Links überprüfen und entwerten:
Die Link Detox Tools im Praxistext

Nach Jahren des Linkaufbaus gibt es seit einigen Monaten auch die Disziplin des Linkabbaus. Die Link Detox Tools sollen dabei helfen und die schlechten Links automatisch erkennen. Klappt das? Ein Test von Markus Hövener.

 

Die LinkResearchTools, eine Sammlung von Werkzeugen rund um den Linkaufbau, wurden bereits in der Ausgabe 34 ausführlich getestet. Seit diesem Test ist ein neues Werkzeug hinzugekommen, das für einige Website-Betreiber derzeit sehr wichtig sein kann: das Link Detox Tool.

Google hat in letzter Zeit – vor allem im Rahmen des Penguin Updates – seine Anforderungen an Backlinks stark erhöht. Oftmals verschickt Google über die Google Webmaster Tools Benachrichtigungen zu „unnatürlichen Links“ und fordert Website-Betreiber auf, diese abzubauen. Wer in der Vergangenheit, z. B. von dubiosen Quellen, Links gekauft und damit gegen Googles Webmaster Richtlinien verstoßen hat, wird in der Regel nicht drum herum kommen, diese wieder zu entfernen.

Das Link Detox Tool soll bei genau dieser Arbeit helfen, denn vielen Website-Betreibern ist nicht klar, welche Links nun gegen Googles Richtlinien verstoßen. Mit dem Tool können die Backlinks von Websites ermittelt und auf einer Skala von „very low risk“ bis „deadly risk“ bewertet werden.

 

Das Tool

Wer das kostenpflichtige Link Detox Tool nutzen möchte, hat die Wahl zwischen unterschiedlichen Accounts – je nach geplanter Nutzung. Nach der Erstellung eines Accounts empfiehlt es sich, zunächst den „Quick Start Guide“ zu lesen, den man direkt nach dem Login aufrufen kann. Dieser führt übersichtlich und schnell in das Produkt ein und erklärt alle grundlegenden Funktionen.

Ein neuer Report ist schnell angelegt, da die Anzahl der Optionen relativ gering ist. Zunächst hat man die Wahl zwischen den Tools „Link Detox“ und „Competitive Link Detox“. Der erste Report bezieht sich nur auf eine Domain, während der zweite Report auch die Eingabe von Konkurrenten erlaubt. Mit dem „Competitive Link Detox“ kann man nun die Link-Portfolios unterschiedlicher Websites (in der Regel eben Wettbewerber) gegeneinander bewerten lassen (siehe Abbildung 1). Außerdem ist es so möglich, sich die Backlinks der Konkurrenten anzuschauen, die nach Meinung des Tools auch „sauber“ sind.

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Abbildung 1: Das Competitive Link Detox Tool

Wer einen Report erstellen lassen möchte, kann auch eigene Backlink-Listen hochladen. Diese können entweder bestehende, zu prüfende Links beinhalten – oder auch solche, die man aus den Reports ausschließen möchte (z. B., weil man diese schon über das Google Disavow Tool gemeldet hat).

Beim Erstellen eines Reports kann übrigens auch gewählt werden, ob die Reports regelmäßig (wöchentlich oder monatlich) neu erzeugt werden sollen. Das kann praktisch sein, um den Fortschritt beim Abbau zu beobachten.

Sobald alle Daten eingetragen sind, wird der Report angenehm schnell generiert.

 

Die Bewertung von Links

Das Hauptaugenmerk bei diesem Tool muss darauf liegen, Links gezielt und möglichst treffsicher zu bewerten. Um das zu schaffen, benutzen die LinkResearchTools verschiedene Regeln, die aber allesamt technischer Natur sind, z. B.

  • Befindet sich die verlinkende Domain auf einer Website mit gleicher IP oder gleichem Analytics-Code?
  • Ist es ein Site-Wide-Link, also ein Link, der sich auf jeder Seite der Website (z. B. im Footer) befindet?
  • Handelt es sich um ein typisches Artikel- oder Web-Verzeichnis?

Es muss beachtet werden, dass die Website ausschließlich anhand dieser Kriterien beurteilt wird. Eine inhaltliche Analyse der verlinkenden Seite findet nicht statt. Wenn es also eine Seite mit sinnfreiem Text gibt, aus dem heraus das Wort „Fertighaus“ ohne jeden Bezug zum Inhalt der Website verlinkt, ist das zwar ein typischer SEO-Link, der im Sinne der Entwertung gefunden werden sollte. Diesen kann das Tool aber nur dann erkennen, wenn er gegen eine der eben genannten technischen Regeln verstößt.

Das ist ein Manko, aber leider nicht anders möglich. Folgerichtig finden sich immer wieder Links, die vom Tool „falsch“ eingestuft werden. Manchmal werden vollkommen legitime Links als „toxic“ eingestuft, während andere als „healthy“ bewertete unter inhaltlichen Aspekten nicht tragbar sind. Um ein Beispiel für die Überinterpretation zu geben: Für die Website www.suchradar.de, für die niemals aktiver Linkaufbau betrieben wurde, haben die Tools 1 % der Links als „toxic“ angesehen und 40 % als „suspicious“.

Aber wie gesagt: Das ist kein Fehler vom Link Detox Tool, sondern eine Einschränkung, der man sich bewusst sein muss und die andere Tools ebenso haben. Hilfreich wäre es aber z. B., wenn in das Link Detox Tool auch eine Liste von Suchbegriffen geladen werden könnte. Sobald einer dieser Suchbegriffe in einem Ankertext vorkäme (oder wenn der Ankertext sogar exakt einem Suchbegriff entspräche), könnte das ein weiteres Indiz für einen zu überprüfenden Link sein, da es viele SEOs in der Vergangenheit mit Keyword-Links doch etwas übertrieben haben.

 

Screening

Wer also seine Links bewerten möchte, um im Anschluss alle „schlechten“ abzubauen oder über das Disavow Tool an Google zu melden, sollte diese Zeile für Zeile durchgehen und für jeden dann entscheiden, welche Maßnahme getroffen werden soll. Genau dafür bietet das Link Detox Tool den so genannten „Link Detox Screener“ an (siehe Abbildung 2).

Beschreibung: detox-2.png
Abbildung 2: Link für Link im Screener durcharbeiten

Im oberen Teil erhält man Informationen zu diesem Link und kann auch gleich die entsprechende Aktion einstellen. Es können Tags vergeben werden (z. B. „Per E-Mail anfragen“), um später bestimmte Aktionen folgen zu lassen. Es ist aber auch möglich, entweder die konkrete URL oder die gesamte Domain in das Disavow Tool direkt zu übernehmen.

Am Ende des Prozesses (oder auch schon mittendrin) kann die Datenbank dann exportiert werden, so dass man sie z. B. in Excel weiterverarbeiten oder in das Google Disavow Tool importieren kann.

 

Fazit

Das Link Detox Tool hilft dabei, Verlinkungen von Domains zu bewerten und Link für Link durchzuarbeiten. Die automatische Bewertung hat dabei – und darauf weist der Tool-Anbieter ausdrücklich hin – natürlich seine Tücken und sollte niemals einfach übernommen werden. Vielmehr sollten alle Links manuell durchgegangen und dann gezielt Aktionen vorgenommen werden. Und genau bei dieser Maßnahme hilft das Link Detox und bietet einen einfachen und praktischen Workflow an.

 

Mehr Informationen?

Einen kurzen zehnminütigen Überblick über das Link Detox Tool bietet das suchradar-Video unter http://youtu.be/hU3krWXiXBM

 

 

Über den Autor

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

E-Mail: markus@suchradar.de
Markus Hövener (@bloonatic) bei Twitter: Follow bloonatic on Twitter