SEO für Start-ups: Mit der richtigen Domain-Strategie beginnen

Beitrag aus Ausgabe 66 / Juni 2017
SEO
Markus Hövener

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

Neu gegründet, einfach schnell eine Domain reserviert – und schon kann es losgehen. Ganz so einfach ist es leider nicht, denn kurzfristige Entscheidungen müssen später manchmal teuer revidiert werden.

Zum Zeitpunkt der Gründung ist es für Unternehmen manchmal schwer, alle zukünftigen Entwicklungen vorherzusehen. Dabei ist vor allem die Wahl einer bzw. mehrerer Domains eine Entscheidung von großer Tragweite.

Sicherlich kann man auch im späteren Verlauf noch vieles ändern und z. B. die Domain-Strategie komplett anpassen. Das erzeugt dann aber oft einen hohen Aufwand und birgt auch ein gewisses Risiko, denn selbst bei gewissenhafter Umsetzung können durch den Wechsel der Domain SEO-Probleme entstehen (vor allem: Verlust von Rankings). Es lohnt sich also gerade am Anfang, die Entscheidungen äußerst sorgfältig zu bedenken.

Die TLD

Bei der Wahl der Domain muss man zunächst wissen, dass es grundsätzlich zwei Arten von Domains gibt:

  • Länderspezifische Domains (ccTLD), z. B. .de, .at, .fr
  • Generische Domains (gTLD), z. B. .com, .info, .net

Auch wenn man bei Firmengründung die internationale Expansion noch nicht im Hinterkopf hat, sollte man sich jetzt schon eine zentrale Frage stellen: Werde ich meine Dienste nur in einem bestimmten Land (z. B. Deutschland) anbieten? Dann ist eine ccTLD sicherlich die beste Wahl. Sobald es aber darum geht, perspektivisch auch andere Länder (z. B. Frankreich oder Holland) abzudecken, sollte man sich schon beim Start Gedanken zur Domain-Strategie machen. So funktioniert eine .de-Domain innerhalb Deutschlands hervorragend. Außerhalb des deutschen Sprachraums kann eine ccTLD aber eher nachteilig sein.

Nun kann man natürlich auch für jedes Land, in dem man später aktiv werden möchte, eine separate länderspezifische Domain (also z. B. eine .fr für Frankreich, eine .nl für Holland …) nutzen. Dann muss man sich aber auch der Tragweite bewusst sein, dass diese Domains jeweils separat agieren. Damit die einzelnen ccTLDs gute Rankings erreichen können, müssen diese auch jeweils gut extern verlinkt werden. In vielen Fällen zeigt sich dann aber, dass dies kaum gelingt.

Häufig ist man dann mit einer einzigen generischen Domain (also in der Regel einer .com) besser aufgestellt. Auf dieser Domain werden oft Ordner für die unterschiedlichen Sprachen und Länder aufgebaut (also z. B. .com/fr/ für die französischen Inhalte). Der Vorteil bei dieser Lösung liegt darin, dass nur eine einzige Domain gut verlinkt werden muss und dass so die später entwickelten Länder von den Backlinks der früher entwickelten Länder profitieren können.

Wer also perspektivisch glaubt, andere Länder/Sprachen abdecken zu wollen und es gleichzeitig nicht für realistisch hält, für alle Länder/Sprachen auch Linkaufbau betreiben zu können, sollte sich für eine generische Domain entscheiden.

Der Name der Domain/Marke

Wer sich vorstellen kann, in mehreren Ländern/Sprachen aktiv zu sein, sollte entsprechend über den Namen seines Unternehmens bzw. der Domain nachdenken. Ein Beispiel: Das Unternehmen StilGut produziert exklusive und hochwertige Hüllen und Taschen für Smartphones und Tablets. In Deutschland wird die Domain stilgut.de, in Polen stilgut.pl etc. genutzt. Während der Name in Deutschland verständlich und auch hilfreich dabei ist, die Positionierung der Marke (Produkte mit Stil) zu erkennen, hilft das in Polen, Italien und Frankreich relativ wenig.

Weitere reale Beispiele:

Damit soll nicht gesagt werden, dass solche Domains grundsätzlich nicht zu empfehlen sind. Dennoch ist die Gründung eines Unternehmens eine hervorragende Gelegenheit, sich auch über diesen Aspekt Gedanken zu machen. In einigen Fällen kann es durchaus sinnvoll sein, auf Kunstwörter oder auf englische Wörter zu setzen (also z. B. burda-print.fr anstelle von burda-druck.fr).

Vorher prüfen

Wer ein Unternehmen gründet und dabei eine Domain registriert, sollte auch unbedingt prüfen, wie die Vorgeschichte dieser Domain aussieht. Denn viele negative externe Verlinkungen können der neuen Website potenziell Schaden fügen.

Zwar hat Google wiederholt kommuniziert, dass eine Domain, die verkauft wird und in der Folge dann auch andere Inhalte hat, einen „Reset“ erhält. Die Historie der Domain soll dann auf Null gesetzt werden, sodass rein theoretisch Hinterlassenschaften der Domain (negative Verlinkungen, Abstrafungen …) nicht mehr relevant sind.

Das mag auch so sein, aber darauf verlassen sollte man sich trotzdem in der Regel nicht. Es ist also sinnvoll, die folgenden zwei Schritte durchzuführen:

  1. In einer Linkdatenbank wie Majestic sollte man analysieren, ob es Links aus dubiosen Umfeldern gibt. Auch Links, die gegen Google-Richtlinien verstoßen, können potenziell gefährlich sein. Wer also z. B. die Domain farmelia.de nutzen möchte, würde dabei Links wie die in Abbildung 1 entdecken. Um sicher zu sein, müssten diese Links bei Beginn der Nutzung über das Google Disavow Tool entwertet werden.
  2. Über die Wayback Machine (https://archive.org/web/) kann geprüft werden, wann die Domain mit welchen Inhalten genutzt wurde. Wer dies z. B. für farmelia.de tut (siehe Abbildung 2), erkennt in der Auswertung, dass diese wohl von 2002 bis 2006 genutzt wurde. Die konkreten Inhalte kann man sich dann auch rückwirkend anschauen.

 

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Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 66 von Juni 2017 mit dem Titelthema „Online-Marketing für Start-ups: Erfolgreich starten, Fehler vermeiden “.

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