Das SEO-Stimmungsbild: Der Rückblick, der Ausblick

Wie bewerten SEOs die Geschehnisse der zurückliegenden Monate? Und wie sieht der Ausblick auf die nächsten aus? Viele Fragen an ein Dutzend SEOs. Von Markus Hövener.

 

Google hat es im Jahre 2012 den SEOs nicht wirklich leicht gemacht. Panda und Penguin – zwei große und rechtzeitig angekündigte Algorithmus-Updates – haben die Suchmaschine durchgeschüttelt und sicherlich auch einige Einnahmequellen versiegen lassen.

Wie reagieren die SEOs auf diese Änderungen? Was kann noch kommen? All diese Fragen wurden zwölf SEOs (siehe Kasten) gestellt und von diesen beantwortet.

 

Die illustre Runde ...

Rede und Antwort für dieses Meinungsbild standen uns die folgenden Personen:

  • Marcel Becker/rankingCHECK GmbH, Head of SEO
  • Eric Kubitz/ CONTENTmanufaktur GmbH, Geschäftsführer
  • Daniel Lehmann/iCrossing GmbH, Head of SEO
  • Christian Vollmert/luna-park GmbH, Gründer und Geschäftsführer
  • Marco Janck/SUMAGO, Inhaber
  • Marcus Obermeier/QUISMA GmbH, Senior Account Manager SEO
  • Olaf Kopp/ Aufgesang Inbound Online Marketing, Geschäftsführer
  • Sören Bendig/SEOlytics, CEO
  • Stefan Fischerländer/Gipfelstolz GmbH, Geschäftsführer
  • Christiane Buttke/Translation Handling Services, Inhaber und Geschäftsführer
  • Richard Maier/Seosmart GmbH, Mitgründer
  • Benedikt Illner/TA Trust Agents Internet GmbH, Geschäftsführer und CTO

 

Welchen Link, den Du noch vor einem Jahr guten Gewissens aufgebaut hättest, würdest Du heute nicht mehr aufbauen?

Marcel Becker: Heute versuchen wir in der Regel keine Links mehr aufzubauen, die keine direkten Besucher bzw. Conversions mit sich bringen. Denn einzig und allein der User sollte entscheiden, wie sinnvoll ein Link ist. Und der beste Beweis, dass ein Link auch tatsächlich eine Empfehlung sein soll, ist ganz einfach Traffic oder viel besser noch Traffic, der genau das macht, was ich will.

Marco Janck: Wir haben bei unserer Arbeit die Links aus Artikelverzeichnissen fast völlig ausgeblendet. Es gibt da nur noch wenige Seiten, die auch für die Zukunft „Trust“ versprechen.

Benedikt Illner: Im Vergleich zum Vorjahr sind die Ansprüche an das Linkbuilding mit Sicherheit enorm gestiegen. Verlinkungen von cross-relevanten Domains würde ich daher aktuell auf jeden Fall hinten anstellen und zunächst immer nach themenrelevanten Webseiten suchen, die auch vom Umfeld her gut zu meiner eigenen Seite passen. Neben der Themenrelevanz sollte aber auch der normale Nutzer als Ziel für eine gesetzte Verlinkung ausgegeben werden. Denn nur ein Link, der auch echte Besucher für die eigene Seite generiert, ist ein guter Link.

 

„Content is King“ lautet das bekannte Google-Mantra. Aber welche Inhalte sind vor allem für den Linkaufbau Deiner Meinung nach besonders wichtig?

Marcel Becker: Richtlinienkonformer Linkaufbau wird in Zukunft nur noch funktionieren, wenn man sehr guten Content bereitstellt und diesen entsprechend verteilt. Deshalb ist Content für mich nicht King, sondern die absolut notwendige Basis, um überhaupt Content Marketing machen zu können. Und ganz nebenbei kann man dadurch auch noch den ein oder anderen Link abstauben. Und seien wir doch mal ehrlich: Es ist schon ein extremer Unterschied, ob man mit Content hausieren geht, auf den man stolz ist …

Eric Kubitz: Umfassende, liebevoll aufbereitete und sehr zielgruppenspezifische Inhalte. Wobei die Zielgruppe bei Inhalten für den Linkaufbau nicht das „Publikum“ ist, sondern diejenigen, die die Links setzen sollen.

Daniel Lehmann: Speziell für den Linkaufbau ist es natürlich von Vorteil, wenn der Inhalt einer Seite von anderen Seiten verlinkt wird. Dies ist in erster Linie bei exklusiven Informationen der Fall, z. B. Studien. Darüber hinaus spielt sicher auch die „Freshness“ eine wichtige Rolle, denn komplett neue Meldungen werden ebenfalls öfter verlinkt. Darüber hinaus ist der wichtigste Faktor sicherlich die Einmaligkeit und Besonderheit des Inhalts: Substituierbare Inhalte werden weniger oft verlinkt, da man sie in der Form überall finden kann.

Marco Janck: „Content is King“ ist für die meisten Menschen anscheinend eine Worthülse. Oft wissen die Marktteilnehmer wirklich nicht, was sich dahinter verbirgt. Nehmen wir mal das Thema Alleinstellungsmerkmale. Wenn man Menschen fragt, warum gerade ihre Produkte oder Dienstleistungen besonders sind, dann sprudelt es oft aus ihnen heraus. Doch Online findet man meistens nichts davon wieder. Dabei sind es oft genau diese USPs, die den Unterschied machen und für Mehrwert sorgen, der dann auch für andere in Sachen Verlinkung interessant wären. Wenn die Menschen eher daran denken würden, sich selber zu reputieren und sich als Fachmann oder Fachfrau darzustellen, dann würde sich das Thema „Content is King“ von selbst erledigen. Marketing heißt Fragen beantworten. Wenn ich das schaffe und dabei die menschlichen Sinne für Informationsaufnahme durchgehe, dann entstehen tolle und verlinkungswürdige Inhalte. Empfehlen kann ich hier: gezielt Strukturen schaffen. Runde Tische mit Brainstorming und Kreativtechniken sind oft die Basis für tolle und lebhafte Geschichten und Inhalte. Heute wird einfach viel zu viel „runtergerattert“. Wenn man im Stream nicht auffällt, ist man als Linkmagnet tot.

Marcus Obermeier: In Zukunft wird der Bereitstellung hochwertigen Contents immer mehr Gewicht zukommen. Dabei geht es aber nicht nur darum, Rechtschreibung und Grammatik auf hohem Niveau zu halten und einzigartige Inhalte zu erstellen, sondern auch um die Frage, wer für den Content verantwortlich zeichnet. Ein besonders wichtiges Thema wird Authorship sein. Es wird zukünftig von großer Bedeutung sein, dass der Autor eines Artikels für den Bereich, über den er schreibt, auch einen gewissen Autoritätsstatus erlangt hat und somit von Suchmaschinen als relevant für ein bestimmtes Thema anerkannt wird. „08/15-Texte vom Fließband“ haben keine Zukunft.

Olaf Kopp: Durch den durch Panda & Co. erzeugten Content Hype und die Möglichkeit, über Portale wie Textbroker & Co. massenhaft und billig Content zu bekommen, wird es immer wichtiger, aus der Minder- und Mittelwertigkeit herauszustechen. Das gelingt nach meiner Meinung am besten durch Persönlichkeit, Mehrwert und Emotionalität.

Persönlichkeit bedeutet: Content zu erschaffen, der eine eigene Handschrift, Meinung oder eigene Ergebnisse darstellt, die es so noch nicht massenhaft gibt. Individualität und nicht Opportunismus ist gefragt. So ist man als Urheber von eigenen Meinungen, Studien oder Untersuchungen immer die Hauptreferenz, mal abgesehen von der Reputation, die man dadurch bekommt. Durch eigene Meinungen regt man zudem Diskussionen an, die gerne woanders aufgegriffen werden.

Mehrwert muss nicht immer durch eigene Untersuchungen erzeugt werden, sondern kann auch z. B. durch die Zusammenfassung von Informationen aus verschiedenen Quellen geschaffen werden. So kann z. B. eine Zusammenstellung von relevanten Blogs und Lesetipps oder Best Practices zu einem Thema durchaus Mehrwert bieten. Auch Tutorials und Whitepaper können dem Leser einen Mehrwert bieten.

Emotionalität sorgt für Sympathie, aber auch Antipathie und dadurch oft zu Reaktionen. Bei der Emotionalität kann man sich an bestimmte emotionale Trigger halten, wie sie gerne auch im PR und Journalismus genutzt werden:

  • Die David-und-Goliath-Story (Klein gegen Groß)
  • Die ungewöhnliche und herausragende Story
  • Die kontroverse Story
  • Die Prominenten-Story
  • Eine Story zu einem Thema, das in den Medien bereits heiß diskutiert wird
  • Das Aufbauen von Vorfreude auf ein Launch oder Release eines Produkts, z. B. durch Sneak Previews oder Platzierungen in Filmen, die zeitlich vor der Produkt-Veröffentlichung laufen
  • Leute hinter die Kulissen führen, sodass sie das Gefühl haben Insiderwissen zu besitzen. Um als Insider zu gelten, werden sie es weitererzählen
  • Tabus (Sex, Lügen, …)

Stefan Fischerländer: Am spannendsten sind Nischenthemen. Also nicht „Die zehn schönsten Homepage-Designs“, sondern lieber „Die fünf schönsten Serendipity-Themes für Haustier-Blogger“. Und ungewöhnliche Inhalte funktionieren auch wunderbar. Mein Favorit dabei ist die „echte“ Schreibmaschinen-App, die ohne Löschtasten daherkommt – das brachte mehr als 80 Links.

 

Glaubst Du, dass die letzten Updates von Google (Panda, Penguin, Venice, ...) im Sinne des Nutzers sinnvoll waren? Oder war auch Kontraproduktives dabei?

Marcel Becker: Kurzzeitig habe ich auch beobachtet, dass Seiten abgestraft worden sind, die absolut sauber gearbeitet haben und in denen eine Menge Herzblut steckt. Nach ein paar Wochen sind diese Seiten aber auch wieder aus der Penalty entlassen worden. Also: Bis auf ein paar Kollateralschäden hat Google hier einen guten Job gemacht. In erster Linie soll der User entscheiden, welche Seiten die besten Inhalte bereitstellen. Google ist da mittlerweile auf einem ganz guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel.

Christian Vollmert: Der Qualitätsansatz von Google geht auf jeden Fall in die richtige Richtung. SEO rückt dadurch immer stärker in den Kommunikations- und Marketing-Fokus. Gerade den Punkt „weg von SEO-Texten und Textwüsten“ betrachte ich äußerst positiv, da dadurch der Nutzer wieder eindeutig in den Mittelpunkt der Website-Aktivitäten rückt. Es geht darum, Content für den Nutzer zu schaffen; Content, den er gerne liest, der ihm Mehrwert bietet und den er teilt.

Marco Janck: Im Grunde ist Google auf einem Weg. Der Weg hat ein Ziel, das Google auch immer wieder nach außen darstellt. Es geht dabei nicht darum, ob sie dieses Ziel schon zu 100 Prozent umsetzen können, sondern eher darum, wo die Reise hingeht. In Sachen Updates hat Google die Richtung nicht nur philosophisch erläutert, sondern auch Taten folgen lassen, die die SEO-Welt nachhaltig verändert haben. Es ist noch lange nicht alles perfekt, aber der Weg und die Konsequenz auf diesem Weg sind klarer. Ich denke, wir sind auf dem Weg zu besseren und individuelleren Ergebnissen. Dass dabei der Datenschutz mit menschlichen Schwächen ausgetrickst wird (siehe personal cookies) ist weniger schön. Dass der menschliche Verstand den Speed des digitalen Zeitalters nicht mitgehen kann, ist an allen Fronten sichtbar.

Marcus Obermeier: Google will die Qualität der Suchergebnisse verbessern und dem User möglichst gute Ergebnisse präsentieren. Wie bei fast allen Google Updates sind nicht alle Betroffenen glücklich über die Ergebnisse. Es kommt bei algorithmusgesteuerten Updates auch immer wieder zu „Kollateralschäden“, bei denen Seiten unter den Updates leiden, die eigentlich nicht betroffen sein sollten. Geht ein Update deutlich daneben, kann es auch mal zu einem Rollback des Updates kommen. Sieht man sich die SERPs nach den letzten Updates an, so stellt man fest, dass in vielen Bereichen nicht immer hochwertigere Ergebnisse an die Stelle ehemals gut gerankter Seiten getreten sind. Unter dem Strich betrachtet kann man aber wohl durchaus sagen, dass die Suchergebnisse durch die Updates besser geworden sind, auch wenn das nicht durchgängig für alle Bereiche zutrifft.

Sören Bendig: Einige Seiten waren durchaus zu Recht von Google Updates betroffen. Gerade im lukrativen und hart umkämpften Finanz- und Versicherungsmarkt, wo zahlreiche Seiten abgestraft wurden, wurde gerne „überoptimiert“. Aber auch Google ist nicht allwissend und rudert immer mal wieder zurück, wenn sich nach einem Update die SERPs nicht wie gewünscht „verbessern“. Im Großen und Ganzen glaube ich schon, dass die Updates zur Verbesserung der Ergebnisse in den SERPs beitragen. Allerdings gibt es auch mehr und mehr Suchphrasen, wo Google sich „herausnimmt“ zu wissen, was der User ganz genau will und damit (bspw. bei Brands) anfängt, relativ einseitige Ergebnisse zu produzieren.

Stefan Fischerländer:Die meisten Updates waren sicherlich vorteilhaft für die Nutzer. Lediglich beim Kampf gegen böse Links schießt Google manchmal übers Ziel hinaus. Die Folge sind dann SERPs mit geringerer Vielfalt, was für den Nutzer eher nachteilig ist.

Christiane Buttke: Ich glaube, dass das Google-Update „Venice“ für einige Betriebe und Firmen mit ihren Webseiten sehr kontraproduktiv ist. Es ist nicht jeder Betrieb ausschließlich lokal ausgelegt. Es gibt Unternehmen, die auch Kundenstrom, Mandanten oder Patienten aus einem größeren Umkreis haben. Diese Webseiten haben durch das Google-Update „Venice“ jetzt das Nachsehen. Eben genau diese potenziellen Kunden, Patienten oder Mandanten sollten diese Webseiten auch im Google-Index auffinden können, wenn sie nach Fachleuten, Spezialisten oder Kapazitäten außerhalb ihrer eigenen Region suchen. Stattdessen bekommen Sie nun seitenweise die lokalen Betriebe angezeigt. Des Weiteren kann es nicht im Sinne sein, dass größere oder internationale Unternehmen oder Spezialisten einer Branche ihre Webseiten nun lokal ausrichten, um besser platziert zu sein. Dies ist vor allem im Sinne der Globalisierung und des Zusammenwachsens von Regionen und international absolut kontraproduktiv.

 

Kannst Du Dir für die Zukunft noch drastischere Google-Updates vorstellen? Welche?

Daniel Lehmann: Ich denke, dass die Usability einer Landing Page auch in Bezug auf SEO weiter an Relevanz gewinnt, ebenso wie das tatsächliche Nutzerverhalten: Bleibt der User auf der Seite? Wie lange? Was macht er? Bewegt er sich innerhalb der Seite, obwohl beispielsweise relativ wenig Content vorliegt?

Dazu zählen dann natürlich auch Faktoren wie die Bounce Rate und die CTR. Dies wird ja schon seit Jahren vermutet und ist auch immer wichtiger. Parallel wird meiner Ansicht nach eben auch Content in anderen Formaten, nicht nur reinem Text, sondern z. B. immer mehr Bilder, Suchfunktionen und vor allem Videos, eine höhere Relevanz erlangen und die Grundlage für die Bewertung wird das tatsächliche Userverhalten sein. Diese Daten haben sie ja schon seit jeher, es geht nur um die Auswertung und die Art der Interpretation. Insgesamt wird man somit bessere Rankings bei Google erzielen, wenn man dem Suchenden genau das Ergebnis liefert, nach dem er gesucht hat – und zwar unabhängig von der Art des Contents.

Christian Vollmert: Es wird spannend sein zu sehen, wie sich der Einfluss von Google+ und der personalisierten Suche mittelfristig auf das Ranking auswirken. Wenn Treffer herabgestuft oder als irrelevant gemeldet werden können – wie wird Google dies in das generelle Ranking einfließen lassen?

Marco Janck: Ich glaube, dass es immer individueller wird und auch wesentlich mobiler. Die Ergebnisse von morgen werden Daten direkt zum Suchenden liefern – ohne, dass dieser aktiv danach gesucht hat. Gewohnheits- und Timeline-Analysen werden jeden einzelnen mit Informationen versorgen.

Marcus Obermeier: Nach den Updates des vergangenen Jahres glaube ich nicht, dass wir in nächster Zeit noch drastischere Veränderungen sehen werden als in den vergangenen Monaten. Google wird jedoch seinen Weg konsequent fortsetzen und dabei immer das Ziel verfolgen wird, die besten Suchergebnisse oben zu ranken. Hier wird es sicherlich auch weiterhin immer wieder größere und kleinere Updates geben. Es ist davon auszugehen, dass Google auch in den nächsten Monaten weiter gegen unnatürliche Links und Linkkauf vorgeht. Je nachdem, in welcher Branche man sich bewegt, wird man sicherlich noch erhebliche Verschiebungen in den SERPs verzeichnen können.

Sören Bendig: Wir hatten zur Campixx 2012 eine umfangreiche Google-Linkshare-Analyse gefahren und untersucht, wie der Anteil von Links auf sich (Google) selbst im historischen Verlauf Änderungen unterlag. Anhand der Daten konnte man sehr schön erkennen, dass Google den eigenen Anteil systematisch weiter ausbaut, indem z. B. Kategorieseiten angelinkt werden und der Link aus einem Universal-Search-Ergebnis nicht nach draußen führt, sondern auf Google selbst. In Vorbereitung auf weitere Verticals bzw. Instant Answers kann ich mir für die Zukunft da noch so einiges an vorbereitenden Updates vorstellen.

Richard Maier: Für mich denkbar wäre eine drastische Entwertung vieler bisher genutzter Linkquellen mit Ausnahme von Links sogenannter Trusted Sites. Darüber hinaus halte ich eine noch stärkere Aufwertung der Social-Media-Empfehlungen und entsprechender Links für ratsam, da diese unmissverständlich Aufschluss über den tatsächlichen Nutzen einer Webseite und deren Inhalt gibt. Würde dies umgesetzt werden, wären die Betreiber der Webseiten quasi in der Pflicht, den Usern hochwertigen und sinnvollen Content bereitzustellen, um zu erzielen, dass darüber gesprochen wird und um positive Resonanz zu erhalten.

 

Welche Äußerung von Google hat Dich in diesem Jahr besonders überrascht?

Marcus Obermeier: Besonders überrascht hat mich nicht unbedingt eine Äußerung von Google, sondern die Tatsache, dass Google dem Webmaster mit dem Disavow Links Tool die Möglichkeit gegeben hat, mitzuteilen, welche Links gewertet werden sollen und welche nicht. Bing hatte zwar schon Ende Juni in den Bing Webmaster Tools die Möglichkeit eröffnet, Links zu entfernen, aber ich hatte bezweifelt, dass Google hier tatsächlich nachziehen würde, da dieses Tool auch einige Möglichkeiten zur Manipulation – wie beispielsweise das Testen von Links – bieten kann.

Olaf Kopp: Ich finde den „offenen“ Umgang von Google bezüglich der Search Quality Updates sehr überraschend. Immerhin kommunizieren sie seit dem Frühjahr mit der Veröffentlichung Ihrer monatlichen Search Quality Updates mit welchen Themenbereichen sie sich gerade beschäftigen.

 

Glaubst Du allen Äußerungen, die von Google – vor allem von Matt Cutts – kommen? Welchen glaubst Du nicht?

Marco Janck: Matt wird von SEOs immer als der Lügner und Schauspieler hingestellt. OK, vielleicht verbiegt er in Teilen ein wenig die Wahrheit, aber man kann ihm nicht vorwerfen, dass er uns SEOs keine Richtung vorgegeben hat. Er hat Ankündigungen immer Taten folgen lassen. Wer ihm also immer intensiv zuhört, wird die Feinheiten in seinen Formulierungen herausarbeiten können. Die Ziele sind klar und wenn man dies in Einklang zu den wirtschaftlichen Interessen bringt, ergibt sich ein Gesamtbild.

Marcus Obermeier: Bei den Äußerungen von Matt Cutts handelt es sich, zumindest teilweise, um strategische Aussagen, die dazu geeignet sind, in der SEO-Scene für Unruhe zu sorgen. Man hat oft das Gefühl, dass die eine oder andere Ankündigung von Matt Cutts nur veröffentlicht wird, um die SEO-Scene in bestimmte Richtungen zu leiten und um Trends, die Google stören, zu stoppen. Ich würde nicht so weit gehen, einzelnen Äußerungen von Matt Cutts nicht zu glauben. Wichtig bei seinen Äußerungen ist es, zwischen den Zeilen zu lesen und zu analysieren, warum er etwas sagt. Gelingt es ihm z. B. durch eine Äußerung, Trends und Praktiken der SEO-Scene so zu beeinflussen, dass der ursprüngliche Grund für eine Verlautbarung wegfällt, ist es durchaus möglich, dass Google in bestimmten Dingen gar nicht mehr handelt, da es ja nicht mehr notwendig ist.

Benedikt Illner: Die erhöhte Schlagzahl bei den Veröffentlichungen bzw. Äußerungen seitens Google, vor allem durch Matt Cutts, ist mitunter schon sehr merkwürdig. Viele Themen, die in den Videos angesprochen werden, sind zwar für viele Webmaster durchaus hilfreich, Tweets oder sonstige Publikationen manchmal aber hinterfragenswert. Grundsätzlich sollte man vor allem bei den Aussagen über den Einfluss der neuesten Veränderungen am Algorithmus kritisch sein und nicht allem Glauben schenken, was dort erzählt/geschrieben wird.

 

Welches neue SEO-Tool oder welcher neue Teil eines Tools hat Dich 2012 am meisten begeistert?

Marco Janck: Ich habe mich sehr über die Veränderungen in der Searchmetrics Suite 6 gefreut, die es Usern ermöglichen, Keywords auf Basis von Tags zu beobachten. Die Zielerstellung in Themenwolken hat einen sehr hohen Hebel. Grundsätzlich erfreue ich mich an der Tatsache, dass viele Tools in Sachen Visualisierung ein Stück vorangekommen sind. 

Marcus Obermeier: Besonders begeistert hat mich OnPage.org. Das Tool ermöglicht eine schnelle Ist-Analyse hinsichtlich der OnPage-Optimierung und zeigt die größten „Baustellen“ auf, um schnell Optimierungspotenziale zu finden. Neben der Status-Analyse ist aber besonders die Möglichkeit eines permanenten Monitorings einer Webseite interessant. Wofür man früher oftmals eine Vielzahl von verschiedenen Analyse-Tools einsetzen musste, findet man nun vielfältige Informationen innerhalb eines Tools.

Sören Bendig: Als CEO von SEOlytics hat mich das begeisterte Feedback zu unserer kostenlosen Starter Version umgehauen! Von allen Seiten erhalten wir große Zustimmung und die Anmeldezahlen übertreffen nach wie vor unsere Erwartungen.

Richard Maier: Am meisten beeindruckt hat mich Xovi. Weitere Tools wurden getestet, sorgten im Vergleich jedoch für weniger Begeisterung. Insbesondere die Möglichkeiten der Datenaufbereitung, der Handhabung sowie die Weiterentwicklung zwecks Anpassung an aktuelle, teilweise durch Google initiierte Anforderungen lassen mich für Xovi eine volle Empfehlung geben. Ein weiteres Plus des Tools ist der Preis. 

Benedikt Illner: Aktuell sind es ja gerade die Onsite-/Onpage-Analyse-Tools, die in den Fokus vieler Webmaster rücken. Onpage.org, Strucr oder auch der Sistrix Optimizer sind dabei sicherlich für viele Webseitenbetreiber hilfreich, um strukturelle Probleme auf der eigenen Seite zu identifizieren und anschließend auch step by step beheben zu können. Aber auch Tools wie der Screaming Frog SEO Spider oder das Microsoft SEO Toolkit, die es schon seit einiger Zeit gibt, stehen diesen Programmen in nichts nach.

 

Ist der SEO-Markt in 2012 erwachsener geworden? Falls ja, in welcher Hinsicht?

Eric Kubitz: Wenn man die Themen auf den Konferenzen anschaut, ist er nur ein klein wenig erwachsener geworden. Immerhin: Statt wie bisher nur in den Vorträgen über Linkaufbau zu sitzen, besuchen die Teilnehmer auf Konferenzen jetzt Vorträge darüber, wie man Content aufbaut – mit dem man Links aufbaut. Das ist nur ein kleiner Fortschritt. Aber wie man seine Besucher begeistert oder wie man SEO-Projekte in Unternehmen organisiert, wird meist nicht einmal als Vortrag angeboten.

Daniel Lehmann: Der SEO-Markt hat 2012 wieder mehr an Transparenz gewonnen. Durch die zahlreichen Tools kann eigentlich fast jedermann einen groben Überblick über die SEO-Performance einer Webseite erlangen. Dadurch sollte eigentlich der Schwarz- und Grau-Bereich abnehmen, wobei sich das sicher noch hinziehen wird. Insgesamt ist es natürlich immer wichtiger, SEO im Zusammenhang mit allen Online-Marketing-Kanälen zu sehen, wodurch SEO einen enorm wichtigen Stellenwert einnimmt und folglich auch etwas „erwachsener“ und seriöser wird.

Christian Vollmert: Ja, auf jeden Fall. Die Anforderungen im SEO-Markt wachsen in Richtung Kommunikation und Marketing. Der Austausch mit Kunden, Internet- und Media-Agenturen wird entscheidend sein für erfolgreiche SEO Projekte. Einzelkämpfer haben es immer schwerer, sich am Markt zu behaupten – Teamwork ist gefragt!

Marcus Obermeier: Der SEO-Markt hat sich durch die diversen Updates in letzter Zeit deutlich verändert. Im SEO-Bereich funktionieren heute viele Dinge nicht mehr so, wie in den letzten Jahren. Googles verstärkter Kampf gegen unnatürliche Links und Linknetzwerke hat zum einen dazu geführt, dass das Linkbuilding vieler SEOs deutlich seriöser geworden ist und mehr Wert auf Strategie gelegt wird. Zum anderen kann man eine  Rückbesinnung auf Onpage-Optimierung feststellen. Auch Themen wie interne Verlinkung sind wieder deutlich mehr in den Fokus der SEO-Optimierung gerückt.

Olaf Kopp: Auf den ersten Blick sieht es so aus. Onpage- und Content-Marketing-Themen haben in der zweiten Jahreshälfte 2012 die Blogs und Konferenzen beherrscht. Reine Linkaufbau- oder Black-Hat-Themen werden immer weniger behandelt. Da dies alles nur unter dem Panda- und Penguin-Druck vom Erziehungsberechtigten Google geschehen ist, muss man abwarten, ob der SEO-Markt nur von Google zurechtgewiesen oder auch tatsächlich erwachsener oder sogar weiser geworden ist. Jetzt z. B. zu behaupten, dass Onpage wichtiger geworden ist,  halte ich für falsch, da Onpage ist immer schon wichtig war. Das Gleiche gilt für Content. Wenn man auf das achtet, was Google dem Nutzer in den SERPs bieten möchte, und Nachhaltigkeit als oberste Prämisse in der Suchmaschinenoptimierung sieht, ist man weiterhin auf der sicheren Seite. SEO nach dem Motto „Quick and Dirty“ zu betreiben, wird zukünftig noch weniger Erfolg bringen. Wer das nicht berücksichtigt, ist nicht erwachsen und erst Recht nicht weise.

Sören Bendig: Im vergangenen Jahr wurden die SEO-Aktivitäten weiterhin professionalisiert. Ja, die SEO-Szene hat sich weiter entwickelt und ist wieder ein Stück erwachsener geworden. Damit einher geht auch eine andauernde Bereinigung der Agenturlandschaft, die sich 2013 wohl noch deutlicher fortsetzen wird.

Richard Maier: Für die meisten Webseitenbetreiber ist SEO inzwischen nicht mehr nur eine „Zauberei“, sondern ein ernst zu nehmender Bestandteil eines erfolgreichen Marketingkonzeptes. Darüber hinaus haben viele Agenturen erkannt, dass eine ehrliche und transparente Kommunikation den Kunden davon überzeugt, dass gute SEO nicht nur messbar, sondern auch eine überschaubare Investition ist, die sich vielfach auszahlt. Meines Erachtens konnte sich die SEO-Branche von einem gewissen Negativ-Image lösen, vor allem, weil die „schwarzen Schafe“ durch die Updates in ihre Schranken verwiesen wurden. Dass es künftig nur „weiße Schafe“ geben wird, davon sollte zwar nicht ausgegangen werden. Dennoch werden sich Seriosität, Aktualität und mit dem nötigen Know-how gepaarte Transparenz nach und nach durchsetzen. Schließlich wissen die meisten Webseitenbetreiber heute sehr genau, worauf sie bei der Auswahl einer Agentur achten sollten.

Benedikt Illner: Der SEO-Bereich rückt Jahr für Jahr immer weiter in den Fokus vieler Unternehmen und erfordert gerade von den SEO-Dienstleistern und -Agenturen mit Sicherheit immer mehr Professionalität. Vor allem, wenn es darum geht, Potenziale aufzuzeigen und dem Kunden ein Gefühl dafür zu vermitteln, was man mit einer gut optimierten Webseite bzw. einem gut strukturierten und auch für den Nutzer benutzbaren Shop so alles erreichen kann. Viele neue Agenturen kommen auf den Markt und fordern die gestandenen Anbieter heraus, was für die Kunden letztendlich nur positiv sein kann. Wie in jedem anderen Umfeld gibt es aber auch im SEO-Bereich die „schwarzen Schafe“, die es den seriösen Dienstleistern schwerer machen, Kunden zu (re-)animieren, Budget in diesen Online-Marketing-Kanal zu investieren.

 

Welche SEO-Konferenz war für dich die wichtigste in 2012? Warum?

Eric Kubitz: Die SEOCampixx. Dort passiert am meisten.

Marcus Obermeier: Ohne selbst dabei gewesen zu sein, muss man hier wohl das SEOktoberfest von Marcus Tandler nennen. Es gibt weltweit keine andere Konferenz, die derart hochkarätig besetzt ist. Die Top-Qualität schlägt sich dabei aber auch im Preis nieder.

Sören Bendig: Die SMX Advanced in Seattle war 2012 sicher eine der besseren Konferenzen. In Deutschland hebt sich die SEO Campixx von der Masse der SEO-Events ab, da Marco Janck mit der im Barcamp-Style konzipierten Veranstaltung immer versucht neue Impulse zu setzen.

Benedikt Illner: Neben der SEO Campixx hat mich in diesem Jahr vor allem der SEO Day positiv überrascht. Neben den wirklich tollen Speakern konnte man dort auch ein durchweg gut gemischtes Publikum antreffen – von Experten aus den verschiedenen Bereich des Online Marketings bis hin zu interessierten Unternehmen, sowohl aus dem Online- als auch Offline-Bereich. Gerade für Agenturen und Dienstleister boten sich somit gute Möglichkeiten, sich zu präsentieren und den einen oder anderen Kontakt herzustellen. Spannend wird mit Sicherheit auch die SEOkomm.

 

Wie schätzt Du die Marktdurchdringung von Google+ ein? Wird die sich in 2013 noch weiter verbessern?

Eric Kubitz: Auf jeden Fall. Google muss Google+ groß machen! Allerdings bin ich darüber verblüfft, wie phantasielos daran gearbeitet wird ...

Daniel Lehmann: Google hat eine sehr große Datenbasis und eine beachtliche Anzahl an User insgesamt. Es ist zudem ja nicht einfach eine Kopie anderer Social Networks, sondern ein eigenständiges Produkt und somit ist hier auch Koexistenz möglich. Alles in allem, ist es nun mal ein langwieriger und schwieriger Prozess, aber ich denke Google+ wird seinen Marktanteil weiter ausbauen.

Marco Janck: Ich sehe für Google+ abseits des Marketings und der Vernetzung kaum echte Chancen, Facebook gefährlich zu werden. Es fehlt der Charme, einen Massenwechsel der User zu erzeugen.

Olaf Kopp: Ich denke, dass Google+ weder 2013 noch 2014 den Tipping Point zur gesamtgesellschaftlichen Akzeptanz erreichen wird. Google+ wird 2013 allerdings Twitter aus dem Markt verdrängen und deren Zielgruppe übernehmen. Facebook wird weiterhin mit großem Abstand das soziale Netzwerk bleiben. Interessant wird dabei werden, wie lang Googles Atem beim Projekt Google+ ist und ob sie in 2013 ihre Ziele nach unten korrigieren müssen.

Stefan Fischerländer: Noch ist die Durchdringung außerhalb der Techie-Szene bescheiden. Google+ wird sich zwar auch 2013 weiter ausbreiten, aber bis zum echten Facebook-Konkurrenten ist es ein weiter Weg. Ich glaube erst dann an den Erfolg von Google+, wenn die örtliche Landjugend ihre Termine dort veröffentlicht – bei Facebook tut sie das schon seit längerem.

Richard Maier: Google+ hat zwar einen guten Start hingelegt, erfährt allerdings bisher nicht das Interesse und die Aufmerksamkeit der User, wie es sich Google wahrscheinlich wünscht, um Facebook eine ernst zu nehmende Konkurrenz zu sein. Der Hype blieb bislang noch aus. Grund hierfür mag sein, dass teilweise nicht alle Funktionen für jedermann verständlich genug bzw. selbsterklärend sind – und das, obwohl viele Features sehr positiv bewertet werden können. Ich hoffe deshalb, dass sich Google+ weiter verbessert.

 

Was fehlt Google+ Deiner Meinung nach, um zum Marktführer Facebook aufzuschließen?

Marcel Becker: Echte Leute, die nicht aus dem Online-Marketing kommen ;-)

Eric Kubitz: Der Plattformgedanke, also etwa eine API für die Bedienung und die Möglichkeit, G+ Threads als Forum auf die Webseiten zu holen.

Olaf Kopp: Bei all den Äußerungen aus der Online-Szene zu Google+ fehlt mir hierbei der Blick über den gesellschaftlichen Tellerrand. Google+ mag technisch ausgefeilter als Facebook sein, aber den Großteil der Internetnutzer interessiert das nur peripher. Der Sinn eines sozialen Netzwerks ist nun mal die Interaktion mit dem sozialen Umfeld und nicht die Freude über tolle Funktionen. Facebook ist nicht durch Funktionen groß geworden, sondern durch die Erreichung einer gesellschaftlich kritischen Masse an Usern auch außerhalb der Online-Szene. 

Richard Maier: Es fehlt die Masse an Menschen, die sagen, dass es Spaß macht, bei Google+ unterwegs zu sein und sich dort mit Freunden auszutauschen. Google+ muss noch kennen gelernt werden. Es besitzt noch nicht das Image, unverzichtbar zu sein bzw. weiß man heute noch nicht, weshalb man Facebook „aufgeben“ sollte und zu Google+ wechseln, weshalb es momentan wohl nur wenige gegen Facebook austauschen wollten. 

Benedikt Illner: Die breite Masse an Nutzern! Wenn ich mir vorstelle, dass viele der aktuellen User von Facebook mit Sicherheit eine lange Zeit gebraucht haben, um sich überhaupt dort anzumelden, sei es aus Sicherheitsbedenken oder auch einfach wegen Schwierigkeiten im Umgang mit dem Medium Internet, so wird diese Menschen auch ein Suchmaschinen-Riese wie Google nicht so einfach anlocken bzw. animieren können. Für viele Nutzer ist Facebook vielleicht das erste soziale Netzwerk, bei dem Sie auf einen Schlag mit vielen hundert Menschen verbunden sind, für andere wiederum schon das dritte oder vierte. Stellen Sie sich vor, Sie sollten einem eher „analogen“ Bekannten nun beibringen, das Netzwerk zu wechseln, weil es da diese Hangouts gibt. Das wird nicht so einfach funktionieren, alleine weil viele seiner Bekannten eben auch nur bei Facebook aktiv sind. Bei Google+ tummeln sich gefühlt eher internetaffine Menschen, die sich entweder aufgrund der Social-Signals-Debatte ein gutes G+-Profil „ercirclen“ wollen oder sich angemeldet haben, um sich mit Menschen aus der Internet-/Marketing-Szene zu vernetzen. Auch viele Unternehmens-Profile wurden nur Places wegen angelegt. Ich selbst habe mich zwar auch bei Google+ angemeldet und mein Profil eingerichtet, bin aber bisher kein aktiver Nutzer geworden. So geht es anscheinend selbst einigen Google-Mitarbeitern: Nach einem Vortrag zweier Googleaner kam die Frage nach den Möglichkeiten der Vernetzung mit Ihnen auf. Beide gaben zu, G+ nicht wirklich nutzen und verwiesen auf Twitter.

 

Allgemeine Frage: Was glaubst du wird sich in 2013 in Bezug auf SEO verändern?

Eric Kubitz: Es wird sich mal wieder alles und gar nichts ändern! Wir werden auch 2013 jeden Monat über neue Themen sprechen, technische Neuentwicklungen testen und über Korrelation und Kausalität streiten. Und trotzdem bleibt die Hauptarbeit unverändert: Du versuchst, dem Crawler eine technisch ordentliche Seite mit möglichst gutem Content anzubieten und kümmerst dich um deren Popularität. 

Marco Janck: SEO wird sich 2013 noch mehr auf die Menschen zu bewegen müssen. Klicks werden in aller Regel von Menschen ausgelöst. Es geht also um Menschen. Dessen müssen sich SEOs wieder bewusster werden. Big Data ist ein Weg, aber nach meiner Meinung der falsche.

Marcus Obermeier: Soziale Signale und lokale Suchergebnisse werden unserer Meinung nach in 2013 deutlich an Bedeutung gewinnen.

Sören Bendig: Der Trend zur „Natürlichkeit“ im Online-Marketing, speziell im Linkbuilding, wird sich im kommenden Jahr fortsetzen und verstärken. Durch Googles zunehmende Update-Dichte sehen wir zudem einen Trend zu ausgefeiltem SEO-Controlling und -Monitoring mit hoher, valider Datenqualität und kurzen Aktualisierungsintervallen.

Richard Maier: Ich erwarte eine Abwertung herkömmlicher und bis dato häufig genutzter Linkquellen. Außerdem rechne ich mit einer starken Aufwertung von qualitativ hochwertigem Content, Social Media Links und Kundenbewertungen. Diese drei Faktoren werden künftig wahrscheinlich den größten Einfluss auf das Ranking haben. Weil der User von meiner Seite überzeugt sein muss und nicht die Suchmaschine, wird wohl außerdem der aktuell teilweise noch übertriebene Linkaufbau entfallen. Einen Nachteil erkenne ich in dem dadurch entstehenden größeren finanziellen und teils noch zeitintensiveren Aufwand für die Webseitenbetreiber. Eine prominente Platzierung können sich in einigen Sparten künftig vielleicht nur noch große Unternehmen leisten.

 

 

Porträt Jan Büchter
Über den Autor

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

E-Mail: markus@suchradar.de
Markus Hövener (@bloonatic) bei Twitter: Follow bloonatic on Twitter