Tools im Überblick:
Welche SEO-Tools gibt es, welche braucht man?

Es gibt sehr viele Tools, die angeblich in Bezug auf SEO helfen. Aber was können sie? Und vor allem: Braucht man das alles? Der Versuch eines Überblicks von Markus Hövener.

 

Dieser Artikel versucht, einen Überblick über Klassen von SEO Tools zu liefern. Dabei geht es primär nicht nur um die Frage, welche Tools es gibt, sondern vor allem darum, was mit Ihnen gemacht werden kann und welche Probleme es bei den Tools und deren Daten gibt.

Eine kurze Zusammenfassung könnte in so aussehen: Bei den meisten Tools sollte der Benutzer in jedem Fall wissen, was die Daten zu bedeuten haben und wie relevant diese in Bezug auf SEO sind. Und: Das eine SEO Tool, in das man nur noch die eigene Website eingibt, und das dann Links aufbaut, Content erstellt und technische Defizite behebt, gibt es natürlich nicht.

Im Folgenden werden bei den unterschiedlichen Gruppen von Tools jeweils konkrete genannt. Dort besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Auch bedeutet die Nennung eines Tools nicht, dass es sich dabei um das beste seiner Gruppe handelt.

In jedem Fall wird empfohlen, sich die einzelnen Tools bei Interesse genauer anzuschauen. Es gibt bei fast jedem die Möglichkeit, dieses über einen bestimmten Zeitraum zu testen, um zu schauen, ob es den eigenen Anforderungen und auch der Arbeitsweise (kleines Unternehmen vs. Konzern, Agentur vs. Unternehmen, ...) entspricht.

 

SEO-Index-Tools

Wie funktionieren Sie?

SEO-Index-Tools ermitteln für eine sehr große Menge an Suchbegriffen regelmäßig (meistens: einmal pro Woche) die Google-Ergebnisse und berechnen aus den einzelnen Rankings und den Suchvolumina einen Index-Wert.

Was kann man damit machen?

Mit Ihnen kann z. B. die SEO-Entwicklung der eigenen Website – alleinstehend oder im Vergleich zu Konkurrenz – betrachtet werden. Auch kann man die historische Entwicklung bestimmter Rankings beobachten. Spannend sind solche Tools auch zur Inspiration, da so etwa bei Konkurrenten Suchbegriffe gefunden werden, die auf der eigenen Website noch nicht abgedeckt sind.

Mit Index-Tools lassen sich aber auch Strafen (Penalties) aufdecken, wenn man z. B. einen Blick auf die Verteilung der Suchergebnisse wirft. Auch bieten viele Index Tools Alert-Funktionen (Benachrichtigung, wenn sich ein Parameter negativ entwickelt) und Reporting-Funktionen (um häufig benötigte Daten schnell zusammenstellen zu können).

Wo liegen Probleme?

Man muss verstehen, wie der Index-Wert gebildet wird. Auf Basis der Suchbegriffe und Rankings wird dieser anhand statistischer Werte berechnet  („X % der Suchmaschinennutzer klicken auf ein Ergebnis auf Position 3“). Das muss nicht unbedingt mit dem realen Traffic korrelieren. Wenn jemand etwas kaufen möchte und eine bestimmte Website auf Position 2 findet, ist es natürlich ein Unterschied, ob sich Amazon.de (viel Trust, hohe Markenbekanntheit) oder die Wikipedia (hoher Trust, aber jeder weiß, dass man dort nichts kaufen kann) auf der Position 1 befindet.

Ein anderes Problem besteht in der Auswahl der Suchbegriffe, die von den Tools jeweils abgefragt werden. Diese kann natürlich nicht alle real gesuchten Suchbegriffe umfassen. Und so ist es bei lokalen Unternehmen oder auch bei Nischenangeboten durchaus möglich, dass die eigenen Suchbegriffe nicht oder nur teilweise in der Auswahl enthalten sind. In der Regel gibt es aber keine Möglichkeit, Suchbegriffe hinzuzufügen.

Abbildung 1: Verlauf von Sichtbarkeitswerten im Vergleich (hier SISTRIX)

Ein weiteres Problem liegt in den Schwankungen der Index-Werte. Oftmals gibt es Schwankungen, die unterschiedliche Gründe haben können. Das kann natürlich an Google-Updates liegen, aber auch idiopathisch, also ohne erkennbare Ursachen sein. Wer auf seinen Index-Wert schaut und dort spürbare Verluste hinnehmen muss, wird eventuell Aktionen vornehmen, um dem entgegenzuwirken – aber das möglicherweise, ohne dass es eine Ursache gab, der man entgegenwirken könnte. In den falschen Händen – also in den Händen von Personen, die wenige SEO-Kenntnisse haben, können solche Tools also durchaus kontraproduktiv sein.

Typische Tools

  • SISTRIX
    (www.sistrix.de, kostenpflichtig; in der Variante „Sistrix Smart“ kostenlos)
  • Searchmetrics bzw. Searchmetrics Essentials
    (www.searchmetrics.de, es gibt eine zeitlich unbegrenzte Testversion, ansonsten kostenpflichtig)
  • Xovi
    (www.xovi.de, kostenpflichtig)
  • SEOlytics
    (www.seolytics.de, kostenlos in der Starter-Edition, ansonsten kostenpflichtig)

 

Rankings beobachten

Wie funktionieren Sie?

Die Tools zur Ranking-Beobachtung holen für eine definierte Menge an Suchbegriffen jeweils die Suchmaschinen-Ergebnisse und bereiten diese auf. Anders als bei den SEO-Index-Tools werden die Rankings allerdings für selbstdefinierte Suchbegriffe ermittelt.

Was kann man damit machen?

Primär kann die Entwicklung der eigenen Website beobachtet werden. Dabei ist natürlich wichtig, dass man Suchbegriffe auswählt, die aussagekräftig sind – also nicht nur Ein-Wort-Suchanfragen, sondern auch Phrasen.

Wo liegen Probleme?

Zunächst verstoßen die meisten dieser Tools gegen die Google-Richtlinien, denn das so genannte Scraping (Herunterladen der Suchergebnisse im HTML-Format und anschließendes „Zerpflücken“ des HTML-Codes) wird von Google nicht gerne gesehen. Wenn zu viele Anfragen von einem Rechner kommen, sperrt Google die anfragende IP-Adresse zeitweise auch für kommende Suchanfragen. Die Tools versuchen diese Barriere mit unterschiedlichen Strategien zu umgehen. Wer hier nicht aufpasst, kann also durchaus temporäre Probleme verursachen, die dann darin resultieren, dass zumindest kurzfristig nicht mehr auf Google zugegriffen werden kann. Die eigene Website sollte das in der Regel aber nicht negativ betreffen.

Ein anderes Problem liegt aber in der Korrektheit der Daten. Vor allem die Google-Ergebnisse sind immer häufiger personalisiert, also auf eigenes Suchverhalten, aber vor allem auch auf den Standort des Suchenden abgestimmt. So erhält ein Suchender in Hamburg andere Ergebnisse als der in München – vor allem, wenn nach Sachen gesucht wird, die lokalisierbar sind (also z. B. Hotels). Beim Messen der Rankings muss also klar sein, dass diese nicht mit dem übereinstimmen müssen, was Suchende in der Realität sehen.

Abbildung 2: Für kleine Suchbegriffsmengen geeignet: der Free Monitor for Google

Typische Tools

Auch einige SEO-Index-Tools wie SEOlytics (www.seolytics.de) bieten an, Rankings für eigene Keywords zu ermitteln. Ebenso gibt es reine Online Tools wie www.ranking-spy.com, die eine Ranking-Messung erlauben.

 

Linkverwaltung

Wie funktionieren Sie?

Linkverwaltungs-Tools strukturieren den Prozess des Linkaufbaus.

Was kann man damit machen?

Wer Links aufbaut, kann sich durch Tools helfen lassen. Dabei geht es grundsätzlich um zwei Phasen: Hilfe beim Aufbauen eines Links und Beobachtung des aufgebauten Links.

In der ersten Phase kann ein Tool dabei helfen, potenzielle Linkquellen zu finden, diese zu bewerten und dann auch die Kontaktaufnahme zu realisieren (z. B. durch E-Mail-Templates). In der zweiten Phase geht es darum, zu beobachten, ob gekaufte, getauschte oder anderweitig erzeugte Links auch bestehen bleiben.

Wo liegen Probleme?

Die Tools strukturieren die Arbeit sicherlich sehr sinnvoll, führen aber nicht zwangsläufig dazu, dass gute Links aufgebaut werden. Hier ist es also dringend erforderlich, vorher ein sinnvolles Vorgehen festzulegen und dort auch Grenzen zu definieren.

Typisches Tool

 

Link-Tools

Wie funktionieren Sie?

Die Tools nutzen Verlinkungsinformationen, um diese unterschiedlich aufzubereiten. So kann die Verlinkung einer bestimmten Website eingesehen oder die bestehenden Links nach bestimmten Kriterien aufbereitet werden.

Was kann man damit machen?

Mit einem Link-Tool lässt sich beispielsweise die Verlinkung der Konkurrenten beobachten, um so deren Verlinkungen „nachzubauen“. Es ist auch möglich, potenzielle Links bei einem Linktausch oder Linkkauf zu bewerten. Ebenso kann es z. B. sinnvoll sein, den eigenen Linkaufbau, der über eine Agentur erfolgt, über ein Link-Tool zu beobachten.

Einige Unternehmen haben in der Vergangenheit solche Tools auch genutzt, um negative Links zu finden (also solche, die dazu führen, dass Google die eigene Website abgestraft hat). Auch kann man sich mit einem Link-Tool vor „Negative SEO“ schützen, also dem Fall, dass einem ein Konkurrent negative Links aufbaut.

Wo liegen Probleme?

Alle Tools verlassen sich auf Datenbanken, in denen Backlinks enthalten sind. Einige Tool-Anbieter haben eigene Datenbanken, andere nutzen die bekannten Datenbanken (wie Majestic SEO und SEOmoz). Diese Datenbanken werden durch Crawler generiert, die – ähnlich wie die Google-Crawler Googlebot – das Internet durchforsten.

Dabei können verschiedene Probleme auftreten:

  1. Der Google-Crawler kann einen Link schneller finden als die Tools. Wer sich mit einem Tool aber vor schlechten Links schützen möchte, erfährt so eventuell zu spät davon – also zu einem Zeitpunkt, an dem es bereits negative Effekte gibt.
  2. Der Google-Crawler (oder andere Teile der Google-Software) verwirft viele Websites bzw. Links von diesen Websites, weil sie aus bestimmten Gründen (niedrige Qualität, Duplicate Content, ...) nicht relevant erscheinen. Die Tools haben hier jeweils ein anderes Qualitätsverständnis und übernehmen eventuell Links, die Google einfach nicht berücksichtigt.

Typische Tools

Einige Index-Tool-Betreiber wie SISTRIX und Searchmetrics haben eigene Link-Datenbanken, auf die man über die jeweiligen Tools auch zugreifen kann. Auch die „großen Datenbanken“ wie Majestic SEO (www.majesticseo.com) bieten interessante interne Tools an; für die eigene Website kann man auf Majestic SEO übrigens kostenlos zugreifen. SEOmoz bietet den Open Site Explorer (www.opensiteexplorer.org) an, der für gelegentliche Nutzung auch kostenfrei ist. Aus Deutschland kommt übrigens eine kostenlose Link-Datenbank namens SEOkicks (www.seokicks.de).

 

On-Page-Tools

Wie funktionieren Sie?

Ein Tool beginnt mit der Startseite und folgt dann allen Links in die Tiefe, um so viele Seiten zu erfassen und diese hinsichtlich verschiedener On-Page-Kriterien zu bewerten.

Abbildung 3: Kostenlose On-Page-Analyse mit dem Free SEO Toolkit

Was kann man damit machen?

On-Page-Tools sind gut geeignet, um vor allem bei größeren Websites Fehlerquellen zu finden, die sich unter Umständen auf die Rankings auswirken können. Man kann ein solches Tool primär für die eigene Website und eher selten für Konkurrenz-Seiten verwenden.

Zu den möglichen Fehlern gehören typische SEO-Probleme wie zu kurze/lange Seitentitel, doppelte Inhalte, unpassende Meta Descriptions, aber auch Probleme bei der internen Verlinkung.

Wo liegen Probleme?

Zunächst ist zu beachten, dass man die genannten Fehlerquellen auch bewerten können muss. Wenn z. B. eine Hauptüberschrift nicht als <h1> markiert ist, wird ein On-Page-Tool das in der Regel auch monieren. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Änderung der Hauptüberschrift in ein <h1>-Element auch einen spürbaren Effekt in Bezug auf Rankings hätte.

Auch helfen die Tools nur bei technischen, nicht aber bei semantischen Problemen. Wer also eine Rubrik unpassend benennt (z. B. „Suitcase Sets“ anstelle von „Koffersets“) wird solche Probleme kaum aufdecken können. Man darf also nicht glauben, dass ein On-Page-Tool alle real existierenden Probleme einer Website aufzeigt. Außerdem bewerten die Tools nur die Website an sich, geben aber natürlich keine Empfehlungen dafür, wie diese eventuell sinnvoll erweitert werden könnte.

Weiterhin muss bedacht werden, dass Änderungen, die das System empfiehlt, natürlich auch umsetzbar sein müssen. So gibt es natürlich einige Systeme (Shop-Systeme, CMS), bei denen nicht alles möglich ist.

Typische Tools

  • OnPage.org
    (http://de.onpage.org, kostenpflichtig)
  • SISTRIX Optimizer
    (www.sistrix.de, kostenpflichtig; bis zu 1.000 Seiten kostenlos in der Variante „Sistrix Smart“)
  • strucr
    (http://strucr.com, kostenlos bis zu 10.000 Seiten, ansonsten kostenpflichtig)

Darüber hinaus bieten vor allem die Webmaster Tools von Google und Bing kostenlos sehr viele Einblicke. Auch das Free SEO Toolkit von Microsoft (www.microsoft.com/web/seo/) bietet erstaunlich gute Analysen – und das ebenfalls kostenlos.

 

WDF*IDF-Tools

Wie funktionieren Sie?

Es geht hierbei um ein mathematisches Prinzip, auf das in der Tiefe nicht näher eingegangen werden soll. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass Suchmaschinen Inhalte darauf überprüfen, ob sie in ein Konzept passen. Google weiß durch die Vielzahl an Seiten, dass auf einer Seite, auf der das Wort „familienurlaub“ erscheint, auch mit gewissen Wahrscheinlichkeiten Wörter wie „spanien“, „kinder“ oder auch „reisebett“ auftauchen. Die Tools ermitteln zunächst die Relationen (welche Wörter gehören typischerweise zusammen), um dann zu prüfen, wie gut eine bestimmte Seite diese „Erwartungen“ erfüllt.

Was kann man damit machen?

Mit einem solchen Tool kann für einen Text ermittelt werden, inwieweit dieser die typischen Suchbegriffe enthält. Mit diesem Wissen ist es dann leicht möglich, ihn so weit zu verändern, bis er die Anforderungen optimal erfüllt.

Wo liegen Probleme?

Auch wenn das Thema WDF*IDF derzeit innerhalb der SEO Community stark gehyped wird, ist die grundlegende Idee bereits recht alt. Wer ein solches Tool nutzen will, muss zunächst daran glauben, dass Google & Co. diesen Algorithmus auch genau so einsetzen. Sehr wahrscheinlich wird ein zumindest ähnliches Konzept benutzt, wobei Google wohl auch andere Textparameter zusätzlich einsetzt.

Abbildung 4: Das WDF*IDF-Tool von OnPage.org

Wer ein WDF*IDF-Tool einsetzt, um seinen Text mit sinnvollen Wörtern anzureichern, muss dabei verstehen, wie einige der Tools funktionieren – und dabei vor allem darauf achten, wie die Relationen ermittelt werden. Wenn ein Tool nur die ersten zehn Suchergebnisse analysiert, wird man zwar vielleicht ein annähernd gutes, aber kein sehr gutes Ergebnis erzielen, weil die Top-10-Seiten vielleicht nicht wegen der guten Texte, sondern nur wegen der guten Verlinkungen die Spitzenposition einnehmen. Auch ist natürlich zu beachten, dass sich die Zusammensetzung der Top 10 ändern kann, was dann auch zu einer Änderung der Relationen führt.

Außerdem muss berücksichtigt werden, dass die Idee von WDF*IDF darauf fußt, starke Relationen zwischen Wörtern zu entdecken. Ein Beispiel: Wörter wie „und“, „aber“ und „auch“ kommen in ganz vielen deutschsprachigen Seiten vor, haben also eine hohe Worthäufigkeit, sind deswegen aber nicht typisch für einen bestimmten Suchbegriff. Um WDF*IDF sinnvoll nutzen zu können, genügt es also nicht, sich einfach nur zehn Seiten anzuschauen, da viel mehr Wissen benötigt wird. So kann es dann auch dazu kommen, dass Wörter wie „login“ oder „bild“ als typische Wörter angesehen werden, auch wenn sie das gar nicht sind.

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass viele der derzeit nutzbaren WDF*IDF-Tools in jedem Fall mit Vorsicht zu nutzen sind.

Typische Tools

Der Markt für WDF*IDF-Tools entwickelt sich erst. Derzeit können u. a. Tools wie www.seolyze.com oder www.onpage-tool.de genutzt werden. Auch das On-Page-Tool www.onpage.org (siehe Abbildung 4) bietet einen eigenen Punkt für eine WDF*IDF-Analyse.

 

Web-Analyse-Tools

Wie funktionieren Sie?

Das Besucherverhalten auf Websites wird ausgewertet. Dazu wird in der Regel ein JavaScript-Code auf der eigenen Website platziert; eine Auswertung von Log-Dateien findet in der Praxis eigentlich kaum noch statt.

Was kann man damit machen?

Web-Analyse-Tools sind zwar grundsätzlich nicht nur in Bezug auf SEO interessant, bieten aber gerade dort sinnvolle Ansätze. Denn Web-Analyse-Tools bieten Daten, die deutlich über Rankings hinausgehen: Dort können Daten zum Besucherverhalten vor allem in Bezug auf Erfolge (Conversions, Umsatz) angereichert werden.

Es lässt sich also z. B. erkennen, welche Suchbegriffe bei SEM-Kampagnen gut funktionieren, um dann auch die SEO-Bemühungen in die richtigen Bahnen zu lenken. Auch kann man in Web-Analyse-Tools Seiten identifizieren, die eine hohe Bounce-Rate produzieren und so evtl. negative Signale an Suchmaschinen schicken.

Wo liegen Probleme?

Eine Bedrohung für Web-Analyse-Tools ist sicherlich, dass Google immer mehr dazu übergeht, bei Google-Besuchern nicht mehr deren Suchanfrage zu übergeben („not provided“). Die Daten, die über Google-Suchanfragen erhältlich sind, entsprechen also nicht unbedingt der Realität – zumindest nicht in absoluten Werten.

Einige Website-Betreiber sprechen sich auch gegen das kostenlose Google Analytics aus, weil sie nicht noch mehr Daten an Google liefern möchten. Hier muss ein Unternehmen also eine grundsätzliche Entscheidung treffen. Grundsätzlich ist Google Analytics natürlich sehr interessant, weil es mit vielen anderen Google-Diensten (vor allem AdWords) verzahnt ist und im Grunde genommen nur so das Maximum an Daten erhältlich ist.

Und auch bei Web-Analyse-Tools gibt es ein grundsätzliches Problem: Man muss in der Regel wissen, welche Fragen an das Tool gestellt werden sollten, um dann auch die richtigen Daten zu bekommen.

Typische Tools

 

Webmaster Tools

Wie funktionieren Sie?

Die beiden Suchmaschinen Google und Bing liefern über ihre „Webmaster Tools“ genannten kostenlosen Angebote Website-Betreibern Einblicke in ihre Daten, die sie über die jeweilige Website haben. Um die jeweiligen Webmaster Tools nutzen zu können, muss die Website validiert werden, so dass man nur auf Daten von Websites zugreifen kann, auf die man auch selber Einfluss hat.

Was kann man damit machen?

Abbildung 5: Google Webmaster Tools bieten viele relevante Daten an

Googles Webmaster Tools sind vor allem interessant, weil man durch sie Nachrichten von Google erhält, wenn Google z. B. eine Abstrafung vornimmt oder wenn es signifikante Traffic-Änderungen gibt.

Darüber hinaus können aber auch Einstellungen an der Website vorgenommen werden, etwa das Hinzufügen von XML-Sitemaps oder auch geographische Einstellungen (beispielsweise dass alle Seiten aus dem „Ordner“ /nl/ wie Seiten aus den Niederlanden zu behandeln sind).

Außerdem erhält man viele Daten über die Website, die regelmäßig überprüft werden können. So geben die Google Webmaster Tools Einblicke in die Klick-Raten von Seiten (CTR), um so z. B. Seiten zu ermitteln, die zwar ein gutes Ranking haben, aber selten angeklickt werden. Für solche Seiten lassen sich dann Optimierungsmaßnahmen vornehmen, um die Klick-Rate zu verbessern.

Die Google Webmaster Tools bieten aber auch diagnostische Berichte, z. B. den Report „HTML-Verbesserungen“, der bei der Suche nach doppeltem Content helfen kann. Hilfreich ist auch der Hinweis auf Malware und andere Probleme.

Wo liegen Probleme?

Eigentlich gibt es nur das Problem, dass die jeweiligen Daten auch sinnvoll interpretieren werden müssen. Auch lassen sich zumindest zum Teil Einstellungen vornehmen, die in Extremfällen negativen Einfluss auf die Website haben können.

Typische Tools

 

Fazit

Es gibt wirklich sehr viele SEO-Tools - kostenlose wie auch kostenpflichtige. Der Markt entwickelt sich permanent weiter, so dass es relativ schwierig ist, einen Überblick zu bekommen und diesen auch zu behalten.

Wer Tools nutzen möchte, sollte sich zunächst darüber Gedanken machen, welche Funktionalitäten er braucht, um daraus auch Maßnahmen ableiten zu können. In jedem Fall gibt es definitiv kein Tool, das alle sinnvollen Angebote in sich vereint und dabei einem SEO auch noch das Denken abnimmt.

 

 

Eine Empfehlungsliste

Welche Tools brauche ich nun wirklich?

Das hängt immer davon ab, was gemacht werden soll, wie groß das Unternehmen und wie stark die Konkurrenz ist. Die folgenden Punkte helfen bei der Einordnung, welche Tools wirklich sinnvoll sind.

Absolut notwendig ...

… ist die Anmeldung bei den Google Webmaster Tools. Die Daten sollten mindestens einmal pro Monat geprüft werden. Vor allem sollte für die Nachrichten in den Google Webmaster Tools eine E-Mail-Weiterleitung eingerichtet werden, damit keine Nachrichten von Google verpasst werden.

Auch auf ein Web-Analyse-Tool sollte in keinem Fall verzichtet werden. Dabei ist vor allem wichtig, klare Ziele (Conversions) zu definieren, um so Traffic auch hinsichtlich der Erfolge bewerten zu können. Auch sollten die evtl. vorhandenen Alert-Funktionen genutzt werden, um bei starken Schwankungen benachrichtigt zu werden.

Wer Links selber aufbaut, ...

... und das in größerem Umfang und evtl. sogar mit mehreren Beteiligten, sollte über ein Tool zur Linkverwaltung nachdenken. Vor allem die regelmäßige Prüfung aufgebauter Links ist sinnvoll, da immer mal wieder teure Links abhandenkommen.

Sinnvoll ist auch ein Link-Tool, um externe Links bewerten zu können und aus den Verlinkungen der Konkurrenten zu lernen. Ein Tipp: Wer nur gelegentlich Link-Analysen nutzen möchte, kann bei den Link Research Tools einen Daypass erwerben, um die Tools für 72 Stunden nutzen zu können.

Wer Links durch eine Agentur aufbauen lässt, ...

... sollte eventuell auf ein Link-Tool zurückgreifen, um so regelmäßig neue Links auf die eigene Website zu prüfen. So können z. B. einmal pro Monat alle neuen Links ermittelt und so die Arbeit der Agentur überprüft werden.

Wer hier die Ausgaben scheut, kann aber auch in den Google Webmaster Tools regelmäßig neue Verlinkungen überprüfen (Zugriffe > Links zu Ihrer Website > Aktuelle Links herunterladen, dann nach Datum filtern).

Wer eine große Website hat, ...

... sollte über ein On-Page-Tool nachdenken. Zwar sind die Reports auch für Websites mit zehn Seiten sinnvoll, aber wirklich zweckmäßig sind diese Tools nur bei großen Websites.

Hier sollte man durchaus mit den kostenlosen Alternativen beginnen (Sistrix Smart bis zu 1.000 Seiten, strucr bis 10.000 Seiten, Free SEO Toolkit von Microsoft, Bing Webmaster Tools). Wer ausgefeilte Reports benötigt oder über sehr große Websites verfügt, sollte dann eher zu den kostenpflichtigen Tools wie dem SISTRIX Optimizer greifen.

Wer viel textet, ...

... sollte sich grundsätzlich mit WDF*IDF-Tools beschäftigen, diese aber hinsichtlich ihrer Daten hinterfragen und auch von den Ergebnissen keine Wunder erwarten.

Rankings beobachten ...

... kann man sicherlich, aber nur, wenn auch eine aussagekräftige Suchbegriffsmenge zusammengestellt wurde. In einigen Fällen mag das eigene Messen von Rankings unwichtig sein, wenn z. B. ohnehin nur allgemeine Suchbegriffe beobachten würden und diese von den SEO-Index-Tools alle beobachtet werden. Dann kann man nämlich in einigen Index-Tools diese Suchbegriffe hinterlegen und erhält so einen Index-Wert nur für diese.

Wer Konkurrenten hat, ...

... sollte durchaus ein SEO-Index-Tool in Betracht ziehen, denn damit können z. B. die Suchbegriffe und Rankings der Konkurrenten eingesehen und zudem die Reichweite der eigenen Website im Vergleich zur Konkurrenz im Blick behalten werden.

 

Über den Autor

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

E-Mail: markus@suchradar.de
Markus Hövener (@bloonatic) bei Twitter: Follow bloonatic on Twitter