Internationales Online-Marketing: In diesen Ländern sollte man mit E-Commerce durchstarten

Beitrag aus Ausgabe 70 / Februar 2018
Online Marketing
Herbert Buchhorn

ist Geschäftsführer von Clicks Online Business (Büros in Berlin, Dresden, Köln und München) und Experte für Suchmaschinenoptimierung (SEO). Seit 2007 ist seine Online-Marketing-Agentur erfolgreich für Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen in ganz Deutschland und international tätig.

Unternehmen im E-Commerce streben stets danach, neue Kunden zu gewinnen. Was läge da näher, als einen Blick ins Ausland zu werfen? Ein Überblick über die wichtigsten Länder.

Jedes Land stellt unterschiedliche Bedingungen für Onlineshops, die man kennen und strategisch nutzen sollte. Hier folgt ein Überblick über die lukrativsten Märkte für internationalen E-Commerce.

Ziel #1: Österreich und Schweiz

Direkt in Deutschlands engster Nachbarschaft befinden sich zwei Märkte, in denen schnelle Erfolge erzielt werden können. Mit wenig Aufwand und geringen Kosten lassen sich Österreich und die Schweiz erobern – mit 16 Millionen potenziellen Kunden!

Die Vorteile eines Onlineshops in der Schweiz

  • Wohlhabender Markt: 2 149 € geben die Schweizer jährlich online aus
  • 95 % Internetnutzer, 90 % davon haben bereits online eingekauft
  • 75 % der Schweizer nutzen Smartphones
  • Einkaufen in internationalen Onlineshops ist beliebt
  • Begehrte Produkte: Bekleidung, Transport, Bücher, Fahrkarten/Reservierungen, Urlaub
  • Beliebteste Shops: Ebookers, Nespresso, Digitec, Ex Libris, iTunes, Amazon, Ticketcorner, Zalando, SBB, Ricardo

Details zu den Schweizer Kunden

  • Vorlieben beim Bezahlen: Rechnung, Kreditkarte und PayPal
  • Währung: Schweizer Franken
  • Fokus auf Qualität und Preis
  • Wichtige Sprachen: Englisch, Deutsch, Französisch und Italienisch
  • Akzeptierte Versandkosten: 6–8 Franken
  • Wichtig: Transparente Auflistung aller Kosten wie Versand, Steuern und Zollabfertigung
  • Gewohnte Retour: Tendenz zu keinen oder niedrigen Kosten
  • Erwartung einer Schweizer Absenderadresse

Die Vorteile eines Onlineshops in Österreich

  • 69 % Online-Käufer
  • 21 % kaufen per Smartphone ein
  • 9 % kaufen per Click & Collect ein

Details zu den österreichischen Kunden

  • Vorlieben beim Bezahlen: Rechnung, Kreditkarte
  • Beliebteste Onlineshops: Amazon, Universal und Zalando
  • Beliebteste Produkte: Bekleidung, Textilien, Schuhe, Computer, Unterhaltungselektronik, Handys
  • Große Bedeutung: Preis, geringe Versandkosten

Was für Österreich und die Schweiz zu beachten ist

Gelingt es, Shop-Inhalte 1:1 auf den österreichischen und Schweizer Shop zu übertragen? Davon ist in jedem Fall abzuraten. Auch ein neuer deutschsprachiger Markt verlangt eine sorgfältige Marktanalyse.

Ziel #2: Niederlande und Großbritannien

Die Niederlande sind ein kleines Land mit sehr viel Potenzial: 22 Mrd. € hat der E-Commerce hier im Jahr 2017 erreicht. Davon fallen 18 Mrd. € auf den Online-Handel.

In Großbritannien leben 63,7 Mio. Menschen, von denen 82 % im Internet unterwegs sind. Neben den Briten und Niederländern können zudem auch englischsprachige Deutsche mit einem englischen Shop angesprochen werden und man erreicht den großen englischsprachigen Markt weltweit.

Die Vorteile eines Onlineshops in den Niederlanden

  • 14 % Wachstum im Jahr und damit der derzeit schnellst wachsende E-Commerce-Markt
  • 92 % Internetnutzer
  • 92 % Nutzer mit Social-Media-Account
  • Niederländer sprechen englisch und englische Seiten ranken in den niederländischen Suchmaschinen
  • Niederländer zahlen mit Euro
  • Offene Wirtschaft mit einer starken Ausrichtung auf internationalen Handel
  • Die Transportwege in die Niederlande sind kaum länger als innerhalb Deutschlands
  • Vergleichsweise geringe Versandkosten

Was Sie für die Niederlande beachten sollten

  • Niederländer bezahlen gern mit iDeal (Online-Zahlungsmethode aus den Niederlanden) oder PayPal, Mastercard, Visa
  • Zur Nachzahlung sind AfterPay, acceptgiro und Klarna beliebt
  • Gern bestellte Produkte im E-Commerce: Reisen & Tickets (39 %), Telekommunikation (13 %), Unterhaltungselektronik (8 %)
  • Größte Onlineshops: Wehkamp.nl, Bol.com (der größte im Jahr 2016), Zalando, Coolblue, H&M, Hema und Thuisbezorgd.nl
  • Platzierung von WhatsApp-Buttons häufig direkt auf den Webseiten (für Erstkundenkontakt
  • Niederländische Käufer haben das Recht auf eine Lieferung innerhalb von 4 Wochen

Hinweise zum Linkaufbau in den Niederlanden

Der Linkaufbau in den Niederlanden ist vergleichsweise schwierig und für Gespräche muss mehr Zeit eingeplant werden. Bevor es zum Deal kommt, sollte man zunächst an einer guten Beziehung zu den Redakteuren der niederländischen Blogs und Magazine arbeiten. Interessant sind auch sogenannte „Startpaginas“ in den Niederlanden. Diese werden als Verzeichnis in Branchenbüchern und Katalogen verwendet und stark genutzt.

Linkaufbau in den Niederlanden erleichtern:

  • LinkedIn-Profil einrichten: Niederländer prüfen darüber die Glaubwürdigkeit.
  • Social-Media-Profile einrichten: Das Unternehmen steigert für Influencer seine Relevanz.

Die Vorteile eines Onlineshops in Großbritannien

  • 43,4 Millionen britische Onlineshopper
  • Kunden werden weltweit erreicht
  • 83 % der Iren kaufen in britischen Onlineshops
  • Einkäufe via Smartphone: 49,7 % (Umsatz 2017: 20 Mio. Euro)
  • Kreditkarten sind die beliebteste Zahlungsmethode
  • 3 von 10 Online-Einkäufen werden mit Debitkarte getätigt
  • Ebenfalls als Zahlungsmethode sehr beliebt: PayPal
  • Beliebteste Produkte für Online-Käufe: Mode- und Sportartikel, Reise- und Haushaltsartikel
  • Beliebteste Onlineshops: Amazon, Tesco, eBay, Asos, Argos, Play.com, Next, John Lewis

Was in Großbritannien beachtet werden sollte

  • Währung: Britische Pfund
  • Erwartung bzgl. Versandkosten: freie Lieferung ab £ 10
  • Nicht vertraut mit Banküberweisungen oder Nachnahme
  • Reedereien: Anbieten von Tracking-Nummern, denn britische Kunden verfolgen mit, wo sich ihre Produkte befinden
  • Ideal: Kontaktadresse in Großbritannien für telefonische Rückfragen und für Retouren

Brexit: Wie geht es in Zukunft weiter mit dem Online-Handel?

Seit dem beschlossenen Brexit ist völlig unklar, wie es für den starken Online-Markt in Großbritannien zukünftig weitergehen wird. Ab 30. März 2019 sind die Briten nicht mehr Teil der EU.

Ziel #3: Frankreich, Spanien und Italien

Lukrative Geschäfte sind mit E-Commerce in Frankreich, Spanien und Italien möglich. Dabei sollte strategisch vorgegangen und der neue Markt genau analysiert werden. Franzosen bevorzugen bspw. hochwertige Produkte, solide Preise und legen großen Wert auf professionelles Französisch.

Die Vorteile eines Onlineshops in Frankreich, Spanien, Italien

  • Hohe Kaufkraft
  • Deutschland hat 1–2 Jahre SEO-Vorsprung
  • Zügige Rankings möglich

Details zum Online-Markt in Frankreich, Spanien, Italien

 

Frankreich

Spanien

Italien

Internet-Nutzer

68 %

59 %

60 %

Online-Käufer

81 %

44 %

60 %

Währung

Euro

Euro

Euro

Beliebte Zahlungs-methoden

  • Kreditkarte
  • Visa
  • PayPal

Oder alternative Zahlungsmethoden:

  • Allopass
  • CM-CIC Paiement
  • Hipay
  • Moneo
  • Paysafecard
  • Banküberweisung
  • Debitkarte
  • PayPal
  • Kreditkarte
  • Kreditkarte
  • Debitkarte
  • PayPal
  • Nachnahme

Beliebte Produkte

  • Reisen
  • Tourismus
  • Kleidung
  • Medien
  • Unterhaltungs-elektronik
  • Mode
  • Reisetickets
  • Unterhaltungs-elektronik
  • Tickets
  • Bücher
  • CDs
  • Urlaub
  • Reisetickets
  • Kleidung
  • Unterhaltungs-elektronik
  • Medien
  • Lebensmittel

Beliebteste Onlineshops

  • Amazon
  • Cdiscount
  • eBay
  • Fnac
  • Priceminister
  • Voyage SNCF
  • El Corte Inglés
  • eBay
  • Amazon
  • Mil Anunacios
  • Segunda Mano
  • Lets Bonus
  • Groupon
  • Bing
  • eBay
  • Groupalia
  • Zalando
  • Amazon
  • Euronics
  • IBS
  • BonPrix
  • Yoox

Sonstige Merkmale

  • Nachverfolgung gewünscht
  • Lieferdatum wird gern selbst gewählt
  • Kostenloser Versand wird erwartet
  • keine Postwerbung ohne Einwilligung
  • Wettbewerbs-vorteile bringt eine personali-sierte & schnelle Lieferung

Option Osten: Polen, Tschechien, Russland

Je nach Präferenz bieten sich nach den bereits genannten Ländern nun verschiedene Richtungen an, in denen Unternehmen mit E-Commerce Fuß fassen können. Fällt die Entscheidung z. B. auf den Osten, ist mit wenig Konkurrenz zu rechnen. Mit gutem internationalem SEO sind schnelle Rankings beinahe garantiert.

Eigenheiten der Länder sollten bei internationalem Online-Marketing berücksichtigt werden. So verwenden Russen z. B. viel Zeit bei der Suche nach Produkten und vergleichen ausgiebig die Preise. Weitere Merkmale sind in der folgenden Tabelle aufgelistet.

Details zum Online-Markt in Polen, Tschechien und Russland

 

Polen

Tschechien

Russland

Internet-Nutzer

67 %

73 %

59 %

Online-Käufer

51 %

47 %

32 %

Währung

Złoty

Tschechische Krone

Rubel

Beliebte Zahlungsmethoden

  • PayU
  • PayPal
  • Überweisung
  • Kreditkarte
  • Debitkarte
  • Kreditkarte
  • Mobile Payment
  • E-Wallets
  • Nachnahme (93 %)

Beliebte Produkte

  • Bekleidung
  • Accessoires
  • Bücher
  • CDs
  • Filme
  • Multimedia
  • Unterhaltungs-elektronik
  • Haus, Garten
  • Mode
  • Kosmetik
  • Haushaltsgeräte
  • Unterhaltungs-elektronik
  • Kleidung
  • Schuhe
  • Computer
  • Notebooks
  • Autoersatzteile
  • Mobiltelefone
  • Möbel
  • Interieur
  • B2B-Ausstattung
  • Baumaterialien

Beliebteste Onlineshops

  • Allegro.pl
  • Groupon.pl
  • Neo24.pl
  • Opineo.pl
  • Komputronik
  • Empik Digital & Publishing
  • Merlin.pl
  • Alza.cz
  • Mall.cz
  • Datart.cz
  • Notino.cz
  • CZC.cz
  • Kasa.cz
  • Ulmart.ru
  • Ozon
  • KupiVIP
  • Biglion
  • Avito
  • Online-Angebote der deutschen Otto Group

Sonstige Merkmale

  • 53 % der Online-Käufe werden übers Smartphone getätigt
  • Tschechen lieben Rabatte
  • Hohe Preise hemmen mobiles Internet

Misstrauen gegenüber Online-Transaktionen

Option Norden: Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen

Der nordische Markt übt einen großen Reiz auf viele Unternehmen aus, schließlich sind die Kunden im Norden sehr internetaffin und es kommt zu vergleichsweise wenig Retouren.

Die Vorteile eines Onlineshops in Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen

  • Wenig Konkurrenz
  • Geringe Retouren
  • Hohe Internetaffinität

Details zum Online-Markt in Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen

 

Dänemark

Schweden

Finnland

Norwegen

Internet-Nutzer

96 %

94 %

89 %

94 %

Online-Käufer

79 %

75 %

71 %

59 %

Währung

Dänische Krone

Schwedische Krone

Euro

Norwegische Krone

Beliebte Zahlungs-methoden

  • Dankort (Debitkarte & Kreditkarte im Ausland)
  • MobilePay
  • Rechnung
  • Lastschrift
  • Kreditkarte
  • Überweisung
  • Bankkarte
  • Rechnung
  • Kreditkarte
  • Bankkarte
  • Überweisung
  • Rechnung

Beliebte Produkte

  • Kleidung, Schuhe und Schmuck
  • Musik
  • Bücher
  • Spiele und Spielzeug
  • Touren und kulturelle Erlebnisse
  • Unterhal-tungselek-tronik
  • Bücher
  • Bekleidung
  • Schuhe
  • Möbel
  • Mode
  • Elektronik und Medien
  • Spielzeug, Hobby, DIY

 

  • Mode
  • Spielzeug, Hobby
  • Möbel und Haushalt

Beliebteste Onlineshops

  • Amazon
  • Saxo
  • Zalando
  • Cdon
  • Elgiganten
  • Halens.se
  • Nelly.com
  • Adlibris.com
  • Bokia.se
  • Cdon.com
  • NetOnNet.se
  • Amazon
  • Ebay
  • tori.fi
  • huuto.net

Haugenbok.no

MoodsofNorway.com

Blivakker.no

 

Sonstige Merkmale

  • Jährliche Ausgaben für Online-Käufe: 2 252 Euro
  • Legen Wert auf eine schnelle Lieferung: 2 Tage
  • Britische und Deutsche Onlineshops werden als ausländische Shops bevorzugt
  • 55 % Mobile Commerce
  • Anforderungen an die Lieferzeit sind moderat
  • Es gibt keine klaren Marktführer, sondern eine Vielzahl kleinerer Onlineshops
  • Anforderungen an die Lieferzeit: 3–5 Tage
  • 13 % Mobile Commerce
  • Teil des Europäischen Wirtschaftsraums

Option China

Die Vorteile für E-Commerce in China liegen auf der Hand: Ein überwältigend großer Markt von 1,2 Milliarden Menschen! Ebenso deutlich erkennbar sind allerdings auch die Herausforderungen – gerade für Onlineshops. Die chinesischen Schriftzeichen sind eine große Hürde, eine andere ist die für Europäer fremde Kultur. Hinzu kommen noch die schwierigen technischen Bedingungen wie die „Great Firewall“. Diese schirmt China teilweise vom Rest der Welt ab, verlangsamt Zugriffszeiten oder sperrt sogar IP-Adressen.

Details zum Online-Markt in China

  • Prognose für 2018: 74 % mobile E-Commerce
  • 83 % Online-Käufer
  • Gute Voraussetzungen für E-Commerce: gesunkene WLAN-Kosten und schnelles, mobiles Internet
  • Erwartung der Chinesen: ausführliche Informationen in Form von Produktbeschreibungen, Bildern, Bewertungen
  • Produkte aus Deutschland haben einen guten Ruf
  • Beliebte Produkte aus dem Ausland: Lebensmittel, Mode, Kosmetik, Gesundheitsprodukte
  • E-Commerce-Feiertage nutzen: z. B. Singles Day am 11. November
  • Zielgruppe vor allem in größeren Städten

SEO: Optimal mit einem Shop im Ausland ranken

Jeder Markteintritt sollte strategisch geplant werden, egal ob es das Nachbarland Österreich oder der ferne chinesische Markt ist. Was in Deutschland funktioniert, kann in anderen Ländern floppen. Eine Beratung durch Fachleute ist hierbei der beste Weg, um Denkmuster, technische Gegebenheiten und kulturelle Eigenheiten des neuen Marktes zu berücksichtigen. Für jedes Land gilt es ein eigenständiges Konzept zu entwickeln.

Domain fürs Ausland anpassen

Mit eines dieser drei Domainkonzepte können Onlineshops fürs Ausland gerüstet werden:

  1. Top-Level-Domain: www.domain.de, www.domain.at
  • Das Land kann eindeutig zugeordnet werden, allerdings müssen Links pro Domain aufgebaut werden.
  1. Generische Top-Level-Domain mit Sprach- oder Landverzeichnissen: www.domain.com/us
  • Mit dieser Variante wird der „Trust“ der Hauptdomain weitergegeben, allerdings erhalten Onlineshops etwas weniger Relevanz in den lokalen Märkten.
  1. Subdomain: de.domain.com, at.domain.com
  • Mit dieser Variante können Shops den „Trust“ der Hauptdomain teilweise weitergeben und auch Geotargeting ist möglich. Links müssen allerdings separat aufgebaut werden.

Technische Informationen hinterlegen

Shops sollten die technischen Informationen für Suchmaschinen hinterlegen. Dafür wird der hreflang-Tag verwendet, um anzuzeigen, in welchen Sprachen der Shop verfügbar ist. So können Suchmaschinen die für Nutzer relevante Sprache auswählen.

Den Shop inhaltlich und strukturell anpassen

Keywords sollten für Shops im Ausland nicht einfach übersetzt, sondern separat in einer Keyword-Analyse ermittelt werden. Im Idealfall kann hierbei die Unterstützung von Muttersprachlern eingeholt werden.

Spannend? Jetzt Artikel zu Ende lesen!

Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 70 von Februar 2018 mit dem Titelthema „Online-Marketing-Mythen: Was stimmt? Was nicht?“.

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