Neue Google Bildersuche:
Negative Traffic-Auswirkungen oder echte Verbesserung?

Google hat mit seinem Update der Bildersuche einige Veränderungen gebracht, die nicht von allen positiv bewertet werden. Lohnt sich Bilder-SEO jetzt eigentlich noch? Von Martin Mißfeldt.

 

Abbildung 1: Ansicht der Google Bildersuche für Deutschland

Google hat Ende Januar 2013 ein Update der Google Bildersuche ausgerollt. Das hat bei vielen Seiten zu einem massiven Einbruch des Bilder-Traffics geführt. Das Update ist inzwischen weltweit im Einsatz, mit Ausnahme von Deutschland und Frankreich. Aber ob Google hier einen dauerhaften Sonderweg gehen wird, ist fraglich.

Man kann an der deutschen Google Bildersuche sehen, was bis Ende Januar weltweit Standard war. In der Bildersuche wird eine (dicht gedrängte) Masse von Thumbnails angezeigt. Wenn man auf ein Thumbnail rollt, öffnet sich ein Layer, der eine leicht vergrößerte Darstellung sowie einige Infos zeigt. Beim Klick auf das Bild findet ein Seitenwechsel statt. Rechts erscheint ein Google-Frame, im Haupt-Frame wird die Seite geladen, auf der Google dieses Bild gefunden hat (siehe siehe Abbildung 1).

Nach dem Google Update hat sich aber einiges geändert. Das erste Erscheinungsbild ist identisch. Neu ist das, was nach einem Klick auf das Bild geschieht. Denn nun öffnet sich ein dunkler Layer innerhalb der Google-Bildersuche, in dem das Bild in vergrößerter Darstellung zu sehen ist. Rechts erkennt man einen Button, der zu der Quellseite führt, auch ein Link auf das Bild öffnet die Quellseite. Zusätzlich werden weitere Thumbnails angezeigt (siehe Abbildung 2).

 

Reaktionen nach dem Update

Abbildung 2: Ansicht der Google Bildersuche nach dem Update

Der Aufschrei nach dem Update war – vor allem bei Kreativen und Künstlern – sehr groß. Denn Google vereinnahmt damit das Bild und benutzt es in einem eigenen Zusammenhang. Überspitzt formuliert ist dieses Feature der Bildersuche nicht mehr Bestandteil einer Suchmaschine (die ja eigentlich Ergebnisse auflistet und zu den Zielseiten verlinkt), sondern eine Bilderanwendung.

Auf der anderen Seite gab es aber auch viele, die die neue Funktionalität begrüßen. Denn so kann man viel schneller die Bilder in ästhetisch ansprechender Auflösung aufrufen und durchklicken.

Ob man die neue Google Bildersuche gut oder schlecht findet, ist eine Frage der Perspektive. Als Kreativer, der ein Bild auf der eigenen Homepage einbettet, um damit Besucher zu gewinnen, ist das natürlich nicht zu akzeptieren. Google hat die Bildersuche ohne Vorwarnung geändert und benutzt die großen Bilder nun ohne zu fragen in einem Kontext, der nichts mehr mit einer Suchmaschine zu tun hat (siehe dazu auch die Website „Verteidige Dein Bild“, http://www.verteidige-dein-bild.de).

Als einfacher Nutzer bietet die neue Bildersuche natürlich zwei erhebliche Vorteile. Zum einen geht alles viel schneller: Man muss nicht mehr erst einen Seitenwechsel machen und eine komplette Seite laden, um das große Bild zu sehen. Und: Man läuft nicht mehr Gefahr, auf spamigen Zielseiten zu landen. Denn das war und ist eines der Hauptprobleme von Google: Windige Bilder-SEOs schaffen es mit geklauten Bildern immer wieder, sehr spamige, mit Werbung vollgepflasterte Bilderfarmen hochzuzüchten.

 

Urheberrechte ignoriert?!

Für die Kritiker steht aber fest: Google verletzt damit Urheberrechte. Seit dem so genannten „Thumbnail-Urteil“ ist es Google zwar erlaubt, Bilder als Thumbnails in der Bildersuche anzuzeigen. Aber die neue Darstellung geht eindeutig über eine Thumbnail-Version hinaus. Der Fotografen-Verband FREELENS hat daher am 24.4.2013 beim Landgericht Hamburg Klage gegen Google eingereicht (http://www.freelens.com/recht/freelens-verklagt-google). Wann es zu einer Entscheidung kommt, ist offen.

 

Google trickst ...

Vielen ist vermutlich gar nicht bewusst, dass es zwei Google-Suchen in Deutschland gibt. Zum einen die bekannte und weit verbreitete Version Google.de, die automatisch nach deutschen Ergebnissen sucht. Aber man kann hier auch mit Google.com suchen, wenn man die Spracheinstellungen auf „deutsch“ umstellt. In der Regel sind die Ergebnisse identisch – aber im Falle der Google Bildersuche weichen sie erheblich voneinander ab: Google.de zeigt die alte Bildersuche, Google.com/de zeigt die neue.

Seither ist zu beobachten, dass Google zunehmend versucht, Benutzer auf die Google.com-Version umzuleiten. Wenn man zum Beispiel im Google+ Profil eingeloggt ist und oben im Meta-Menu auf „Bilder“ klickt, öffnet sich die Google.com-Bildersuche. Auch versucht Google Nutzer über Einblendungen dazu zu bewegen, Google.com mit deutscher Spracheinstellung zur Browser-Standardsuche zu machen. Es gibt keine Statistiken darüber, wie hoch der Anteil der Google.com-Nutzer in Deutschland ist. Nach den Erhebungen auf eigenen Seiten des Autors sind es ca. 8 – 10%. Es ist aber davon auszugehen, dass Google weiterhin versucht, den Anteil zu erhöhen.

 

Traffic-Verluste

Abbildung 3: Auswertung aus Google Analytics

In der offiziellen Ankündigung des Bildersuche-Updates hat Google behauptet, dass die neue Bildersuche zu einem Anstieg des Traffics auf den Zielseiten führen würde (siehe http://googlewebmastercentral. blogspot.ca/2013/01/faster-image-search.html). Die Realität sieht jedoch bei den meisten Bildergalerie-Betreibern anders aus. In vielen Artikeln wird über einen Traffic-Rückgang von ca. 50 – 60 % berichtet (siehe http://www.tagseoblog.de/neue-google-bildersuche-fuhrt-zu-63-trafficverlust und Abbildung 3).

 

Bilder-Traffic wofür?

Nun ist auch das wieder eine Frage der Perspektive. Einige Galerie-Betreiber wollen die Besucher auf ihren Seiten haben, weil sie indirekte Interessen verfolgen: ein bestimmtes ästhetisches Umfeld, Monetarisierung durch WerbeBanner, zum Weiter-Stöbern animieren etc. Diese Möglichkeit haben sie nun kaum noch.

Wer allerdings Bilder-Traffic haben möchte, um damit direkte Konversions zu erzielen (z. B. mit Produktfotos), hat durch die neue Bildersuche nun wahrscheinlich qualifizierteren Traffic. Wenn jemand mit Kaufabsicht auf eine Quellseite eines Bildes klickt, steigt die Konversionsrate über die Bildersuche vermutlich deutlich an. Wer Bilder-SEO aus dieser Perspektive betrachtet, und kein „Urheberinteresse“ an den Fotos hat, wird sich kaum über die neue Bildersuche ärgern.

 

Fazit

Die neue Google Bildersuche leitet nicht mehr Besucher zu den Zielseiten, sondern präsentiert sie in einer Google-Anwendung. Für die Mehrheit ist sie einfach nur schneller und effektiver. Für eine Minderheit von Urhebern und Kreativen, die allerdings gute rechtliche Argumente auf ihrer Seite haben, bleibt sie ein Schlag ins Gesicht.

Ob und wann die neue Google Bildersuche auch in Deutschland eingeführt wird, ist offen. Aber wer immer Zeit und Geld in das Thema Bilder-SEO investiert, sollte die Maßnahmen vor dem Hintergrund der neuen Funktionsweise genau überprüfen. Die Zeiten, in denen die Google-Bildersuche eine kostengünstige und effektive Traffic-Alternative war, sind wohl vorbei.

 

Über den Autor

Der Künstler Martin Mißfeldt (*1968) bietet seit 2002 mit seiner Firma DUPLICON die Vermittlung von kulturellen Inhalten in digitalen Medien an. 2006 hat er begonnen, seine Homepage www.martin-missfeldt.de für die Google Bildersuche zu optimieren. Seither beschäftigt er sich intensiv mit Bilder-SEO.

Sein Blog www.tagSeoBlog.de gehört zu den Top-SEO-Blogs in Deutschland. Martin Mißfeldt ist als Redner auf zahlreichen Konferenzen (SEO Campixx, Semseo, SEO Day etc.) als einer der führenden Experten in Sachen Bilder- und Video-SEO bekannt.

Martin Mißfeldt bei Google+: