Conversion Corner: Warum Slider Conversion Rates verschlechtern

Beitrag aus Ausgabe 70 / Februar 2018
Conversion-Optimierung
Marie Schirmbeck und Oliver Engelbrecht

Als Conversion-Analystin bei der Agentur LEAP/ nutzt Marie Schirmbeck ihre psychologischen Kenntnisse aus dem Studium, um Websites hinsichtlich ihrer Conversion Rate zu optimieren. Oliver Engelbrecht ist bei der Agentur LEAP/ für das Marketing verantwortlich und koordiniert das Magazin GrowthUp.

Immer wieder setzen Menschen Slider ein, um ihre Websites zu „verschönern“. Doch dabei vergessen sie eines: Slider verschlechtern die Conversion Rate!

Sicher gibt es viele Gründe, Slider auf einer Website einzubauen. Doch sind das wirklich gute Gründe?

Gute Gründe?

Es ist auf jeden Fall schön, wenn sich alle Abteilungen eines Unternehmens direkt oben auf der Homepage wiederfinden. Doch dadurch, dass im Slider so viele Messages durcheinandergewürfelt werden, kommt keine mehr richtig rüber. Der Platz, an dem eigentlich die wichtigste Botschaft des Unternehmens stehen sollte, wird dadurch komplett verwässert.

Hinzu kommt, dass Nutzer sich, wenn sie zu viel Auswahl haben, am Ende für gar nichts entscheiden werden (Paradox of Choice). Mit einem Slider haben zwar alle einen Platz – aber geholfen ist am Ende niemandem.

Slider hätten fraglos eine Daseinsberechtigung, wenn sie Nutzer dazu bringen würden, mit einer Website zu interagieren. Doch das tun sie nicht. Laut Studien wird der erste Slide nur von etwa einem Prozent der Nutzer angeklickt – die hinteren noch seltener.

Warum nicht?

Slider haben den Ruf, besonders ansehnlich zu sein und damit einladend auf die Nutzer zu wirken. Doch zahlreiche psychologische Phänomene zeigen uns, dass sie eigentlich eher eine abschreckende Wirkung haben. Das liegt an den nachfolgend dargestellten Gründen.

Nutzer reagieren auf Bewegung

Eine Bewegung kann das Verhalten des Menschen direkt und unbewusst beeinflussen. Dies wird als „primitives“ visuelles System bezeichnet und ist evolutionär begründbar. Denn früher mussten Menschen in der Lage sein, schnell und ohne bewusste Anstrengung auf sich bewegende Reize zu reagieren. Nur so war es möglich, Gefahren rechtzeitig zu erkennen und ihnen entsprechend zu begegnen.

Somit nehmen Nutzer die automatischen Slider unbewusst wahr und sehen sie als Ablenkung an. Dadurch werden sie von ihrer eigentlichen Intention, dem Kauf eines Produktes oder einer ähnlich gearteten Conversion, abgelenkt.

Nutzer ignorieren Werbung

Die Banner Blindness ist mittlerweile ein bekanntes Phänomen. Und Slider sehen oft so aus wie Banner. Ihre Inhalte werden daher von den meisten Nutzern geflissentlich ignoriert – egal, wie wichtig diese Informationen sind und wie auffällig sie eigentlich platziert wurden.

Insgesamt entsteht also ein Konflikt, da der Slider durch seine Bewegung immer wieder die Aufmerksamkeit des Nutzers auf sich lenkt, dieser aber durch sein erlerntes Verhalten ständig dagegen steuert und versucht, den Slider zu ignorieren. Somit führt der Slider zu einem latenten Unwohlsein.

Nutzer möchten sich wohlfühlen

Menschen streben danach, ihre Umwelt zu kontrollieren. Dieser Wunsch nach Stabilität wird allerdings durch den Einsatz von Slidern komplett untergraben.

Ein weiterer Kontrollverlust rührt daher, dass Nutzer bei automatischen Slidern oft nicht genug Zeit haben, sich ein Slide überhaupt bis zum Ende anzuschauen. Wenn sie also die Banner Blindness überwinden und sich für das angezeigte interessieren, haben sie dafür meist nicht einmal ausreichend Zeit. So stellt sich ein Gefühl von Stress ein, da die Nutzer Angst haben, wichtige Informationen oder gar besondere Angebote zu verpassen.

Und darüber hinaus sind Slider oft auch nicht dafür geeignet, ein Mindestmaß an Barrierefreiheit zu gewährleisten. Denn Hilfsgeräte wie Screenreader können oft keine Slider verarbeiten – und Tastaturen können meist nicht auf die Navigationspfeile zugreifen.

Slider lösen also, egal wie man es dreht und wendet, negative Gefühle bei den Nutzern aus – selbst dann, wenn sie eigentlich an deren Inhalten interessiert sind.

Also …

Man sollte also am besten Websites ohne Slider bauen. An deren Stelle funktionieren statische Bilder wie z. B. Hero Shots deutlich besser. Sie bieten einen ansehnlichen Above-the-Fold-Bereich sowie ein konversionsstarkes Design. Außerdem lassen sie die Navigation weiterhin prominent ganz oben auf der Seite erscheinen.

Spannend? Jetzt Artikel zu Ende lesen!

Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 70 von Februar 2018 mit dem Titelthema „Online-Marketing-Mythen: Was stimmt? Was nicht?“.

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