Mobile First: Was bedeutet der Index-Wechsel für Website-Betreiber?

Beitrag aus Ausgabe 65 / April 2017
Online Marketing
Markus Hövener

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

Schon bald steht der Wechsel vom Desktop-First- zum Mobile-First-Index an. Viele Website-Betreiber fragen sich, ob sie von diesem Wechsel betroffen sind. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen.

Die mobile Internet-Nutzung hat so stark zugenommen, dass Google schon vor einiger Zeit verkündet hat, dass der Großteil der Suchanfragen über mobile Endgeräte erfolgt. Das Internet wird also immer mehr zur „Mobile First“-Welt. Und genau deshalb hat Google im November 2016 einen Index-Wechsel für das Jahr 2017 angekündigt: Googles Index soll bald ebenfalls „Mobile First“ werden. Was bedeutet das für Unternehmen? Wird es zu dramatischen Änderungen kommen?

Drei Methoden

Um zu verstehen, welche Implikationen der Wechsel auf „Mobile First“ hat, muss man zunächst wissen, welche Methoden es gibt, eine mobile Website zu realisieren:

  • Responsive Design: Beim Responsive Design entscheidet der Browser, wie die Website darzustellen ist. Desktop- oder Mobile-Browser erhalten also dieselbe HTML-Datei und greifen in der Regel auch auf dieselben Bilder und andere Dateien (Fonts, JavaScript ...) zurück.
  • Dynamic Serving: Hier entscheidet der Server, welches Endgerät auf die Inhalte zugreift. Wenn also ein Smartphone mit kleinem Bildschirm die Website abruft, werden z. B. Bilder in kleinerer Auflösung ausgeliefert.
  • Separate Website: Neben der „normalen“ Website (www.meinewebsite.de) gibt es unter separaten URLs (z. B. m.meinewebsite.de) die jeweils für Mobilgeräte optimierte Variante.

Es gibt also grundsätzlich zwei unterschiedliche Paradigmen. Bei Responsive Design und Dynamic Serving greift die sogenannte One-URL-Strategie, d. h. dass unter einer URL sowohl die Inhalte für Desktop als auch für Mobile abrufbar sind. Dabei entscheidet entweder der Browser (Responsive Design) oder der Server (Dynamic Serving), wie die Inhalte auf dem jeweiligen Endgerät optimal dargestellt werden müssen.

Bei einer separaten Website handelt es sich dann um die Dual-URL-Strategie, d. h. dass es eine URL für den Desktop- und eine für den Mobile-Browser gibt.

Mobile First?

Google hat im November 2016 angekündigt, die mobile Version einer Seite für die Relevanz-Berechnung heranzuziehen (siehe https://webmasters.googleblog.com/2016/11/mobile-first-indexing.html). Bislang wird für die Berechnung der Rankings die Desktop-Version herangezogen.

Ein Beispiel: Auf der Desktop-Seite werden zwei Textblöcke A und B angezeigt, auf der mobilen Seite gibt es nur den Textblock A. Bislang – bei „Desktop First“ – würde der mobile Nutzer die Seite auch für Suchbegriffe finden, die sich auf den Textblock B beziehen, obwohl er diesen auf der Seite selber gar nicht sieht.

Um dieses Problem zu lösen, wird Google für die Berechnungen zukünftig die Mobil-Version nutzen, da mehr Nutzer Mobilgeräte als den Desktop nutzen, um auf Websites zuzugreifen. Zukünftig wird also der Mobile-Index der primäre Index werden. Dabei hat Google aber auch gesagt, dass der Desktop-Index nicht verschwinden wird – er wird nur nicht so aktuell wie der Mobile-Index sein.

Konsequenzen

Um zu überprüfen, ob man von dieser Änderung betroffen ist, muss man zunächst die Frage beantworten, ob die eigene Website überhaupt mobiltauglich ist. Falls nicht, ändert sich eigentlich wenig: Auch derzeit werden mobiluntaugliche Inhalte bereits bei mobilen Suchen abgewertet. Das wird natürlich auch weiterhin so bleiben. Der einzige Unterschied besteht also darin, dass die Website dann im Desktop-Index landet und somit seltener aktualisiert werden wird. Wie oft Nur-Desktop-Inhalte aktualisiert werden und ob es vielleicht Größenbeschränkungen für den Desktop-Index geben wird, ist derzeit noch völlig unklar.

Falls man eine mobiltaugliche Website hat, muss man sich fragen, welche Methode genutzt wird. Wer eine One-URL-Strategie nutzt (also Responsive Design oder Dynamic Serving), wird sehr wahrscheinlich überhaupt keine Probleme haben (siehe https://webmasters.googleblog.com/2016/11/mobile-first-indexing.html):

„If you have a responsive site or a dynamic serving site where the primary content and markup is equivalent across mobile and desktop, you shouldn’t have to change anything.“

Genau hier liegt jedoch schon eine kleine Einschränkung, die aber auch nur wenige Websites beschränken wird. Rein theoretisch wäre es ja z. B. beim Dynamic Serving möglich, die Desktop-Seiten mit und die Mobile-Seiten ohne Markup (Informationen für strukturierte Daten) aufzubereiten. Da Google primär auf die Mobile-Seite schaut, stünden diese Daten nicht mehr zur Verfügung.

Ähnliches gilt auch für andere Elemente wie Seitentitel und Meta Description, die ja im Suchergebnis prominent verwendet werden. Falls z. B. beim Dynamic Serving im Seitentitel nur „Mobile Version“ steht, würde Google dies auch für die Ranking-Berechnung und für die Darstellung im Suchergebnis nutzen, was suboptimal wäre.

In der Praxis sollten solche Probleme nicht auftreten. Deutlich häufiger ist aber der Fall, dass man bei der Desktop-Version einen Text in voller Länge darstellt und diesen in der Mobile-Version einkürzt – meistens als „click to expand“, also mit der Möglichkeit, diesen aufzuklappen. Hier stellt sich allerdings die Frage, ob Google dann nur den sichtbaren Text wertet, da in den Google-Richtlinien (https://support.google.com/webmasters/answer/35769?hl=de) das Folgende steht:

„Stellen Sie sicher, dass die wichtigsten Inhalte Ihrer Website standardmäßig sichtbar sind. Google ist in der Lage, HTML-Inhalte zu crawlen, die sich hinter Navigationselementen wie Tabs oder maximierbaren Bereichen verbergen. Wir stufen diese Inhalte jedoch als weniger zugänglich für Nutzer ein und sind der Ansicht, dass die wichtigsten Informationen in der Standard-Seitenansicht sichtbar sein sollten.“

Gary Illyes von Google hat sich genau zu dieser Frage geäußert (siehe Abbildung 1). Grundsätzlich scheint also zu gelten, dass ein Text, der in der mobilen Version gekürzt ist, trotzdem vollständig gezählt wird. Wahrscheinlich gilt das aber nur, wenn der Text in der Desktop-Version vollständig angezeigt wird. In keiner Weise soll das daher als Aufforderung verstanden werden, Inhalte vor Google zu verstecken.

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Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 65 von April 2017 mit dem Titelthema „Mobile First: Aufrüsten für den neuen Google-Index“.

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