WDF*IDF-Tools im Test:
Werkzeuge für die Textverbesserung

Bye-bye Keyword-Dichte: WDF*IDF verspricht, Texte viel besser und umfassender bewerten zu können. Ohne Tool-Unterstützung geht das aber nicht. Ein Überblick über Tools von Markus Hövener.

 

Seit einigen Monaten gibt es immer mehr Tools, die eine Optimierung von Texten nach WDF*IDF erlauben. Ohne Tool-Unterstützung ist eine solche Optimierung auch gar nicht möglich, denn die zugrundeliegende Formel ist sehr komplex.

Wer sich für das Phänomen WDF*IDF und die Theorie dahinter interessiert, sei auf die Ausgabe 18 des Magazins Website Boosting verwiesen, in der vor allem der „Erfinder“ Karl Kratz zu Wort kommt. Für Neueinsteiger sei nur so viel gesagt: Bei WDF*IDF handelt es sich um eine Theorie bzw. eine Formel, die hilft, die typische Erwartung einer Suchmaschine an einen Text in Hinblick auf Inhalte zu berechnen und dann auch zu ermitteln, ob er diese Erwartung erfüllt.

Anders als bei den veralteten Theorien zur Keyword-Dichte geht es darum, bestimmte Relationen zwischen Suchbegriffen zu finden. Ein Text, in dem das Wort „Immobilien“ vorkommt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Wörter wie „Haus“ „Grundstück“ oder „Einfamilienhaus“ enthalten. Nun kann argumentiert werden, dass ein Text, der zwar das Wort „Immobilien“ aber keines der anderen typischen Wörter enthält, nicht besonders hochwertig sein kann. Der Theorie zufolge muss ein Text die Erwartung nur möglichst optimal erfüllen, um gute Rankings in den Suchergebnissen zu generieren.

Der Beweis für diese These steht noch aus, was dem Interesse an WDF*IDF aber nicht zu schaden scheint. Wer also überlegt, Texte nach der neuen Methode zu optimieren, kann dafür verschiedene Tools nutzen, die für einen Suchbegriff die ähnlichen Suchbegriffe recherchieren und dann auch anzeigen, wie gut ein eigener Text in diese Erwartung passt.

 

Kosten

Für diesen Test wurden insgesamt drei Tools geprüft, mit denen WDF*IDF-Analysen durchgeführt werden können:

  • SEOlyze
  • OnPage.org
  • Xovi

Alle drei sind kostenpflichtig. Für SEOlyze bezahlt man je nach Laufzeit des Vertrages zwischen 16 und 20 € pro Monat. Bei Xovi (ab 99 € pro Monat) und OnPage.org (ab 99,90 € pro Monat) ist das WDF*IDF-Tool im Gesamtpaket mit anderen Tools enthalten, was den Vergleich schwer macht.

 

Funktionen

Bei den drei Tools zeigen sich schnell Unterschiede, wobei alle Tools die Berechnung der Werte problemlos ermöglichen. Die Unterschiede liegen dann eher in den weiteren Funktionen.

Bei OnPage.org ist die WDF*IFD-Analyse nur ein Punkt unter vielen. Das Tool ist schnell, effizient, bietet aber auch den geringsten Funktionsumfang im Vergleich zu den anderen Tools. Vor allem fällt bei OnPage.org auf, dass es als einziges keinen eingebauten Editor bietet, in dem der Text direkt verändert und im Anschluss neu bewertet werden kann. Auch können „nur“ Reports für Deutschland, Österreich und die Schweiz erstellt werden, während die beiden anderen Anbieter deutlich mehr Einstellmöglichkeiten anbieten. Für die meisten Nutzer sollte das aber keine Einschränkung sein.

Auch bei Xovi ist die WDF*IDF-Analyse nur ein Menüpunkt unter sehr vielen. Aber hier hat man sich deutlich mehr Mühe gegeben. Die Anfragen werden zunächst angelegt und dann im Hintergrund berechnet. Es kann im Einzelfall bis zu 5 Minuten dauern, bis die Analyse vorliegt. Wer nur „mal schnell einen Suchbegriff reinstecken“ möchte, wird das nicht mögen. Wenn allerdings mehrere Analysen anstehen, ist Xovi im Vorteil, da zunächst alle Analysen angefordert und später abgearbeitet werden können. Etwas störend ist die Tatsache, dass auf jeden Fall eine Referenz-URL angegeben werden muss (also in der Regel die URL der eigenen Seite). Positiv hingegen ist, dass Xovi über einen Wortfilter verfügt, der viele typische – und oftmals unwichtige – Wörter direkt herausfiltert.

SEOlyze bietet hinsichtlich der Analysen wohl den größten Umfang und kann sehr viele Daten liefern – auch zum Download. Das mag im Einzelfall sinnvoll sein, aber für viele wird die Menge der zu exportierenden Daten wohl nicht kaufentscheidend sein. SEOlyze bietet ansonsten ebenfalls die Möglichkeit, vorher getätigte Analysen später abzurufen. Leider kann man hier nicht erst mehrere Anfragen eingeben und dann die Ergebnisse abrufen. Vielmehr muss eine Anfrage eingegeben und dann die Ergebnisse abgewartet werden, bevor die nächste Anfrage getätigt werden kann.

 

Das liefern die Tools

Für die Suchanfrage „zöliakie“ (Glutenunverträglichkeit) wurden von den drei Tools jeweils die Relationen ermittelt. Diese sind in den Abbildungen 1 bis 3 zu sehen. Alle Tools liefern auf Wunsch übrigens eine ausführliche Tabellenansicht mit den jeweiligen Detaildaten. Das sieht zwar sehr beeindruckend aus, hat in der Praxis aber keinen Mehrwert, weil die Daten doch zu detailliert sind.


Abbildung 1: Ergebnisse von Xovi

 


Abbildung 2: Ergebnisse von SEOlyze

 


Abbildung 3: Ergebnisse von OnPage.org

 

Zunächst ist ganz interessant, dass die Ergebnisse nicht nur unterschiedlich dargestellt werden, sondern auch unterschiedlich sind. So ist sich OnPage.org relativ sicher, dass das Wort „Gliadin“ in die Menge der artverwandten Suchbegriffe gehört. Die anderen Tools führen das Wort aber nicht auf.

Man sieht in den Ergebnissen, dass dort Wörter erscheinen, die nicht unbedingt in direktem sachlichen Zusammenhang zum gesuchten Begriff stehen, also z. B. „stern“ „artikel“ „leben“ oder „antwort“

Grund ist in beiden Fällen die dünne Datenbasis, auf die sich die Tools stützen. Die Wortrelationen werden nur auf Basis von zehn Seiten berechnet – eben jenen Seiten, die für die jeweilige Suchanfrage in der Top 10 der Ergebnisse zu finden sind. Das mag zwar eine recht gute Näherung sein, aber Google kann bei der Berechnung dieser Relation auf wesentlich mehr Daten zugreifen.

Die Tools begehen aber auf Grund der geringen Datenbasis noch einen weiteren grundsätzlichen Fehler, was an einem Beispiel verdeutlicht werden kann: Die Wörter „Zöliakie“ und „Sprue“ haben einen sehr starken Zusammenhang, weil sie Synonyme sind. Steht das eine Wort auf einer Seite, steht da oft auch das andere Wort. Es gilt aber auch die Umkehrung: Steht das eine Wort da nicht, steht das andere Wort da auch nicht.

Für Wörter wie „lebensmittel“ oder „diagnose“ wäre es aber wichtig, sie aus den Vorschlägen für „zöliakie“ zu entfernen. Diese erscheinen zwar oft in Zusammenhang mit „zöliakie“ aber auch in ganz anderem Kontext. Sie sind also nicht unbedingt spezifisch für das Wort „zöliakie“

Bei der Nutzung der Tools muss also klar sein, dass Google – wenn dieses Konzept so angewendet wird – auf deutlich mehr Daten zurückgreifen kann und damit eine bessere Datenqualität hat. Oder mit anderen Worten: Man kann sich auf die Ergebnisse der WDF*IDF-Tools nicht unbedingt verlassen.

 

Fazit

Wie schon zwischen den Zeilen zu lesen war, muss WDF*IDF erst noch beweisen, dass es nützlich und sinnvoll ist. Wer auf diesen Nachweis nicht warten will, benötigt ein Tool, um Texte zu optimieren. Welches der aufgeführten nun am besten ist, muss das eigene Nutzungsverhalten zeigen. Das Tool von OnPage.org ist sicherlich als Adhoc-Tool gut, um „mal schnell eine Abfrage“ zu tätigen. Wer mehr Anfragen stellen möchte, ist mit Xovi und SEOlyze besser bedient.


Über den Autor

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

E-Mail: markus@suchradar.de
Markus Hövener (@bloonatic) bei Twitter: Follow bloonatic on Twitter