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Shop Corner: Multi-Store-Strategien

Ein Online-Shop oder doch lieber ganz viele? Diese Frage ist nicht immer leicht zu beantworten, denn es gibt viele Aspekte zu beachten. Von Markus Hövener.

Der Online-Handel hat im Vergleich zum stationären Handel einen Vorteil: Man kann eigentlich schnell und mit relativ wenig Aufwand nicht nur einen, sondern viele kleine Shops erstellen. Diese so genannten Multi Stores erfreuen sich derzeit einer gewissen Beliebtheit, auch wenn dieser Artikel zeigen wird, dass es dabei durchaus einiges zu beachten gibt und es sich dabei in Bezug auf SEO um eine Strategie handelt, die nicht problemlos funktioniert.

Ein Beispiel für Multi-Store-Strategien liefert das Unternehmen forHeads-network, das nicht einen monolithischen, sondern spezialisierte Online-Shops wie www.kreativ-offensive.de und www.puzzle-offensive.de betreibt. Auch die kinder räume AG betreibt neben www.kinderraeume.com spezialisierte Shops wie www.kinderraeume-baby.de und www.kinderraeume-deko.de.

Zunächst scheint das manchen SEO-Prinzipien zu widersprechen, denn es gibt viele Faktoren, die für eine Ein-Domain-Strategie sprechen - allen voran die Verlinkung. Wer fünf Online-Shops betreibt, könnte z. B. jeweils 40 externe Verlinkungen auf jeden seiner Shops erzielen. Oder aber er vereinigt diese 200 Verlinkungen auf einer einzigen Domain. Wer nun nur auf Parameter wie die Domain-Popularität schaut, wird sich wohl eher gegen Multi-Store-Strategien aussprechen, denn eine Domain-Popularität von 200 ist deutlich besser als nur 40. Aber ganz so einfach ist es nicht, denn es spielen natürlich auch noch andere Faktoren in die Gleichung rein.

Motivation

Die Motivation für Multi-Store-Strategien liegt in Bezug auf SEO vor allem darin, dass Online-Händler theoretisch auch große, etablierte E-Commerce-Sites schlagen können. Und das auch in hartumkämpftem Wettbewerb. Denn wer einen Online-Shop mit Spielzeug besitzt und dort auf der dritten Navigations-Ebene eine Kategorie für "Puzzle" hat, konkurriert direkt mit anderen Händlern, bei denen dieselbe Kategorie ähnlich tief im Shop verortet ist.

Bei Suchanfragen rund um "puzzle" erscheinen neben den bekannten Anbietern, wie Amazon, Ebay, Buecher.de und Weltbild, auch spezialisierte Händler wie MyToys.de. Diese haben in der Regel einen klaren Vorteil: Sie sind deutlich besser verlinkt. Da es recht unwahrscheinlich bzw. sehr teuer ist, eine ähnlich gute Verlinkung wie diese Websites zu erreichen, liegt die Strategie nahe, sie eben nicht mit gleichen Mitteln zu bekämpfen.

Wer allerdings eine separate Website nur für Puzzles aufbaut, wird von Google & Co. wohl anders bewertet werden können. Eine solch spezialisierte Website kann dann viele monothematische Inhalte und vor allem viele monothematische Links aufweisen. Vor allem aber konkurriert nun die eigene Multi-Store-Startseite mit Kategorie-Seiten dritter oder vierter Ebene bei großen Anbietern. Und dann kann es eben sehr gut passieren, dass ein monothematischer Shop mit vergleichsweise wenigen Verlinkungen einen sehr stark verlinkten Online-Shop schlägt.

Dabei dürfen natürlich auch die Nachteile nicht vergessen werden: Durch die Vielzahl an Domains entsteht einfach ein höherer Aufwand. Jede Website muss separat verlinkt werden, für jede Website müssen Bewertungen auf Vergleichsportalen generiert werden und so weiter (siehe auch Kasten: Vor- und Nachteile). Der nötige betriebswirtschaftliche Aufwand wird dabei für diesen Artikel ebenso außer Acht gelassen wie das schwierigere Cross-Selling zu anderen Produkten aus den Multi-Stores, das spezielle Marketing, das für die Ableger erfolgen muss, sowie natürlich der administrative Aufwand.

Die Checkliste (siehe "SEO-Checkliste für Multi Stores") liefert Shop-Betreibern eine erste Entscheidungshilfe in Bezug auf SEO. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass sich Multi-Shops nur dann lohnen, wenn man es auch schafft, diese thematisch spitzen Shops gut innerhalb ihrer Thematik zu verlinken. Denn wie bei allen anderen Websites auch, ist die Verlinkung hier ein kritischer Faktor - mit der zusätzlichen Schwierigkeit, dass man sie hier gleich für mehrere Multi-Shops gleichzeitig schaffen muss. In der Praxis ist das dann auch oft der begrenzende Faktor.

Gleichwohl können hierbei natürlich Tools, Auswertungen und angepasste Prozesse helfen, die Strategie umzusetzen. Eine monatliche Analyse der Verlinkung der einzelnen Multi Stores leistet beispielsweise gute Dienste dabei, den Überblick zu behalten. Das Beobachten der Verlinkungen von Wettbewerbern kann dazu beitragen, wertvolle Links für sich selbst zu finden.

Es darf natürlich auch nicht vergessen werden, dass ein thematisch spitzer Shop auch eigene Inhalte (Unique Content) anbieten muss. So wird es nicht möglich sein, einfach das gesamte Produktportfolio aus einem "großen" Shop zu nehmen und daraus viele kleine Shops herauszulösen. Wenn dann alle Inhalte der "großen" Shops (z. B. www.mein-spielzeug-paradies.com) auch auf den "kleinen" Shops (z. B. www.mein-puzzle-paradies.com, www.mein-holzspielzeug-paradies.com) zu finden sind, besteht die Gefahr, dass Suchmaschinen die Multi Stores wegen doppelter Inhalte abwerten.

Vorteile

Nachteile

  • Eine monothematische Website generiert potenziell bessere Rankings.
  • Eine monothematische Verlinkung erzeugt für die Suchmaschine ein klareres Bild, um die Inhalte bewerten zu können.
  • Durch die spitze Thematik verlinken evtl. andere Website-Betreiber bereitwilliger auf eine Website. So würde eine Spielgruppe eher auf einen auf Brettspiele optimierten Shop verlinken, als auf einen multithematischen Shop, der auch Babyspielzeug und Kinderfahrräder verkauft.
  • Auch in Bezug auf Social Media dürften sich hier leichte Vorteile ergeben, da man sich innerhalb einer spitzen Thematik als wichtige Instanz verankern kann.
  • Linkaufbau ist für alle Domains separat erforderlich.
  • Eine Domain profitiert nicht von der anderen Domain: Ein Link von einer Puzzle-Website auf den Puzzle-Store hilft nicht dem Store für Holzeisenbahnen. Wenn sich alles auf einer einzigen Domain befindet, hilft jedoch jeder Link auch den anderen Kategorien, weil es eben auch eine Domain-weite Bewertung für Verlinkungen gibt.
  • Auch andere Aspekte sind nicht unwichtig. So funktionieren etwa die Sternchen-Bewertungen bei Google AdWords, die so genannten Seller Rating Extensions, immer nur auf Domain-Basis. Hier müssten dann also z. B. für jede einzelne Domain Shop-Bewertungen akquiriert werden, um sie zu aktivieren.
Tabelle 1: Vor- und Nachteile von Multi Stores

 

Fazit

Multi Stores sind ein mögliches Mittel im Kampf gegen größere Shops. Die Entscheidung, bestimmte Themen in Multi Stores auszulagern, sollte aber wohl bedacht werden, denn auch ein thematisch spitzer Shop ist kein Selbstläufer. Vor allem muss diese Website gut innerhalb der Thematik verlinkt werden, was nicht in allen Themengebieten gleichermaßen gut funktioniert. Vor allem aber entsteht durch Multi Stores ein Mehraufwand, der beachtet werden muss.

 

SEO-Checkliste für Multi Stores

Lohnen sich Multi-Store-Strategien für meinen Online-Shop?

  1. Gibt es innerhalb des Produktportfolios Themengebiete, die durch Suchbegriffe mit signifikant hohem Suchvolumen gekennzeichnet sind? Beispiel: "puzzle" wird ca. 50.000 Mal pro Monat gesucht (Exact Match); die Wortgruppe "puzzle" hat laut Google AdWords Keywords Tool ein Suchvolumen von ca. 450.000.
  2. Optimal ist es, wenn für diesen Suchbegriff auch viele Suchbegriffskombinationen existieren, für die im Shop dann Kategorien angelegt werden können. Beispiel: Für den Suchbegriff "puzzle" gibt es Phrasen wie "ravensburger puzzle" (Markenkategorie anlegen), "3d puzzle" (eine Kategorie für 3D-Puzzle einrichten) oder "mordillo puzzle" (Kategorien für bestimmte Motive anlegen).
  3. Es sollte auch geprüft werden, mit welcher Strategie Links beschafft werden können. So gibt es für Puzzles relativ wenige Möglichkeiten, sich organisch gut und sinnvoll zu verlinken, aber bei Brettspielen ist das anders. Hier gibt es Blogs (www.brettspiel-blog.de), Kataloge (www.spielemix.de), lokale Gruppen (www.spieleabend-berlin.de) und auch so genannte Ludotheken (www.spielwiese-berlin.de).
Porträt Jan Büchter
Über den Autor

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

E-Mail: markus@suchradar.de
Markus Hövener (@bloonatic) bei Twitter: Follow bloonatic on Twitter

 

 

Shop Corner:

In der Shop Corner wird das suchradar ab sofort in jeder Ausgabe über ein für Online-Shops relevantes Thema berichten. Aber auch wenn die Themen sich primär an Shops richten, sind natürlich nicht nur Online-Händler zum Lesen eingeladen. Denn: Die Strategien und Lösungen lassen sich meist auch sehr gut auf andere Branchen übertragen.

 

 

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