Bing Ads – Was kann das Pendant zu AdWords?

Beitrag aus Ausgabe 65 / April 2017
SEA
Cora Rothenbächer

war bis 2018 Senior Online-Marketing Managerin (SEA) bei der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

Spätestens seit das Bing-Netzwerk im letzten Jahr einen zweistelligen Marktanteil in Deutschland erzielt hat, ist die Werbeplattform Bing Ads kein Geheimtipp mehr. Das Pendant zu Google AdWords eröffnet eine Menge Möglichkeiten. Für einige Branchen und Werbeziele eignet es sich dabei besonders.

10,2 % Marktanteil hat das Bing-Netzwerk laut den aktuellsten Zahlen in Deutschland erreicht (Quelle: comScore). Natürlich ist dies im Vergleich zu Googles Marktanteil von fast 90 % in Deutschland und der weltweit unanfechtbaren Spitzenposition der Suchmaschinen kein Vergleich. Doch darum soll es in diesem Artikel auch nicht gehen. Denn dass Werbetreibende mit Google AdWords zahlreiche nützliche und gewinnbringende Möglichkeiten haben, ist wohl mehr als bekannt. Welche Optionen sich allerdings durch die Werbung mit Bing Ads eröffnen, ist vielleicht noch nicht so verbreitet.

Das Bing Suchnetzwerk

Bing-Ads-Anzeigen werden im Suchnetzwerk von Bing ausgespielt. Zu diesem gehören die AOL- und Yahoo-Seiten einschließlich der Seiten, die von Yahoo betrieben werden. Auch weitere Websites, die mit Bing eine Partnerschaft eingegangen sind, sind Teil dieses Netzwerks. Besonders interessant ist dabei, dass Werbetreibende hier z. T. die Möglichkeit haben, etwas unauffälliger zu werben. Denn wie in Abbildung 1 zu sehen, wird die Werbung bei AOL-Suchergebnissen einmalig oberhalb der Ergebnisse gekennzeichnet. Im Gegensatz dazu wird auf den Bing-Seiten jede einzelne Anzeige mit dem Label „Anzeige“ gekennzeichnet. Dass Nutzer, die das Anklicken von Anzeigen i. d. R. bewusst vermeiden, hier doch noch auf eine Anzeige klicken, ist eher wahrscheinlich – sodass man u. U. etwas mehr Leute erreicht als angenommen.

Partner und Kooperationen

Durch die zahlreichen Kooperationen, die Bing im vergangenen Jahr eingegangen ist, konnte das Netzwerk nun stark wachsen (siehe Abbildung 2). Einige dieser Kooperationen ermöglichen es Werbetreibenden, in der bezahlten Suche präsenter zu sein. So greift beispielsweise die Online-Suche auf dem Amazon-Tablet Kindle Fire auf die Bing-Suche zurück. Gleiches gilt für die Sprachsuche mit Cortana, die auf Windows-10-Computern voreingestellt ist und immer beliebter wird. Die starke Verzahnung, welche sich manchmal auch zum Leid der Nutzer nicht ändern lässt, führt zu einem Mehr an Suchanfragen für Bing. Für Werbetreibende bedeutet dies im Umkehrschluss, dass sie nun auf mehr Geräten sichtbar sind und entsprechend mehr Nutzer ansprechen können.

Präsenz beweisen

Durch die zusätzliche Werbung mit Bing Ads haben AdWords-Werbetreibende die Möglichkeit, neue Zielgruppen zu erschließen und Nutzer zu erreichen, die Google vielleicht meiden oder zumindest selten nutzen. Außerdem können sie auf diese Weise der Konkurrenz Paroli bieten. Eventuell wirbt diese mit gezielten Keywords bereits auf den Mitbewerber-Namen. Durch eine eigene Brand-Kampagne können Werbetreibende dem entgegenwirken. Diese wird i. d. R. von Bing als relevanter erachtet und kann in Kombination mit dem passenden Gebot bessere Positionen als die Anzeigen der Konkurrenz erzielen.

Regionale Potenziale

Je nach geschäftlicher Ausrichtung und angestrebter Zielgruppe ergeben sich auch außerhalb von Deutschland hohe Potenziale mit der Werbung durch Bing Ads. Schließlich ist Deutschland im europäischen Raum nicht das einzige Land, in dem das Bing Netzwerk einen zweistelligen Marktanteil erzielen konnte. Auch im Vereinten Königreich, in Norwegen und Frankreich konnte Bing eine gute Position erreichen (siehe Abbildung 3). Werbetreibende, die Produkte, Dienstleistungen o. ä. also auch in diesen Ländern anbieten, sollten sich den Einsatz von Bing Ads nicht zweimal überlegen; hier erreicht man vielleicht sogar mehr Nutzer als gedacht.

Ähnliches trifft auf die Werbung in den USA zu. Dort liegt der Fokus der Arbeit von Bing Ads; die meisten Beta-Versionen beginnen hier, ebenso haben Werbetreibende in den USA wesentlich mehr Optionen im Bing-Ads-Interface als hierzulande. Laut letzter Messungen liegt der dortige Marktanteil des Bing Netzwerks bei sage und schreibe 31,3 %. Auch Bing Shopping existiert dort schon wesentlich länger als hier und konnte sich bereits stärker etablieren. Für Werbetreibende, die auch im US-amerikanischen Raum werben oder dies planen, kann der Einsatz von Bing Ads daher besonders vielversprechend sein.

Lohnenswerte Zielgruppen

Die Werbung mit Bing Ads kann für einige Branchen besonders gut laufen. Natürlich gibt es hier für keine Branche eine Garantie, doch gewisse Tendenzen bestehen durchaus. Auf der Webseite von Bing Ads Insights lassen diese sich für die unterschiedlichsten Bereiche einsehen (ads.bingads.microsoft.com/de-de).

So lohnt sich Bing Ads speziell für pharmazeutische Unternehmen – besonders im Vergleich zu AdWords. Anzeigen werden in Bing Ads nämlich wesentlich seltener abgelehnt. In AdWords hingegen haben Werbetreibende dieser Branche sehr oft mit Ablehnungen wegen Richtlinienverstößen zu kämpfen, bspw. stehen auf der Website oder in der Artikelbeschreibung Inhaltsstoffe, die in der Onlinewerbung nicht zugelassen sind. Die Toleranzschwelle ist in Bing Ads immerhin etwas höher als beim Marktführer. Dennoch gilt natürlich, dass man die größere Reichweite des Google-Netzwerkes definitiv mitnehmen und nicht ausschließlich in Bing Ads werben sollte.

 

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Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 65 von April 2017 mit dem Titelthema „Mobile First: Aufrüsten für den neuen Google-Index“.

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