Der perfekte SEO-Relaunch (Teil 4): Was beim Go-Live passen muss

Beitrag aus Ausgabe 67 / August 2017
SEO
Markus Hövener

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

Lange arbeitet man auf den Go-Live hin. Wenn das Relaunch-Projekt an seinem Ziel angekommen ist und die neue Website live geschaltet wird, muss man aber noch einiges beachten, damit es nicht zu Problemen kommt.

Der Go-Live ist der wohl wichtigste Tag in einem Relaunch-Projekt. Die alte Website wird ab- und die neu angeschaltet. Wer den Pre-Launch-Check (siehe suchradar 66) durchgeführt hat, kann sich relativ beruhigt zurücklehnen, denn die größtmöglichen Probleme sollten dann schon aus dem Weg geräumt sein. Und dennoch: Auch beim Go-Live gibt es noch einiges zu beachten, damit der Übergang von der alten auf die neue Website problemlos erfolgen kann.

Der perfekte SEO-Relaunch: Eine Serie in sechs Teilen

2017 bietet das suchradar eine sechsteilige Artikelserie zum Thema Relaunch. Denn nach wie vor werden bei der Neugestaltung von Websites viele Fehler gemacht. In dieser Reihe geht es daher um Themen wie 301-Weiterleitungen, On-Page-Anforderungen, Go-Live-Prozesse und vieles mehr.

Bisher erschienen:

Teil 1: Der perfekte Stage
suchradar 64 (Februar 2017)

Teil 2: 301-Umleitungen prüfen
suchradar 65 (April 2017)

Teil 3: Der Pre-Launch-Check
suchradar 66 (Juni 2017)

DNS-Probleme

Typischerweise gibt es ja bei einem Relaunch-Prozess einen Staging-Server, auf dem die neue Website entsteht. Falls sich dieser physisch auf demselben Server wie die alte Website befindet, gibt es in der Regel kein Problem. Die Frage ist nämlich, ob sich beim Go-Live der neuen Website der DNS-Eintrag ändert.

Beim DNS wird die Domain (www.meinewebsite.de) auf eine IP-Adresse abgebildet. Wenn sich nun der alte Webserver auf der IP 1.2.3.4 und der neue auf der Adresse 5.6.7.8 befindet, wird der DNS-Eintrag geändert, sodass www.meinewebsite.de jetzt auf der Adresse 5.6.7.8 liegt.

Das ist technisch auch einfach zu machen, wird aber oft problematisch, weil die DNS-Einträge einem Caching unterliegen. Heißt: Nach der Änderung kann noch über Stunden der alte DNS-Eintrag genutzt werden, sodass man immer noch die alte Website sieht. Das muss nicht unbedingt schlimm sein, erschwert dem SEO aber doch die nachfolgenden Schritte.

Man sollte daher darauf achten, dass man die sogenannte TTL (Time-to-live) vor dem Go-Live auf einen sehr niedrigen Wert setzt, um so das Caching auszuhebeln. Wer seinen TTL-Wert einsehen möchte, kann dafür übrigens auf Tools wie https://www.heise.de/netze/tools/dns/ zugreifen (dort den A-Record abfragen).

301-Umleitungen prüfen

Sobald die neue Website abrufbar ist, sollten unbedingt zuerst die 301-Umleitungen (siehe dazu Teil 2 im suchradar 65) geprüft werden, da deren Fehlen den größten Schaden anrichten kann. Falls diese wider Erwarten nicht funktionieren, sollte man durchaus darüber nachdenken, den Go-Live wieder zurückzunehmen.

Falls sich im Rahmen des Relaunches die Domain ändert, ist es nach Prüfen der 301-Umleitungen nun wichtig, in der Google Search Console den Domain-Wechsel mitzuteilen. Um das hinzubekommen, muss man schon etwas Vorarbeit geleistet haben: Die neue Domain muss bereits als Property in der Google Search Console existieren.

Für die Anmeldung der Domain-Änderung muss in den Einstellungen der Google Search Console auf „Adressänderung“ geklickt werden (siehe Abbildung 1). Google prüft dann noch einmal die korrekte Umsetzung der 301-Weiterleitungen, bevor die Adressänderung akzeptiert wird. Die Adressänderung funktioniert übrigens nur beim Wechsel einer Domain oder Subdomain (z. B. von www.meinewebsite.de auf meinewebsite.de), nicht jedoch beim reinen Protokoll-Wechsel (also von http://www.meinewebsite.de/ auf https://www.meinewebsite.de/).

Danach sollten (siehe dazu Teil 3 im suchradar 66) erneut das Crawling und das Rendering geprüft werden. Ein beliebter Fehler basiert z. B. darauf, dass man die Staging Website vor dem Go-Live für Suchmaschinen gesperrt hat (z. B. per robots.txt oder Robots-Meta-Tag). Diese Sperre bleibt dann manchmal beim Go-Live erhalten, sodass Google auf die neue Website gar nicht zugreifen kann. Je nachdem, wie lange dies unerkannt bleibt, kann es durchaus bleibende Schäden anrichten.

Wenn man schon das Rendering prüft, kann man auf diesem Wege auch direkt die Indexierung für wichtige Seiten beschleunigen. Hierzu nutzt man das Tool „Abruf wie durch Google“ in der Google Search Console für die Startseite und wichtige Strukturseiten. Nach dem Aufruf über „Abrufen“ sollte neben der URL ein Button „Indexierung beantragen“ erscheinen. Diesen kann man klicken und dann die Option „Diese URL und ihre direkten Links crawlen“ auswählen. Insgesamt funktioniert das aber nur zehn Mal pro Monat, sodass man diese Funktion wirklich nur für die wichtigsten zehn Seiten nutzen sollte.

SSL-Zertifikat prüfen

Da immer mehr Websites verschlüsselt übertragen werden, sollte beim Go-Live auch die Gültigkeit des SSL-Zertifikats geprüft werden. Das ist natürlich vor allem dann sinnvoll, wenn im Rahmen des Relaunches von HTTP auf HTTPS gewechselt wird.

Wichtig ist dabei vor allem, dass ein Zertifikat immer für eine bestimmte Domain gültig ist. Wer also z. B. www.meinewebsite.de und blog.meinewebsite.de nutzt, sollte für die beiden Subdomains jeweils eine separate Prüfung durchführen. Wer nicht genau weiß, welche konkreten Subdomains genutzt werden, kann dafür eine der drei folgenden Methoden nutzen:

1. Bei dem bekannten SEO-Tool „Screaming Frog SEO Spider“ kann man die Option „Crawl all Subdomains“ nutzen (siehe Abbildung 2). Wer also einen Crawl bei der primären Website (in der Regel www.meinewebsite.de) beginnt, sollte dann im Ergebnis des Crawls URLs aller Subdomains erkennen können – insofern diese auch intern verlinkt sind.

2. Über ein SEO-Tool wie SISTRIX (siehe Abbildung 3) kann man sich zu einer Domain alle Subdomains liefern lassen.

3. Alternativ kann man aber auch einfach im Google-Index nachschauen. Über eine Anfrage wie „site:n-tv.de -site:www.n-tv.de“ erhält man URLs von allen Subdomains außer www.n-tv.de. Sobald man dort eine Subdomain wie goldshop.n-tv.de gefunden hat, fügt man diese der Suchanfrage hinzu (also „site:n-tv.de -site:www.n-tv.de -site:goldshop.n-tv.de“). Dieses Vorgehen wiederholt man solange, bis man keine Suchergebnisse mehr erhält.

Wenn man nun seine Liste aller Subdomains zusammen getragen hat, kann man diese über Tools wie https://www.ssllabs.com/ssltest/ und https://www.digicert.com/help/ kostenlos für jede Subdomain überprüfen.

Einstellung in der Google Search Console

Als Nächstes sollten wichtige Änderungen in der Google Search Console vorgenommen werden. Wer für die neue Website XML-Sitemaps hat, sollte diese dort eintragen, um den Suchmaschinen zu helfen, die neuen Inhalte schnellstmöglich zu finden.

Falls sich im Rahmen des Go-Live die Property geändert hat (also entweder das Protokoll (HTTP oder HTTPS), die Subdomain oder beides), muss man prüfen, ob man vorher eine sogenannte Disavow-Datei hatte. Diese benötigt man, wenn man in der Vergangenheit negative Links gegenüber Google entwertet hat. Diese Datei müsste man jetzt nämlich in der neuen Google-Search-Console-Property hochladen, damit diese auch nach wie vor gültig ist.

Im letzten Beitrag dieser Reihe (im suchradar 66) wurde bereits erwähnt, dass man irrelevante URL-Parameter (wie utm_source) identifizieren sollte. Wer das getan hat, muss diese nun ebenfalls in der Google Search Console („Crawling > URL-Parameter“) eintragen.

Crawl-Budget

Im Großen und Ganzen ist das auch schon das, was am Tag des Go-Live zu tun ist. Google wird nun die neue Website indexieren und den 301-Umleitungen von der alten auf die neue Site folgen.

Grundsätzlich verfügt jede Website über ein Crawl-Budget. Heißt: Die Anzahl der pro Tag heruntergeladenen Seiten oder Datenmenge ist nicht immer exakt identisch, bewegt sich aber klar in einem Korridor. Wie in Abbildung 4 zu sehen ist, hebt Google das Crawl-Budget aber schnell an, wenn die Suchmaschine erkennt, dass ein Go-Live passiert ist und dass der Index schnell aktualisiert werden muss. Einige Zeit danach fällt das Crawl-Budget dann aber auch wieder auf den Standard zurück.

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Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 67 von August 2017 mit dem Titelthema „Video-Marketing: Strategien für YouTube & Co.“.

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