Die große SEO-Umfrage:
Was wird wichtig in 2012?

Das einzig Konstante in der SEO-Welt ist die Veränderung. Wie stellen sich SEOs daher auf das nächste Jahr ein? Worauf sollte man achten? Eine Umfrage. Von Markus Hövener.

Insgesamt neun Fragen mussten sich neun deutsche Online-Marketer stellen, um einen Ausblick zu ermöglichen. Dabei geht es vor allem um eine Veränderung der Prioritäten, um auch zukünftig in Suchergebnissen weit vorne zu erscheinen. Denn die Algorithmen von Google & Co. werden permanent angepasst. Immer neue Faktoren – in letzter Zeit vor allem soziale Signale und Qualitätskriterien – finden den Einzug in die Algorithmen, um so Ergebnisse zu liefern, die grundsätzlich immer schwerer zu manipulieren zu sind.

Unternehmen müssen sich und ihre Strategien also permanent anpassen. Die folgenden Antworten können dabei Orientierung geben. Was halten deutsche SEOs für wichtig? Und was ist nur ein Hype?

Die folgenden SEOs haben uns "die Meinung gesagt":

David Radicke, Radicke.com

Sören Bendig, SEOlytics GmbH

Thomas Zeithaml, Seoratio GbR

Marcus Tober, Searchmetrics GmbH

Olaf Kopp, SEM-Deutschland

Marco Janck, SUMAGO

Alexander Russ, addwert | Online Marketing

Philipp Köstner, Goldbach Interactive (Germany) AG

Richard Maier, Seosmart GmbH

Marcel Becker, rankingCHECK GmbH

 

Auf welchen Aspekt werden Sie in 2012 stärker achten als in 2011?

Marco Janck:
Ich werde mich noch mehr auf die Einzelfelder der Universal Search konzentrieren. Gerade die Bereiche lokale Suche, Google Shopping und Bildersuche sind mega-spannend und bewegen sich massiv. Die Bewertungsmuster der Suchmaschinen hinter den Einzelbereichen der Suchen zu ergründen wird auch in 2012 wieder für Spannung sorgen.

Marcus Tober:
SEO werden wir enger mit dem Produktmanagement verknüpfen. Da gibt es noch Optimierungsbedarf bei vielen Firmen. Gerade nach den vielen Google Updates in diesem Jahr ist deutlich geworden, dass eine reine technische Optimierung der Seite nicht mehr ausreicht.

Thomas Zeithaml:
Aktualität, Markenbildung und Besucherverhalten sind wohl die wichtigsten Themen für das nächste Jahr. Die aktuellen Updates von Google werden für den Bereich SEO neue Strategien mit sich bringen. So kann bspw. die Usability das Besucherverhalten und somit die auswertbaren Metriken verbessern. Durch Blogs oder Nachrichten zum Thema der Website kann der Faktor Aktualität besser bedient werden. Nicht zuletzt kann durch gezielte PR die Markenbildung angestoßen werden. 

Marcel Becker:
Auch wenn sich das Old School anhört: Es kommt auf saubere und klar erkennbare Strukturen mit ansprechenden Inhalten an. Denn nur so können User und Linkjuice am besten durch die Seite fließen. Wenn man sich viele große Brand Websites mal genauer ansieht, gibt es genau da noch einiges zu verbessern. Linkbuilding und Social Media sind und waren ganz klar die Buzz-Themen. Allerdings haben einige dadurch die Basics aus den Augen verloren. Und eins kann ich zweifelsfrei beweisen: Wenn man eine gute Website mit Struktur und gutem Content hat, dann wirken die Links auch besser.

Olaf Kopp:
Wir werden im nächsten Jahr SEO & SEA noch mehr aufeinander abstimmen, um Synergien zu erkennen und zu nutzen. Zudem werden wir die Bereiche Social Media und SEO PR noch weiter in unsere Strategien mit einbeziehen.

Philipp Köstner:
Im abgelaufenen Jahr wurde nochmals sehr deutlich, welches Gewicht Google bei der Ermittlung der Rankings auf das User-Verhalten legt. Eine der wichtigsten Aufgaben im kommenden Jahr wird es sein, die Kunden dafür noch stärker zu sensibilisieren. In den Prozessen und Tools der Conversion-Rate-Optimierung sehen wir hierfür gute Möglichkeiten. Unser Ziel ist es, beide Themen noch stärker miteinander zu verweben – und das nicht nur bei Online-Shops.

Richard Maier:
Ein zentraler Punkt für 2012 wird auch weiterhin ganz klar Social Media (Facebook, Twitter und Google+) sein. Es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass die großen Suchmaschinen diese Komponente – wie etwa die „Share-Rate“ oder „Like-Rate“ – immer mehr in die Suchergebnisse mit einfließen lassen. Gleichzeitig wird es auch weiterhin darum gehen, die Folgen des Panda-Updates sinnvoll zu verarbeiten. So müssen beispielsweise Seiten mit schlechten Inhalten neutralisiert und das Verhältnis aus Content zu Werbung verbessert werden.

Sören Bendig:
In 2012 wird Google weiterhin versuchen, Website-Betreiber dazu zu bewegen, Ihre Daten und Websites besser zu strukturieren bzw. aufzubereiten. Die Vorlage hierfür liefert schema.org. Google tut dies, da sie so den nötigen Aufwand zur Aufbereitung der Daten massiv reduzieren können und belohnen Websites mit einer prominenteren Darstellung in den Suchergebnissen. Diese hervorgehobenen Darstellungen bringen aktuell einen deutlichen Schub an Besuchern und so dürften alle Websites, die das schema.org-Markup nicht einsetzen, einen spürbaren Nachteil haben.


Wird sich Ihre Linkaufbaustrategie in 2012 ändern? Wie und warum?

David Radicke:
Bei Kundenprojekten möchte ich ein stärkeres Gewicht auf internes Linkbuilding setzen: Jeder muss involviert sein, vom Chef bis zur Empfangsdame! Da kommen oft schöne Ideen heraus.

Marco Janck:
Im Grunde wird sich an der Linkbuilding-Strategie nichts ändern. Da, wo es passt, werden wir uns noch mehr dem Bereich Social Linkbuilding zuwenden. Der Einfluss der Social-Maßnahmen wird aber im Vergleich zu den herkömmlichen Mitteln des Linkaufbaus immer noch zu hoch bewertet. Ich sehe eine echte, direkte und massive Einbindung in die Algorithmen nicht vor 2013. Es gilt also vorbereitet zu sein, ohne seine wahren Ziele zu vernachlässigen.

Thomas Zeithaml:
Die letzten Algorithmus-Änderungen haben nichts mit dem Thema Linkaufbau an sich zu tun, sondern eher mit der Portalbewertung. Aus diesem Grund sind neue Strategien nicht zwingend notwendig. Allerdings werden Themen wie Link-Netzwerke, Link Wheels und Expireds immer mehr öffentlich diskutiert und kommuniziert. Dadurch fließen solche Formen des Linkaufbaus deutlich stärker in bisherige Link-Strategien vieler Firmen ein. Aus Sicht von Google wird dieser zunehmende Missbrauch eine Reaktion erfordern.

Alexander Russ:
Die Strategie wird sich nicht einschneidend ändern. Weiterhin wird qualitativer Linkaufbau die einzige Möglichkeit sein, natürliche und nachhaltige Ergebnisse zu liefern. Ein allgemeingültiges Rezept ist hier jedoch schwer zu finden, da die Erfordernisse abhängig von der Branche und der Konkurrenzsituation sind.

Ein Bereich, der jedoch einen stärkeren Einfluss haben wird, ist Social SEO. Likes, Tweets & Co. sind Empfehlungen, die zwar noch nicht mit einem Link gleichzusetzen sind, jedoch an Wichtigkeit gewinnen.

Marcel Becker:
Man merkt, dass es immer schwieriger wird, gute Links aufzubauen. Fast alle Webmaster wissen um den Wert ihrer Seiten und wollen dementsprechend eine Gegenleistung dafür haben. Die Strategie muss so aussehen, dass man den Webmastern so viele Argumente und Anreize wie möglich gibt, einen Link zu setzen (Stichwort: „verlinkungswürdiger“ Inhalt). Wenn man diesen erstellt hat - was auf gefühlt 90 % aller Websites nicht passiert - muss man eben mit Hartnäckigkeit nachhelfen. Da hilft es auch schon einmal in die psychologische Trickkiste zu greifen.

 

Werden Sie noch mehr in Richtung Social Media unternehmen? Was genau?

Marco Janck:
Social Media macht man nicht einfach so nebenbei. Es wird also an den Projekten und Kunden liegen, welchen Arbeitsanteil Social Media bei mir in 2012 einnehmen wird. Eines ist auch klar: Wenn man es nicht richtig macht, lenkt es nur von der eigentlichen Arbeit ab.

Marcus Tober:
Das Messen des Erfolgs wird wichtiger werden. Welchen Content mögen meine User, wie ist das Engagement, über welchen Zeitraum? Zusätzlich zu Linkbait kommen Likebaits.

Thomas Zeithaml:
Die Wirkung von Social Media auf SEO ist sicherlich eines der am meisten genannten Themen des letzten Jahres. Allerdings stehe ich diesem Kanal oft auch kritisch gegenüber und man muss hier von Fall zu Fall unterscheiden. Blind in diesen Kanal zu investieren funktioniert meines Erachtens nicht. Noch ein weiteres Gewinnspiel wird wohl kaum jedes Mal die erhoffte Wirkung erzielen. Man muss in diesem Bereich kreativ arbeiten und nicht auf den reinen Abverkauf von Waren oder Dienstleistungen abzielen. Ich sehe den Social-Media-Bereich daher vorwiegend zur Markenbildung und weniger als Linkbuilding-Maßnahme.

Richard Maier:
Speziell im B2C-Bereich verschwimmen die Grenzen zwischen SEO und Social Media Marketing immer mehr. Beide ergänzen sich und müssen zusammen sinnvoll verwendet werden.

Sören Bendig:
2011 war das Jahr des Social Media Hypes. Obwohl soziale Signale mittlerweile in das Ranking einfließen und auch 2012 weiterhin an Bedeutung gewinnen werden, so ist ihr absoluter Einfluss aktuell noch gering. Links waren, sind und bleiben der mit Abstand wichtigste Ranking-Faktor, auch in 2012.

Marcel Becker:
Social Media ist aus dem privaten und beruflichen Alltag absolut nicht mehr wegzudenken. Allerdings ist es bei Social Media noch viel extremer als in allen anderen Disziplinen. Wenn man es macht, dann muss man es mit Herzblut machen. Einfach nur mal eine Facebook-Seite zu bauen und sich dann in Ruhe zurückzulehnen, um zu beobachten, was passiert, funktioniert nicht.

Wenn jemand sagt, dass er so schnell wie möglich Social Media machen will, muss man erst einmal fragen: WARUM? Und nur, wenn diese Frage sinnvoll beantwortet wird, darf man loslegen. Was aber am wichtigsten ist: Social Media muss von jeder Person bzw. von jedem Unternehmen selbst gemacht werden und auch nicht mal ebenso nebenbei. Man hat es hier in 99 % der Fälle mit echten Menschen zu tun. Kein Kunde kommuniziert gerne mit irgendeinem gesichtslosen externen Dienstleister, der es nur des Geldes wegen macht - oder gar mit einem Praktikanten, der nach 3 Monaten wieder weg vom Fenster ist. Also: Klare Ziele definieren, Strategie entwerfen und schließlich dauerhaft mit der Zielgruppe kommunizieren.

 

Gibt es Tools, die Sie in 2012 stärker nutzen möchten? Welche und warum?

Marco Janck:
Ich werde mich in 2012 noch mehr in die Searchmetrics Tools (Suite & Essentials) einarbeiten (lassen). Ich glaube, dass bei Searchmetrics zukünftig die wirklich großen Werkzeuge entstehen können. Hier am Ball zu sein und zu bleiben kann nur richtig sein. Das Problem ist einfach, dass oft die Zeit nicht reicht, um alle Tools sauber und in der Tiefe bewerten zu können. Da wird der SEO TOOL DAY der SEO CAMPIXX 2012 ansetzen und hoffentlich helfen, sich einen tiefen Überblick zu verschaffen.

Thomas Zeithaml:
Natürlich ist der Wegfall der Backlink-Daten aus Yahoo! ein großes Thema für die SEO-Szene. Intern setzen wir zurzeit auf Ahrefs.com in Kombination mit Majestic SEO ein. Die reinen Backlink-Daten beziehen wir aus Ahrefs.com und reichern diese Daten mit der Backlink-Historie von Majestic SEO in unseren Tools an.

Interessant werden für uns die neuen Funktionen am Analytics-Markt. Gerade Daten aus dem Social-Bereich und Besucherverhalten werden wir in Zukunft mehr Aufmerksamkeit schenken.

Alexander Russ:
Um der stärkeren Ausprägung im Bereich Social nachzukommen, werden Tools, die diesen Bereich abdecken, interessanter werden. Das Social-Modul von Searchmetrics ist nach meiner Meinung zurzeit das beste Tool, um den Social-Media-Erfordernissen gerecht zu werden.

 

Werden Sie Ihren Content anders ausrichten oder erstellen?

David Radicke:
Meines Erachtens wird die qualitative „Mittelschicht“ von produziertem Content wegfallen. Panda hat mir Seiten runtergerankt, die exklusiv und detailliert handgeschrieben waren. Nicht grandios von Literatur-Nobelpreisträgern, aber trotzdem handgeschrieben und ziemlich organisch.

Man braucht also entweder liebevoll handgeklöppelte „echte“ Qualitätsseiten von Leuten, die sich wirklich mit dem Thema auskennen und die auch gleich mal ein paar Links besorgen können. Oder – wenn es um Masse geht – könnte man andererseits noch eher geneigt sein, zu scrapen und zu mashen, statt von Textbrokern oder Studenten zu kaufen. Der relativ preiswerte Content „aus der Mitte“ hat für mich keinen Wert mehr.

Marco Janck:
Wenn Panda eines gezeigt hat, dann, wie wichtig es Google mit den Inhalten ist. Auch wenn sie sicherlich noch nicht brillant in der Erkennung von minderwertigen Inhalten sind, so sagen sie doch seit Jahren, wo sie hin wollen. Also: gut zuhören. Im Grunde war es bei Panda doch egal, was wirklich gemacht wurde. Das Resultat war, dass alle, die ich gesprochen habe, gesagt haben, sie müssen besseren oder noch besseren Content bauen. Google würde also sicherlich sagen: Mission erfüllt.

Thomas Zeithaml:
Zwar richtet sich das Panda Update laut Google gezielt auf inhaltliche Qualität, jedoch sind es wohl eher Signale, die von Besuchern gesendet werden. Faktoren wie Keyword Density, HTML-Titel oder Artikellänge haben sich nicht geändert. Rechtschreibung, Kommasetzung und Satzbau fließen meiner Meinung nach nicht in den Algorithmus ein.

Aus diesem Grund werden wir an einer Keyword-optimierten Ausrichtung der Texte nichts ändern. Jedoch sollte man zukünftig auf Elemente setzen, um den Besucher noch besser zu bedienen. So sind Videos, Bilder oder auch Artikelserien ein gutes Mittel, den Besucher länger auf der Seite zu behalten.

Philipp Köstner:
Alle Inhalts-Elemente, die für den Nutzer die Attraktivität der Seite erhöhen und somit dazu beitragen, dass Kennzahlen wie die Verweildauer, Abbruchrate usw. verbessert werden, haben dieses Jahr sicherlich nochmals an Bedeutung gewonnen. Im Fall von Online-Shops kommt hinzu, dass diese Inhalts-Elemente auch zu einer möglichst höheren Conversion Rate führen sollen. Diese gestiegenen Anforderungen an den Content haben bereits heute Auswirkungen auf die Content-Erstellung und werden 2012 vermutlich noch weiter gehen.

 

Glauben Sie, dass Google die Qualitätsansprüche an Websites noch weiter steigern wird?

David Radicke:
Geschwindigkeit wird meines Erachtens noch wichtiger werden. Ansonsten wird Panda bestimmt erweitert und verfeinert werden. Etwas wirklich Neues sehe ich in 2012 aber nicht. Panda hat in 2011 schon für genug Unruhe und Kollateralschäden gesorgt.

Thomas Zeithaml:
Google hat nicht erst in diesem Jahr den Kampf gegen schlechten Inhalt eröffnet. Dass die Qualitätsansprüche nicht dem aktuellen Index entsprechen, sieht man an den vielen Nachjustierungen der Updates. So werden es aber Seiten mit bestimmten Geschäftsmodellen und knappem Mehrwert immer schwerer haben, ihre Platzierungen zu halten. Auch, wenn der Index noch nicht perfekt ist, hat Google hier meines Erachtens den Grundstein gelegt.

Was man zusätzlich aus den Updates erkennen kann, ist, dass Google sich nicht zu abhängig von wenigen Faktoren machen möchte. So wurde durch das Panda Update der Faktor Links abgeschwächt. Mit anderen Worten kann, trotz eines idealen Linkgraphen, aufgrund der Besuchersignale eine gute Platzierung verloren gehen.

Olaf Kopp:
Google stößt für die algorithmische Bewertung von Content nur durch Prüfung von Inhalten an die Grenzen und muss neben Backlinks weitere Off-Page-Kriterien wie Social-Media-Signale fokussieren. Mit der Verzahnung von Google+ und anderen Google-Diensten haben sie eine sehr gute Datengrundlage. Ob allerdings Google+ die kritische Masse an Usern erreichen wird, liegt nicht in erster Linie in Googles Hand, sondern wird durch die User selbst bestimmt. Deshalb hängt die Relevanz von Social-Media-Faktoren für das Ranking stark von der Entwicklung von Google+ ab.

Philipp Köstner:
Für das Panda Update hatte Google ja das Ziel formuliert, Websites mit schlechter Inhalts-Qualität abzuwerten. In vielen Fällen ist das gut gelungen. Es gibt jedoch auch genügend Beispiele für Websites mit schlechten Inhalten, die weiterhin auf vorderen Positionen zu finden sind und Websites mit guten Inhalten, die an Sichtbarkeit verloren haben. Mir ist z. B. nicht klar, warum so viele regionale Nachrichtenportale abgewertet wurden. Meines Erachtens muss Google daher bestehende Kriterien ggf. neu bewerten und zusätzliche Kriterien für die Website-Qualität definieren, um die Ergebnisse dieser Bewertung nochmals zu verbessern.

Richard Maier:
Die Spam-Techniken werden immer ausgereifter. Um weiterhin die Qualität der Suchergebnisse halten zu können, müssen auch die Qualitätsansprüche und mit ihnen die Algorithmen immer weiter verfeinert werden.

 

Werden Sie mehr in das Thema Conversion-Optimierung investieren?

Thomas Zeithaml:
Während sich viele SEOs auf den Bereich Social Media konzentrieren, sehen wir die Bereiche Conversion-Optimierung und Analytics intern als wichtiger an. SEO und Conversion-Optimierung bilden unserer Meinung nach eine Symbiose. Durch eine durchdachte Usability kann man eventuelle SEO-Faktoren wie Absprungrate, Verweildauer und Seitenimpressionen geschickt beeinflussen.

Suchmaschinen und Besuchern gefallen gleichermaßen Inhalte, die für den Suchbegriff relevant sind. Des Weiteren ist es nicht nur für Suchmaschinen wichtig, ob eine Webseite strukturiert aufgebaut ist und schnell lädt.

Alexander Russ:
Conversion-Optimierung war schon immer ein wichtiges Thema. Was bringt mir irgendein Traffic, der nicht konvertiert? Jedoch scheint mir das Thema zurzeit die neue Sau zu sein, die schnell noch durchs Dorf getrieben wird. Es wird also kein „mehr investieren“, sondern ein „weiterhin investieren“.

Marcel Becker:
Das Thema Conversion-Optimierung ist mindestens genauso wichtig wie alle anderen Online-Marketing-Disziplinen. Viele Conversion-Optimierer halten sich zwar für sehr wichtig, jedoch muss der Traffic ja auch irgendwo herkommen. Aber diesen Traffic dann auch in Geld, Anmeldungen, Leads etc. umzuwandeln ist eine Kunst für sich, die viele Unternehmen leider immer noch nicht auf dem Schirm haben. Ich habe mal gehört, dass generell 90 % in Traffic-Generierung investiert werden, aber nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz in die Conversion-Optimierung.

Richard Maier:
Eines der Hauptziele jeglicher Marketing-Anstrengungen ist es, die Verkaufszahlen anzukurbeln. Speziell, wenn die gewünschten Positionen innerhalb der Suchergebnisse bereits erreicht werden konnten, stellt die Conversion-Optimierung eine Möglichkeit dar, die Erfolge weiter zu maximieren.

 

Inwieweit wird die personalisierte Suche noch relevanter werden?

Marco Janck:
Bei der personalisierten Suche bin ich mir am unsichersten, wie sie sich entwickeln wird. Neben den vielen und immer wieder zitierten Vorteilen gibt es den ganz massiven Nachteil der Falschfokussierung. Ich glaube, dass dies Google dazu bewegen kann, strategisch nochmal umzudenken. Da kann noch alles passieren, deshalb steht es nicht auf Prio 1.

Marcus Tober:
Der normale User wird das gar nicht explizit wahrnehmen. Er wird Suchen wie bisher und sich über die guten Ergebnisse freuen. Für Online Marketer wird das Tracking schwieriger, aber das ist eine Herausforderung, die man annehmen muss. Denn ohne Daten wird es bei zunehmendem Wettbewerb schwieriger, sich zu behaupten.

Thomas Zeithaml:
Ob Google die personalisierte Suche auch für nicht eingeloggte User weiterhin ausliefern darf, ist aus Sicht des Datenschutzes noch nicht geklärt. Betrachtet man das Klickverhalten, ändert sich trotz personalisierter Suche kaum etwas an den Ergebnissen. Da die meisten Besucher weiterhin auch die Top-Ergebnisse anklicken, verpuffen viele personalisierte Suchen einfach.

Durch Google Plus werden in Zukunft sicherlich mehr Suchende angemeldet sein und so die personalisierte Suche in Verbindung mit Google +1 nutzen. Daher wird diese selbstverständlich relevanter. Allerdings scheinen diese Bewertungen noch recht geringen Einfluss zu nehmen.

Wie wenige User momentan angemeldet sind, sieht man seit kurzem anhand der Referrer-Daten von Google, da diese nicht mehr für angemeldete Benutzer ausgewiesen werden. In Deutschland sind dies noch Werte im unteren einstelligen Prozentbereich.

Marcel Becker:
Ich glaube fest daran, dass sich personalisierte Suchergebnisse in den nächsten Jahren durchsetzen werden. Das große Oberthema bei Google war und ist es ja, dem Suchenden die besten Ergebnisse zu liefern. Im Moment sind die Ergebnisse noch sehr allgemein, was bei weitem nicht jeden glücklich macht. Personalisierte Ergebnisse kommen dem perfekten Suchergebnis dann wieder ein kleines Stück näher, da diese auf die eigenen Gewohnheiten angepasst sind.

Die personalisierte Suche funktioniert in vollem Umfang allerdings nur im eingeloggten Zustand, was aktuell allerdings bei nur ca. 10 % aller User der Fall ist. Wenn irgendwann mal die kritische Masse an angemeldeten Usern erreicht ist, wird auch ein Großteil der Suchergebnisse für jeden User fast individuell ausgeliefert werden. Und mit Google+ tut man einen Riesenschritt in Richtung personalisierte Suche. Auf der einen Seite will Google dafür sorgen, dass die User öfter eingeloggt sind. Auf der anderen Seite bekommt man dann sogar Suchergebnisse ausgeliefert, die in der Regel bereits von den eigenen Social Circles bewertet worden sind.


Erwarten Sie in 2012 große Sprünge durch Googles Wettbewerber?

David Radicke:
Nur im Ausland. Yandex könnte in der Türkei ähnlich erfolgreich sein wie in Russland/Ukraine.

Marco Janck:
Nein, ich sehe da keine Veränderung. Wenn es was Neues gibt, wird es nicht von den jetzt bekannten Playern kommen, sondern von noch Unbekannten. Dann werden wir zu Anfang lachen und dann sehen, was sich entwickelt. Aber meine Fantasie reicht nicht dafür, da was zu sehen.

Thomas Zeithaml:
Im nächsten Jahr wird sich meines Erachtens an den Machtverhältnissen kaum etwas ändern. Durch die letzten Algorithmus-Updates wurde der technologische Vorsprung von Google weiter ausgebaut. Auch die Einführung von Google+ konnte als Erfolg verbucht werden.

Doch hat sich Microsoft im vergangen Jahr sehr gut aufgestellt. Microsoft ist bekanntlich seit 2007 an Facebook beteiligt und wird wohl im nächsten Jahr in der Web-Suche auf Google+ reagieren. Zusätzlich hat Microsoft Skype übernommen. Des Weiteren gibt es seit 2011 eine Firefox-Version, die Bing als Standardsuche benutzt. Dies sind nur einige Beispiele, wie sich Microsoft positioniert.

Viel hängt zusätzlich davon ab, wer das Werben um Yahoo gewinnt. Durch die Auslieferung des Bing-Suchindex durch Yahoo und der damit verbundenen größeren Reichweite, hat Bing viele Benutzer überzeugen können. Durch diese Gegebenheit konnte Microsoft im Jahr 2011 Marktanteile zulegen. Allerdings muss man hier anmerken, dass Google keine Marktanteile verloren hat und die Zuwächse vor allem auf Kosten von kleinen Suchmaschinen entstanden sind.

Philipp Köstner:
Durch die angekündigte Kooperation zwischen Mozilla und Microsoft könnte ich mir durchaus vorstellen, dass einige User Bing häufig nutzen und so der Marktanteil spürbar steigt. Die Chancen hierfür steigen nochmals umso mehr, wenn Bing auch bei uns endlich aus der Beta-Phase schlüpft und die Funktionen und die Aufbereitung der Suchergebnisse anbietet, wie es derzeit schon in den USA oder UK der Fall ist.

 

Porträt Jan Büchter
Über den Autor

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

E-Mail: markus@suchradar.de
Markus Hövener (@bloonatic) bei Twitter: Follow bloonatic on Twitter