Themenradar: Wie relevant ist Google Home?

Beitrag aus Ausgabe 68 / Oktober 2017
SEO
Markus Hövener

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

Erfahrene Online-Marketer teilen ihr Wissen: Seit einigen Wochen gibt es das Google Home in Deutschland zu kaufen. Wie attraktiv ist das Gerät? Wird Voice Search wirklich zu einem ernsthaften Paradigmen-Wechsel führen?

Maik Bruns

Inhaber, Metrika e. K.

Ich habe bisher weder Google Home noch Amazons Alexa oder andere ausprobiert und dementsprechend „schätzend“ kann meine Meinung nur sein. Allerdings glaube ich nicht, dass sich innerhalb der nächsten Jahre durch diese Produkte unglaublich viel im (Such-)Verhalten der Menschen ändern wird, auch wenn ja geschätzt „viele Millionen“ von ihnen offenbar installiert werden. Wenn es zu Veränderungen im Verhalten kommt, dann eher durch Geräte, die wir häufiger nutzen, etwa Smartphones. Und auch dort ist ja der Google Assistant angekommen. Ich sehe „Home“ also eher als verlängerten Arm des Smartphone-Assistenten und zusätzliche Daten- und somit Lernquelle für diesen.

Warum Google sich in diese Home-Produkte hineinstürzt, liegt meiner Meinung nach darin begründet, dass sie einen aufkommenden Trend mitgehen, daran lernen und weiterentwickeln wollen, und weniger daran, dass mit dem Verkauf der Geräte aktuell unglaublich viel Geld zu holen wäre, denn dafür sind sie zu günstig – und können noch zu wenig. Also geht es eher darum: Wie werden Menschen solche Produkte nutzen? Was werden sie damit wie oft tun oder bestellen? Daraus lassen sich auf Dauer Produkte oder Dritt-Anbieter-Anbindungen generieren, über die sich dann wiederum Geld verdienen lässt – beispielsweise Reisebuchungen oder einfache Pizza-Bestellungen, für die sich Google dann provisionieren lässt.

Dirk Lajosbanyai

Managing Director, ad agents GmbH

Alexa, Siri, Cortana & Co. werden künftig unser Leben ähnlich bereichern und verändern, wie damals das Internet. Zwar steckt das Thema noch in den Kinderschuhen, aber das Potenzial ist immens.

Die Geschwindigkeit der Ausbreitung von Voice Search ist eng gekoppelt an die Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI). Durch KI wird die Intention der Frage erfasst und die bestmögliche Antwort aus einem schier unermesslichen Pool an verknüpften Daten bereitgestellt. Heute schon sehen wir Änderungen in der Alltagskommunikation, doch in der Zukunft werden sich ganze Geschäftsmodelle ändern und Branchen umgewälzt werden.

Christoph Pawletko

Teamleiter Online-Redaktion, SEO-Küche Internet Marketing GmbH & Co. KG

Welches Gerät sich am Ende durchsetzt, wird spannend zu sehen sein. Fakt ist: Keiner braucht zwei Voice-Search-Geräte im Haushalt. Wie der Konkurrenzkampf zwischen Amazon, Google und bald auch Apple und Microsoft ausgehen wird, hängt von der Funktionsvielfalt und wohl vom Werbebudget ab. Durch den frühen Start hat Amazon hier sicher einen Vorteil, außerdem auch beim Online-Shopping. Für Google wäre es zukünftig denkbar, Werbung direkt über den Home Speaker einzuspielen oder wie bei einem Affiliate Model an jeder Transaktion mitzuverdienen.

Je besser Voice Search wird, desto mehr wird sich das Suchverhalten zur gesprochenen Suche verschieben (Longtail). Um sich darauf einzustellen, müssen SEOs relevante Fragen genau vorhersehen, da User beim Sprechen ganze Sätze verwenden und sich weniger auf einzelne Keywords beschränken. Dies kann mit einem ausführlichen FAQ-Bereich oder hochwertigen Direct-Answer-Snippets abgedeckt werden. Durch das fehlende Display wird nur noch das erste Suchergebnis vorgelesen, der Wettbewerb wird also noch härter. Spannend wird sein, welche Antworten Google Home vorliest: Wie werden Anzeigen bewertet?

Oliver Engelbrecht

Chefredakteur, LEAP/

Google Home und andere Voice-Search-Assistenten werden fraglos zu einer neuen Art der Suche führen. Man sieht schon heute, dass die jüngeren Generationen selbst bei Messengern kaum noch tippen, sondern fast ausschließlich Sprachnachrichten versenden. Dieser Trend wird sich auch in der Suche fortsetzen – allerdings für die meisten Nutzer erst dann, wenn sie auch regelmäßig hilfreiche Antworten von ihren Geräten bekommen. Bis dahin wird es die bekannten Wachstumsschmerzen geben, die von Early Adoptern gerne in Kauf genommen, von der breiten Masse aber nicht akzeptiert werden. Der Wandel von der getippten zur gesprochenen Suche wird sich also nicht von heute auf morgen vollziehen.

Und wie wird Google damit Geld verdienen und den Einnahmeausfall bei AdWords und AdSense kompensieren? Da wird dem Suchmaschinengiganten sicher etwas einfallen – und die gerade angekündigte Kooperation mit Walmart ist dabei nur ein erster Schritt.

Nils Winterstein

Head of SEO, Clicks Online Busines

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Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 68 von Oktober 2017 mit dem Titelthema „Remarketing / Retargeting: aus Besuchern Kunden machen“.

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