SEO-Themenradar: Der Konfliktfaktor SEO

Beitrag aus Ausgabe 60 / Juni 2016
SEO
Markus Hövener

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEA-Agentur Bloofusion Germany.

Immer schon gab es einen Kampf zwischen SEOs auf der einen und Webdesignern und Auftraggebern auf der anderen Seite. Wie gehen Agenturen damit um? Hat der SEO immer das letzte Wort? Welche Kunden- oder Designerwünsche sorgen am häufigsten für Probleme?

Tobias Kusch

Head of SEO, Sunrise Web & Marketing GmbH

Es gilt den optimalen Kompromiss zwischen Design, Funktionalität, Usability und OnPage-Optimierung zu finden. Das funktioniert nur im professionellen und stetigen Dialog mit allen Beteiligten. Wenn die SEO-Agentur die Notwendigkeit der empfohlenen SEO-Maßnahmen erläutern und anhand von Beispielen nachvollziehbar präsentieren kann, kommt es zu keinerlei Unstimmigkeiten. Wichtig ist, dass keine Partei den Standpunkt vertritt, dass ihre Meinung die alleinig richtige ist. Nur die gemeinsame Erfahrung der Projektbeteiligten bringt ein optimales Ergebnis. Letztendlich ist der Kunde finaler Entscheidungsträger und es ist Aufgabe der SEO-Agentur, bei bestehenden signifikanten unterschiedlichen Ansichten auf das ggf. verschenkte Potenzial aufmerksam zu machen.

Siwen Zhang

Director SEO, explido»iProspect

Auch aus SEO-Sicht hat immer der User das letzte Wort. Alle SEO-Maßnahmen sollten nicht nur aus Suchmaschinen-Sicht betrachtet, sondern heute genauso aus User-Perspektive ergriffen werden. Es gilt stets die Frage zu beantworten, ob eine Anpassung oder Veränderung der Website einen tatsächlichen Mehrwert für den User bedeutet. Nur so arbeitet SEO im Einklang mit den heutigen Website-Ansprüchen von Google und kann langfristig wie nachhaltig erfolgreich sein.

Daher sehe ich Webdesigner oder Kunden nicht als Gegner an, sondern als Partner, mit denen gemeinsam eine holistische Website-Strategie entwickelt werden muss, die so vielen Anforderungen wie möglich gerecht werden kann. Denn es gibt nicht nur die eine richtige Lösung für SEO, sondern vielfältige Kompromisse, die für alle funktionieren. Darin liegt für mich unter anderem auch die Qualität einer SEO-Agentur.

Martin Witte

CEO, SEO-Profession.de

Meist geht es ja um die Problematik Text vs. Bild. Die Grafiker vertrauen auf die Bildersprache, der SEO weiß um die Bedeutung des Textes auf der Seite und vor allen Dingen „above the fold“ – also im sichtbaren Bereich. Die Lösung hört sich denkbar einfach an – ist in der Umsetzung jedoch häufig richtig schwer: Wir brauchen begeisternden Content!

Bei einem tollen, hilfreichen und begeisternden Text hat keine Grafikagentur ein Problem damit, den entsprechenden Platz im Layout bereitzustellen. Wenn der Content aber klassischer „SEO-Text“ ist, dann wehrt sich der Grafiker – und das völlig zu Recht!

Uli Zimmermann

Geschäftsführer, eMinded GmbH

Entscheidend ist das Ziel des Kunden mit der konkreten Seite. Selbst One-Pager können suchmaschinenoptimiert werden. Möchte man mehrere Begriffsfelder adressieren, müssen eben die von Webdesignern liebevoll „SEO Landing Pages“ genannten Unterseiten geschaffen werden. Diese können auch mit besser strukturierten Inhalten befüllt werden und dienen dann als SEO-Grundlage. Die vom Kunden meist präferierte eierlegende Wollmilchsau gibt es leider nicht.

Unsere Empfehlung ist immer, sich auf das eigentliche Ziel zu konzentrieren: Möchte der Kunde eine Landing Page mit hoher Conversion Rate, zieht in diesem Fall SEO den Kürzeren und der Umweg über zusätzliche Seiten muss gegangen werden. Bei einer SEO-First-Strategie muss hingegen der Designer zu Kompromissen bereit sein und Felder für textlichen Content schaffen. Die Entscheidung, wer am Ende das letzte Wort hat, fällt somit bereits in der Konzeption und schlussendlich der Kunde.

Anne John

SEO Consultant, ad agents GmbH

Der Ausdruck „Kampf“ ist in diesem Zusammenhang nicht zutreffend. Generell sollte zwischen den einzelnen Parteien ein konstruktiver Austausch stattfinden, sodass für jeden das Maximum an Potenzial ausgeschöpft werden kann. Im Fokus der Bemühungen sollten aus jedem Blickwinkel jedoch besonders der Nutzer und die Usability der Seite stehen. Unsere Aufgabe als SEOs ist es, im Zweifelsfalle auch Designern und Auftraggebern die Schwierigkeiten aufzuzeigen, die durch mögliche Umsetzungen bzw. Anpassungen für die Suchmaschinenoptimierung entstehen können.

Sven Deutschländer

Geschäftsführer, dskom GmbH

„Design follows function“ – gebetsmühlenartig geben bei solchen Fragestellungen Onlinemarketing-Experten diese prägnante Weisheit zum Besten. Und trotzdem steht bei der Entwicklung vieler Webprojekte das Design weit stärker im Fokus als Inhalte mit hohem Kundennutzen oder gar die Benutzerfreundlichkeit der Website.

In vielen Fällen wird der Website-Inhaber durch seine Agentur auf diesen Irrweg geführt. Gerade in klassischen Agenturen haben „die Kreativen“ eine gewichtige Stimme. Sie konzentrieren sich bei der Entstehung einer Website auf CI-Konformität, arbeiten sich an Pixelabständen ab und bestehen auf „kurzen Texten, die der Bildsprache nicht im Wege stehen“. Ihre Webkompetenz tendiert gegen Null.

So muss der Kunde klare Ziele vorgeben und darf sich nicht beirren lassen. Agenturen müssen Online-Kompetenz aufbauen, endlich den Unterschied zwischen Print und Web akzeptieren. Ihre Aufgabe ist es, ein Webdesign zu entwickeln, das die Kundenziele erreichbar macht, SEOs bei der Arbeit nicht behindert und bei alldem ins CI-Gesamtbild passt!

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Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 60 von Juni 2016 mit dem Titelthema „Content Marketing (nicht nur) für Onlineshops“.

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