Project Owl und Google Fact-Checking: Mehr Qualität in den Suchergebnissen?

Beitrag aus Ausgabe 69 / Dezember 2017
SEO
Florian Kolbe

arbeitet im Online-Marketing bei der Online Solutions Group in München und ist dort in den Bereichen SEO und SEA tätig. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse teilt er gern und regelmäßig auf dem Agentur-Blog oder als Gastautor.

Google’s Mission Statement ist klar: Jede Suchanfrage soll die passenden und relevanten Ergebnisse liefern. In Zeiten von Fake News entstand daraus ein Problem, dem sich Google nun stellt – mit zwei interessanten Initiativen.

Google hat seinen Suchalgorithmus mit diversen Updates immer wieder verfeinert. So sollen den Nutzern relevante und hochwertige Ergebnisse geliefert werden. Daraus ergibt sich allerdings das Problem, dass Fake News oder auch Verschwörungstheorien schnell verbreitet werden können. Diesem Problem nimmt sich der Suchmaschinengigant mit zwei neuen Initiativen an. Eine dieser Initiativen hört auf den Namen „Project Owl“ und sagt minderwertigem Content den Kampf an. Um der Verbreitung von Fake News zu begegnen, wurde zudem das Fact-Checking eingeführt. Dieser Artikel stellt die beiden Initiativen und das zugrunde liegende Problem vor.

Das Problem – Qualität der Google Suchergebnisse

Google’s Mission Statement ist gleichzeitig auch die Ursache eines Qualitätsproblems. Bei einer Suchanfrage sollen Anfrage und Ergebnis soweit wie möglich übereinstimmen. Die Qualität bzw. Glaubwürdigkeit spielt dabei zunächst eine untergeordnete Rolle. Suchergebnisse sollen relevant für den Nutzer und dessen Suchanfrage sein. Bei inhaltlich fragwürdigen oder anstößigen Suchanfragen sowie Suchanfragen zu Falschmeldungen oder alternativen Fakten werden die entsprechenden Ergebnisse ausgespielt. Diese Tatsache hat Google in letzter Zeit vor Probleme gestellt. Die Frage nach der Qualität der Google Suchergebnisse kam auf.

Zwar machen diese Suchanfragen „nur“ 0,25 Prozent der rund 6 Milliarden Suchanfragen täglich aus. Das sind aber immerhin auch rund eine Million Suchanfragen pro Tag. Die Suchmaschine stellt sich diesen Problemen mit zwei neuen Initiativen bzw. Updates, dem Project Owl sowie dem Fact-Checking.

Project Owl – Google’s Qualitätsoffensive

Was verbirgt sich hinter Project Owl

Hinter Project Owl steht der Gedanke, minderwertigen Content aus den Suchergebnissen und anderen Services von Google zu verbannen. Dazu wird der Suchalgorithmus entsprechend trainiert. Dies geschieht durch menschliche Testpersonen, die die Änderungen im Algorithmus mittels Blindtest bewerten. Dabei geht Google nach dem Schema eines A/B-Tests vor. Den Testpersonen werden die Suchergebnisse vor und nach der Änderung im Algorithmus ausgegeben. Anschließend erfolgt die Bewertung der Qualität der Suchergebnisse.

Im Zuge dessen hat die Suchmaschine ihre Richtlinien zur Bewertung der Qualität einer Webseite angepasst und verbessert. Diese beinhalten nun detaillierte Beispiele für Webseiten mit geringer Qualität, unerwartet anstößigen Inhalten, Falschmeldungen und nicht bestätigten Verschwörungstheorien. Verstöße gegen diese Richtlinien sind so schneller zu erkennen und können gemeldet werden. In Deutschland sind derzeit rund 600 Testpersonen im Einsatz. Aufbauend auf dem Feedback dieser Personen soll der Algorithmus entsprechende Webseiten und Inhalte selbstständig erkennen. Die Testpersonen erarbeiten das Grundwissen für das Machine Learning.

Einen direkten Einfluss auf die Rankings soll das Feedback der Tester nach Angaben von Ben Gomes (https://blog.google/products/search/our-latest-quality-improvements-search/), VP of Engineering Google Search, nicht haben. Dennoch werden die Suchergebnisse aus mehreren 100 Signalen erstellt. Diese wurden angepasst, um verlässlichere Suchergebnisse zu liefern. So spielen bspw. die Aktualität der Inhalte sowie die Häufigkeit der Suchphrase auf einer Seite eine Rolle. Die Suchmaschine möchte so die Qualität ihrer Suchergebnisse steigern und dem Nutzer passende und hochwertige Ergebnisse liefern.

Das Ziel hinter Project Owl

Ziel ist die Verbesserung der Qualität der Suchergebnisse für die Nutzer. Ähnlich wie bei Spam Mails sollen Versuche, die Algorithmen von Google auszutricksen, erschwert werden. Die dazu eingesetzten Testpersonen haben nicht die Aufgabe, minderwertige Seiten aus den Ergebnissen zu filtern. Sie sollen vielmehr das maschinelle Lernen darauf trainieren, diese Inhalte selbst zu erkennen.

Ein prominentes Beispiel stammt aus dem März letzten Jahres. Suchanfragen, ob der ehemalige US-Präsident einen Putsch plane, lieferten Ergebnisse einer dubiosen Webseite. Diese behauptete, dass Obama zusammen mit den Chinesen einen Putsch plane. Project Owl soll solche Fehlleistungen zukünftig vermeiden. Bei dem Beispiel handelt es sich klar um eine Verschwörungstheorie, der jegliche seriöse und verlässliche Informationen fehlen.

Weitere Änderungen mit Project Owl

Im Zuge des Projekts passt Google zudem die Autocomplete-Funktion sowie die Featured Snippets an. Die Autokomplete-Funktion liefert bei einer Suchanfrage Vorschläge häufig gestellter Suchanfragen. Die Featured Snippets sollen schon innerhalb der Suchergebnisse relevante Informationen anzeigen. Beide Funktionen haben gemeinsam, dass die Inhalte algorithmusbasiert sind und automatisch generiert werden. Sie spiegeln die Suchanfragen der Nutzer und die Inhalte der im Google-Index enthaltenen Seiten wieder. Diese Tatsache kann in manchen Fällen zu unerwarteten, anstößigen oder nicht korrekten Ergebnissen führen. Mittels weniger Klicks kann der Nutzer nun Feedback zu den Funktionen geben und unpassende oder verstörende Inhalte melden. Mit den gesammelten Daten will Google seinen Algorithmus anpassen und verbessern, um ähnliche Vorschläge zukünftig zu vermeiden.

Google Fact-Checking – Kampf gegen Fake News

Nichtrichtige Nachrichtenmeldungen, sogenannte Fake News, stellen in sozialen Netzwerken und in Suchmaschinen ein immer größeres Problem dar. Große News-Portale, die von anderen Publikationen beliefert werden, haben besonders mit diesem Problem zu kämpfen. Dazu gehört auch Google News und die Google-Websuche. Besonders aktuell: Im Kampf um Wählerstimmen wird versucht, durch gezielt gestreute Falschmeldungen das Wahlergebnis zu beeinflussen.

Die Funktionsweise des Fact-Checking

Google hat mit dem Fact-Checking der Verbreitung von Fake News oder auch alternativen Fakten in den Google News den Kampf angesagt. Dabei wird der verlinkte Artikel per Benotung bewertet und als wahr oder falsch eingestuft. Jedoch ist je nach Bewertung auch eine Zwischenstufe möglich. Ein Artikel oder eine Nachricht kann also auch als „eher wahr“ oder „eher falsch“ eingeordnet werden. Insgesamt zeigt die Benotung an, als wie glaubhaft ein Artikel bewertet und eingeschätzt wird. Allerdings ist diese Bewertung nur für große News-Portale mit hohen Reichweite verfügbar. Sie ist auf ein bis drei kurze Worte begrenzt.

In der Google-Websuche wird ebenfalls eine Bewertung für Schlagzeilen und Nachrichten eingeblendet. Die Einstufung des Artikels wird direkt in den Suchergebnissen angezeigt. Dabei bewertet Google die Artikel nicht selbst und automatisch. Stattdessen wird die Bewertung über schema.org eingebunden und nur angezeigt, wenn diese vom Betreiber der Webseite per META-Tag angefordert wurde.

Mögliche Probleme, die sich aus dem Fact-Checking ergeben

Ein erstes mögliches Problem, das in Verbindung mit dem Fact-Checking auftreten kann, ist, dass sich der Fact-Check widerspricht. Bei einer Suchanfrage zu einem bestimmten Thema werden mehrere geprüfte Artikel angezeigt. Ein Artikel wird als glaubhaft eingestuft und ein anderer Artikel wiederum nicht. Ursache dafür ist die Bewertung durch die Nutzer. Google führt die Prüfung nicht selbst durch. Die Ergebnisse des Fact-Checks sollen dem Nutzer nur bei der Einschätzung einer Informationsquelle unterstützen, um Entscheidungen auf Basis verlässlicher Informationen zutreffen.

Ein weit größeres Problem ist, dass sich gefälschte Fact-Checks schnell verbreiten könnten. Dies ist besonders bei schwer zu vergleichbaren Seiten der Fall. Grund hierfür ist, dass jede Seite ihre eigenen Inhalte als Fact-Checking-Inhalte kennzeichnen kann. Es müssen einfach die entsprechenden und nicht sichtbaren Metadaten eingebaut werden. So ist die Seite im Handumdrehen eine Quelle für das Fact-Checking.

Letztendlich spielt aber auch die Bewertung der Seite durch den Suchalgorithmus eine Rolle bei der Entscheidungg, ob eine Quelle bzw. ein News-Publisher als glaubwürdig eingestuft wird. Hier kommt dann das Project Owl ins Spiel. Seiten mit minderwertigen Inhalten werden sicherlich nicht als glaubhaft eingestuft werden.

Schlussfolgerungen für SEOs

Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen das Fact-Checking sowie Project Owl genau haben werden. Die Qualität der Suchergebnisse wird zunehmen, sobald die Daten der Tests ausgewertet und in den Algorithmus eingearbeitet wurden. Danach könnten die Suchergebnisse besser den Erwartungen der Nutzer entsprechen und somit relevantere, glaubwürdigere sowie informativere Ergebnisse liefern. Wie genau diese Ergebnisse bestimmt werden, kann nicht genau gesagt werden. Es ist jedoch ziemlich sicher, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen.

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Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 69 von Dezember 2017 mit dem Titelthema „SEO + SEA: gemeinsam besser“.

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