formate und Informationen erst nach dem Kauf oder der Buchung eine Rolle spielen, sind sie noch lange nicht unwichtig. Mit Content nach der Conversion werden die Kunden noch einmal abgeholt und können so ein rundum positives Kauferlebnis mit dem Reiseportal verbinden. Auf diese Weise wird die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Conversion gesteigert.

Ein gutes Beispiel sind Checklisten (siehe Abb. 3). Thematisch sind diese an die verschiedenen Reiseorte oder an besondere Umstände, wie das Reisen mit Hund, anpassbar. Neben Hinweisen per E-Mail nach der Buchung an die Kunden könnten die Checklisten auch wieder in Reiseblogs veröffentlicht werden.

Spannend? Jetzt Artikel zu Ende lesen!

Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 74 von Oktober 2018 mit dem Titelthema „Online-Marketing-Strategien für kleine Shops: Wie David gegen Goliath gewinnen kann“.

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