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Redaktionelle Artikel fürs Social Web:
Themen, die ankommen

Geschrieben wird im Netz ja unglaublich viel. Aber was sind die Themen, die über soziale Netzwerke wirklich verbreitet werden? Eine Spurensuche auf Facebook. Von Markus Hövener.

Manche redaktionellen Artikel zünden einfach im Social Web. Sie verteilen sich wie von selbst über Twitter, Facebook, Google+ und andere Netzwerke und werden immer weiter gereicht. Sicherlich ist hier auch manchmal etwas Glück und Zufall im Spiel, aber grundsätzlich kann man schon Schlüsse ziehen aus Inhalten, die bei der Gruppe besonders gut ankamen - um dann mehr dieser Inhalte zu erzeugen.

Für diesen Artikel wurden aus den beiden Karriere-Sektionen von ZEIT ONLINE (http://www.zeit.de/karriere/) und WELT ONLINE (http://www.welt.de/wirtschaft/karriere/) alle Artikel der letzten Jahre extrahiert, um dann für jeden von ihnen die Anzahl der Facebook-Shares zu ermitteln. Also: Wie oft wurde auf den Empfehlungsbutton von Facebook geklickt, um den jeweiligen Beitrag zu verbreiten?

Aus diesen Beiträgen und den Shares kann man durchaus etwas lernen. Circa. 40 % aller Artikel hatten keinen einzigen Share, während der beste Artikel immerhin etwas mehr als 1.000 Shares hatte. Es ist also so, dass manche Artikel im Social Web einfach gut funktionieren und verbreitet werden, andere eher nicht.

Nun sind derartige Auswertungen natürlich auch ein interessantes Analysewerkzeug für die Redaktion, um zukünftig Themen besser planen zu können. Aber auch als Außenstehender kann man etwas lernen. Denn aus den beliebtesten Artikeln lassen sich viele Trends ablesen. Dabei muss man sich von den konkreten Inhalten lösen und sich einige grundsätzliche Fragen stellen: Warum hat genau dieser Artikel gut funktioniert? Welche Reaktionen konnte dieser Artikel im Social Web heraufbeschwören und will ich die gleichen Reaktionen erzielen? Und wie kann man das auf die eigene Arbeit übertragen?

Die folgende Liste zeigt sieben Beispielartikel und die strategische Richtung, innerhalb derer man sich selber Beiträge überlegen könnte. Angegeben ist jeweils der Rang bezüglich der Anzahl der Facebook-Shares. Es wurden einige Artikel ausgelassen, weil sie den anderen Beiträgen hinsichtlich der strategischen Richtung sehr ähnlich waren.

Bei derartigen Analysen darf natürlich nicht vergessen werden, dass es immer noch auf den Einzelfall und die konkrete Umsetzung ankommt. Auch erhebt diese Liste sicherlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Rang

Artikel

Konsequenz/Strategie

1

"Frauenquote bedroht Männerkarrieren"
http://www.zeit.de/karriere/beruf/2011-04/frauenquote-management

Ein aktuelles Thema aus einer anderen Perspektive beleuchten

Das Thema der Frauenquote wurde eigentlich immer aus der weiblichen Perspektive betrachtet: Frauen werden unterdrückt und erhalten nicht die berufliche Anerkennung, die ihnen anhand ihrer beruflichen Qualifikation eigentlich zusteht. Dieser Artikel beleuchtet es aber aus der Perspektive der Männer, die angeblich Nachteile durch eine Frauenquote erleiden. Derartige Beiträge können von beiden Geschlechtern verbreitet werden: Frauen können das als "Quatsch" abtun, während Männer die Unterdrückung durch die Frauen heraufbeschwören können.

2

"Nicht jeder Mensch ist für Arbeit geboren"
http://www.zeit.de/karriere/beruf/2011-06/interview-sinnsuche-karriere

Gesellschaftliche Paradigmen in Frage stellen, latente Probleme offen legen

In unserer Leistungsgesellschaft geht es primär darum, möglichst produktiv zu sein und Geld zu verdienen. Da geht es primär gar nicht um Sinn stiftende Arbeit.

Aber genau in diese Richtung geht das Interview mit Prof. Tim Hagemann, weil es eben ein gesellschaftliches Paradigma hinterfragt und zudem ein Problem anspricht, das latent oft vorhanden ist, ohne offen angesprochen zu werden: Ist das alles eigentlich sinnvoll? Und eine Überschrift wie "Nicht jeder Mensch ist für Arbeit geboren" kann im Social Web natürlich hervorragend herumgereicht und mit Kommentaren wie "Endlich versteht mich mal jemand" versehen werden.

5

"So besiegen Sie die Aufschieberitis"
http://www.zeit.de/karriere/beruf/2011-02/effizienter-arbeiten

Praxistipps für Probleme, die fast jeder hat, aber über die keiner gerne redet

Kaum jemand hat einen geordneten Schreibtisch, einen durchorganisierten Waschkeller oder ein perfektes Ablagesystem für Rechnungen und sonstigen Papierkram. All das sind Themen, über die eigentlich nicht gerne geredet wird, aber bei denen man dennoch offen für Tipps ist. Derartige Beiträge forcieren Kommentare im Social Web wie "Jetzt pack ich's endlich an" oder "Hey, Peter, das hier ist was für Dich".

6

"Wo Studenten billig wohnen und Vollwichs tragen"
http://www.welt.de/wirtschaft/karriere/article13020213/Wo-Studenten-billig-wohnen-und-Vollwichs-tragen.html

Einblicke in eine mit Vorurteilen behaftete fremde Welt bieten

Dieser Artikel über Studentenverbindungen zeigt, dass manchmal davon profitiert werden kann, wenn man etwas zeigt, zu dem viele ohnehin eine negative Haltung haben. Analog dazu könnte auch über die angeblich viel zu hohe Anzahl an Urlaubstagen von Lehrern oder die angeblich mangelnde Moral von Investmentbanken berichtet werden. In sozialen Netzwerken kann der Teilende dann mit einem Kommentar diese auch schon vorher negative Meinung zementieren ("Habe ich ja schon immer gesagt").

11

"Wo Jung-Akademiker das meiste Geld verdienen"
http://www.welt.de/wirtschaft/karriere/junge-profis/article13356626/Wo-Jung-Akademiker-das-meiste-Geld-verdienen.html

Ranglisten über Aspekte, die wichtig sind, die man aber nicht öffentlich kommuniziert

Kaum einer redet über sein Gehalt oder darüber, wie viel Geld er/sie auf dem Konto hat. Aber dennoch ist Geld ein sehr wichtiger Aspekt für viele Menschen. Derartige Ranglisten ermöglichen dann verschiedene Reaktionen: "Hey, so schlecht sieht's bei mir ja gar nicht aus" oder auch "Die da oben stecken sich das Geld in die Tasche" - je nachdem, wo man auf der Verdienstleiter nun steht.

15

"Wetten, dass Sie sich das nicht trauen?"
http://www.zeit.de/karriere/beruf/2011-04/humor-lesetipp-buerobuch

Geben Sie nicht ernst gemeinte Tipps, was man in alltäglichen Situationen machen kann

Im Büro Spaß haben? Geht das überhaupt? Auch wenn es sich bei diesem Beitrag eigentlich nur um eine Buchrezension handelt, zeigt sich doch, dass hier ein Nerv getroffen wurde. Der Artikel zeigt einfach gute Ideen auf, welche Scherze man im Büro treiben kann. Das Gleiche kann man natürlich auf beliebig viele Themen ausweiten: Konferenzen, Familie, Beerdigungen. Und so etwas führt dann zu Kommentaren wie "Hey, das sollten wir mal mit der Controlling-Abteilung machen".

25

"Artist, Pädagoge und Therapeut in einem"
http://www.zeit.de/karriere/beruf/2011-06/beruf-zirkuspaedagoge

Skurriles zeigen

Früher gab es Jahrmärkte, auf denen die seltsamsten Gestalten gezeigt wurden. Heute kann man das alles sehr gut online erledigen. Zeigen Sie Ihren Lesern etwas Skurriles, das nicht einmal negativ oder positiv behaftet sein muss. Es muss einfach nur aus der Norm fallen: Welche seltsamen Berufe gibt es? Welche Rekorde werden von Über-60-Jährigen aufgestellt? Welche total unnötigen Behörden gibt es?

 

Fazit

Nicht jeder Beitrag zündet in sozialen Netzwerken. Man kann aber von den großen Online-Plattformen sehr gut lernen: Was funktioniert gut? Was wurde über Facebook & Co. verbreitet und kommentiert? Daraus kann man viele Inspirationen für die eigene Arbeit gewinnen und so mehr Reichweite über soziale Medien erhalten.


 

Porträt Jan Büchter
Über den Autor

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

E-Mail: markus@suchradar.de
Markus Hövener (@bloonatic) bei Twitter: Follow bloonatic on Twitter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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