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Ausgabe 32 > Mobile
SEM
Mobile SEM:
Mobile Anzeigen mit Google AdWords
Auch in der mobilen Google-Suche lassen sich AdWords-Anzeigen platzieren. Das funktioniert im Grunde wie gewohnt, auch wenn es einige Besonderheiten gibt. Von Martin Röttgerding.
Mobile Kampagnen lassen sich mit Google AdWords im Grunde
genauso durchführen wie andere Kampagnen auch. Auch in
der mobilen Suche erscheinen die bekannten Textanzeigen, sobald
ein passendes Keyword gesucht wird. Die Anzeigenreihenfolge
und der Klickpreis richten sich, wie sonst auch, nach Gebot,
Qualitätsfaktor und Konkurrenzsituation. Einige Unterschiede
gibt es aber schon.
Bedeutung
Wer aktuell in Deutschland mobile AdWords-Kampagnen schaltet,
stellt oftmals fest, dass der Traffic deutlich hinter dem
einer "normalen" AdWords-Kampagne zurückbleibt.
Da AdWords-Kampagnen in der Standardeinstellung gleichermaßen
auf Computer, Mobilgeräte und Tablets ausgerichtet sind,
erscheinen viele Anzeigen, teilweise unbeabsichtigt, auch
in der mobilen Suche (das lässt sich in den Kampagneneinstellungen
unter dem Oberpunkt Werbenetzwerke und Geräte unter Empfänger
ändern).
Abbildung 1: Kampagnenstatistiken nach Gerät aufschlüsseln
Wer bereits mit normalen Kampagnen im mobilen Bereich wirbt,
kann sich die Statistiken auf der AdWords-Oberfläche
nach Gerät segmentiert anzeigen lassen, um die Bedeutung
der mobilen Suche abzuschätzen (siehe Abbildung 1).
Konkurrenzsituation und Gebote
Die Konkurrenzsituation kann in der mobilen Suche eine ganz
andere als im Desktop-Bereich sein. Manche Werbetreibende
lassen normale Kampagnen auch im mobilen Bereich laufen, andere
erstellen getrennte Kampagnen oder sind nur in einem Bereich
aktiv. Anbieter machen außerdem unterschiedliche Erfahrungen
hinsichtlich des Werts von mobilem Traffic, was sich in ganz
anderen Geboten niederschlagen kann. Wer eine gut konvertierende
mobile Website bewirbt, kann natürlich mehr bieten als
jemand, der eine Standard-Website bewirbt.
Nicht verunsichern lassen sollte man sich dabei von der begrenzten
Verfügbarkeit der Werbeplätze in der mobilen Suche.
Zwar ziehen die beiden Anzeigenplätze oben fast alle
Klicks auf sich und kaum ein Nutzer klickt auf die maximal
drei Anzeigen am unteren Rand. In der Desktop-Suche ist dies
aber kaum anders. Auch dort ziehen die bis zu drei Top-Anzeigen
fast alle AdWords-Klicks auf sich, während die seitlichen
Anzeigen kaum Aufmerksamkeit bekommen. Eine Segmentierung
der Kampagnenstatistiken nach "Obere Position im Vergleich
zu seitlichen Positionen" ergibt in beiden Fällen
ein ähnliches Bild. Die vermeintliche Knappheit der Werbeplätze
allein macht deshalb noch lange keine höheren Gebote
notwendig.
Einen Überblick über die Situation in der mobilen
Suche kann man sich übrigens auch vom Computer aus verschaffen.
Googles Anzeigenvorschau-Tool ermöglicht auch eine Vorschau
mobiler Anzeigen (siehe https://adwords.google.com/select/AdTargetingPreviewTool).
Suchverhalten
Dass sich das mobile Suchverhalten vom Suchverhalten an einem
Desktop-Computer unterscheidet, steht außer Frage. Aber
obwohl die meisten Menschen auf einem Touchscreen langsamer
tippen als auf einer Tastatur, müssen mobile Suchanfragen
nicht zwangsläufig kürzer sein oder aus weniger
Wörtern bestehen. Allerdings dürfte der Einfluss
der von Google gezeigten Vorschläge im Mobilbereich deutlich
größer sein.
Lokale Kampagnen
Laut Google haben 40 % der mobilen Suchanfragen einen lokalen
Bezug, Microsoft spricht sogar von 53 %. Google hat daher angekündigt,
die Entfernung zwischen Nutzer und dem Standort eines Werbetreibenden
bei mobilen Kampagnen nun auch im Qualitätsfaktor zu
berücksichtigten.
Abbildung 2: Zwei Anzeigen mit Sitelinks verdrängen
das erste organische Suchergebnis aus dem Sichtfeld
Überhaupt besteht ein Vorteil von Mobilgeräten
darin, dass eine Standortbestimmung hiermit wesentlich genauer
gelingt als dies im stationären Internet der Fall ist.
Dadurch lassen sich Kampagnen deutlich zuverlässiger
lokal ausrichten. Kampagnen mit lokalem Bezug, etwa um für
einen Anbieter vor Ort zu werben, profitieren davon besonders.
Davon abgesehen bietet sich die Möglichkeit, Nutzer zu
erreichen, die bereits unterwegs sind und möglicherweise
gleich vorbeikommen könnten. Verschiedene Anzeigenformate,
insbesondere die Standorterweiterung, können hierfür
zum Einsatz kommen.
Mobile Anzeigenformate
In der mobilen Suche blendet Google Textanzeigen im gewohnten
Format ein. Dort erscheinen maximal zwei Anzeigen ober- und
drei Anzeigen unterhalb der organischen Suchergebnisse. Verglichen
mit den bis zu elf Anzeigen in der Desktop-Suche erscheint
das wenig, allerdings nehmen zwei Anzeigen oben bereits so
viel Platz ein, dass man auf vielen mobilen Geräten ohne
Scrollen bestenfalls noch ein organisches Ergebnis zu sehen
bekommt (siehe Abbildung 2).
Noch mehr Fläche nehmen Anzeigen mit Anzeigenerweiterungen
ein. Viele davon sind für mobile und normale Anzeigen
gleichermaßen verwendbar, allerdings kommt ihnen in
einer mobilen Kampagne meist eine größere Bedeutung
zu. Während viele Erweiterungen in Desktop-Kampagnen
dazu genutzt werden, um mehr Aufmerksamkeit auf eine Anzeige
zu lenken, werden sie im mobilen Umfeld deutlich häufiger
auch von Nutzern verwendet.
Im Folgenden werden die verschiedenen Anzeigenformate für
die mobile Suche kurz vorgestellt. Weitere Informationen dazu
sind in der AdWords-Hilfe zu finden (siehe http://adwords.google.com/support/aw/bin/topic.py?hl=de&topic=1151296).
Sitelinks
Abbildung 3: Wer beim Text spart, kann auch vier mobile Sitelinks
platzieren
Für Sitelinks bedeutet dies, dass man diese nicht nur
als zusätzlichen Platz für Verkaufsargumente betrachten
sollte. In der Desktop-Suche ist die Ziel-URL eines Sitelinks
in manchen Fällen fast bedeutungslos, weil ohnehin fast
niemand darauf klickt. Bei Sitelinks wie "schon ab 20
Euro ohne Versandkosten" steht deshalb meist der Text
im Vordergrund. Mobile Sitelinks werden dagegen auch gerne
direkt angeklickt; die Abkürzung auf relevante Zielseiten
stellt angesichts begrenzter Bandbreite einen Vorteil für
den Nutzer dar. Werbetreibende sollten also sinnvolle Zielseiten
anbieten (siehe Abbildung 3).
Darüber hinaus sollten Sitelinks im mobilen Bereich
deutlich kürzer sein, damit Google davon mehrere (bis
zu vier Stück) nebeneinander platzieren kann. Nur wenn
zweizeilige Sitelinks zum Einsatz kommen, kann die volle Länge
von 35 Zeichen für zwei Links verwendet werden.
Click-to-Call
Abbildung 4: Das "Nur-Anruf-Format"
Exklusiv für mobile Kampagnen sind Click-to-Call-Anzeigen
verfügbar. Hierbei wird zusätzlich zu einer Anzeige
eine klickbare Telefonnummer eingeblendet. Setzt man bei der
Einrichtung auch den Haken bei "Nur-Anruf-Format",
so lässt sich bei der Anzeige auch nur noch die Telefonnummer
anklicken - eine Website wird dann gar nicht mehr benötigt
(siehe Abbildung 4).
Mögliche Telefonnummern sind Festnetz- oder Handynummern
sowie 0180-Nummern, wobei letztere zusammen mit dem kleinen
Hinweis "zusätzliche Gebühren können anfallen"
angezeigt werden.
Abgerechnet werden Klicks auf die Erweiterung wie andere
Klicks auch, es fallen also keine zusätzlichen Kosten
an. Allerdings bedeutet ein Klick noch nicht zwangsläufig
einen Anruf: Ob der Suchende tatsächlich den Anruf initiiert
und ob am anderen Ende jemand abnimmt, steht auf einem anderen
Blatt.
Ein Nachteil der Click-to-Call-Erweiterung ist derzeit, dass
man hiermit nur schwer Rücksicht auf Geschäftszeiten
nehmen kann. Ein Pausieren der Click-to-Call-Erweiterung ist
derzeit nicht möglich. Wer nicht möchte, dass Nutzer
außerhalb seiner Geschäftszeiten diese Erweiterung
sehen, muss dazu eine zweite Kampagne einrichten und eine
innerhalb und die andere außerhalb der Geschäftszeiten
laufen lassen.
Standorterweiterungen
Abbildung 5: Standorterweiterung (nach dem Ausklappen) zusammen
mit Click-to-Call-Link
Die Standorterweiterung ist auch aus der Desktop-Suche bekannt.
Sie eignet sich in erster Linie dazu, Nutzer auf einen Unternehmensstandort
in der Nähe hinzuweisen. Dies geschieht, indem unterhalb
der Anzeige die Adresse eingeblendet wird. Ein Klick darauf
klappt eine Karte aus und ein weiterer (jetzt kostenpflichtiger)
Klick führt zu Google Maps, wo sich direkt eine Route
planen lässt (siehe Abbildung 5).
Standorterweiterungen können sich auf Adressen aus Google-Places-Einträgen
oder auf manuell bei AdWords eingegebene Adressen stützen.
Werden mehrere Standorte angegeben, so wählt Google den
für den Nutzer am nächsten gelegenen Standort aus
oder zeigt ggf. auch mehrere Standorte in der Nähe an.
Es ist auch möglich, mithilfe von Standorterweiterungen
Click-to-Call-Anzeigen zu realisieren. Sofern bei einem Standort
eine Telefonnummer angegeben wurde, erscheint diese als Click-to-Call-Link
neben der Adresse des Standorts. Auf diese Weise lässt
sich auch sicherstellen, dass immer die Telefonnummer des
nächstgelegenen Standortes eingeblendet wird. Sollte
allerdings eine normale Click-to-Call-Erweiterung eingerichtet
sein, erhält diese Vorrang und erscheint stattdessen
zusammen mit der Adresse des Standorts.
Click-to-Download
Abbildung 6: Click-to-Download-Anzeige (mit Sitelink-Erweiterung)
Speziell für das Bewerben von Apps bietet AdWords das
Click-to-Download-Format an. Dazu wird eine mobile Anzeige
mit einer speziellen URL im iTunes Store oder im Android Market
verlinkt und eine spezielle Anzeige-URL verwendet. Anstelle
der Anzeige-URL erscheint dann der Schriftzug "Download
von iTunes" bzw. "Android App herunterladen".
Ein Klick führt den Nutzer dann zur entsprechenden App-Detailseite,
wo die App heruntergeladen werden kann (siehe Abbildung 6).
AdWords stellt automatisch sicher, dass Android-Apps nicht
auf iPhones und iPhone-Apps nicht auf Android-Geräten
beworben werden. Es ist also nicht notwendig, hierfür
separate Kampagnen zu verwenden.
Display-Anzeigen
Auch im Display-Bereich und in mobilen Anwendungen lassen
sich mit AdWords Anzeigen für Mobilgeräte schalten.
Hier funktioniert im Prinzip alles wie bei klassischen Display-Anzeigen,
allerdings sind die Bildformate auf 300x50, 200x200, 250x250
und 300x250 beschränkt. Außerdem bleiben Flash-Anzeigen
außen vor.
Voraussetzungen für mobile Kampagnen
Bevor eine mobile Kampagne eingerichtet wird, sollte sichergestellt
werden, dass eine für Mobilgeräte geeignete Website
vorhanden ist. Idealerweise sollte die Website speziell für
Mobilgeräte ausgelegt sein, was sich laut Google auch
positiv im mobilen Qualitätsfaktor niederschlagen soll.
Ansonsten sollte zumindest darauf geachtet werden, dass die
Website für Mobilgeräte gut zu nutzen ist. Das bedeutet
insbesondere, dass Flash-Inhalte zu vermeiden sind.
Wenn bereits AdWords-Kampagnen vorhanden sind, ist zu klären,
ob diese einfach zusätzlich im mobilen Bereich geschaltet
werden sollen oder ob separate mobile Kampagnen sinnvoll sind.
Für die Einrichtung separater Kampagnen spricht, dass
man nur so gesondert auf mobile Nutzer eingehen kann. So sind
im mobilen Bereich oftmals andere Anzeigentexte, speziell
auf mobile Nutzer ausgerichtet, sinnvoll. Auch sind im mobilen
Bereich möglicherweise andere Anzeigenerweiterungen gewünscht.
Abgesehen von einer Click-to-Call-Erweiterung, die ohnehin
nur in der mobilen Suche erscheint, lassen sich auch diese
nur mit einer separaten Kampagne verwirklichen.
Separate mobile Kampagnen sind auch Voraussetzung für
die Verwendung separater Budgets und Gebote. Praktisch immer
sind unterschiedliche Gebotsniveaus schon allein wegen unterschiedlicher
Gesamt-Conversion-Raten angebracht. Im Detail gestaltet sich
die Aussteuerung der Gebote allerdings vergleichsweise schwer,
da mit dem geringeren mobilen Suchvolumen auch eine deutlich
kleinere Datenbasis einher geht. Auch das Testen von Anzeigenvarianten
wird hierdurch erschwert.
Gegen die Einrichtung separater mobiler Kampagnen und möglicherweise
für die zusätzliche Abdeckung der mobilen Suche
durch klassische Kampagnen spricht der erhöhte Aufwand
für Einrichtung und Verwaltung der mobilen Kampagnen.
Es ist daher abzuwägen, ob sich der erhöhte Aufwand
angesichts des in vielen Bereichen noch geringen mobilen Suchvolumens
lohnt. Dabei sollten allerdings auch die enormen Wachstumsraten
berücksichtigt werden: Die mobile Suche dürfte auf
absehbare Zeit weiter an Bedeutung gewinnen.
Kampagnen für die mobile Suche adaptieren
Wenn bereits AdWords-Kampagnen vorhanden sind, ist außerdem
zu klären, ob diese als Grundlage für die neuen
mobilen Kampagnen verwendet werden können. Da auch mobile
Kampagnen auf eine Abstimmung von Suchanfragen und Anzeigen
angewiesen sind, ist es oft sinnvoll, die Struktur vorhandener
Kampagnen (Anzeigengruppen, Keywords, Anzeigen, ausschließende
Suchbegriffe) zu übernehmen. Dies gelingt am einfachsten
mithilfe des AdWords Editors, wo sich vorhandene Kampagnen
einfach kopieren lassen. Anschließend sollte die Ausrichtung
eingestellt werden: die alte Kampagne auf Suche und ggf. Tablets,
die neue Kampagne auf die mobile Suche.
In der neuen, mobilen Kampagne sollten dann einige Anpassungen
vorgenommen werden. Die Gebote können auf Grundlage eventuell
vorhandener Erfahrungen mit mobilem Traffic grob angepasst
werden, ansonsten erfolgt die Anpassung, sobald die Kampagne
angelaufen ist. Bei den Keywords sind in der Regel erst mal
keine Änderungen notwendig. Später helfen Suchanfrageberichte,
ggf. neue interessante Keywords oder ausschließende
Suchbegriffe zu finden und speziell das mobile Suchverhalten
besser zu verstehen.
Falls eine mobile Website andere Ziel-URLs benötigt,
müssen diese für die neue Kampagne angepasst werden.
Davon abgesehen sollten in erster Linie die Anzeigentexte
überarbeitet werden. Diese können nun zum Beispiel
direkt Bezug auf das mobile Umfeld nehmen ("Jetzt per
Handy bestellen!"). Falls eine mobile Website vorhanden
ist, sind außerdem Anzeige-URLs wie "mobil.domain.de"
oftmals sinnvoller als "www.domain.de". Schließlich
sollten auch die Anzeigenerweiterungen für die mobile
Suche angepasst werden.
Fazit
Die Werbung mit Google AdWords in der mobilen Suche unterscheidet
sich grundsätzlich kaum von der in der klassischen
Google-Suche. In vielen Fällen unterscheiden sich mobile
und nicht-mobile AdWords-Kampagnen eines Werbetreibenden
in Detailbereichen wie Geboten, Anzeigen und Anzeigenerweiterungen,
nicht aber in der grundsätzlichen Struktur. Die Einrichtung
separater mobiler Kampagnen ist grundsätzlich zwar
zu empfehlen, angesichts der in vielen Bereichen (noch)
geringen Bedeutung des mobilen Traffics lohnt sich der zusätzliche
Aufwand allerdings nicht immer.
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