Web Analytics: Piwik – eine Open-Source-Alternative zu Google Analytics mit enormem Potenzial

Beitrag aus Ausgabe 62 / Oktober 2016
Analytics
Britta Behrens

ist Online-Marketing-Managerin bei der Piwik PRO GmbH in Köln. Sie lebt und liebt digitales Marketing und digitale Kommunikation. Tagtäglich beschäftigt sie sich mit Web Analytics, SEO, Content-Marketing und Social Media.

Piwik ist eine weltweit bekannte Open-Source-Web-Analytics-Plattform. Allerdings fristet sie im Vergleich zu Google Analytics immer noch ein Nischendasein. Dies muss zukünftig nicht so bleiben.

 In Piwik schlummert großes Potenzial, das nur darauf wartet, von Unternehmen ausgeschöpft zu werden. Häufig wird der Vorteil von Piwik auf den Datenschutz und die Kontrolle reduziert. Dieser Artikel zeigt die Besonderheiten und Vorteile von Piwik und setzt diese zum besseren Verständnis in Relation zu Google Analytics.

Google Analytics unangefochtener Marktführer

83 % gegenüber 2,1 % Marktanteil sprechen vermeintlich eine deutliche Sprache. Google Analytics ist ohne Frage der Platzhirsch unter den professionellen Webanalyse-Plattformen, die von den meisten Websitebetreibern und auch Unternehmen eingesetzt werden. Das System ist kostenlos, schnell implementiert und bietet von Beginn an einen großen Funktionsumfang und viele hilfreiche Standardauswertungen und Reports. Zudem lässt es sich mit vielen Google-Diensten wunderbar verknüpfen (AdWords, Search Console).

Anforderungen im Business-Einsatz an ein Web-Analytics-System

Für private Websitebetreiber reichen die Funktionen und Analysen von Google Analytics zumeist aus, sofern man bereit ist, die Daten auf den Servern von Google zu speichern. Möchte man eine Web-Analytics-Software allerdings im Unternehmensumfeld einsetzen, muss man weitere Anforderungen an ein solches Webanalyse-System stellen und genau überprüfen, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. Mithilfe der Web Analytics will man schließlich valide Erkenntnisse über die Performance der eigenen Website und das Nutzungsverhalten seiner Besucher und Kunden gewinnen, um seine Unternehmensziele zu unterstützen und zu erreichen.

Neben rechtlichen Fragen, die in Hinblick auf Datenschutz und -kontrolle von Unternehmen geklärt werden müssen, sind auch Fragen in Bezug auf die Datenqualität ein wichtiger Faktor. Hier sind Art und Umfang der Datensammlung sowie Auswertung und Ort der Speicherung entscheidend. Bisher scheinen Unternehmen zufrieden mit der Datenqualität und den Analysen von Google Analytics zu sein. In den zuvor genannten Bereichen weist Google Analytics allerdings einige Limitierungen auf, die in Piwik so nicht existieren. Diese sollte man sich bewusst machen und einmal näher betrachten, welchen Einfluss und welche Relevanz sie auf die Analyseergebnisse haben können. Diese Aspekte werden hier Punkt für Punkt näher vorgestellt.

100 Prozent Datenkontrolle und Sicherheit – Piwik ist mehr als das
Piwik wird eigentlich immer dann als die optimale Alternative im Vergleich zu Google Analytics genannt, wenn es um Datenschutz und Datensicherheit geht. Im Gegensatz zu Google Analytics werden die Daten bei Piwik auf dem eigenen Server gespeichert und die Datenhoheit obliegt einzig und allein dem Websitebetreiber – für viele Unternehmen heutzutage eigentlich ein absolutes »Must-have«. Die Daten werden ausschließlich für die internen Analysen verwendet und ein Zugriff und eine Verwendung der Daten seitens Dritter findet nicht statt. Die Privatsphäre der Websitebesucher wird respektiert und geschützt – ohne auf wichtige Webanalysen verzichten zu müssen. Piwik erfüllt die hohen Datenschutzanforderungen der EU und wird von führenden Datenschützern empfohlen. Somit können Unternehmen von Anfang an sicher sein, dass sie ein rechtskonformes Web-Analytics-System einsetzen.


Doch nicht nur wegen des Sicherheitsaspekts sollte man Piwik als Web-Analytics-Plattform genauer ins Auge fassen. Dies ist eher eine Basiseigenschaft, die Piwik erfüllt. Was Unternehmen besonders aufmerksam machen sollte, sind die Vorteile, die man bei der Analyse erhält, wenn man auf das Prinzip des Self-Hostings setzt. Die Anwender erhalten deutlich mehr Freiheiten und einen größeren Handlungsspielraum. Darüber hinaus sind weitreichendere Erhebungen und genauere Analysen möglich und die Administration wird vereinfacht. Stichwort: Daten-Sampling, Adblocker-Whitelisting, User-zentriertes Reporting, unbegrenzte Datenspeicherung und Account-Management.

Piwik Demo

Eine vollständige Demo mit dem gesamten Funktionsumfang steht online zur Verfügung. So lässt sich ein Überblick über alle Widgets, Analysemethoden und das User Interface gewinnen.

> https://demo.piwik.pro/

 

Bei Piwik gibt es keine Limits

Ein enormer Vorteil von Piwik sind die Datenspeicherung und die Auswertungsmethode – ohne Speicherlimit. Alle Bewegungen und Aktionen, die auf eigenen Webseiten stattfinden, werden erfasst und gespeichert. Bei der kostenlosen Version von Google Analytics ist bei 10 Mio. Aktionen pro Monat Schluss. Alles darüber hinaus wird nicht erfasst und kann somit nicht zur Analyse herangezogen werden. Für große Unternehmen mit enormem Website-Traffic kann dies problematisch werden, da dann nur noch Teildaten zur Verfügung stehen und keine umfassende Webanalyse mehr möglich ist.

Rohdaten vs. Sampling

Bei Piwik verwaltet und bestimmt der Nutzer die Serverkapazitäten. So gibt es keine monatlichen Limits. Google setzt zudem bei umfangreichen Analysen das sogenannte Sampling ein. Damit die Analysen schneller vom Server abgefragt und bereitgestellt werden können, verwendet Google nicht alle Daten aus dem Zeitraum, der abgefragt wird, sondern nimmt aus diesen Daten eine Stichprobe. Das Ergebnis ist somit immer nur eine Hochrechnung aus Analysedaten. Piwik greift immer zuerst auf alle Daten zu und der Nutzer entscheidet selbst, ob für bestimmte Analysen eine Stichprobe ausreicht. Bei Google Analytics hat man diese Wahl nicht.

Beim Reporting muss ebenfalls aufgepasst werden. Google Analytics liefert Berichte mit einem Umfang bis maximal 5.000 Zeilen. Umfangreichere Berichte können nicht erstellt werden. Piwik hingegen verzichtet auf eine Obergrenze.

Um das Sampling und das eingeschränkte Reporting von Google zu umgehen, müssen die erhobenen Daten regelmäßig exportiert, gespeichert und mit anderen Tools zusammengeführt werden. Eine zusätzliche und zeitintensive Arbeit, die man sich beim Einsatz von Piwik ersparen kann.

Whitelisting bei Adblockern

Piwik hat einen großen Vorteil gegenüber Google Analytics und anderen SaaS-Analyse-Tools: Die Web-Analytics-Plattform wird von Adblockern nicht gestört und blockiert. Vielmehr werden sogar die Nutzerdaten von Usern erfasst, die einen Adblocker aktiviert haben. Auf diese Weise erhält man beim Einsatz von Piwik deutlich mehr Nutzerdaten und die Analysen werden somit exakter und aussagekräftiger.

Rand Fishkin, führender SEO-Experte, empfiehlt Piwik regelmäßig. In einem Tweet verwies er auf einen Blog-Artikel von Filippo Valsorda (https://blog.filippo.io/self-host-analytics/), der die AdBlock-Problematik untersuchte und die Zahlen von Google Analytics mit Piwik verglich. Das Ergebnis war prägnant: Mit Google Analytics wurden für eine Website innerhalb von zwei Tagen 10.403 Page Views gezählt. Mit Piwik waren es 16.110 und somit 55 Prozent mehr. Da Deutschland auch ein sehr beliebtes Land für Adblocker ist, sollte man sich dies bewusst machen. Somit kann Piwik in Zeiten einer hohen Verbreitung von Adblockern wie AdblockPlus, Ghostery & Co. tatsächlich alle Besucher erfassen und somit exaktere Ergebnisse liefern, da alle Nutzergruppen mit ihren Interaktionen gemessen werden.

Referral-Spam-Blacklist

Auch für das lästige Thema Referral-Spam gibt es eine Lösung, die direkt ins System integriert ist. Vom Piwik Core Team und der Community wird kontinuierlich eine Blacklist an Spammern gepflegt, sodass diese automatisch aus den Analyseergebnissen ausgeschlossen werden. So werden diese nicht durch massiven Spam verfälscht.

Individuelle Customer-Journey-Analyse

Im Bereich der Nutzerverhalten-Analyse ermöglicht Piwik den Anwendern eine user-zentrierte Perspektive. Die Bewegungsdaten auf der Website können bis auf Personenebene betrachtet werden. Jede einzelne Customer-Journey wird 1:1 aufgezeichnet und jede Aktion und Handlung des Users kann nachvollzogen werden. So erfährt man, wie speziell und unterschiedlich die Nutzerwege auf der Website sind und wie sie zu einer erfolgreichen Konversion führen oder wo Absprünge zu verzeichnen sind. Man erkennt, an welchen Informationen, Produkten oder Dienstleistungen die Person interessiert ist und auf welchem Weg sie sich Zugang zu den Informationen beschafft hat – ein individuelles Customer-Tracking.


Account-Management und Administration

Mit Piwik lassen sich unbegrenzt viele Webseiten in einer einzigen Instanz verwalten. Für Unternehmen mit vielen Webseiten oder Agenturen, die viele Websites von Kunden betreuen, bedeutet dies einen Riesen-Vorteil bei der Administration. Innerhalb dieser Instanz können unbegrenzt viele Nutzer-Accounts erstellt werden, denen unterschiedliche Rechte und Zugangsberechtigungen eingeräumt werden. Google Analytics beschränkt die Properties auf 50 Projekte und maximal 100 Nutzer-Accounts.

Eigene Administration und Wartung

Es sollte natürlich auch nicht verschwiegen werden, dass die Vorteile durch self-hosted Analytics auch einige Verpflichtungen mit sich bringen und letztendlich auch Geld kosten. Wer Piwik betreiben möchte, benötigt notwendige Ressourcen, was Server und IT-Support betrifft. Das System muss von Administratoren und Webentwicklern regelmäßig betreut und gewartet werden. Dies liegt in der Verantwortung des Unternehmens.

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Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 62 von Oktober 2016 mit dem Titelthema „B2B-Maßnahmen für Online-Marketer“.

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