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Ausgabe 33 > Google+ - Pages mit Potenzial?
Google+:
Pages mit Potenzial?
Seit dem 7. November sind Pages für Google+ online. Lange wurden sie erwartet – fast schon sehnsüchtig – und mit Vorschusslorbeeren belegt. Doch können sie schon direkt nach dem Start halten, was sich viele, vor allem Unternehmen, von Ihnen versprochen haben? Von Maik Bruns.
Wofür Google+ Pages?
Für viele Online-Marketer war es wie eine „Erlösung“: Die mit Spannung erwarteten Google+-Pages für Unternehmen, Produkte, Marken, Organisationen, aber auch Vereine, Kultureinrichtungen und Gruppen gingen Anfang November in den Live-Betrieb, nachdem auf der Plattform zuvor schon mit einigen ausgewählten Unternehmen und Marken getestet worden war. Doch was kann jetzt schon mit ihnen bewirkt werden, wo doch Google+ bei weitem noch nicht die gleiche Reichweite wie Facebook hat? Gibt es Potenziale?
Die Antwort ist recht umfangreich. Ein grundlegender Fakt ist aber: Google ist die weltgrößte Suchmaschine. Und sie ist stets bemüht, die Suchergebnisse für ihre Nutzer zu verbessern und diese relevanter zu gestalten. Dafür greift sie mehr und mehr auf Daten aus sozialen Netzwerken oder Bewertungsportalen zurück; nicht zuletzt deshalb, um die Ansprüche der Nutzer besser zu verstehen. In der Konsequenz werden Suchergebnisse auf Dauer womöglich noch stärker als bislang durch soziale Signale beeinflusst werden. Und wenn ein Unternehmen in dem Konzert um vordere Platzierungen langfristig mitspielen möchte, sollte es sich vor diesem „Spiel“ nicht verschließen, sondern versuchen – wo sinnvoll und möglich –, aktiv daran teilzunehmen.
Ein wichtiger Punkt dabei vorweg: Hierbei muss man nichts überstürzen. Denn auch, wenn die oben genannten Signale möglichen positiven Einfluss auf die „Popularität“ des Unternehmens in diversen Rankings haben könnten, kann man sich auch Schaden statt Nutzen zufügen, wenn man völlig unvorbereitet auf das ist, was bei Besucherkontakt im sozialen Netz passieren kann. Also gilt: Geduld ist eine Tugend – und ein Unternehmen sollte nicht überstürzt handeln, sondern möglichst immer eine Strategie haben.
Doch gegen die grundsätzliche Einrichtung eines Google+-Unternehmensprofils (siehe: https://plus.google.com/u/1/pages/create) spricht aktuell überhaupt nichts. Ganz im Gegenteil, denn mit der Einrichtung einer kostenlosen Unternehmensseite serviert man der Suchmaschine unmittelbar Informationen über das eigene Unternehmen und kann gleichzeitig eine Verbindung (via Verlinkung) zu der eigenen Website schaffen.
Doch neben einem möglichen Einfluss auf die Suchmaschinenergebnisse gibt es weitere Gründe, die pro oder contra Google+-Unternehmensseiten sprechen. Dabei sollen im Folgenden allerdings nur die wirklich wesentlichen angesprochen werden.
Was „können“ die Unternehmensseiten?
Die G+-Business-Seiten können auf den ersten Blick derzeit nicht viel mehr bieten als die schon längere Zeit vorhandenen Profilseiten der Privat-Nutzer. Zuvorderst steht natürlich die Möglichkeit, das Unternehmen vorzustellen und Statusmeldungen als Nur-Text oder auch mit Link-, Bild-/Videoeinbindung abzugeben. Wie bei einer Facebook-Fanpage auch, dreht sich dabei streng genommen alles um den Dialog auf Augenhöhe mit allen, die sich mit dem Unternehmen verbinden wollen, und weniger um den direkten Verkauf.
Es gibt neben diesem Aspekt einige Features, die verlockend sind. So sind etwa die „Circles“, die zum Grundkonzept von Google+ gehören, auch in den Unternehmensseiten verfügbar. Vorausgesetzt ein Unternehmen macht sich die Arbeit und ordnet jeden neu gewonnenen „Fan“ – oder wahlweise auch nur bestimmte – in thematisch passende Circles ein, ergibt sich die Möglichkeit der zielgerichteten Ansprache dieser einzelnen Kreise. Auf diesem Weg lassen sich beispielsweise Lieferanten, Kunden und Pressevertreter mit unterschiedlichen Informationen versorgen.
Abbildung 1: Hangouts bieten vielseitige Einsatzmöglichkeiten
Ein weiteres Tool, das aus den privaten Profilen in die Unternehmensseiten übernommen wurde, ist die Hangouts-Funktion. Hiermit lassen sich mit (derzeit) bis zu zehn Personen gleichzeitig Videokonferenzen führen. Technisch laufen diese sauber ab und bieten unter anderem einen „erweiterten Modus“. Der befindet sich derzeit in der Testphase, bietet aber Möglichkeiten wie einen eigenen Hangout-Namen zu definieren (etwa „Fragen und Antworten an den Geschäftsführer“, „Webinar zum Thema X“ oder „Kundenservice“) und stellt eine dazugehörige URL bereit.
Ebenso sind in einem Hangout gemeinsame Notizen und ein Sketchpad (ähnlich einem Whiteboard) verfügbar. Außerdem ist die Integration von Google Text & Tabellen sowie die Bildschirmfreigabe für Remote-Zugriffe möglich. Spannende Features, wenn man an die Bereiche Pressearbeit, Kundenservice, Produktvorführungen etc. denkt. Nicht zuletzt wird hier natürlich vielen, oft kostenpflichtigen Konferenzsystemen auf dem freien Markt Konkurrenz gemacht.
Leider gibt es aktuell noch nicht so viele Features, die aus einem Google+-Unternehmensprofil einen „Giganten“ machen, aber das ist zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht auch noch etwas verfrüht und sicherlich wird hier an einem Mehr an Funktionen gearbeitet.
Der Nutzen
Was hat ein Unternehmen von den Google+-Unternehmensseiten? Zunächst einmal kann man hier unter anderem in die Bereiche SEO und AdWords unterschieden werden.
SEO
Abbildung 2: Mit vorangestelltem "+"-Operator wird die "soziale Suche" aktiviert.
Gibt es einen echten SEO-Nutzen? Diese vielgestellte Frage ist nicht ohne weiteres zu beantworten.
Vorteile könnten sich aus der Verknüpfung der Google+-Seite mit der eigentlichen Unternehmens-Website ergeben. Diese Verknüpfung wird über Tags im HTML-Code der Website sowie die umgekehrte Verlinkung von der Website zur G+-Seite hergestellt und nennt sich „Direct Connect“. Nähere Informationen hierzu gibt es unter https://developers.google.com/+/plugins/badge/.
Abbildung 3: Die Einblendung des Profillogos neben ein Places-Ergebnis als Test bei google.com.
Wenn Direct Connect eingerichtet und die Testphase bei Google abgeschlossen ist, können verschiedene Dienste mit der Unternehmens-Page verknüpft werden. Einer der prominentesten ist dabei sicherlich, dass die Google-Suche bei vorangestelltem „+“-Operator zunächst die G+-Seiten vorschlägt (wie in Abbildung 3). Das funktioniert derzeit nur auf google.com und bei weitem noch nicht für alle Websites, die auch eine Page haben. Es ist aber zu erwarten, dass die Lücke auf Dauer geschlossen und der Dienst weltweit ausgerollt wird.
Auch wird es sicherlich nicht bei dieser einen „Erweiterung“ bleiben. So ist beispielsweise kürzlich in Googles Branchenbuch „Places“ auf google.com ebenfalls ein Test aufgefallen, der bei vorhandenem Direct Connect in den Places-Suchergebnissen das Profilbild der Google+-Unternehmensseite zeigte. Von dort aus wurde mit Klick auf das Logo auf eine Zwischenseite und von dort direkt auf die G+-Seite verwiesen. Ein eingeloggter Benutzer konnte bereits auf der Zwischenseite mithilfe eines Widgets das Unternehmen in seine „Circles“ aufnehmen. Ähnliches ist auf google.com bereits für die „normalen“ Suchergebnisse eingerichtet worden und wird sich auf Dauer nicht auf Places-Einträge beschränken – das ist auch für eine Markensuche in Abbildung 4 zu sehen.
Abbildung 4: Integration der Google+-Seiten in die Web-Suche auf google.com
Weitere Möglichkeiten sind innerhalb der Google-Dienste selbstverständlich beliebig. Von der Integration der „Shopping“-Funktionalität über die aktuell bereits bestehende Verbindung mit AdWords-Konten (hierzu gleich mehr) oder auch die Verbindung mit Videos aus dem eigenen YouTube-Kanal usw. ist recht vieles vorstellbar.
AdWords-Integration
Google AdWords bietet seit kurzem die Möglichkeit, Kampagnen mit einer Google+-Unternehmensseite mithilfe einer Anzeigenerweiterung zu verknüpfen (siehe Abbildung 5). Das Ziel ist es dabei, durch die Zusammenführung aller für das Unternehmen abgegebenen +1 (dem „Like“ für G+-Nutzer analog der Facebook-Funktion) die Anzeigen mit einer entsprechenden Information anzureichern und ihnen so eine höhere Relevanz zu geben bzw. vertrauenerweckend zu gestalten. Letztlich könnte hierdurch unter Umständen eine höhere Klickrate erzielt werden.
First Mover Advantage?
Abbildung 5: AdWords-Kampagnen lassen sich mit der Google+-Unternehmensseite verknüpfen
„Soll ich jetzt oder lieber später?“ Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Auf der einen Seite bietet Google schon jetzt mit der offenkundig anstehenden Integration in verschiedene Dienste außerhalb von Google+ in Deutschland einige spannende Optionen. Andererseits läuft einem auch so schnell nichts davon. Denn selbst, wenn man sich als Social-Media-Verantwortlicher im Unternehmen zunächst noch ohne G+-Page in dem Netzwerk umschaut, ist das unproblematisch.
Vor allem in Deutschland sind noch hinreichend große Lücken in der Unternehmenslandschaft innerhalb des, wie Google es selbst nennt, „Social Layer“, der alle Google-Dienste auf Dauer „sozial“ anreichern soll. Allerdings legte Bradley Horowitz von Google mit seinem Statement bei Google+ „This is the start, not the finish line” schon eine Art Roadmap zu den Unternehmensseiten vor. Hier soll offenbar zukünftig immer mehr Integration stattfinden.
Wer jetzt schon tätig werden will, kann allerdings folgendes schon in Angriff nehmen.
- G+-Unternehmensseite anlegen und sie …
- … mit grundlegenden Informationen über das Unternehmen und einem aussagekräftigen Profilbild versorgen.
- Verknüpfung zur Unternehmens-Website via Direct Connect herstellen, um ggf. in den Genuss der Interaktionsmöglichkeiten in anderen Google-Diensten zu kommen
- Eine Kommunikationsstrategie ausarbeiten, die auf Interaktion mit den Nutzern der Seite, Authentizität und Exklusivität ausgelegt ist. Der Google+-Nutzer möchte schließlich einen Vorteil daraus ziehen, dass er mit einer Google+ Page verbunden ist.
- Eine „Krisen“-Strategie ausarbeiten für den Fall, dass das Unternehmen negativer Kritik oder Schlimmerem ausgesetzt wird.
- Wenn jetzt schon offensiv vorgegangen werden soll: Bekanntheitsgrad steigern durch Integration von Google+-Infokästen (Badges) und Erwähnung auf den verfügbaren und sinnvollen Kanälen.
- Unter Umständen Integration in AdWords mit sozialen Erweiterungen.
Vorteile, Nachteile und Potenzial
Unternehmen, die jetzt eine Google+ Page einrichten möchten, sollten sich abschließend noch einmal mit den Vor- und Nachteilen beschäftigen:
Vorteile
- Zielgenaue Ansprache verschiedener Dialoggruppen via Circles
- „Hangouts“ mit mehreren Personen möglichen. Anwendungen sind beispielsweise Kundensupport, Anleitungen, Mitarbeiter vorstellen usw.
- Google-Direkt: Verknüpfung der Website mit Google+-Page
- Verknüpfung mit Google AdWords möglich
Nachteile
- Derzeit noch recht wenige aktive Nutzer bei Google+
- Viele Unternehmens-„Fans“ werden nicht ohne weiteres sowohl bei Facebook als auch bei G+ aktiv werden. Es wird also eine Doppelstrategie verfolgt werden müssen.
- Derzeit noch keine Multi-Admin-Möglichkeit. Es kann also derzeit nur derjenige administrieren, der auch die Einrichtung der Page übernommen hat. Allerdings ist bereits angekündigt worden, dass noch vor 2012 eine solche Möglichkeit bestehen wird.
Potenzial, das in den Startlöchern steht oder stehen könnte
- Hohe Reichweite in den Google Suchergebnissen mithilfe von Einblendungen
- Integration von AdWords in den Stream der Benutzer (auch, wenn Stefan Tweraser, Country Director von Google Deutschland auf den Social Media Economy Days hier keinen dringenden Bedarf feststellen konnte.
- Integration in Google Places (siehe google.com)
- Integration eines Shopping-Konzeptes (via Google Shopping)
- Verknüpfung mit eigenem YouTube-Kanal
Fazit
Google+ bietet mit den Pages bereits jetzt eine Plattform mit viel Potenzial. Zwar gibt es aktuell noch keinen zwingenden Handlungsbedarf, dennoch ist es ratsam, wenn sich Unternehmen schon jetzt mit den Gegebenheiten auseinandersetzen. Denn so können sie im Bedarfsfall schnell reagieren.
Einige weitere Aspekte und Ressourcen zu dem Thema sind auch im Artikel "Social Media - ganz unaufgeregt: Was können Unternehmen von Google+ erwarten?" in suchradar 31 zu finden.
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Über den Autor
Maik Bruns arbeitet als Berater bei der SEO-/SEM-Agentur
Bloofusion.
E-Mail:
maik.bruns@bloofusion.de
Maik Bruns (@MaikBruns)
bei Twitter: 
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