Themenradar: Kommt AMP im E-Commerce vorwärts?

Beitrag aus Ausgabe 71 / April 2018
SEO
Markus Hövener

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

Auf der AMP-Konferenz in Amsterdam hat Google vor Kurzem gesagt, dass mittlerweile 60 % des AMP-Traffics auf Seiten geht, die keine News-Seiten sind. Wie sehen Online-Marketer das in der Praxis?

Alexander Geißenberger

Geschäftsleitung, xpose360

Kaum ein Thema hat Google so nachhaltig und großflächig in den Markt gedrückt wie AMP. Jedoch sind diese bei den Inhouse-Abteilungen und Marketingverantwortlichen in deutschen Mittelstandsunternehmen und vielen Konzernen nur bedingt auf der Roadmap zu finden. Zwar wird die Technik hinter AMP sowie deren politischer Rattenschwanz diskutiert, jedoch erfolgt beim Großteil unserer Kunden keine Umsetzung.

Google verfolgt zwar ein nachvollziehbares Ziel, nämlich „ein leichteres, schnelleres und (suggestiv) einheitlicheres Web zu erschaffen“, jedoch sind die Möglichkeiten hinter AMP (noch) zu dünn und die Skepsis bei den Unternehmen ist groß. Ebenso sehe ich die abnehmende Kontrolle über die eigenen Inhalte sowie die Swipe-bedingte Austauschbarkeit des eigenen Angebotes in den SERPs kritisch.

Google hätte die Macht, das Format durchzusetzen, und wahrscheinlich ist es eher eine Frage der Zeit, wann ein Großteil des Webs auf AMP migriert. Aktuell erfolgt dies jedoch noch eher zögerlich.

Caroline Küpfer

Head of SEO Consulting, ad agents GmbH

Das Thema AMP weckt bei Shop-Betreibern auf alle Fälle Begehrlichkeiten. Von den schnellen Ladezeiten und Ranking-Vorteilen aufgrund des AMP-Hostings wollen Online-Händler natürlich profitieren. Wir sehen den Nutzen für den E-Commerce derzeit eher kritisch, unter anderem aus folgenden Gründen: Erstens unterliegen die AMP starken Limitierungen, d. h. der Händler kann umfangreiche Funktionen wie Größenauswahl oder Farbfilter nicht abbilden und er kann sein Look & Feel der eigenen Marke nicht umsetzen. Zweitens ist das Hosting der Accelerated Mobile Pages komplett bei Google, wodurch die Unabhängigkeit des eigenen Shops an Google abgetreten wird und Tracking- bzw. Analyse-Einschränkungen hingenommen werden müssen.

Online-Händler tun daher gut daran, ihren Fokus auf konsequent mobil-optimierte Landingpages zu setzen, auch hier können schnelle Ladezeiten erreicht werden.

Olaf Kopp

Head of SEO, Aufgesang GmbH

Der Kampf um die Online-Inhalte ist im vollen Gange. Inhalte bzw. Content sind der Schlüssel zu Nutzern und deren Interaktivität. Plattformen wie Google, Facebook, LinkedIn & Co. sind selbst aber keine Content-Produzenten Also versuchen sie, Content der Nutzer bzw. wie Google indexierbaren Content einzuverleiben. Facebook versucht es z. B. mit den Instant Articles, Google mit AMP. Natürlich werden Gründe wie die schnelle Abrufbarkeit vorgeschoben. Im Endeffekt geht es aber um die Weiterverwertung von fremden Inhalten. Dessen muss man sich bewusst sein.

Ich halte es für strategisch unklug, den Content als wichtigstes Kommunikations-Asset und dessen Verwertung aus der Hand zu geben. Deswegen halten wir uns bei AMP noch zurück.

Carsten Koller

Online-Marketing-Manager, morefire GmbH

Auf Kundenseite haben wir bereits erfolgreich die AMP-Technologie im E-Commerce-Bereich eingesetzt. Hier lag der Fokus auf Blog- und Ratgeberinhalten, die informationsgetriebene Suchanfragen bedienen. Dies war eine strategische Reaktion auf Wettbewerber, die ebenfalls AMP einsetzen, um sich Vorteile in der mobilen Google-Suche zu sichern. AMP-Seiten sind relativ einfach z. B. mit Plugins umzusetzen. Die Vorteile, wie ein prominentes Snippet mit AMP-Logo und die sehr geringe Seitenladezeit, sind nicht von der Hand zu weisen. Da man als SEO häufig in der Praxis primär für Google optimiert, sollte man sich neuen Technologien nicht verweigern, sondern möglichst frühzeitig Erfahrungen mit ihnen sammeln.

Google arbeitet derzeit sehr intensiv an weiteren Funktionalitäten, Elementen und Trackingoptionen für AMP-Seiten. Sollten die Bestrebungen seitens Google so weitergehen, bleibt es nur noch eine Frage der Zeit, bis die AMP-Technologie im Rahmen des Mobile-First-Index auch immer mehr Onlineshops erobern wird.

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Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 71 von April 2018 mit dem Titelthema „Conversion-Rate-Optimierung: Tipps und Strategien für umsatzstarke Websites“.

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