Zertifizierungen im Online-Marketing: Aussagekraft, Kosten, Voraussetzungen

Beitrag aus Ausgabe 64 / Februar 2017
Online Marketing
Herbert Buchhorn

ist Geschäftsführer von Clicks Online Business (Büros in Berlin, Dresden, Köln und München) und Experte für Suchmaschinenoptimierung (SEO). Seit 2007 ist seine Online-Marketing-Agentur erfolgreich für Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen in ganz Deutschland und international tätig.

Zertifizierungen und Partnerschaften sind ein wichtiges Argument für Werbeagenturen und Online-Spezialisten bei der Kundenakquise. Doch nicht jede Zertifizierung erweist sich auch als nützlich. Ein Überblick.

Seriöse Zertifizierungen können das Vertrauen von Geschäftspartnern, Kunden und Interessenten erheblich steigern. Gerade im noch immer vielfach misstrauisch beäugten Online-Marketing stellen sie manchmal das Zünglein an der Waage bei der Wahl des Dienstleisters dar. Das gilt jedoch nur für solide, branchenübliche Zertifikate. Also insbesondere jene, die:

  • regelmäßig erneuert werden müssen,
  • die Einhaltung von Qualitäts- und Wissensstandards überprüfen,
  • transparent ihre Auswahlkriterien veröffentlichen,
  • nicht allein durch Bezahlung zu erhalten sind,
  • im besten Fall sogar Umsätze und andere Wirtschaftsfaktoren berücksichtigen.

Denn sie zeigen, dass man auf dem neuesten Stand ist, seine Mitarbeiter kontinuierlich schult und in der Vergangenheit Erfolge erreicht hat. Derartige Zertifizierungen machen den eigenen Qualitätsanspruch nach außen hin sichtbar und dürfen daher auch völlig legitim zu Werbezwecken eingesetzt werden.

Was können Zertifizierungen nicht leisten?

Eine Zertifizierung ist kein Garant für mehr Umsatz. Zunächst entscheiden sich Werbetreibende nicht nur anhand von Siegeln und Zertifikaten für einen Online-Dienstleister. Referenzen, Kundenmeinungen, die Eigendarstellung sowie die Homepagegestaltung sind ebenso ausschlaggebend. Darüber hinaus müssen die in Zertifikaten beworbenen Leistungen auch im Tagesgeschäft erbracht werden. Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, seinen Kunden aber keinen Mehrgewinn bringt, wird schnell als Blender enttarnt.

Zu guter Letzt steht eine Zertifizierung nicht zwingend für sich selbst. Wer im Online-Marketing unterwegs ist und sich auskennt, wird die nachfolgenden Zertifizierungen sicherlich kennen. Doch wer das erste Mal seine Fühler in diese Richtung ausstreckt, weiß vielleicht nichts mit „Google Partner“ oder „LRT Associate“ anzufangen. Da liegt es an den Online-Dienstleistern selbst, die Bedeutung und Gewichtung dieser Zertifikate ihren Interessenten zu vermitteln.

1. Google-Zertifikate

Google selbst, als eine der größten Plattformen für Werbetreibende im Internet, bietet zahlreiche Zertifizierungen für Online-Experten und Marketing-Agenturen. Am bekanntesten sind dabei sicherlich das Google Partnerprogramm, die AdWords-Zertifizierung für Einzelpersonen sowie die individuelle Qualifikation für Google Analytics.

Google-Partner- vs. Premium-Partner-Logo

Für Unternehmen bietet Google zwei Versionen eines Partner-Logos: das Google-Partner-Logo selbst und das Logo für Google Premium-Partner (siehe Abbildung 1). Träger dürfen das jeweilige Logo auf ihrer Webseite, anderen Online-Ressourcen und auch Offline-Marketingunterlagen hinzufügen, um zu zeigen, dass sie von Google als AdWords-zertifizierte Partner anerkannt werden. Partner und Premium-Partner unterscheiden sich dabei nur graduell. Denn wie es bei Google selbst heißt: „Das Logo für Google Premium-Partner haben wir für Unternehmen eingeführt, die mehr in Werbung investieren und bei der Zertifizierung und Unternehmensleistung eine höhere Qualifizierung erreichen.“

Voraussetzung: Voraussetzung ist ein Google-Partner-Account mit ausgefülltem Profil, ein oder mehrere AdWords-zertifizierte Mitarbeiter im Unternehmen sowie diverse Leistungsnachweise in Form von Umsatzzahlen und eines wachsenden Kundenstamms. Darüber hinaus müssen die geforderten Ausgabenziele (siehe Abbildung 2) in AdWords erreicht werden.

Prüfung: Nach der Registrierung können sich Unternehmen für den Partner- und Premium-Partner-Status qualifizieren, indem sie die jeweiligen Voraussetzungen erfüllen. Der Seite „Partner-Status“ im Google-Partner-Konto kann man den aktuellen Qualifizierungsstand entnehmen.

Nutzen: Das Google-Partner-Logo bekundet, dass ein oder mehrere Mitarbeiter im Unternehmen als AdWords-Spezialisten ausgezeichnet wurden. Darüber hinaus zeugt es davon, dass die Agentur ein kontinuierliches Umsatzwachstum und einen beständigen Kundenstamm verzeichnen kann. Das sind alles hervorragende Argumente für die Eigendarstellung. Zudem erhalten Google Partner Einladungen zu exklusiven Google-Veranstaltungen, Support und Zugriff auf spezielle Schulungen sowie die Möglichkeit von Unternehmensspezialisierungen.

Kosten: Um den Google-Partner- bzw. Premium-Partner-Status zu erreichen, müssen die Mindestanforderungen für Ausgaben in AdWords erfüllen sein.

URL: https://www.google.com/partners/about/join.html

Google-AdWords-Zertifizierung für Einzelpersonen
Die Google-AdWords-Zertifizierung für Einzelpersonen ist für Unternehmen insofern wichtig, da sie mindestens einen und für Premium sogar zwei AdWords-zertifizierte Mitarbeiter benötigen, um das Google-Partner-Logo tragen zu dürfen. Dieses Zertifikat ist zwölf Monate gültig und dient als Nachweis dafür, dass die jeweilige Person von Google als Experte für Online-Werbung anerkannt wird.

Voraussetzung: Um die Prüfung ablegen zu dürfen, muss der Teilnehmer Mitglied von Google Partner sein, d. h. er muss sich zuvor registrieren.

Prüfung: Neben der AdWords-Grundlagen-Prüfung muss eine weitere Prüfung (siehe Abbildung 3) in den Bereichen Suchmaschinenwerbung, Displaywerbung, mobile Werbung, Videowerbung oder Werbung bei Google Shopping bestanden werden. Die einzelnen Prüfungen dauern 90 bis 120 Minuten und 80 Prozent der Fragen müssen richtig beantwortet sein, um sie zu bestehen.

Nutzen: Über ein individuelles Zertifikat auf der Google-Partner-Profilseite können Einzelpersonen nach bestandener Prüfung ihr Know-how präsentieren und ihre Agentur in dem Bestreben unterstützen, das Google-Partner- und Premium-Partner-Logo zu erhalten. Aber Achtung: Es gibt kein eigenes Logo für die AdWords-Zertifizierung von Einzelpersonen!

Kosten: Es fallen keine Kosten für die AdWords-Zertifizierung für Einzelpersonen an.

URL: https://support.google.com/partners/answer/3154326?hl=de&ref_topic=3203989

Google Analytics – Individuelle Qualifikation
Die Google-Analytics-IQ-Prüfung dient dazu, das eigene Wissen über die Google-Analytics-Plattform sowie Best Practices in der digitalen Analyse nachzuweisen.

Voraussetzung: Um die Prüfung absolvieren zu können, muss der Teilnehmer bei Google Partner registriert sein und ein individuelles Profil erstellen.

Prüfung: In einer 90-minütigen Prüfung, deren Startzeitpunkt selbst wählbar ist, werden Fragen zur digitalen Analyse und zu Google Analytics gestellt. Das dazu nötige Wissen kann über die Analytics-Academy-Kurse (https://analyticsacademy.withgoogle.com/) und die Lernhilfe für Analytics IQ (https://support.google.com/analytics/answer/6370549) erworben werden.

Nutzen: Hat der Teilnehmer die Prüfung bestanden, erhält er Zugriff auf seine persönliche Zertifizierung und seine öffentliche Google-Partner-Profilseite. Dieser Link kann für andere freigegeben werden und als Nachweis dafür dienen, dass die Grundlagen der digitalen Analyse und von Analytics selbst beherrscht werden. Aber Achtung: Es gibt kein Google-Analytics-IQ-Logo, mit dem geworben werden darf!

Kosten: Für die Prüfung fallen keine Kosten an.

URL: https://support.google.com/partners/answer/6089738

2. Zertifizierung durch Bing

Zwar ist Google als Suchmaschine auf dem deutschen Markt noch immer konkurrenzlos, dennoch kann es sich für Online-Marketer lohnen, auch Bing in ihr Repertoire aufzunehmen. Denn die Suchmaschine nimmt mit ihrer Anbindung an Apples Siri sowie Microsofts Cortana und Edge Browser immerhin vier Prozent des Suchvolumenanteils in Deutschland ein. Ein Zertifikat von Bing kann erhalten, wer am sogenannten Bing-Ads-Accredited-Professional-Programm teilnimmt.

Voraussetzung: Um an der Prüfung teilzunehmen, muss seit mindestens 30 Tagen ein Bing-Ads-Konto aktiv sein. Transaktionen müssen dafür allerdings noch nicht erfolgt sein.

Prüfung: Die Prüfung besteht aus 100 Multiple-Choice-Fragen, von denen mindestens 80 in einem beliebig langen Zeitraum richtig beantwortet werden müssen.

Nutzen: Mit Erhalt des Zertifikats darf das Accredited-Professional-Logo (siehe Abbildung 4) auf den eigenen Seiten verwendet werden. Zudem wird der Dienstleister im Mitgliederverzeichnis von Bing („Einen Pro suchen“) gelistet und erhält vierteljährlich einen Newsletter mit allen wichtigen Neuigkeiten zu den Bing Ads.

Kosten: Für die Schulung und Akkreditierung fallen keine Gebühren an. Die Prüfung kann bei Nichtbestehen kostenfrei wiederholt werden.

URL: http://ads.bingads.microsoft.com/de-de/schulung-akkreditierung

3. BVDW-Qualitätszertifikate

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft e. V., kurz BVDW, prüft bereits seit 2004 die Einhaltung branchenweiter Standards sowie die Professionalität und Seriosität von digital tätigen Unternehmen. Aus dieser Motivation heraus vergibt er auch sogenannte BVDW-Qualitätszertifikate mit den Prädikaten Affiliate Marketing, SEA, SEO (Strategie, Onpage, Offpage), Social Media (Strategie, Content & Dialog, Advertising, Technologie) und Trusted Agency.

Voraussetzung: Jedes dieser Zertifikate hat seine eigenen Anforderungen. Generell lässt sich aber sagen, dass in der Regel mehrere Nachweise über die Mitarbeiterqualifikationen, ausgewählte Kontakte für die Befragung zur Kundenzufriedenheit sowie ausgewählte Referenzprojekte angegeben werden müssen (siehe Abbildung 5).

Prüfung: Der Antrag bzw. die Bewerbung ist immer im Oktober und April eines jeden Jahres möglich. Die nächste Runde startet im April 2017.

Nutzen: Die BVDW-Zertifizierungen stehen für die Einhaltung von branchenweiten Qualitätsgrundsätzen und für eine professionelle Arbeitsweise in dem zertifizierten Bereich.

Kosten: Für ein einzelnes BVDW-Qualitätszertifikat fallen je nach Art, Bewerbungszeitraum und BVDW-Mitgliedschaft zwischen 750 € und 3.000 € an.

URL: http://www.bvdw.org/zertifikate.html

4. Die Top-100-SEO-Liste

Im SEO-Bereich ist vor allem die Top-100-SEO-Liste eine wichtige Auszeichnung für Agenturen. Die Liste wird vierteljährlich vom Magazin iBusiness in Zusammenarbeit mit Partnern wie BVDW, Sistrix und Suchmaschinentricks mithilfe eines eigenen Sichtbarkeitsindexes ermittelt. Wer auf einem der ersten hundert Plätze landet, wird in die Liste aufgenommen und darf das Siegel für das aktuelle Quartal tragen.

Voraussetzung: Die Top-100-Liste stützt sich auf einen Sichtbarkeitsindex, der sich aus der Sichtbarkeit des Unternehmens zu SEO-relevanten Stichwörtern, dem Nachweis von Gütesiegeln im SEO-Bereich (z. B. das BVDW-SEO-Zertifikat) sowie den in den zwölf vorangegangenen Monaten gehaltenen Fachvorträgen auf Konferenzen und Branchenevents zusammensetzt. Zur Teilnahme ist übrigens die kostenlose Registrierung bei iBusiness notwendig.

Prüfung: Die Unternehmen sind im Vorfeld der Analyse dazu aufgerufen, ihren Sichtbarkeits-Rang zu den relevanten Keywords (http://www.ibusiness.de/seo/?aktion=sichtbarkeitsindex) durch SEO-Maßnahmen zu verbessern. Sind jedoch alle Voraussetzungen erfüllt, gibt es keine weitere Prüfung, die bestanden werden muss.

Nutzen: Bewerber, die die ersten 100 Plätze des Indexes erreichen, sind berechtigt, das iBusiness-Top-100-SEO-Siegel für das jeweilige Quartal zu führen. Gerade im deutschsprachigen Raum ist die Liste oft ein wichtiger Indikator für Werbetreibende.

Kosten: Es fallen auch bei Aufnahme in die Liste keine Kosten an.

URL: http://www.ibusiness.de/seo/

5. Zertifizierungen von Tool-Anbietern

Neben den bisher vorgestellten Zertifizierungen gibt es natürlich noch viele weitere, darunter auch zahlreiche Siegel diverser Tool-Anbieter im Online-Marketing. Sie dienen als Nachweis über den professionellen Umgang mit spezialisierten Anwendungen.

Nennenswert ist beispielsweise das OnPageExpert-Programm (https://de.onpage.org/lp/expert/). Nach einer Teilnahme an einem Expert Event haben OnPage.org-Kunden die Möglichkeit, sich einem kostenlosen Zertifizierungstest zu unterziehen. Dieser bezeugt, dass der Teilnehmer in der Lage ist, mit der OnPage.org-Software umzugehen und seine Arbeitsweise nachhaltig zu verbessern.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das LRT-Associate-Siegel (http://www.linkresearchtools.de/schulungen/lrt-associate/). LinkResearchTools bietet seinen Nutzern die Möglichkeit – nach Abschluss eines kostenfreien Trainings oder wenn sie die Tools schon über zwölf Monate nutzen –, eine Prüfung abzulegen. Dadurch soll eine Maximierung des Nutzens, der aus den LinkResearchTools gezogen werden kann, sowie des Verständnisses gefördert und zertifiziert werden. Der LRT Associate ist das erste Level, um später das LRT Certified Professional, das LRT Certified Xpert oder das LRT Certified Agency Level zu erreichen.

6. Facebook-Blueprint-Zertifizierungen

Recht neu und daher noch gar nicht so weit verbreitet ist das Blueprint-Zertifizierungsprogramm von Facebook. Es wurde laut Facebook entwickelt, um „fortgeschrittene Kompetenz in den für Facebook-Werbetreibende erforderlichen Fertigkeiten zu messen“. Die Zertifizierung ist zwölf Monate gültig und es gibt sie in zwei Ausführungen (siehe Abbildung 6): die Prüfung für den Facebook-zertifizierten Planungsexperten und den Facebook-zertifizierten Buchungsexperten.

Voraussetzung: Laut eigenen Aussagen sind die Prüfziele so ausgelegt, dass mindestens sechs Monate Erfahrung in der entsprechenden Facebook-Werbeposition erforderlich sind, um die Prüfung zu bestehen. Darüber hinaus muss der Prüfplatz einige technische Voraussetzungen erfüllen (https://de-de.facebook.com/blueprint/certification/policies), die zuvor mit einer App getestet werden können.

Prüfung: Um sich zu zertifizieren, muss man an zwei sicheren und per Videoaufzeichnung sowie live zugeschaltetem Prüfer online beaufsichtigen Prüfungen teilnehmen und ein Ergebnis von mindestens 700 aus 1000 möglichen Punkten erreichen.

Nutzen: Mit erfolgreichem Prüfungsabschluss erhält der Teilnehmer ein digitales Abzeichen, das die erbrachte Leistung verifiziert und somit ein fortgeschrittenes Verständnis bei der Anwendung, Planung und Buchung von Facebook-Werbung nachweist.

Kosten: Die Blueprint-Zertifizierung kostet bis zu 150 US-Dollar. Das entspricht umgerechnet ungefähr 142 €. Die tatsächliche Prüfungsgebühr für Deutschland wird beim Kaufabschluss angezeigt.

URL: https://de-de.facebook.com/blueprint/

 

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Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 64 von Februar 2017 mit dem Titelthema „Google Shopping - Umsatzbooster für Online-Shops“.

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