Der Wert eines Links Die drei wichtigsten Faktoren zur Bestimmung des Linkwertes sind …

Beitrag aus Ausgabe 61 / August 2016
SEO
Saša Ebach

ist seit über 15 Jahren SEO, Linkaufbauer und Content-Marketer. Er ist verliebt in gute Inhalte und schätzt sie gerade deswegen so sehr, weil sie den Linkaufbau kinderleicht machen. Sein Linkaufbau-Workshop findet jeden Monat in einer der großen Städte Deutschlands statt.

Aus SEO-Sicht ist ein Link nur dann wertvoll, wenn er das Ranking positiv beeinflusst. Je besser er das macht, desto wertvoller ist er. Welche Faktoren sind es, die einem Link zu Rankingpower verhelfen? Dieser Beitrag liefert die drei Antworten.

Wer im Netz von einer Seite zur nächsten surft und dabei auf Links klickt, der ist sich in der Regel nicht bewusst, wie wertvoll diese Links sind. Google wurde im Januar 2016 zum wertvollsten Unternehmen der Welt – mit einem Wert von über 500 Mrd. €. Und das dank der Links, die wir Menschen im Web platzieren und auf die andere Menschen klicken.

Links sind von unterschiedlicher Qualität. Googles gesamtes Business basiert darauf, gute Links zu erkennen und nur diese in die Berechnung von Rankings mit einzubeziehen. Im Laufe der Jahre ist Google dabei viel besser geworden. Ist die Qualität dieser Links sehr hoch, sind Googles Ergebnisse sehr gut, die Nutzer zufrieden. Zufriedene Nutzer kommen immer wieder und klicken auf Googles Anzeigen. Das ist Googles Hauptgeschäftsmodell.

Wie erkennt Google gute Links? Hauptsächlich anhand dieser drei Faktoren:

Faktor #1: Power durch PageRank

Vereinfacht gesagt, ist der PageRank ein Berechnungsmodell, das die Anzahl der Links einer Seite „zählt“. Je mehr Links eine Seite hat, desto mehr PageRank wird an sie vererbt.

In Wahrheit ist der PageRank-Algorhithmus aber viel schlauer. Er prüft auch gleich, welche Seiten auf diese Seiten verlinken, und dringt bei jedem Durchlauf immer bis zum allerersten Link des gesamten Webs vor. Dieser „Linkgraph“ – also die Gesamtheit aller Links im WWW – wird dann in den Speicher geladen und komplett ausgewertet. Das erfordert eine Menge Rechenkapazität, weshalb Google weltweit mehrere Millionen Server betreibt.

Der Toolbar-PageRank ist tot

Jahrelang konnte man einen PageRank-Wert (0–10) über die Google-Toolbar ablesen. Dieser Wert wird aber leider nicht mehr aktualisiert.

Obwohl dieser Toolbar-PageRank in vielen Fällen sehr ungenau war, diente er wenigstens als grober Anhaltspunkt. Eine Seite mit einem PageRank von acht war sicher besser als eine Seite mit einem PageRank von sechs. Wohlgemerkt: Jede einzelne Unterseite bekam damals nach einer gewissen Wartezeit einen Toolbar-PageRank-Wert zugewiesen.

Nach außen hin gibt es keinen PageRank mehr, aber für die interne Berechnung verwendet Google ihn natürlich noch. Daher ist auch heute noch wichtig, dass eine Seite besonders viele Links hat.

Eine aktuelle Studie von Stone Temple (https://www.stonetemple.com/links-remain-a-very-powerful-ranking-factor-study/) findet eine nahezu perfekte Korrelation zwischen der Anzahl von Links und dem Ranking eines Begriffes. Seiten mit mehr Links – also mit hohem PageRank – ranken einfach besser.

Die Anzahl der Links hat statistisch gesehen immer noch die höchste Korrelation mit besseren Rankings. Aber Vorsicht: Es geht nicht darum, einfach nur viele Links aufzubauen. Es kommt darauf an, dass diese Links gewisse Qualitätskriterien erfüllen. Ansonsten zählt Google sie vielleicht gar nicht.

Faktor #2: Kein Kontext, keine Power

Google möchte aus der Gesamtzahl der Links nur eine einzige Sorte zur Rankingberechnung herausziehen: kontextuelle, redaktionelle Links.

Was bedeuten die Begriffe „kontextuell“ und „redaktionell“?

Kontextuelle Links fungieren als Brücken zwischen redaktionellen Inhalten. Sie verknüpfen zwei Textstellen auf eine Art miteinander, sodass beide Textstellen (Linkquelle und Linkziel) auch einen einzigen Text ergeben könnten.

Wann ist ein Link kontextuell?

Dies lässt sich mit einem einfachen Experiment zeigen.

Text Seite A:

Spinat ist eine einjährige krautige Pflanze. Die rötliche, selten weiße Wurzel ist konisch. Die Oberfläche der Pflanzenteile ist meist kahl.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Spinat

Text Seite B:

Krautige Pflanzen sind alle Pflanzen, die kein sekundäres Dickenwachstum aufweisen und damit nicht verholzen. Es gibt einjährige, zweijährige und mehrjährige krautige Pflanzen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Krautige_Pflanze

Die Wortkombination „krautige Pflanze“ auf Seite A ist verlinkt mit Seite B, welche das Thema „Was sind krautige Pflanzen?“ zum Gegenstand hat.

Wer jetzt den Text von Seite B in den Text der Seite A einbaut, der braucht keinen Link mehr. Denn der Text steht dann dort, von wo er vorher durch den Link „referenziert“ wurde.

Spinat ist eine einjährige krautige Pflanze (von Seite A) … Krautige Pflanzen sind alle Pflanzen, die kein sekundäres Dickenwachstum aufweisen und damit nicht verholzen (von Seite B) … Die rötliche, selten weiße Wurzel ist konisch (wieder von Seite A) …

Zwei informationelle Textstellen werden miteinander verknüpft. Würde ein Leser einen Unterschied im Inhalt zwischen diesen beiden Varianten erkennen? Sicher nicht. Entweder er liest den Text auf Seite A, folgt dem Link zu Seite B und liest dort den erweiterten Kontext. Oder aber der Text steht direkt auf einer einzigen Seite. Dann braucht es auch keinen Link.

Eine Textstelle kann sich mit einem Link den Inhalt auf einer entfernten Seite zu eigen machen, ohne dabei den Text zu kopieren. Der Link auf Seite A erweitert den eigenen Kontext um Teile des Inhalts auf Seite B. Damit ist er „kontextuell“, aber warum ist er auch redaktionell?

Redaktionell versus transaktionell

Redaktionell ist der Link auf Seite A, weil er

1. in einem informationellen Text steht und

2. auf einen informationellen Inhalt zeigt.

Der Inhalt auf Seite B versucht nicht, krautige Pflanzen zu verkaufen. Er ist reine Information. Die Begriffe redaktionell und informationell lassen sich in diesem Kontext austauschen.

Angenommen der Inhalt auf Seite B wäre eine Onlineshop-Seite, die Spinat anbietet. Dann wäre der Link auf Seite A nicht redaktionell, sondern transaktionell. Der Link würde eine Transaktion vorbereiten und wäre damit als Werbung zu klassifizieren.

Google möchte keine Werbelinks zur Rankingberechnung verwenden. (Siehe dazu unter Faktor #3 auch die Diskussion rund um die Linkfeatures in Googles Patent.)

Nur wenn ein Link genau diese beiden Funktionen übernimmt – er ist kontextuell und redaktionell –, dann hat er überhaupt das Potenzial, Linkpower zu vererben. Die Vermutung liegt nahe, dass Google alle anderen Links aus der Berechnung ausschließt oder diese abwertet, sodass sie nicht ihre volle Wirkung entfalten können.

Faktor #3: Mehr Klicks = bessere Rankings

Die Indizien verdichten sich. Google scheint mit Chrome Klickdaten zu sammeln, die in die Rankingberechnung eingespeist werden. Google scheint zu wissen, wann welcher Link wahrscheinlich als Nächstes angeklickt wird. Wie kann Google das über Chrome erreichen?

Chrome verwendet, wie alle modernen Browser, eine Technologie namens „Prefetch“. Diese Funktion ist in den erweiterten Einstellungen von Chrome standardmäßig aktiviert.

Mittels Prefetch lädt Google im Hintergrund wichtige Dateien im Voraus (z. B. CSS-, JS- und andere Dateien), damit die nächste Seite, auf die ein User klickt, schneller angezeigt werden kann. Prefetch ist also ein nützliches Usability-Feature.

Dies bedeutet aber auch, dass Google mit der Chrome-Prefetch-Funktion schon seit Jahren einen Algorithmus trainiert, der ideale Daten liefert, um zu bestimmen, welchen Link der User als Nächstes anklicken wird.

Wer sich anschauen möchte, auf welche Seiten und Links man selbst geklickt hat, kann dies neuerdings bei Google „Meine Aktivitäten“ tun. (https://myactivity.google.com/myactivity)

Ganz unverblümt schreibt Google hier, dass die User dabei helfen, Google intelligenter (sprich: reicher) zu machen. In My Activity lässt sich genau beobachten, wann man was gesucht hat und wohin man dann geklickt hat.

Bei einem Marktanteil von 50 % weiß Google also ungefähr, auf welche Links die eine Hälfte der Weltbevölkerung klickt. Wahrscheinlich ist die Zahl sogar noch höher, weil viele Leute auch mehrere Browser einsetzen.

Google kennt demnach das Klickverhalten auf ganzen Websites und auch einzelnen Seiten – kann aber auch sehr gut Klick-Wahrscheinlichkeiten berechnen, also allgemein ableiten, wohin ein User auf einer bestimmten Seite wohl klicken wird, z. B. eher oben als unten oder eher im ersten Paragrafen oder eher in der linken oder rechten Spalte usw. Schon beim ersten Einlesen einer Seite kann Google also aus den gelernten Daten ableiten, welche Links auf einer Seite mehr wert sind als andere.

Vom Random-Surfer zum Reasonable-Surfer

Auch Googles Patente belegen diese Vorgehensweise – allen voran das Dokument „Ranking documents based on user behavior and/or feature data“ (https://www.google.com/patents/US7716225), in dem Google beschreibt, wie der aktuelle PageRank-Algorithmus mittlerweile funktioniert. Das alte Random-Surfer-Modell von Larry Page ging davon aus, dass ein Surfer grundsätzlich jeden Link einer Website anklickt. Danach ist jeder Link gleich viel wert – egal, wo er steht.

Das neuere Reasonable-Surfer-Modell legt ein deutlich realistischeres User-Verhalten zugrunde. Ein vernünftiger Surfer klickt eher auf Links, die an prominenter Stelle stehen.

Im Patent lässt sich nachlesen, wie Google bei der Linkbewertung vorgeht. Es folgen die wichtigsten (frei übersetzten) Textstellen:

Der Surfer folgt einigen Links mit einer höheren Wahrscheinlichkeit als anderen. Beispiele für Links, die eher nicht geklickt werden: „AGB“, Bannerwerbung und Links, die zu dem aktuellen Dokument keine Beziehung haben.

Werbelinks sind ebenso klar unerwünscht wie Links, die mit dem aktuellen Dokument nichts zu tun haben. Gerade diese beiden letzten Sätze belegen, dass Google sich hauptsächlich für kontextuelle und redaktionelle Links interessiert.

Das System generiert ein Modell basierend auf Dateneigenschaften, die aus verschiedenen Features einer Verlinkung von einem verlinkenden Dokument (Linkquelle) zu einem verlinkten Dokument (Linkziel) stammen.

Das ist ein weiteres Indiz für die gewünschte Kontextualität eines Links. Daraus lässt sich ableiten, dass es um die Einbettung des Links in den jeweiligen redaktionellen Kontext geht. Wo steht der Link? Über welches Thema wird geschrieben? Passt das verlinkte Thema zur linkgebenden Textstelle?

Linkfeatures

Welche „Features“ kann ein Link haben? Hier die leicht gekürzte, offizielle Liste aus dem Patent:

  • die Position innerhalb des Dokuments
  • die Position innerhalb einer Liste von Links
  • eine Fontfarbe und -größe
  • der Typ des Links
  • ein bestimmtes Wort im Linktext
  • die Kommerzialität des Begriffes (NB: Google möchte keine Werbelinks)
  • bestimmte Wörter vor oder nach dem Link (NB: der Kontext)
  • ein Themencluster, der mit dem Link in Verbindung steht (NB: redaktionelle Relevanz)

Spannend? Jetzt Artikel zu Ende lesen!

Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 61 von August 2016 mit dem Titelthema „Nachhaltig starke Verlinkungen aufbauen“.

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