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Gibt es den Content Shock wirklich?

Von Markus Hövener

Was glauben deutsche Online-Marketer? Ist die Content-Marketing-Party schon vorbei, bevor sie richtig angefangen hat? Oder geht noch was?

„Content Shock“ ist ein Begriff, den Mark Schaefer in einem Blog-Beitrag geprägt hat. Es geht dabei um eine eigentlich einfache Frage: Wer hat noch die Zeit, um all den Content zu konsumieren, wenn immer mehr Unternehmen Content produzieren?

Einen Überblick über die daraus entstandene Diskussion und die zentralen Argumente findet sich im Internetkapitäne-Blog (http://www.internetkapitaene.de/2014/02/09/der-content-shock-oder-ist-content-marketing-schon-tot-bevor-es-richtig-abgehoben-hat/). Was einige Teilnehmer der Branche über den „Content Shock“ denken, haben wir Online-Marketer gefragt.

 

Eric Kubitz

Geschäftsführer, CONTENTmanufaktur GmbH

Meiner Meinung nach ist die Grundthese falsch: Es gibt keine zunehmende Menge an Content – jedenfalls wenn man nicht nur die Online-Marketing-Branche sieht. Denn gleichzeitig sterben immer mehr Qualitäts-Medien (z. B. Financial Times Deutschland und Münchner Abendzeitung). Es ist also genug „Platz“ für guten Content.

Natürlich wirft das andere Probleme auf: Was, wenn die Verlagsmodelle scheitern und wirklich gute Inhalte nur noch von Online Marketern kommen? Sponsort dann Apple den Wirtschaftsteil der SZ und Amazon den Kulturteil im Stern?

Doch das war nicht die Frage. Die lautete, ob die Content Marketing Party wegen Überfüllung schon wieder vorbei ist. Und da lautet meine Antwort: Echt nicht!

 

Franziska Neubert

Head of SEO, Projecter GmbH

Content Marketing wird auch in den nächsten Jahren weiterhin eine Rolle spielen – nur werden die entsprechenden Tätigkeiten wettbewerbsstärker und schwieriger. Konnte man letztes Jahr noch mit fast jedem Whitepaper/Video und gezieltem Seeding gute Links sammeln, werden in Zukunft nur noch qualitativ überzeugende Inhalte mit Mehrwert oder Witz Beachtung finden.

Mit der Zunahme der Inhalte gilt es – wie schon seit Jahrzehnten bei der klassischen Werbung in TV und Print – mit den einzelnen Inhalten herauszustechen. Entweder durch Themen, die wirklich noch keiner betrachtet hatte, oder durch eine kreative Umsetzung. Ersteres wird mit den Jahren kaum noch möglich sein, zweiteres schon eher. Handarbeit wird zu Kreativarbeit. Content Marketer werden zu Kreativen – oder müssen sich entsprechende Hilfe aus klassischen Werbeagenturen suchen!

 

Ömer Atiker

Geschäftsführer, Click Effect Internet Marketing GmbH

Gibt es den Content Shock? Nein, nicht wirklich. Nur wissen viele SEOs nicht, was Sie tun sollen. Link Building ist inzwischen zu gefährlich, man klammert sich an Content als Strohhalm. So kann man zumindest noch irgendetwas SEO-artiges abrechnen. Das Marketing ist genauso kopflos. Content Marketing ist in? Na, dann kleben wir dieses Etikett auf das, was wir schon immer gemacht haben. Klingt auch viel besser. Mindestens 2/3 des heutigen „Content Marketing“ ist alter Wein in neuen Schläuchen.

Und „zu viel Content“?! Ja, es wird jedes Jahr mehr, auch in Zukunft. Aber das gibt es bei Film, Fernsehen, Musik, Büchern, Fotos, ... Resultat? Die Qualität wird stetig besser und ich bekomme in immer mehr Nischen wirklich gute Inhalte. Das ist toll!

Fazit: Es gibt keinen Content Shock – nur die Erkenntnis, dass jedes Unternehmen eine Daseinsberechtigung haben muss: Mehrwert für seine Kunden. Das mag ernüchternd sein, „shocking“ ist es nur für die Faulen.

 

Fabian Siegler

Content-Stratege, KLAR TEXT BUSINESS

Ich bin der Meinung, dass relevanter sowie aktueller Content seine Wirkung nicht verfehlt, weder aktuell noch künftig. Einen Content Shock gibt es aus meiner Sicht höchstens bezogen auf die (mangelnde) Qualität, die z. B durch Text-Spinning erzeugt wird. Unternehmen stellen offenbar nur ungern Budgets für Content-Erstellung, Planung oder gar Controlling bereit, daher wird der Azubi zum Content-Manager oder die Kinder zum Artikel-Spinner.

Aus meiner Erfahrung werden daher zu viele Inhalte unnötig erstellt. Derartiger Content erreicht die Zielgruppe nicht. Diese Willkürlichkeit ist die einzige Content-Shock-Gefahr, da derartige Inhalte keine Beachtung seitens der User oder Suchmaschinen finden, aber dennoch vorhanden sind.

 

Christiane Buttke

Inhaber, Translation Handling Services

Den Content Shock, wie Mark Schaefer ihn darstellt, wird es nicht geben. Allerdings wird es durch steigende Massen an Content zu einer immer stärkeren Fokussierung jedes einzelnen Konsumenten kommen. Wenn vorher trotz Fokussierung noch weitere Inhalte wahrgenommen wurden, wird dieser Anteil jetzt immer kleiner werden.

Deshalb wird es zukünftig wichtiger als je zuvor, sich zuerst das Zielpublikum für seinen Content sehr genau auszuwählen sowie die Techniken, mit denen man genau dieses Publikum am besten anspricht. Wo bewegen sich meine Leser am meisten? Was empfindet meine Zielgruppe als sympathisch zu lesen?

Dort angekommen geht es zu den weiteren üblichen und durchaus nicht neuen Techniken: Charakter bilden, herausragende Inhalte schreiben, die richtige Zeiten und Frequenzen finden, wann man seinen Content am vorteilhaftesten an den Mann bringt usw.

 

Olaf Kopp

Geschäftsführer, Aufgesang Inbound Online Marketing

Auf eine Art Content Shock können wir uns in den nächsten Jahren vorbereiten – auf jeden Fall was die Quantität der Inhalte angeht. Die Content-Konsumenten werden sich immer stärker an Qualitäts-Filtern orientieren, um die für sie besten Inhalte zu verifizieren.

Diese Filter können Influencer sein. Aber auch die Reputation des Publishers bzw. Autors spielt eine wichtige Rolle. Deswegen werden permanentes Branding durch überdurchschnittlichen Content und Influencer-Marketing eine wichtige Rolle spielen, um in der Content-Party auf längere Zeit Spaß zu haben.

Über den Autor

Markus Hövener

Markus Hövener

Markus Hövener ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

Twitter: @bloonatic
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E-Mail: markus@suchradar.de

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