SEA Trends 2018: Löst „Omnichannel-Commerce“ in diesem Jahr „Mobile First“ ab?

Beitrag aus Ausgabe 70 / Februar 2018
SEA
Marlen Voelkner

ist Online-Marketing-Managerin (SEA) bei der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

Das Jahr 2018 wird im Bereich Suchmaschinenwerbung einige Neuerungen mit sich bringen. „Mobile First“ bleibt nach wie vor ein großes Thema, aber auch die Entwicklungen bei Online-und Offline-Verknüpfungen signalisieren klare Trends. Das Verständnis für Zusammenhänge wird in den Vordergrund rücken und die Automatisierung wird die Arbeit von AdWords-Account-Managern erleichtern.

Omnichannel-Commerce

Laut dem European Ecommerce Report 2017 stehen wir Deutschen – nach Großbritannien – mit unseren Ausgaben im Online-Handel an zweiter Stelle, rund 86 Milliarden Euro waren es 2017. Aber wie auch in anderen Ländern werden Online- und Offline-Handel zunehmend zusammenwachsen und so müssen auch die Marketing-Aktivitäten in beiden Bereichen Hand in Hand gehen. Für 2018 bedeutet das konkret, dass die sog. Beacons, kleine Bluetooth-Sender (siehe Abbildung 1), die in Ladengeschäften installiert werden, um Kunden gezielt anzusprechen, ein wichtiges Thema sein werden. Der Fokus von Google wird 2018 ganz eindeutig auf einer Verknüpfung von Online- und Offline-Aktivitäten liegen. Somit sollten Werbetreibende, die über Ladengeschäfte verfügen, ihre Maßnahmen dahingehend planen und Store-Visits oder lokale Produktverfügbarkeiten nutzen.

Mobile First

Das Thema Mobile First wurde in den letzten Jahren zunehmend wichtiger. Obwohl die Debatte über mobile Optimierungen von Zielseiten ein alter Schuh ist, scheint der Gesprächsbedarf nach wie vor groß zu sein. Denn Google machte auch im vergangenen Jahr mehrfach darauf aufmerksam, dass man die Geschwindigkeit mobiler Websites nicht vernachlässigen sollte. Der Traffic mobiler Endgeräte nimmt immer noch stetig zu. Aus diesem Grund wird es 2018 vor allem wichtig sein, die Ladezeit und Bedienbarkeit von mobilen Websites zu verbessern. Wer seine Website dahingehend untersuchen möchte, kann dies unter testmysite.withgoogle.com/intl/de-de tun. Diese Seite von Google ermittelt in wenigen Sekunden Ladezeiten und gibt Informationen zu Branchenvergleichen und Optimierungsmöglichkeiten. Vor allem Werbetreibende, deren Konten Anzeigen mit lokaler Ausrichtung enthalten, sollten die mobile Nutzererfahrung ihrer Seite bei Bedarf optimieren.

 

Googles Rivalität mit Amazon

Die Omnipräsenz von Amazons Marketplace macht nun auch vor der Suchmaschinenwerbung keinen Halt mehr. Immer mehr Suchanfragen werden mittlerweile auf Amazon, statt auf Google gestellt. Laut dem Bloomreach Amazon Report von 2016 suchen mittlerweile rund 55 % der Nutzer ihre Produkte auf Amazon, nur noch 28 % auf Google. 2015 waren es noch 44 % Produkt-Suchanfragen auf Amazon und 34 % auf Google. Hier ist also ein klarer Trend erkennbar, der Google mit Sicherheit zu mehr Innovationen und Verbesserungen motivieren wird. Da der Umsatz von Amazon weiterhin ansteigt, sollte man sich in diesem Jahr als Werbender also unbedingt überlegen, ob man seine Werbung nicht zusätzlich auf Amazon platzieren möchte. Hierbei gilt es zu beachten, dass man nur dann auf Amazon werben kann, wenn man dort auch eigene Produkte verkauft.

Amazon bietet seinen Verkäufern mittlerweile ebenfalls Suchanzeigen an. Auch im Bereich Display- und Videomarketing ist 2018 vermutlich noch einiges vom Marketplace zu erwarten. Die Konkurrenz zwischen den beiden Online-Giganten wird alles in allem auf beiden Seiten zu mehr Innovationen führen. Welcher Konzern am Ende die Nase vorne haben wird, bleibt offen, denn auch wenn die Zahlen momentan eine eindeutige Entwicklung zeigen, so hat Google mit seinen verschiedenen Services bestimmt noch ein Ass im Ärmel. Also bleiben wir Online-Marketer gespannt.

Kampagnen für Voice Search optimieren

Durch intelligente persönliche Assistenten wie Siri, Cortana, Alexa oder Google Home haben Unternehmen schon jetzt neue Möglichkeiten, ihre Kunden mitten in ihrem Alltag anzusprechen.

Laut Google werden bereits rund 20 % aller Suchanfragen über Voice Search ausgeführt. Für 2020 wird erwartet, dass es bereits 50 % sein werden. Der Einfluss dieser Technologie wird also immer größer und wir werden zukünftig mit diesen intelligenten Geräten vermutlich immer mehr so kommunizieren, wie wir es mit Menschen tun. Im Hinblick auf die Zukunft bedeutet das, dass Unternehmen, die Daten interpretieren und in umsetzbare Erkenntnisse umwandeln können, zukunftsfähig bleiben.

Laut einer Statistik über die Anwendungsbereiche von digitalen Sprachassistenten der Plattform Statista benutzen nur 14 % Siri, Alexa und Co. zum Bestellen von Produkten (siehe Abbildung 2). Um diese Suchanfragen also für die eigene Suchmaschinenwerbung in AdWords zu nutzen, kann man die Anfragen in bestehende Kampagnen einbinden und ihnen Gebotsanpassungen für Mobilgeräte zuweisen. Allerdings ist der Anteil an Produktsuchen momentan so gering, dass sich der Aufwand eigentlich noch nicht lohnt. Die Zeit kann man besser investieren, indem man Gebotsanpassungen für Mobilgeräte einpflegt, wenn die Performance es erlaubt. Automatische Gebotsstrategien nehmen diese Anpassungen zum Beispiel selbstständig vor.

Maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz, Internet of Things, Automatisierung – all diese neuen Technologien rücken stetig weiter in den Vordergrund. Und sie bringen Möglichkeiten und Herausforderungen mit sich, die man nicht aus den Augen verlieren sollte.

Im Suchmaschinenmarketing prägt uns das maschinelle Lernen in Form der Automatisierung schon seit einiger Zeit. Automatische Gebotsstrategien (siehe Abbildung 3) optimieren Gebote anhand von maschinellem Lernen für jede Auktion. Dieses sog. Smart Bidding läuft in immer mehr AdWords-Konten und erleichtert Account-Managern ihre Arbeit. Für dieses Jahr wird innerhalb der Branche erwartet, dass die Gebotsstrategien immer genauere Gebote ausspielen und somit noch bessere Ergebnisse erzielen werden. Vor allem Account-Manager von umfangreichen Konten sollten sich 2018 also spätestens mit der Automatisierung in AdWords auseinandersetzen. Doch auch wenn die Gebotsstrategien zum Erreichen von Leistungszielen oder sogar zu Performance-Steigerungen führen, sollte man den Mechanismen nicht blind vertrauen, sondern sie durch Tests und Überprüfungen vorantreiben.

Strengere Anforderungen an den Datenschutz

Am 26. Mai 2018 wird die neue EU-weite Datenschutzgrundverordnung in Kraft treten. Diese wird Websitebetreiber dazu verpflichten, ihre Datenschutzerklärung an geltendes EU-Datenschutzrecht anzupassen und auf ihrer Seite sichtbar zu machen. Bei der Erstellung einer solchen Datenschutzerklärung sind vor allem die Verwendung von Cookies sowie der Einsatz von Tracking- oder Analyse-Tools zu nennen. Das bedeutet, mindestens alle AdWords- oder Analytics-Nutzer müssen bald aktiv werden. Diese Auskunftspflicht war auch bereits in der vorhandenen Datenschutzbestimmung vorgesehen. Neue Auflagen nach der neuen Datenschutzverordnung sind zum einen die Datenminimierung und zum anderen die verschlüsselte Datenübertragung (bspw. von Kontaktformularen). Sollte man gegen diese neuen Richtlinien verstoßen, so drohen Bußgelder in Höhe von bis zu 4 % des Jahresumsatzes oder bis zu 20 Millionen Euro. Experten gehen von Abmahnungen durch Konkurrenten oder Verbänden aus.

Neue AdWords-Oberfläche

Seit Ende letzten Jahres wurde für alle Konten das neue AdWords-Interface ausgerollt (siehe Abbildung 4). Das Redesign sollte AdWords schneller und leichter bedienbar machen, aber die Begeisterung der breiten Masse an AdWords-Nutzern war zurückhaltend. Da Google allerdings angekündigt hat, die alte Oberfläche 2018 zu deaktivieren, sollten Werbetreibende spätestens jetzt damit beginnen, sich mit der neuen Oberfläche anzufreunden. Schon jetzt bietet das neue AdWords-Interface einige Verbesserungen und Features, die man im alten nicht findet, wie z. B. Daten stunden- und tagesaktuell zu visualisieren, Leistungsdaten von Wörtern oder Wortgruppen (sogenannten „N-grammen“) in Suchanfragen auszuwerten oder Gebotsanpassungen für Anruferweiterungen anzupassen, damit sie öfter auf Mobilgeräten angezeigt werden.

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Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 70 von Februar 2018 mit dem Titelthema „Online-Marketing-Mythen: Was stimmt? Was nicht?“.

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