|
- Werbung -
suchradar.de >
Magazin
> Archiv >
Ausgabe 31 > Interview
mit Philipp Roth
suchradar persönlich:
Philipp Roth/allfacebook.de
Philipp Roth ist einer der bekanntesten Blogger zum Thema Social Media und speziell Facebook. Als Chefredakteur bei allfacebook.de hält er die Welt immer auf dem Laufenden mit aktuellen Berichten und Tipps rund um das Social Web. Wir haben mit Philipp gesprochen, um ihn etwas näher kennenzulernen. Das Interview führte Maik Bruns.
Philipp Roth, Chefredakteur bei allfacebook.de und begeisterter Kraxler
Hallo Philipp, was unterbrichst du gerade für dieses Interview?
Ich bin gerade nebenbei am Frühstücken.
Mit dem Blog allfacebook.de steht ihr ja für viele in der Social-Media-Marketing-Gemeinde stark im Focus. Besonders durch eure Berichterstattung zu allem Neuen bei Facebook. Wie schaffst du es, trotz der vielen Termine, die sich daraus ergeben, und des doch kurzen 24-Stunden-Tages, beinahe täglich neue Informationen rund um Facebook zu veröffentlichen?
Gestartet haben wir als Blog, den wir aus Spaß betrieben haben. Inzwischen hat sich schon alles schon sehr professionalisiert. Wir haben klar definierte Zuständigkeiten und einen Redaktionsplan. Abgesehen von kompletten neuen Features, über die wir tagesaktuell berichten, ist es aber keineswegs so, dass wir jeden Beitrag am Tag der Veröffentlichung schreiben. In stressigen Wochen haben wir oft auch schon 5-6 Artikel fertig, die nur noch gepostet werden müssen. Es ist also alles nur eine Frage der Organisation. Da wir inzwischen auch Geld mit der Tätigkeit verdienen, muss man sich die Zeit dafür auch nehmen. Mit wohl über 900 Updates/Änderungen pro Jahr liefert Facebook aber auch genug Neues.
Verrätst du uns deine Quellen für die Berichterstattung?
Viele denken, wir bekommen unsere Inhalte durch irgendeine Kooperation mit Facebook. In Wirklichkeit läuft es allerdings doch ganz anders ab. Unsere Inhalte generieren sich zum Großteil daraus, dass wir selbst recherchieren, wo es Neues gibt und wir suchen dann passende Themen für den Blog. Dabei hilft uns schon sehr, dass wir beruflich sehr viel Zeit auf Facebook verbringen und neue Features meist sehr schnell bemerken. Inzwischen ist aber auch unsere Community groß genug, dass unsere Leser uns viel Neues schicken. Ein weiteres Plus sind die Gastautoren, die für uns Artikel über ihre Expertise verfassen. Die Beiträge, bei denen wir wirklich Vorabinfo von Facebook erhalten haben, kann ich an meinen Händen abzählen.
Was hat dich und Jens Wiese seinerzeit dazu gebracht, euren Blog so stark auf Facebook zu fokussieren?
Ich persönlich komme ursprünglich aus einer Online-Agentur. Dort haben wir schon angefangen Firmen auf Facebook zu unterstützen, bevor Facebook in Deutschland überhaupt ein Thema war. Zu diesem Zeitpunkt existierten einfach keine Informationen zum Facebook Marketing auf Deutsch. Die Lücke wollte ich dann mit meinem früheren Studienkollegen Jens zuerst einfach aus Spaß stopfen. Von der Idee, über die gekaufte Domain bis zum installierten Blog vergingen dann auch keine 30 Minuten. Im Juli 2009 gingen wir Facebookmarketing.de online und veröffentlichten die ersten Beiträge. Erst im März 2011 haben wir den Besitzer gewechselt, heißen nun Allfacebook.de und sind Teil eines großen Netzwerkes.
Gibt es denn nach den aktuellen Entwicklungen demnächst auch noch einen Blog von euch für Google+? Oder lohnt sich die Fokussierung da derzeit noch nicht?
Für uns war das eigentlich nie ein Thema, da unsere Blogs mittlerweile zu einem US-Konzern gehören. Ich hatte nach wenigen Tagen nur zum Spaß mal die URLs durchgetestet und hätte mich schon sehr über die Intelligenz unserer Leser gewundert, wenn hier nicht alles schon weg gewesen wäre. Ich denke, wir waren hier ein gutes Vorbild mit unserem Blog. Google+ hat innerhalb von wenigen Wochen schon extrem gute Blogs auf Deutsch. Da wir von der Facebook-Marketing-Ecke kommen, ist für uns eigentlich auch der Business Aspekt von Google+ interessant, über den wir auch berichten werden. Einen neuen Blog brauchen wir dafür nicht.
Bleibt denn bei der vielen Arbeit auch noch Zeit für ein bisschen Privatleben?
Natürlich. Obwohl die Grenzen als Selbstständiger sich schon sehr oft vermischen und die 40 Stunden auch noch in weiter Ferne liegen.
Dabei hilft aber auch sehr meine Freundin – und alle Freunde hier in München. Das richtige Leben findet dann doch ziemlich offline statt. Ich habe es aber bis jetzt auch immer gut geschafft alles ein bisschen zu kombinieren. Wenn ich Termine in Südtirol, Berlin, Hamburg oder sonstwo in Europa habe, bleibe ich auch gern mal ein paar Tage länger.
Schaffst du es denn immer noch, deinen Hobbies Bergsteigen und Fotografieren nachzugehen?
Es ist beides schon stark zurückgegangen. Ein paar Berge erklimme ich dann doch noch jedes Jahr. Da kommt mir mein Lebensmittelpunkt in München aber zugute. Ab ins Auto und 45 Minuten später steht man mitten in den Alpen.
Hat dich die Arbeit am Blog denn beruflich und privat verändert?
Beruflich natürlich. Ich hab in der Anfangsphase in der Agentur gearbeitet und nebenbei noch den Blog hochgezogen. Nach über einem Jahr bin ich dann selbstständig geworden, war aber immer noch als Freelancer in der Agentur tätig. Die Selbstständigkeit verändert dann wiederum den privaten Tagesablauf. Ich war früher allerdings viel spontaner und kratze mich schon mal Kopf, wenn ich wieder sehe, dass die nächsten 6 Wochenenden schon längst verplant sind und alles jetzt irgendwie besser organisiert sein muss.
Themenwechsel: Wo siehst du dich selbst denn in 10 Jahren?
Das ordne ich mal unter einer typischen Bewerber-Frage ein. Ich fühle mich aber eigentlich zu jung, um so langfristig zu planen. Die berufliche Zukunft ist zwar natürlich in der Onlinewelt angesiedelt, aber ob ich dann noch einen Blog betreibe, wage ich zu bezweifeln. Die Wunschvorstellung beinhaltet dann vielmehr ein glückliches Privatleben, als dass ich 50 Mitarbeiter unter mir hab‘ und mir eine Penthouse-Wohnung leisten kann.
Was denkst du über die derzeitige Entwicklung der Menschen zu „Onlinern“? Gerade jetzt, wo wir immer mehr Zeit in den sozialen Netzwerken verbringen und sie uns durch mobile Geräte überall hin begleiten. Sind wir nicht schon viel zu oft und viel zu lange Zeit im Internet?
Finde ich nicht. Ich hab natürlich auch das Internet immer bei mir, check meine Mails und schau‘, dass alles gut läuft. Prinzipiell ist das aber alles viel mehr eine Bereicherung als ein Fluch, da ist es doch nur schön, dass in Zukunft alles noch mehr vernetzt ist.
Der derzeitige Zustand ist für viele dann aber auch extrem ungesund. Ich finde, wir müssen erst lernen auch entspannt genug mit diesem Zustand umzugehen und bewusst zu verzichten. Nicht jede Mail muss sofort beantwortet werden und vieles regelt sich sowieso viel besser am nächsten Tag. In der schnelllebigen Zeit vergessen wir auch gern schon mal sprichwörtlich, über eine wichtige Entscheidung mal eine Nacht zu schlafen.
Wie filterst du denn deinen Nachrichten-Stream bei Facebook? Eigentlich haben wir doch alle viel zu wenig Zeit, um uns immer alle Nachrichten zeigen zu lassen, oder?
Mein privater Facebook Account ist für mich zu 90 % immer noch privat und so ist Facebook doch eigentlich auch gedacht. Im Stream sind die Meldungen der Menschen, mit denen ich auch am privat zu tun haben.
Derzeit habe ich etwas über 300 unbeantwortete Freundschaftsanfragen allein aus dem Grund, weil ich nicht mit jedem befreundet sein muss. Ich will den Mensch hinter dem Account zumindest ein einziges Mal persönlich getroffen haben und das Gesicht dazu kennen.
Ich sorge aber auch stark dafür, dass dies so bleibt. Ein einfaches Mittel ist zum Beispiel, dass berufliche Kontakte oder entferne Kontakte direkt in eine passende Liste gepackt werden. Außerdem sperre ich jegliche Games sofort komplett. Ein Post von Farmville, Cityville, Mafiawars, Glückskeks und dann für immer aus dem Stream verbannt. Aktuell hab ich so über 500 Anwendungen gesperrt. Und Unternehmen, die denken, Sie müssen auf ihrer Seite jeden Tag etwas posten, nur damit mal etwas gepostet ist, fliegen ziemlich schnell wieder raus, weil sie das mit der Relevanz auch noch nicht so begriffen haben.
Und ganz ehrlich. Meistens verpasst man nichts Weltbewegendes, wenn man nicht alles liest.
Ein Bekannter von mir hat erzählt, dass er auf Feiern, die bei ihm stattfinden, alle Besucher bittet die Smartphones und Handys am Eingang abzugeben, damit man sich mehr miteinander unterhält. Würdest du die Feier besuchen?
Klar. Auf einer guten Feier kommt man sowieso selten auf die Idee, das Smartphone aus der Hosentasche zu holen, außer um am Ende den Fahrplan der U-Bahn zu checken.
Philipp, vielen Dank für das Interview.
Gerne!
 |
Über Philipp Roth
Philipp Roth hat Online-Medien (B.Sc.) studiert und beschäftigt sich seit mehreren Jahren auch beruflich mit Facebook. Er ist Gründer von Facebookmarketing.de, einem der beliebtesten Blogs in Deutschland und der größte europäische Blog zum Thema Facebook. Anfang des Jahres verkaufte er das Projekt an ein US-Medienunternehmen und leitet es unter dem neuen Namen Allfacebook.de als Chefredakteur weiter.
Seit langem ist er auch als Freelancer und Berater in diesem Bereich tätig, berät Unternehmen, organisiert Workshops, hält Vorträge, bietet konzeptionellen Input und hilft bei der strategischen Entwicklung von Unternehmen auf Facebook.
Auch privat nutzt Philipp viele Social Web Plattformen schon seit Jahren sehr aktiv. Er überwindet jährlich viele tausend Höhenmeter in den Alpen, ist gerne unterwegs und schießt dank seiner Ausbildung als Fototechnischer Assistent nebenbei auch noch nette Bilder. |
|