YouTube-SEO vs. Website-SEO: Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Suchmaschinenoptimierung

Beitrag aus Ausgabe 67 / August 2017
SEO
Lydia Flügel

ist seit zwei Jahren SEO-Consultant bei der Online-Marketing-Agentur Performics am Standort Berlin. Bevor sie auf die Agenturseite der Suchmaschinenoptimierung wechselte, war sie auf Unternehmensseite im Online-Marketing tätig und dort insbesondere für SEO und Social Media verantwortlich.

Die Bedeutung von YouTube nimmt immer weiter zu und damit wird auch die Antwort auf folgende Frage immer wichtiger: Was muss beim YouTube-SEO anders gemacht werden als bei Websites?

Unter Suchmaschinenoptimierung versteht man in der Regel die Optimierung der eigenen Website, um in den Suchergebnissen bessere Rankings zu generieren. Allerdings kann eine Suchmaschinenoptimierung für alle Suchmaschinen betrieben werden – nicht nur für Google. Neben Amazon, den App-Stores und natürlich Google selbst ist Suchmaschinenoptimierung auch für YouTube möglich. Im Unterschied zur klassischen Suchmaschinenoptimierung steht hierbei allerdings der zu optimierende YouTube-Kanal im Vordergrund. Das Medium ist also ein anderes – aber ändert sich dadurch auch die Herangehensweise an die Optimierung?

Die Antwort lautet: „Jein.“ Denn natürlich sind bei der Optimierung von Videos andere Aspekte zu berücksichtigen als bei der Optimierung von Websites. Dennoch ist das Vorgehen nicht gänzlich anders.

Keywords – eine wesentliche Gemeinsamkeit

Da bei YouTube für eine Suche optimiert wird, ist es auch bei diesem Kanal essenziell, die Suchbegriffe der Nutzer zu kennen. Wie beim Website-SEO sollte also auch beim YouTube-SEO zunächst mit einer Keyword-Recherche begonnen werden. Zwar gibt es keine Anwendungen, die Zugriff auf Suchvolumina in YouTube ermöglichen, aber Tools wie keywordtool.io erlauben zumindest einen Blick auf die Begriffe, nach denen die Nutzer suchen.

Doch wie können die Keywords priorisiert werden, wenn keine Angaben zum Suchvolumen vorliegen? Dafür gibt es verschiedene Herangehensweisen: Man kann sich zum Beispiel am Suchvolumen bei Google orientieren. Doch suchen Nutzer auf YouTube vielleicht ganz anders als bei Google? Es gilt herauszufinden, mit welchen Begriffen die Nutzer eher nach Videos suchen. Die Antwort darauf liefern die Google-Suchergebnisse. Wird dort ein Video angezeigt, bevorzugen die Nutzer als Ergebnis für diese Suchanfrage offensichtlich Videos. In diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Nutzer danach auch in der Suchmaschine YouTube suchen.

Die sich aus der anfänglichen Recherche ableitende Strategie muss bei YouTube ein bisschen anders gehandhabt werden. Beim Website-SEO ist es wichtig, dass ein Keyword nur auf einer URL optimiert wird. Bei YouTube ist das nicht ganz so relevant. Ein Kanal kann auch mit mehreren Videos für ein- und dasselbe Keyword ranken.

Außerdem ist die Konkurrenz bei YouTube eine andere als bei Websites. Man konkurriert auf YouTube mit vielen Influencern, die sich bereits einen Namen gemacht haben und ggf. authentischere Inhalte bereitstellen, als es Marken bisher tun. Deshalb sollte man beim YouTube-SEO vor allem die Brand-Keywords stärken. Anders als bei anderen Websites bekommt eine Marke bei YouTube nicht unbedingt einen Vertrauensbonus. Das ist auch in der Abbildung der Suchergebnisse für „vw“ zu sehen, in der die Marke Volkswagen nur an zweiter Stelle rankt.

Die Technik: auch bei YouTube relevant, jedoch völlig anders zu betrachten

Die Themen Crawling, Indexierung, interne Verlinkung, Page-Speed sowie Mobiloptimierung spielen im Website-SEO eine große Rolle. Denn nur wenn Google die Seite auch versteht, kann sie gute Rankings erzielen. Im YouTube-SEO muss sich der Kanalbetreiber über diese Aspekte keine Gedanken machen. Doch das Ziel ist stets, ein nutzerfreundliches Grundgerüst zu erstellen, auf dem Content aufgebaut werden kann.

Ein solches nutzerfreundliches Grundgerüst gilt es auch für YouTube zu bauen: das Video. Zwar kann Google diesen Aspekt nicht wie auf Webseiten selbst kontrollieren, dennoch spielt er für die Nutzermetriken eine große Rolle. Kanalbetreiber sollten deshalb vor allem auf eine gute Bild- und Tonqualität achten. Wurde der Sprecher synchronisiert, muss die Synchronisation ebenfalls gut sein. Außerdem ist es wichtig, dass das Video den Nutzer mitreißt und ihm bereits zu Beginn verdeutlicht, was das Video an Mehrwert bietet. Sind diese Faktoren nicht erfüllt, stoppt der Nutzer das Video wahrscheinlich nach nur kurzer Wiedergabedauer und ein gutes Ranking wird unwahrscheinlich. Auch die Länge des Videos spielt eine Rolle: In den Top-Suchergebnissen auf YouTube sieht man vor allem längere Videos. Das bestätigte auch YouTube selbst (Quelle: https://youtube-creators.googleblog.com/2012/08/youtube-now-why-we-focus-on-watch-time.html).

Der Content: für Websites wie für YouTube wichtig

Was die Startseite für eine Website ist, ist für YouTube der Kanal. Bereits hier lassen sich einige Optimierungen vornehmen. So können Logo, Kanalname und Kanalinfo die Klickrate der Suchergebnisse beeinflussen. Wenn der Vorteil eines Kanal-Abonnements gut kommuniziert wird, kann die Kanalinfo außerdem Einfluss auf Nutzersignale haben. Zusätzlich kann der Kanalbetreiber Kanal-Keywords hinterlegen, für die der Kanal ein gutes Ergebnis darstellt.

Ebenso existieren Optimierungsmöglichkeiten für die Videos selbst. Im Website-SEO sind vor allem folgende Elemente relevant: Title, Description, H1 und der Text. Im YouTube-SEO gibt es korrespondierende Elemente:

Website-SEO

YouTube-SEO

Title

Title

Description

Erster Absatz der Description & Thumbnail

H1

Text

Rest der Description

Tag

Tabelle 1: Relevante Elemente im Website- und YouTube-SEO

Title und Description sind ausschlaggebend für die Klickrate der Suchergebnisse. Anders als beim Website-SEO gibt es bei YouTube nicht die Möglichkeit, eine gesonderte Snippet-Description anzulegen. Stattdessen nutzt YouTube den ersten Absatz der Video-Beschreibung. Deshalb ist es im YouTube-SEO wichtig, diesen Absatz als Teaser-Text zu verfassen. Darüber hinaus ist das Thumbnail für die Klickrate mitentscheidend. Dazu gibt es im Website-SEO kein Äquivalent. Bei YouTube ist das Thumbnail jedoch außerordentlich wichtig. Es sollte deshalb mit Bedacht gewählt werden – und zwar so, dass es das Video gut zusammenfasst.

Der Text-Content ist im Website-SEO essenziell. Im YouTube-SEO ist seine Bedeutung nicht ganz so hoch, wie eine Studie von Backlinko ergab (Quelle: http://backlinko.com/youtube-ranking-factors). Dennoch sollte man die Beschreibung des Videos nutzen, um Keywords einzufügen und den Inhalt für die Nutzer zusammenzufassen. Zudem können hier auch relevante Links, z. B. auf die Website, gesetzt werden.

Vor vielen Jahren waren im Website-SEO die Meta-Keywords ein relevantes Ranking-Kriterium. Das ist heute nicht mehr der Fall. Bei YouTube werden Meta-Keywords hingegen noch genutzt und spielen auch eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Deshalb sollte man die Keyword-Tags bei YouTube für die Keyword-Verwendung nutzen.

Nutzermetriken: bei YouTube ein klarer Ranking-Faktor

Nutzermetriken, die die Suchmaschine direkt verstehen kann, z. B. die Klickrate auf das Snippet in den Suchergebnissen, spielen im Website-SEO sicherlich eine Rolle – auch wenn sie über die Qualität des Seiteninhalts nur wenig aussagen. Darüber hinaus ist es relevant, ob Nutzer direkt nach dem Klick auf ein Suchergebnis zur Suche zurückkehren oder nicht. Auch das kann die Suchmaschine relativ einfach selbst ermitteln. Die Rolle von Nutzermetriken direkt auf der Seite ist jedoch umstritten, da die Suchmaschine nur begrenzte Möglichkeiten hat, diese Metriken auszulesen (z. B. über Google Analytics oder Google Chrome).

Im YouTube-SEO ist das eindeutiger: YouTube selbst stellt den Nutzern diverse Möglichkeiten zur Verfügung, Videos zu bewerten. Und da YouTube auch die Suchmaschine ist, ist es nur logisch, diese Daten zu nutzen. Dazu zählen die Bewertung der Videos per Thumbs up (Daumen hoch) und Thumbs down (Daumen runter), das Hinterlassen von Kommentaren zu einem Video, die Anzahl der Aufrufe sowie die Wiedergabedauer eines Videos, die Zahl neuer Abonnenten im Anschluss an das Ansehen des Videos sowie das Teilen von Videos. Alle diese Faktoren haben erheblichen Einfluss auf das Ranking bei YouTube, wie die Studie von Backlinko offenbarte (http://www.searchmetrics.com/de/knowledge-base/ranking-faktoren/).

Off-Page-Signale: bei YouTube eher Mittel zum Zweck

Im Website-SEO versteht man unter Off-Page-Signalen vor allem Backlinks. Ein Link ist so etwas wie die Empfehlung einer Seite. Der Gedanke dahinter: Je mehr vor allem hochwertige Links eine Website hat, desto häufiger wird sie weiterempfohlen bzw. als desto vertrauenswürdiger gilt sie. Obwohl ihre Bedeutung oftmals hinterfragt wird, spielen Backlinks im Website-SEO weiterhin eine große Rolle.

Im YouTube-SEO sind Off-Page-Signale zu vernachlässigen. Wieso sollte YouTube auch auf Daten Dritter zurückgreifen, wenn es die Bewertung der Videos direkt von den Nutzern mittels der bereits genannten Möglichkeiten erhält? Dennoch sollten Kanalbetreiber ihre Videos im Netz möglichst weit verbreiten, da sonst die Nutzer ausbleiben, die die Metriken positiv beeinflussen könnten. Wie auch im Website-SEO stehen dem Kanalbetreiber hierfür diverse Möglichkeiten zur Verfügung. Sie reichen von der eigenen Unternehmenskommunikation (PR, Blogs, Social-Media-Kanäle, Newsletter usw.) bis hin zu bezahlten Kanälen wie YouTube Ads, Social Media Ads, Advertorials, Native Ads. Off-Page-Signale sind im YouTube-SEO also vor allem dazu geeignet, die Nutzermetriken sowie die Anzahl der Aufrufe und die Wiedergabedauer positiv zu beeinflussen.

Zusammenfassung: Die Unterschiede sind nicht gravierend

Gemeinsamkeiten zwischen Website- und YouTube-SEO existieren vor allem bei der Keyword-Optimierung bzw. Keyword-Strategie und bei der Content-Optimierung. Zwar gibt es vereinzelt andere Stellschrauben, die grundsätzliche Herangehensweise ist jedoch die gleiche.

Die Bewertung, wie beliebt die Inhalte bei den Nutzern sind, erfolgt ebenfalls in beiden Kanälen – jedoch auf unterschiedliche Art und Weise. Im Website-SEO sind es die Off-Page-Signale, bei YouTube spielen vor allem die Nutzermetriken eine Rolle. Die Unterschiede zwischen den beiden Kanälen ergeben sich vor allem aus den Möglichkeiten der jeweiligen Suchmaschine: YouTube hat aufgrund der Tatsache, dass es Veröffentlichungsplattform und Suchmaschine zugleich ist, Zugriff auf mehr Nutzerdaten.

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Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 67 von August 2017 mit dem Titelthema „Video-Marketing: Strategien für YouTube & Co.“.

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