Linkaufbau für Start-ups: Starke Potenziale gezielt nutzen

Beitrag aus Ausgabe 66 / Juni 2017
Online Marketing
Markus Hövener

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

Für Start-ups gibt es viele spannende Link-Potenziale, die Gründer gezielt nutzen sollten, um Links und gleichzeitig Bekanntheit aufzubauen. Die wichtigsten Chancen auf einen Blick.

Gerade Start-ups haben in Bezug auf SEO einen klaren Nachteil: In der Regel verfügen sie über keine oder nur wenige externe Verlinkungen, sodass sie – vor allem in konkurrenzstarken Branchen – nur wenige Chancen auf gute Rankings haben. Ein Start-up muss also häufig über Linkaufbau nachdenken, um diesen Nachteil schnellstmöglich zu beseitigen.

Neu gegründeten Unternehmen stehen natürlich auch alle üblichen Linkstrategien zur Verfügung, also z. B.:

  • Gastbeiträge in ausgewählten Online-Portalen
  • Lokaler Linkaufbau (z. B. über Kommunen oder regionale Initiativen)
  • Hochwertige Inhalte produzieren und diese gezielt an relevante Multiplikatoren streuen
  • Eintragungen in hochwertige Verzeichnisse

Vor allem für Start-ups bieten sich aber auch einige Linkquellen an, die speziell neuen Unternehmen vorbehalten sind. Es gibt relativ viele Portale, die sich gezielt an Gründer wenden und die auch hinsichtlich der Vitaldaten (Sichtbarkeit, Verlinkung, soziale Signale) relevant sind.

Für diesen Beitrag wurden die externen Links von insgesamt 100 Start-ups aus unterschiedlichsten Branchen und Städten ausgewertet. In den mehr als 1 000 Verlinkungen wurden dabei die nachfolgend vorgestellten Potenziale entdeckt.

Start-up-Portale

Die in Tabelle 1 aufgeführten Portale berichten über die Start-up-Szene und eignen sich daher für den Linkaufbau. Dabei gibt es sowohl Verzeichniseinträge (z. B. http://www.gruenderszene.de/datenbank/unternehmen/frischepost) als auch redaktionelle Beiträge (z. B. https://www.deutsche-startups.de/2016/01/19/matratzen-online-kaufen/). Je nach Portal können aber auch andere Anlässe Grund für eine Verlinkung sein (z. B. ein Stellenangebot).

Domain

Sichtbarkeitsindex (SISTRIX)

Domain-Popularität (Majestic)

Fan Page (Facebook)

Anzahl Fans (Facebook)

www.gruenderszene.de

33,442

9 412

www.facebook.com/gruenderszene

174 754

www.deutsche-startups.de

19,559

5 554

www.facebook.com/deutschestartups

91 265

www.startupvalley.news

0,22

725

www.facebook.com/startupvalleynews

2 108

www.eu-startups.com

0,017

1 076

www.facebook.com/EUStartups

7 803

gruenderfreunde.de

0,013

293

www.facebook.com/Gruenderfreunde.de

19 199

www.gruenderkueche.de

4,13

626

www.facebook.com/gruenderkueche

13 913

www.starting-up.de

2,994

587

www.facebook.com/StartingUp

14 133

www.startups-im-internet.de

0,006

290

www.facebook.com/StartupsimInternet

1 368

theheureka.com

0,004

654

www.facebook.com/TheHEUREKA

18 382

www.foerderland.de

6,459

2 853

www.facebook.com/foerderland

6 023

Tabelle 1: Zehn Websites, die typischerweise auf Start-ups verlinken. (Daten: Stand 14 April 2017)

Während der Verzeichniseintrag sicherlich ohne große Hürden vorzunehmen ist, ist eine redaktionelle Erwähnung schon schwieriger zu erreichen. Hier gilt vor allem, dass man natürlich eine gute Geschichte benötigt, um auch für das Portal interessant zu sein. Als Beispiele kann man hier nennen:

Wichtig bei einer redaktionellen Erwähnung ist in der Regel sicherlich nicht primär der Link, sondern die zum Teil enorme Reichweite der Portale. Das hilft dem Markenaufbau, der Personalsuche, der Suche nach Finanzmitteln – und am Ende dann eben auch den Suchmaschinen-Rankings.

Lokale Potenziale

Auch auf lokaler Ebene gibt es – je nach Standort und Region des Unternehmens – viel Potenzial. Diese eignen sich sicherlich auch zum Linkaufbau, zahlen aber auch auf die oben genannten Ziele ein. Zu solchen lokalen Portalen gehören z. B.:

  • www.munich-startup.de
  • www.hamburg-startups.net
  • www.rheinlandpitch.de
  • berlinvalley.com
  • www.digitalewirtschaft.nrw.de

Diese Portale dienen auch der Vernetzung der Gründer untereinander. Die fünf genannten Websites zeigen, dass sich viele Websites sowohl auf Städte (München, Hamburg …) als auch auf Regionen (Rheinland …) und Bundesländer (NRW …) beziehen. Wer also in Google auf die Suche nach solchen Portalen geht, sollte z. B. nicht nur nach „startups münster“, sondern auch nach „startups münsterland“ und „startups nrw“ suchen, um möglichst viele relevante Portale zu entdecken.

Allgemeine Portale

Neben den Start-up-Portalen gibt es aber auch viele andere Websites, die sich an Themen wie Internet, Business, Marketing etc. orientieren, z. B.:

  • t3n.de
  • www.internetworld.de
  • www.wuv.de
  • www.business-punk.com

Je nach Portal zeigt sich, dass für diese aber nur bestimmte Themen interessant sind. Bei Business Punk sind dies eher krawallige, disruptive Themen (z. B. http://www.business-punk.com/2016/12/einhorn-kondome-dm-drogerie-polarisiert-clp-werbung-hype/), während für ein Medium wie W&V eher Kampagnen-Erfolge relevant erscheinen (z. B. https://www.wuv.de/marketing/so_bringt_dm_einhorn_kondome_an_den_mann). Hier bietet sich also eine klassische PR-Denke an, die jeweils prüft, welchen Medien man welche Geschichten zugänglich machen kann.

VC, Crowdfunding

Je nach Finanzierungsmodell gibt es einige weitere Potenziale. Wer z. B. Venture Capital in relevanter Höhe erhalten hat, kann das denjenigen Websites mitteilen, die über solche Erfolge berichten (z. B. www.investorszene.de). Falls jemand Crowdfunding genutzt hat, hat er sicherlich gute Chancen, eine Erwähnung von Portalen wie www.crowdfundinsider.com zu erhalten.

Sehr spezielle Themen ...

Abhängig von der jeweiligen Branche kann es aber noch viel mehr Möglichkeiten für eine Erwähnung und Verlinkung geben. Start-ups auf dem E-Commerce-Umfeld haben z. B. die Chance, über die folgenden Websites Reichweite und Links zu erhalten:

  • etailment.de
  • ecommerce-news-magazin.de
  • www.kassenzone.de
  • www.onlinehaendler-news.de

Für spezielle Branchen gibt es wiederum weitere Potenziale, z. B. greenbuzzberlin.de (Ökothemen für Berlin) oder bankinghub.de (Banken/Finanzen).

Vorgehen

Insgesamt müssen Start-ups also sehr gezielt nach passenden Websites bzw. den dahinterstehenden Organisationen/Unternehmen/Initiativen suchen. Wer nur Links haben möchte, kann dort dann schlicht einen Verzeichniseintrag vornehmen. Deutlich spannender ist aber in der Regel der Weg über PR- und Content-Strategien, um auch redaktionell erwähnt zu werden.

Für die Recherche bietet sich primär Google an. Suchanfragen wie „e-commerce blog“ oder „berlin startups“ zeigen viele Websites auf, die man anschließend überprüfen sollte. Je nach Zielsetzung kann eine bestimmte Domain-Popularität (Grad für die externe Verlinkung) oder Fan-Anzahl der Facebook-Seite als Schwellwert genutzt werden, um sich auf die relevanten Websites zu konzentrieren und sich nicht zu verzetteln.

Sobald man eine ansprechende Website identifiziert hat, kann man dann prüfen, welche Themen für diese konkret interessant sind. Eine Möglichkeit, sich dem zu nähern, ist die Nutzung des site-Kommandos (siehe Abbildung 1), um schnell zu sehen, welche Start-up-relevanten Seiten es auf einer bestimmten Domain gibt. Idealerweise findet man so auch einen Ansprechpartner und einen guten Anknüpfungspunkt für die erste Kontaktaufnahme, z. B. „Sie haben ja vor einigen Monaten schon mal etwas über das Unternehmen X geschrieben. Wir machen etwas ganz ähnliches – nur viel besser …“.

Fazit

Start-ups brauchen in der Regel viele externe Verlinkungen, um schnell gute Rankings in den organischen Ergebnissen zu produzieren. Es gibt viele Linkpotenziale, die sich ausschließlich an Gründer richten – und diese sollten man auch gezielt nutzen, um nicht nur Links aufzubauen, sondern gleichzeitig Bekanntheit bei Endkunden, Partnern und Kapitalgebern zu erreichen.

Beispiel: einhorn.my

Am Beispiel des Start-ups einhorn (Hersteller von veganen Designkondomen) zeigt sich, dass man es als neues Unternehmen zu vielen Erwähnungen und auch Verlinkungen bringen kann, wenn man bereit ist, „anders“ zu sein.

So stand auf der Zutatenliste von einhorn-Kondomen zeitweilig: „Eine Packung enthält sieben Kondome – das entspricht bis zu 21 Orgasmen“. Das hat dann ebenso Gerichte beschäftigt wie die Frage, ob das Unternehmen wirklich das erste war, das auch faire Kondome produziert.

Es stellt sich natürlich schnell die Frage, wie viel der „Aufregung“ und der rechtlichen Folgekosten kalkuliert sind. Aber dennoch gilt: Wer auffällt, hat natürlich in der Regel durch die höhere Bekanntheit Vorteile – solange die Bekanntheit nicht ins Negative abdriftet. Unternehmen sollten also am Anfang klar über ihre Kommunikationsstrategie nachdenken und nicht nur über den USP ihrer Produkte/Dienstleistungen.

Nachfolgend einige Verlinkungen, die einhorn.my infolge seiner Maßnahmen erlangen konnte:

Medien:

http://www.stern.de/wirtschaft/die-hoehle-der-loewen/einhorn-kondome--unterlassungsklagen-und-streit-um-orgasmen-6447150.html

Vegane Portale:

https://www.berlin-vegan.de/service/einkaufen/

Blogs, Magazine:

http://www.lilligreen.de/sex-mit-dem-einhorn-vegane-design-kondome-mit-feenstaub/

http://www.muxmaeuschenwild-magazin.de/philip-siefer-2/

Online-Marketing:

http://www.onlinemarketingrockstars.de/snapchat-strategie-einhorn-interview/

Business:

http://www.best-practice-business.de/blog/geschaeftsidee/2015/10/28/einhorn-punktet-mit-kreativitaet-pr-geilheit-und-konfliktmarketing/

Spannend? Dieser Artikel ist im suchradar #66 erschienen

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