Shop Corner: Das hreflang-Tag für internationales SEO

Google empfiehlt den Einsatz des hreflang-Tags für Websites, die es in mehreren Sprachen oder für mehrere Länder gibt. Aber kann man von diesem Tag wirklich profitieren? Von Markus Hövener.

 

Viele Shop-Betreiber sind nicht nur in Deutschland tätig, sondern bedienen auch andere Märkte innerhalb Europas und der Welt. Aus diesem Grund gibt es dann meistens lokale Versionen der Website. Wer z. B. als Händler die D/A/CH-Region bedient, hat vielleicht eine .de-, eine .at- und eine .ch-Domain – mit oftmals nahezu identischen Inhalten. Und dann kann es passieren, dass ein Besucher aus der Schweiz bei der Google-Suche nicht auf die für ihn gedachte .ch-Website stößt, sondern auf die .de-Domain – ein Problem, das gerade bei unterschiedlichen Preisen unschön enden kann.

Speziell für solche Fälle hat Google im Dezember 2011 (siehe: http://googlewebmastercentral.blogspot.de/2011/12/new-markup-for-multilingual-content.html) das so genannte hreflang-Tag vorgestellt. Dieses kann man in den Head-Bereich einer Seite einbauen und Google so mitteilen, welche anderen Versionen einer Seite es gibt.

Auf diesem Weg kann eine Seite darauf verweisen, dass es weitere für ein anderes Land (z. B. Spanien), für eine andere Sprache (z. B. Französisch) oder sogar für eine Kombination aus Sprache und Land (z. B. Deutsch in Österreich) gibt. Wichtig ist dabei, dass wirklich „Seite“ und nicht „Site“ gemeint ist. Dieses Tag gilt also jeweils nur für eine konkrete Seite einer Website. Wer dementsprechend mitteilen möchte, dass seine gesamte Website in einer anderen Version verfügbar ist, muss das Tag in jede Seite einbauen und auf das entsprechende Pendant verweisen. In diesem Fall ist der im Vorteil, der auch strukturgleiche Websites hat, da dann die Abbildung der URLs wesentlich leichter ist.

 

Im Test

Um herauszufinden, ob die Implementierung des Tags einen realen Vorteil für Website-Betreiber hat, wurde in einer großen Datenbank, die primär Online-Shops enthält, nach Websites gesucht, die es in einer .de- und .at-Version mit identischer Struktur gibt. Dann wurde überprüft, welche der Websites das hreflang-Tag implementiert hatten und welche nicht.

Ein kurzer Disclaimer vorab: Für keine der Websites ist bekannt, wann das hreflang-Tag implementiert wurde. Die im Folgenden gefundenen Effekte könnten also rein theoretisch auch eine andere Ursache haben.

Einige Beispiele für Websites mit hreflang-Tag:

  • www.musik-produktiv.de, www.musik-produktiv.at
  • www.street-one.de, www.street-one.at
  • www.redcoon.de, www.redcoon.at
  • www.cecil.de, www.cecil.at
  • ...

Einige Beispiele für Websites ohne hreflang-Tag:

  • www.tom-tailor.de, www.tom-tailor.at
  • www.witt-weiden.de, www.witt-weiden.at
  • www.mexx.de, www.mexx.at
  • www.marc-o-polo.de, www.marc-o-polo.at
  • ...

Abbildung 1: Musik Produktiv – der beste Fall

Für diese Testfälle wurde dann über die SISTRIX Toolbox für Österreich die Sichtbarkeit der beiden Domains im Vergleich abgerufen, um zu schauen, wie sich die Sichtbarkeit verändert hat. Das Idealbild für das, was man durch den Einsatz von hreflang-Tags hätte erwarten können, sieht man in Abbildung 1: In Österreich war „früher“ die Domain www.musik-produktiv.de sehr dominant, während die lokale Domain www.musik-produktiv.at nahezu keine Sichtbarkeit generierte. Innerhalb weniger Wochen findet dann allerdings ein Wechsel statt: Die .de-Domain ist danach kaum noch sichtbar und Google.at liefert in nahezu allen Fällen auch die „richtige“ .at-Domain in den Suchergebnissen aus.

Wenn man sich die Sichtbarkeit kurz vor und kurz nach dem Wechsel anschaut, sieht man aber noch einen positiven Effekt: Die Sichtbarkeit der .at-Domain ist nach dem Wechsel höher als sie es vorher bei der .de-Domain war.

Abbildung 2: Humidor Discount – recht gutes Ergebnis

Ein weiteres Beispiel für einen Sichtbarkeitswechsel sieht man in Abbildung 2. Humidor Discount ist auch ein Beispiel dafür, wie das hreflang-Tag auf breiter Skala eingesetzt werden kann, denn jede Seite verweist auf 26 andere Versionen. Aber anscheinend hat Google damit keine nennbaren Probleme.

Das Gesamtergebnis des Tests ist recht eindeutig: Bei allen Websites, die ein hreflang-Tag implementiert hatten, sah man ein Ergebnis wie in Abbildungen 1 und 2 (mit Ausnahme von redcoon.de und redcoon.at, bei denen die .at-Domain immer schon eine hohe Sichtbarkeit hatte). Die Websites, die kein hreflang-Tag nutzen, zeigten dieses Verhalten nicht, so dass in der Regel die .de-Domain in Österreich deutlich sichtbarer war als die .at-Domain.
Es scheint so zu sein, dass das hreflang-Tag funktioniert und Website-Betreiber davon in zweierlei Hinsicht profitieren können:

  • Google scheint häufiger die „richtige“ lokale Domain in den Suchergebnissen anzuzeigen. Das an sich hat vielleicht schon einen Wert, da eine lokale Domain vielleicht eine höhere Klickrate aufweist.
  • In der Regel stieg die Sichtbarkeit nach dem Wechsel leicht an.

 

Canonical Tag oder nicht?

Viele Website-Betreiber haben Angst vor Duplicate Content, der ja fast zwangsweise entsteht, wenn man eine .de- und eine .at-Domain mit nahezu identischen Inhalten hat. Deswegen denken einige Unternehmen auch über den Einsatz eines Canonical-Tags nach, bei dem dann z. B. die .at-Seite per Canonical-Tag auf die .de-Seite verweisen würde – zumindest dann, wenn sich dort identische Inhalte befinden.

Google schreibt hierzu (siehe https://support.google.com/webmasters/answer/182192):
Wenn Sie jedoch denselben Content für dieselben Nutzer unter unterschiedlichen URLs bereitstellen [...], sollten Sie eine bevorzugte Version auswählen und eine entsprechende Weiterleitung bzw. das rel=canonical-Linkelement verwenden.

Die Frage, ob man nun ein Canonical-Tag braucht, hängt daran, wie Google „dieselben Nutzer“ definiert. Wenn man es so versteht, wie es wahrscheinlich auch gemeint ist, bezieht sich das auf die Ausrichtung auf Sprachen oder Regionen. Ein Nutzer in Deutschland ist also ein anderer Nutzer als einer in Österreich, so dass man hier auf das Canonical-Tag verzichten sollte.

Andere Website-Betreiber scheinen das auch zu so sehen: In den Testfällen kann man feststellen, dass bei keiner der Websites das Canonical-Tag in der Form genutzt wurde, dass die .at-Inhalte auf die .de-URLs verweisen.

 

Fazit

Das hreflang-Tag scheint gut zu funktionieren und kann daher allen Website- und vor allem Shop-Betreibern ans Herz gelegt werden. Wer in unterschiedlichen Ländern und Sprachen aktiv ist, kann durch den Einsatz des hreflang-Tags dafür sorgen, dass auch die richtigen Seiten angezeigt werden – und dass diese im Idealfall sogar bessere Rankings erzielen als vorher.

Über den Autor

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

E-Mail: markus@suchradar.de
Markus Hövener (@bloonatic) bei Twitter: Follow bloonatic on Twitter