Googles Accelerated Mobile Pages (AMP): Ein Überblick für Neueinsteiger

Beitrag aus Ausgabe 61 / August 2016
SEO
André Goldmann

arbeitet seit 1996 im und mit dem Web. Er hat unter anderem die Verlagsgruppe Weltbild, LUSH, SISTRIX und 20th Century Fox betreut. Er vermittelt sein Wissen auf Seminaren der 121WATT. Seine Themenschwerpunkte sind hier Mobile, SEO, Conversion-Optimierung sowie die Usability von Websites und Apps.

Mobil aufgerufene Webinhalte sollen zu einem besseren Erlebnis gemacht werden. Dieser Artikel erklärt, was AMP sind, wie sie funktionieren und für wen sich der Einsatz dieser Technologie lohnt.

Das Internet wird heute überwiegend mobil genutzt. Trotzdem scheint diese Tatsache noch nicht überall angekommen zu sein. Die Zahl der Websites, deren mobiler Aufruf die Geduld überstrapaziert, ist auch lange nach dem ersten „Mobilegeddon“ noch erschreckend hoch. Für diese Behauptung braucht es keine Studien. Da reicht ein Abend auf dem Sofa mit dem Smartphone in der Hand.

Deshalb haben sich Google und einige große Publisher sowie Technologie-Unternehmen gedacht: „Wir müssen etwas entwickeln, damit das gesamte mobile Content-Ökosystem den nächsten Schritt gehen kann.“ Herauskommen sollte etwas, mit dem sowohl Konsumenten als auch Publisher den jeweils größten Nutzen aus mobil dargebotenem Content ziehen können.

In diesem Fall ist die Lösung zur Erreichung dieses Ziels sogar für alle Parteien dieselbe: Geschwindigkeit. Content, der mobil schnell geladen wird, erreicht mehr Menschen als langsam ladender Content. So freuen sich Leser über die Befriedigung ihrer Bedürfnisse und Publisher über viele zufriedene Leser, die nach dem Lesen eines dieser blitzschnellen Artikel das tun, was man sich von ihnen wünscht: kaufen, anmelden oder etwas anderes.

So funktioniert eine Accelerated Mobile Page

Eine AMP ist die bedingungslos auf mobile Geschwindigkeit ausgelegte Version einer bestehenden Webseite, also beispielsweise eines Artikels, die dann ausgeliefert wird, wenn jemand mobil auf sie zugreift.

Die Methodik einer AMP besteht darin, all das zu unterbinden, was diesem Ziel im Weg steht – ganz einfach, indem Elemente, die die Ladezeiten in die Höhe schrauben, erst gar nicht dargestellt werden. Deshalb ist es z. B. auch nicht möglich, auf einer AMP eigenes JavaScript einzusetzen.

Grundlage für die Erstellung einer AMP ist das HTML-Subset AMP HTML (https://github.com/ampproject/amphtml).

Durch ein Caching-System, das über AMP veröffentlichte Elemente in der Cloud zwischenspeichert, wird die Ladegeschwindigkeit zusätzlich optimiert.

Mittels Pre-Rendering wird immer nur der Bereich einer AMP gerendert, der sich auf dem Bildschirm im sichtbaren Bereich befindet. Das spart abermals Ladezeit.

Durch ein cleveres Priorisierungssystem werden einzelne Elemente im sichtbaren Bereich in der richtigen Reihenfolge geladen, um temporäre Platzhalter und blinde Spots zu vermeiden. Im Zusammenspiel mit der hohen Ladegeschwindigkeit erscheint es so, als würde die Website innerhalb eines Wimpernschlags komplett geladen.

Im Grunde handelt es sich bei einer AMP also um eine HTML-Seite, die harschen Restriktionen hinsichtlich ladezeitintensiver Technologien unterliegt und mittels eines ausgeklügelten Renderings zusätzlich schneller angezeigt werden kann.

Am Ende soll ein deutlicher Unterschied stehen: Google selbst spricht von eine Geschwindigkeitszuwachs zwischen 15 und 85 Prozent (siehe https://www.ampproject.org/how-it-works/) – ein starkes Potenzial!

Aber: Kann man nicht einfach selbst eine schnelle Website bauen?

Eigentlich ja. Denn das ist es, was Google mit AMP hauptsächlich erreichen will: Websites, die von allem überflüssigen Ballast befreit sind und deshalb so schnell geladen werden können, wie es mit Standardmitteln nur sehr schwer möglich ist.

Lassen wir die besondere Kennzeichnung in den Suchergebnissen und Ranking-Vorteile einmal außen vor, so kann festgestellt werden:

  • Leichten Code ohne JavaScript, der auf das absolute Minimum reduziert ist, kann man auch ohne AMP realisieren.
  • Caching kann auch mit einem CDN umgesetzt werden.

Vielleicht sind die rigorosen Restriktionen von AMP aber ganz einfach nötig, um auch psychologisch eine Grenze in der Nutzung häufig überflüssiger Webtechnologien zu setzen.

Diese Vorteile bietet das Publizieren über AMP

Ein zufriedenes Publikum

Man hört es im Online-Marketing allerorten: Mach deine Website-Besucher glücklich! Nun, hier bietet AMP eine echte Chance.

Die Online-Welt ist hektisch, schnell und unübersichtlich; die Chancen auf ein entspannteres Netz stehen schlecht. Folglich sinkt die Aufmerksamkeitsspanne der Rezipienten von Online-Content, und zwar massiv: Der Mensch hat hier kürzlich den Goldfisch unterboten (siehe http://time.com/3858309/attention-spans-goldfish/). Das muss man erst einmal schaffen.

Content, der nicht schnell verfügbar ist – zum Beispiel, weil es zu lange dauert, um ihn überhaupt sehen oder scannen zu können – wird nicht gesehen. Dauert es zum Beispiel mehr als drei Sekunden, bis eine mobile E-Commerce-Seite geladen wird, wenden sich 40 % der Besucher (siehe https://www.thinkwithgoogle.com/articles/speed-is-key-optimize-your-mobile-experience.html) genervt ab.

So entsteht eine Lose-Lose-Situation: Der Website-Besucher hat nicht das bekommen, worauf er – in seinen Augen vergeblich – gewartet hat. Auf der anderen Seite hat der Publisher nicht zeigen können, was er zeigen wollte, um den Zweck seiner Webpage zu erfüllen.

Da AMP lange Wartezeiten gar nicht erst aufkommen lassen sollen, könnten auch ungeduldige Besucher am Ball bleiben und Publisher ihr Ziel letztlich erreichen.

Ist die Hürde der Ladezeit erst einmal genommen, erwartet die Besucher einer AMP eine blitzsaubere User-Experience. Das mobile Publikum ist nicht nur scheu, sondern auch anspruchsvoll. Das umfasst auch das Erlebnis auf der besuchten Website.

AMP sind auf Lesbarkeit und einfache Bedienung ausgelegt. Mit ihrem Material-Design (siehe https://material.google.com/#introduction-goals) treffen sie außerdem den digitalen Zeitgeist.

Google weist darauf hin, dass die Auslieferung von Content über eine AMP ein Versprechen an die Besucher sein kann: „Wenn du zu mir kommst, wirst du das, was du lesen möchtest, immer so schnell wie möglich lesen können.“

Ein gutes Argument.

Bessere Rankings(?)

Geschwindigkeit könnte momentan für Nicht-AMP-Seiten ein Ranking-Faktor sein – vielleicht aber auch nicht (siehe https://www.seroundtable.com/google-pagespeed-ranking-factor-20197.html). Die Karten werden hier gefühlt jedes Jahr neu gemischt. Ranking-Faktor-Studien wie zum Beispiel die Searchmetrics-Ranking-Faktoren (siehe http://www.searchmetrics.com/knowledge-base/ranking-factors/) und auch Aussagen von Google selbst (siehe http://searchengineland.com/google-says-page-speed-ranking-factor-use-mobile-page-speed-mobile-sites-upcoming-months-250874) sprechen dafür, dass Pagespeed entweder schon Einfluss auf die Position in den SERPs hat oder bald haben wird.

Die Nutzung von AMP an sich ist (zumindest noch) kein Ranking-Signal. Hierzu hat sich Gary Illies erst kürzlich klar geäußert (siehe https://searchenginewatch.com/2016/07/06/is-google-amp-a-ranking-signal/).

Mehr Page-Views und dadurch mehr Ad-Views

Da AMP so schnell laden, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass der Content auch gelesen wird. Folglich steigt somit auch die Zahl der Ad-Views. Denn es ist natürlich möglich, auf einer AMP auch Anzeigen zu integrieren.

Hervorhebung in den Suchergebnissen

AMP werden in den Suchergebnissen mit einem Symbol versehen. Sie sind deshalb klar als besonders mobiltauglich zu erkennen. Suchende, die mobil unterwegs sind, werden in der Zukunft Seiten mit einem AMP-Symbol sehr wahrscheinlich herkömmlichen Websites vorziehen.

AMP werden in den Suchergebnissen außerdem in Form von Karussells angezeigt, die durch ihr Layout zusätzlich Aufmerksamkeit erregen.

So könnten AMP indirekt für eine bessere Click-Through-Rate sorgen. Das setzt natürlich voraus, dass die jeweilige Seite unter den ersten AMP-Treffern zu finden ist.

Für welche Inhalte eignet sich eine AMP?

Fangen wir einmal negativ an: Wofür eignet sich eine AMP nicht?

AMP HTML schränkt die Darstellungsoptionen stark ein, um Ladezeiten zu optimieren. Deshalb eignet sich eine AMP nicht für Websites, auf denen Elemente eingesetzt werden, die durch die Restriktionen ausgesperrt würden. Das können Applikationen oder Design-Elemente sein.

Folglich wäre es schwierig, die folgenden Websites als AMP zu realisieren:

  • Landingpages (Verkauf, Anmeldung)
  • Web-Apps (SaaS)
  • Websites, die Identität stiften sollen (zum Beispiel Corporate)

An dieser Stelle ist folgende Frage angebracht:

„Was brauche ich wirklich auf meiner Website?“

Was ist also zwingend nötig, damit meine Website ihre(n) Zweck(e) erfüllt? Wenn man einmal tief in sich geht, wird man feststellen, dass vieles, was man mit ladezeitintensiven Webtechnologien mühsam umgesetzt hat, gar nicht nötig ist, um den Inhalt zu zeigen, den man zeigen möchte.

Und wenn es denn zwingend nötig ist, dass am Ende der Lektüre ein Gebührenrechner benutzt wird, dann könnte dies vielleicht auch durch eine Verlinkung o. Ä. gelöst werden. Will man AMP einsetzen, muss man sich manchmal auch ein bisschen außerhalb eingefahrener Denkmuster bewegen.

Hier ist AMP die richtige Wahl

AMP ist wie geschaffen für Content-Sites, insbesondere für Blogs und News-Seiten. Damit ist gemeint, dass die einzelnen Seiten, auf denen sich der eigentliche Content befindet, um eine AMP erweitert werden. Denn, wie schon erwähnt, ist AMP eine weitere Version einer Website, die dann geladen wird, wenn die Original-Seite mobil aufgerufen wird. Eine gesamte Website auf AMP umzustellen, ist aus den oben genannten Gründen nicht sinnvoll.

Spannend? Jetzt Artikel zu Ende lesen!

Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 61 von August 2016 mit dem Titelthema „Nachhaltig starke Verlinkungen aufbauen“.

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