Linkbait in der Praxis: Wie hochwirksame Links entstehen

Wie lässt sich die maximale Anzahl an Links aus einer Linkbait-Aktion herausholen? Ein anonymisierter Case-Study-Bericht. Von Saša Ebach.

Gerade in Anbetracht der aktuellen – von Google immer strikter durchgesetzten – Verlinkungsrichtlinien und den daraus resultierenden Abstrafungen, steigt das Interesse an qualitativ hochwertigem, organischem Linkaufbau immer mehr. Denn „gute Links“ verstoßen nicht gegen die Richtlinien und bieten langfristig gute Rankings.

Dieser Artikel identifiziert anhand von zwei anonymisierten Fallstudien die drei wichtigsten Faktoren für erfolgreiche Linkbait-Aktionen.

 

Einigkeit und Recht und Freiheit

Gemeint ist: Langfristigkeit und Stabilität und Unanfechtbarkeit. So sollte die Hymne des Linkaufbaus beginnen. Nur wenn ein Link diese Kriterien erfüllt, kann er seinen maximalen Wert entfalten. Im Einzelnen ist damit gemeint:

  • Langfristigkeit: Ein natürlicher Link hat keine Laufzeit. Er existiert im Prinzip für immer.
  • Stabilität: Was für immer währt, das erzeugt Stabilität.
  • Unanfechtbarkeit: Wenn Google einen Link manuell oder algorithmisch prüft, dann sollte nach der Prüfung ganz klar feststehen, dass dieser Link 100 % legitim ist.

Solche Links entstehen aber nur selten von selber, so dass es wichtig ist, die richtigen Inhalte zu erstellen und dann die richtigen Website-Betreiber anzusprechen. Dieses Wissen hat sich auch in den letzten Jahren durchgesetzt:

  • Die richtigen Tools und Techniken zur Findung von Linkquellen (Websites von potenziellen Linkgebern) sind bekannt.
  • Was verlinkungswürdiger Inhalt „bedeutet“, ist verstanden.
  • Die Theorien von Cialdini & Co (z. B. aus dem Buch „Die Psychologie des Überzeugens“) sind kein Rätsel mehr und finden regelmäßige Anwendung.
  • Die Linkanfragen sind korrekt formuliert, für den jeweiligen Empfänger individualisiert. Sie werden am richtigen Tag in der Woche und zur richtigen Tageszeit versendet.

Alles perfekt – und dennoch funktioniert es oft nicht richtig. Die Anzahl der versandten Link-Anfragen steht in keiner Relation zu den tatsächlich aufgebauten Links. Obwohl all die oben genannten Punkte äußerst wichtig sind, scheinen noch Teile in diesem Puzzle zu fehlen, die es erlauben, wirklich erfolgreich mit Link-Anfragen zu sein.

 

Puzzleteil 1: Die entkommerzialisierte Zone
Abbildung 1: Einfluss der Website auf die Anzahl der Rückmeldungen

Der Begriff „entkommerzialisierte Zone“ (EKZ) macht jetzt seit einiger Zeit die Runde. Wer sich mit Linkaufbau beschäftigt, wird davon gehört haben. Die EKZ verhindert, dass potenzielle Linkgeber das Gefühl bekommen, die Website des Anfragenden wolle einfach nur mehr Geld verdienen.

Pierre Kurby hat dazu einen kleinen Test durchgeführt, dessen Ergebnisse jeder nachvollziehen kann. In „Gastartikelmarketing funktioniert“ testet er jeweils 50 Linkanfragen von drei verschiedenen Websites: einem Online-Shop, einem Portal mit Werbung und einem Portal ohne Werbung (siehe Abbildung 1).

Die Mini-Studie bestätigt auch die eigenen immer wieder gemachten Erfahrungen: je kommerzieller das Projekt, desto weniger Antworten auf Linkanfragen. Je weniger Antworten, desto weniger Links.

Abbildung 2: Kommerzielle Website verlinkt unscheinbar auf EKZ

Für die meisten Unternehmens-Websites bedeutet dies folglich, dass sie – neben dem notwendigen kommerziellen Bereich – eine EKZ brauchen. Ein sehr gutes Beispiel für eine solche EKZ ist das Blog des Student-Travel-Anbieters Stepin (www.stepin.de).

Die kommerzielle Startseite des Anbieters ist attraktiv, versucht jedoch auch „Geld zu verdienen“. Nur über einen unscheinbaren Link oben (grüner Pfeil, siehe Abbildung 2) erreicht man eine EKZ. Das Magazin „Weltneugier“ bietet sehr viele, gut gemachte Artikel. Wer sich die Liste der Inhalte ansieht, der stellt schnell fest, dass sie in diesem Bereich ganz klar nicht versuchen, etwas zu verkaufen. (Damit ist natürlich nicht behauptet, dass Stepin die Weltneugier als EKZ zum Linkaufbau verwendet.)

Es muss jedoch nicht immer ein ganzer Blog sein. Wenn noch nicht klar ist, dass deutlich mehr als zwei bis drei Linkaufbau-Inhalte produziert werden, dann reicht es unter Umständen aus, diese Inhalte einfach auf eigene Landing Pages zu platzieren. Denn wer ein Blog in ein Verzeichnis installiert, weckt die Erwartung, dass darin jetzt regelmäßig etwas (zwischen den Linkaufbau-Inhalten) passiert. Dieser Aufwand sollte allerdings sorgfältig erwägt werden, denn jeder Zusatzaufwand kostet Geld, welches vielleicht besser in der Link-Kampagne investiert wird.

 

Abbildung 3: Die EKZ auf www.stepin.de
Puzzleteil 2: Der Nutzwert übertrumpft ALLES

„Content is king“ heißt es immer so schön. Dies suggeriert, dass guter Content notwendig ist, um gute Links aufzubauen. Grundsätzlich stimmt dies, wobei das Wort „gut“ im Zusammenhang mit einem Content, der speziell für eine Linkbait-Kampagne erschaffen wird, zuerst qualifiziert werden muss.

Es gibt nämlich sehr viele Beispiele für Content, der wirklich gut ist, der aber dennoch kaum eine Chance auf Verlinkung hat. In der Praxis zeigt sich zudem immer wieder, dass es mehr auf den Nutzwert ankommt, als auf alles andere. Hat der Content einen wirklich hohen Unterhaltungswert, so wird er heutzutage gerne über Videoportale und/oder Social Media verbreitet. Das ist zwar cool, bringt aber kaum Links.

An einem einfachen Headline-Beispiel erkennt man den Unterschied:

  • Hoher Unterhaltungswert: 10 Inseln, die durch Global Warming vom Untergang bedroht sind
  • Hoher Nutzerwert: 10 Medikamente, die sie für Ihre Afrika-Safari nicht vergessen dürfen

Der erste Artikel zielt darauf ab, den Leser auf eine makabere Art und Weise zu unterhalten. Wer an sowas Spaß hat, der verbreitet den Artikel bestimmt auch gerne auf Twitter, Facebook & Co.

Der zweite Artikel ist als konkrete Hilfe für Afrika-Reisende gedacht. In ihm könnten Informationen enthalten sein, die einem vielleicht das Leben retten. Als solcher passt er auch viel besser zu Portalen, die sich ebenfalls mit dem Thema Reisen und medizinische Versorgung beschäftigen.

Wann ist ein hoher Nutzwert gegeben? Immer dann, wenn der Konsument des Inhaltes etwas lernt, was ihn dazu in die Lage versetzt, durch Anwendung des erlernten Wissens, in Zukunft deutlich bessere Ergebnisse zu erzielen.

 

Case-Study: Zwei Linkbaits

Im Folgenden werden zwei Linkbaits vorgestellt, bei denen die Grundvoraussetzungen gleich sind: Beide Linkbaits haben ungefähr die gleiche „Content-Qualität“, die Linkanfragen basieren auf der gleichen Vorlage – und dennoch erzielen die beiden Inhalte dramatisch unterschiedliche Ergebnisse.

Die Linkanfrage für den ersten Linkbait zum Thema „Koffer packen“ sah wie folgt aus:

Sehr geehrter Herr xxx,

mein Name ist Michaele Kunze und ich bin Redakteurin des Magazins "Reiseblog".

Nun haben wir eine kostenlose Illustration erstellt, die das schrittweise Vorgehen beim Kofferpacken zeigt, um als Ergebnis einen sauber und ordentlich gepackten Koffer zu erhalten:
(Link)

Sollte diese Illustration auch für die Besucher Ihrer xxx-Site interessant sein, würde ich mich über einen Verweis auf die Illustration sehr freuen. Vielleicht als weiterführende Information Ihres Artikels xxxx:
(Link von bestehender Seite, falls vorhanden)

Ich freue mich auf Ihre Antwort.

Liebe Grüße aus (dem heute sonnigen) Hamburg nach xx

Michaela Kunze
Redaktion Magazin "Reiseblog"
 …

Auf diese Anfrage gab es z. B. die folgende Antwort:

Hallo Frau Kunze,

danke für den Hinweis.
Gerne können wir uns über einen Artikel- bzw. Linktausch unterhalten. Wir haben einige Reiseseiten im Portfolio.

Netten Gruß,

Alle anderen Antwort-Mails hatten einen ähnlichen Wortlaut/eine ähnliche Botschaft. Statt einen Link zu setzen, kam leider nur ein „Tauschangebot“ zurück. Insgesamt gab es auf 80 Anfragen elf Antworten, von denen zehn Linktausch-Angebote waren.

Wenn diese Linkbait-Kampagne eine Schulnote erhalten würde, wäre das wohl eine 4-. Immerhin gab es aber die Option zum Linktausch, der sich wahrscheinlich auch ohne aufwendige Content-Produktion bewerkstelligen lässt. Insgesamt ist das Ergebnis aber eher enttäuschend.

Eine Infografik zum Thema Kofferpacken hat definitiv einen Nutzwert. Gemessen am Grad der freiwilligen Verlinkung scheint dieser aber leider nicht so hoch wie erhofft.

 

Linkbait 2: PDF-Ratgeber – Kindern den Umgang mit Geld beibringen (anonym)

Für die zweite Linkbait-Aktion wurde mit folgenden E-Mails angefragt:

Sehr geehrter Herr xxx,

mein Name ist Sonja Burg und ich bin Redakteurin des Ratgeberportals …. Nun haben wir eine kostenlose Broschüre als Download herausgebracht: (Titel)

Diese Broschüre enthält Tipps und Empfehlungen für Eltern und Pädagogen, wie man Kindern einen sinnvollen Umgang mit Geld vermitteln kann:
(Link)

Sollte diese Broschüre auch für die Besucher Ihrer xxx-Site interessant sein, würde ich mich über einen Verweis auf die Broschüre sehr freuen. Vielleicht als weiterführende Information Ihres Artikels xxxx:
(Link von bestehender Seite, falls vorhanden)

Ich freue mich auf Ihre Antwort.

Liebe Grüße (aus dem heute sonnigen Berlin) nach xx

Sonja Burg
Redaktion Magazin
 …

Diese Aktion war deutlich erfolgreicher und brachte u. a. Links von Websites wie www.erzieherin.de, www.schule.at, www.familienhandbuch.de, vaeter.nrw.de und vielen anderen. Insgesamt resultieren aus 80 Anfragen mehr als zwölf gute Verlinkungen.

 

Lerneffekt

Eine Ratgeber-Broschüre zum Thema „Geld und Kinder“ scheint einen deutlich höheren Nutzwert zu haben. Wie man einen Koffer effizient packt, ist bestimmt auch nützliches Wissen. Das Wissen kann man immer dann anwenden, wenn eine Reise ansteht. Für die meisten Menschen ist das kein alltägliches Phänomen und daher kein Problem mit einer großen Tragweite.

Wer jedoch den Umgang mit Geld im frühen Alter erlernt, der hat im ganzen Leben etwas davon. Entsprechend „wertvoll“ ist dieses Wissen für Eltern und Pädagogen und so erklärt sich auch die Liste der Linkgeber, die allesamt in diese Kategorie fallen.

 

Puzzleteil 3: Auf die Linkerati kommt es an

Ist es nur der Nutzwert, der die Linkgeber dazu bewogen hat, den Ratgeber mit einem Link zu belohnen?

Die Erfahrung zeigt, dass ein hoher Nutzwert alleine nicht reicht. Ein Artikel mit einer Anleitung zur Erstellung feinster Häkelmuster mag einen unglaublich hohen Nutzwert für Häkelfans haben. Wer jedoch drei Minuten in die Recherche nach Häkelfans investiert, stellt schnell fest, dass es einige davon gibt. Sie unterhalten sich auch ausgiebig in den entsprechenden Foren und tauschen Häkelmuster aus.

Es gibt jedoch nur sehr wenige, die internetaffin genug sind, um neben ihrer Recherche nach Mustern auch selbst eine Website zu betreiben. Das ist ja gerade die Grundvoraussetzung dafür, dass sie auch selbst verlinken können. Die Linkzielgruppe (Linkerati) muss im gegebenen Bereich erstens groß genug sein und darüber hinaus unbedingt so etwas wie einen Lehrauftrag haben oder eine Botschaft vermitteln wollen.

Die Infografik „Koffer packen“ richtet sich an Seitenbetreiber aus dem Reiseumfeld. Von diesen gibt es unglaublich viele. Die Motivation dieser Seitenbetreiber liegt zumeist auf der Hand. Sie wollen Geld verdienen und wissen genau um den Wert eines Links. Es ist auch nicht ihre Mission, andere Menschen zu „erziehen“.

Der Ratgeber richtet sich hauptsächlich an Pädagogen und Eltern(-sites). Die Menschen hinter diesen Portalen haben einen Lehrauftrag. Es ist ihr Job und fast schon ihre heilige Pflicht, ihre Leser mit wichtigen Informationen zum Thema zu versorgen. Dass diese Linkgeber den Inhalt mit einem Link gewürdigt haben, ist bei näherer Betrachtung als selbstverständlich zu betrachten.

Schon bei der Ideenfindung kommt es demnach darauf an, das Thema bereits vor Produktion auf die Linkerati-Qualität zu prüfen. Es reicht nicht, einfach nur eine große Interessenszielgruppe zu identifizieren. Zum geplanten Linkbait sollten sich wenigstens 50 potenzielle Linkgeber finden lassen, deren ausdrückliche Agenda es ist, regelmäßig wichtige Informationen an ihre Leser weiterzugeben.

Nur wer das beachtet, wird kontinuierlich erfolgreiche Linkaufbau-Kampagnen durchführen.

 

Fazit

Organischer Linkaufbau erfordert nicht nur eine gute Portion Kreativität, Kommunikationstalent und eine Auge für gute Inhalte. Wer z. B. erfolgreiche Linkbait-Aktionen durchführen möchte, der muss darauf achten, dass auch wirklich alle Voraussetzungen stimmen.

Demnach müssen erfolgreiche Kampagnen neben den Basics auch unbedingt

  • Inhalte mit sehr hohem Nutzwert produzieren, die
  • unbedingt echte Linkerati ansprechen und
  • auch in einem Bereich ohne kommerziellen Charakter platziert sind, damit die Linkerati nicht demotiviert werden.

Erst dann steht einem überwältigenden Linkaufbau-Erfolg nichts mehr im Wege.

 

 

Über den Autor

Saša Ebach ist leidenschaftlich, wenn es um das Thema Linkaufbau geht. Er vermittelt sein Wissen gerne auf Konferenzen und auch in einem speziellen LiveLinkBuilding-Workshop (http://livelinkbuilding.com).

Das vermittelte Wissen aus dem Workshop stammt aus der Praxis. Als Geschäftsführer bei VIPEX hat er schon viele organische Kampagnen betreut. Das Angebot der VIPEX findet sich unter BoxOfLinks (http://www.boxoflinks.com).

Auf Twitter verbreitet er täglich die wichtigsten News zum Thema Linkaufbau (@linkaufbau).