Themenradar: Automatische Texterstellung

Beitrag aus Ausgabe 72 / Juni 2018
SEO
Markus Hövener

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

Automatische Texterstellung gilt als heißes Thema. Sind wir technologisch schon so weit, dass man skaliert Texte erstellen kann, die auch eine hohe Qualität haben? Für welche Zwecke kann man das nutzen, für welche nicht?

Christoph Pawletko

Teamleiter Redaktion, SEO-Küche Internet Marketing GmbH & Co. KG

Für den Großteil unserer Kunden kommt automatische Texterstellung nicht in Frage. Je kleiner ein Kunde ist, desto wichtiger ist der persönliche Kontakt. Firmen mit wenigen Leistungen oder Onlineshops mit einer überschaubaren Menge an Produkten – hier sehen wir wenig Raum für Automatisierung.

Interessant wäre diese Technik bei lokalisierten Landingpages oder Onlineshops mit vielen Produkten für einzigartige Produktbeschreibungen.

Hier waren bisher jedoch der Kostenfaktor und die Skepsis der Auftraggeber die größte Hürde. Für viel Text auch viel investieren? Dazu sind viele Kunden noch nicht bereit. Bei sinkenden Kosten für den Einstieg führt bei großen Projekten zukünftig vielleicht kein Weg an Automatisierung vorbei.

Wie reagiert Google darauf? Wie bewertet der Algorithmus automatisierte Texte? Als Duplicate Content? Was früher funktionierte, gilt heute schon als Spam. Google spricht immer wieder von hochwertigem Content, hier sehen wir definitiv einen großen Widerspruch. Wirklich gute Inhalte werden immer noch nur von Menschen geschrieben.

Uli Zimmermann

Geschäftsführer, eMinded GmbH

Wer schreibt schon gerne sinnfreie Produkttexte? Spätestens wenn man versucht hat, alle Größen eines neuen Reifenmodells zu betexten, fragt man sich, warum es das überhaupt braucht.

So lange Google auf Masse statt Klasse setzt, wird automatische Texterstellung ein Thema bleiben. Ob Content Spinning oder Machine Learning – die entscheidende Frage ist, für wen der Text geschrieben wird. Und bei den Anwendungsfällen derartiger Software ist die Antwort in 99 % der Fälle: Google.

Redakteure, Journalisten und Autoren, die diese Bezeichnung auch tatsächlich verdienen, werden durch diese Tools auch auf lange Sicht nicht ersetzt werden.

Wiederkäuende Textproduzenten, die nur der organischen Reichweite wegen massenhaft Inhalte erzeugen, sollten sich mittelfristig umorientieren. Denn dort kann die automatische Texterstellung tatsächlich Abhilfe schaffen. Bei investigativem Journalismus wie den Recherchen zu den Panama Papers wohl eher nicht.

Ronny Stenzel

Head of Content-Marketing, Unternehmen: Clicks Online Business

Aus Sicht eines Redakteurs: Solange es keine Roboter gibt, die einen Kommentar wie diesen hier schreiben können, mache ich mir keine Sorgen. Für simple „Fakten“-Texte wie Produktbeschreibungen kann ein Tool schon hilfreich sein. Vor allem wenn es um Tausende von Texten geht. Wenn ich das „skalierbar in hoher Qualität“ will, sollte ich mich auf eine intensive Vorbereitungszeit gefasst machen.

Man kann es sich wie ein Autorenbriefing hoch zehn vorstellen, weil ich ja der Maschine alle Vorgaben machen muss. Meist wird ein Datensatz hinterlegt, aus dem sich der Roboter dann die Attribute für bestimmte Satzteile zieht – so wie beim Tagesbericht auf den meisten Wetterseiten: „Heute ist es [sonnig|regnerisch|bewölkt|stürmisch].“ Nützlich können diese Tools also schon sein, wenn ich eine große Masse an untereinander ähnlichen Texten erstellen muss, die simple Daten wiedergeben. So kann ich knappe redaktionelle Ressourcen eher in beratende, erläuternde, begeisternde Inhalte investieren – also weniger Masse, aber mehr Überzeugungseffekt beim einzelnen Nutzer. Mögliche Arbeitsteilung: Der Roboter liefert alle Fakten zum Produkt (Was?), der Redakteur überzeugt den Nutzer zum Kauf (Warum?).

Erich Kachel

Chief Technology Officer & Deputy Managing Director, Performics Berlin

Wer würde angesichts von Alexa, Siri, Google Duplex und Deepl.com noch anzweifeln, dass die KI-gestützte, komplexe, multimediale und multilinguale Texterstellung möglich ist? Bereits mit einfachen semantischen Regelwerken und Satzmustern kann man – nicht erst seit heute – automatisiert Inhalte erstellen. Wir verwenden diese Technologien für die Beschreibung technischer Bauteile, die sich oft nur in den Produkteigenschaften unterscheiden und weitgehend ohne wortreiche Beschreibungen auskommen.

Spielergebnisse laufender Sportereignisse oder Wetterberichte lassen sich ebenfalls automatisiert erstellen, wobei das Ergebnis kaum von redaktionellen Texten zu unterscheiden ist. Noch prüft das Lektorat jede Meldung – auch um die Akzeptanz dieser Systeme zu erhöhen.

Künftig werden Produktbeschreibungen eines Onlineshops direkt aus der automatischen Erkennung der Produktfotos und unter Einbeziehung zusätzlicher Datenquellen wie Umfragen, Bewertungen, Trends und Rabatten entstehen und damit an Aktualität und Relevanz gewinnen. Expertensysteme und Chatbots werden vollumfänglich beraten und betreuen. Für die Geschichte hinter einem Text wird jedoch noch lange die Emotion eines Menschen notwendig sein.

Spannend? Dieser Artikel ist im suchradar #72 erschienen

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