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Mobile SEO:
Strategien zur mobilen Suche - eine Übersicht

Die Nutzung des mobilen Internets explodiert durch die steigende Nutzung von Smartphones. Also Kurs setzen Richtung Mobile SEO? Von Markus Hövener.

Die mobile Internet-Nutzung nimmt stetig zu, was man vor allem iPhone, Android & Co. zu verdanken hat. Wer ein schnelles mobiles Internet und einen nahezu vollwertigen Internetbrowser in seiner Tasche hat, sucht eben auch schnell mal unterwegs.

In diesem Artikel geht es dabei um die Frage, welche Auswirkungen das auf SEO hat. Ist es sinnvoll, spezielle Websites für mobile Endgeräte zu erstellen? Welche technischen Voraussetzungen muss eine solche in Bezug auf SEO erfüllen?

Begrifflichkeiten

Google unterscheidet bei der mobilen Internet-Nutzung zwischen zwei Geräteklassen:

  • WAP-fähige Mobilgeräte
  • Mobilgeräte mit vollwertigem Internetbrowser

 

Abbildung 1:
Flash-Inhalte werden nicht dargestellt

Zur zweiten Gruppe zählen dabei vor allem Smartphones von Apple (iPhone) und solche mit Android-Betriebssystem. Diese Geräte verfügen über einen Internetbrowser, der nahezu alle derzeit bekannten Standards (HTML, CSS, JavaScript) interpretieren und richtig anzeigen kann.

Nur bei der Unterstützung bestimmter Plug-ins sieht es da manchmal recht unterschiedlich aus. So unterstützt das iPhone nach wie vor nicht Adobes Standard Flash, was dazu führt, dass einige wenige Websites, die ausschließlich auf diese Technologie bauen, nicht angezeigt werden können (siehe Abbildung 1).

Die Fähigkeiten der WAP-fähigen Mobilgeräte liegen hingegen deutlich unter denen von Smartphones mit vollwertigem Internetbrowser. Die Unterschiede der unterschiedlichen Standards und Browser (wie XHTML Mobile Profile) aufzuführen, würde allerdings den Umfang dieses Artikels deutlich sprengen.

Recherche

Zunächst stellt sich natürlich die Frage, ob sich die Optimierung für die mobile Suche überhaupt lohnt. Denn nicht alle Themen werden auch zwangsweise mobil gesucht.

Überprüfen kann man das mit dem bekannten Google AdWords Keyword Tool (https://adwords.google.com/select/KeywordToolExternal), das seit einigen Monaten auch Daten zur mobilen Suche liefern kann. Wie in Abbildung 2 zu sehen, kann man hier gezielt nach mobilen Suchanfragen forschen - entweder für "Alle Mobilgeräte", "WAP-fähige Mobilgeräte" oder "Mobilegeräte mit vollwertigem Internetbrowser".

 

Abbildung 2: Keyword-Recherche für die mobile Suche

Wer hier nach lokalen Aspekten wie "hotels", "restaurants" oder "tankstellen" sucht, wird feststellen, dass es große Suchvolumina gibt. Für spezialisierte Suchanfragen wie "personalmanagementsysteme" liefert das Keyword Tool aber wohl zurecht die Antwort, dass das so nicht mobil gesucht wird.

Je nachdem, in welcher Branche sich das eigene Unternehmen befindet, könnte man unter Umständen zu dem Schluss kommen, dass sich Mobile SEO einfach auf Grund der Suchvolumina nicht lohnt.

Google-Suche

Wer allerdings nun erst Recht motiviert ist, seine Besucher auch unterwegs optimal zu erreichen, muss sich zunächst darüber klar werden, dass es nicht "die eine" Google-Suche gibt. Wer über ein Smartphone mit vollwertigem Internetbrowser sucht, sieht - im Vergleich zu einem Desktop-Browser wie Firefox - im Allgemeinen dieselben Suchergebnisse in einer annähernd identischen Darstellung. Der Klick auf ein Suchergebnis zeigt dann auch direkt die Website an - idealerweise so, dass sie vom Smartphone auch korrekt dargestellt wird.

Bei den WAP-fähigen Geräten ist das aber anders. Wer z. B. über einen Emulator (wie http://emulator.mtld.mobi/emulator.php) oder über ein WAP-fähiges Mobilgerät die mobile Google-Suche unter http://m.google.de/ besucht, wird eine andere Art der Darstellung erleben. Google setzt einen so genannten Transcoder ein, der die besuchte Website und deren Inhalte für die Fähigkeiten der mobilen Endgeräte umkodiert. Im Allgemeinen führt das zu suboptimalen Ergebnissen, weil dann z. B. Navigationselemente, die eigentlich weggelassen werden sollten, immer noch angezeigt werden.

Abbildung 3:
Google-Ergebnisse im mobilen Simulator

Es gibt bei der WAP-Suche aber auch einige Ergebnisse, die mit einem Telefon-Symbol gekennzeichnet werden (siehe Abbildung 3). Das passiert, wenn es sich entweder um eine für WAP-Mobilgeräte optimierte Seite handelt oder wenn - wie bei Audi in Abbildung 3 - die Website selber für eine optimierte Darstellung sorgt. Im Falle von www.audi.de gibt es nämlich ein Mobil-Pendant unter m.audi.de, auf das mobile Geräte automatisch umgeleitet werden.

Wenn ein Suchergebnis mit dem Telefon-Symbol gekennzeichnet ist, wird der Besucher übrigens nicht über den Transcoder geschickt, sondern landet direkt auf der entsprechenden Website.

Mobile Sites

Interessant ist Darstellung von www.audi.de in den Suchergebnissen auf jeden Fall, weil es ja eigentlich eine mobile Version der Website gibt (m.audi.de), die an dieser Stelle angezeigt werden sollte. Google weiß offensichtlich, dass es eine mobile Version der Website gibt, aber trotzdem wird die stationäre Version der Website angezeigt - in der "Hoffnung", dass Audi dann schon für die Weiterleitung sorgt.

Grundsätzlich scheint es keine oder wenn eine nur sehr geringe Präferenz für mobile Seiten in der mobilen Suche zu geben. In vielen Fällen (z. B. bei Immobilienscout24.de, die mit mobil.immobilienscout24.de auch über viele indexierte mobile Seiten verfügen) ist es so, dass die stationären Seiten (unter http://www.immobilienscout24.de) deutlich bessere Rankings erzielen als die mobilen Seiten.

Das liegt zum Teil natürlich an den Vorlieben der Suchmaschinen für externe Verlinkungen. Suchmaschinen wie Google stehen vor dem Dilemma, ob sie eine Seite mit vielen Verlinkungen (z. B. http://www.immobilienscout24.de) anzeigen oder eine Seite mit wenigen direkten Verlinkungen, die aber dafür für die mobile Darstellung optimiert ist (z. B. http://mobil.immobilienscout24.de). Google scheint sich hier allerdings in der Regel für die erste Variante zu entscheiden.

Man kann also durchaus zu der Schlussfolgerung kommen, dass mobile Seiten in Bezug auf SEO nicht relevant sind. Vielmehr ist es wichtig, dass die Besucher - wenn sie denn von einem WAP-fähigen Gerät oder über ein Smartphone kommen - auf eine Website gelangen, die die dort vorhandenen Informationen auf der Website optimal anzeigt.

One-URL-Strategie

Es gibt eine Vielzahl von SEOs, die eine One-URL-Strategie empfehlen. So soll eine Seite nur unter einer einzigen URL verfügbar sein (z. B. www.unternehmen.de/inhalt/). Bei der Erstellung der Seite wird dann entschieden, wie die Seite dargestellt wird. Das kann browserseitig erfolgen, z. B. durch für mobile Endgeräte optimierte CSS-Dateien, die bestimmte Seitenelemente einfach ausblenden oder anders darstellen. Das kann aber auch serverseitig passieren, z. B. wenn eine Seite ohnehin von einem CMS zur Laufzeit erzeugt wird. Dann kann der Server im Augenblick der Erstellung entscheiden, welche Seitenbestandteile wie ausgeliefert werden.

Die Vorteile der One-URL-Strategie liegen grundsätzlich in zwei Aspekten:

  • Es gibt keinen PageRank-Split mehr, d. h. eine Seite vereint alle externen Verlinkungen auf sich. Wenn man von der One-URL-Strategie abweicht, kann es passieren, dass die stationäre Seite gut verlinkt, die mobile Seite aber schlecht verlinkt ist. Mit der One-URL-Strategie aber werden alle Links - ob stationär oder mobil - derselben Seite zugerechnet.
  • Es entsteht auch kein Duplicate Content mehr, weil ja sonst unter mehreren URLs (z. B. www.unternehmen.de/inhalt/ und m.unternehmen.de/inhalt/) dieselben Inhalte zu finden wären.
Duplicate Content

Zum zweitgenannten Vorteil ist - zumindest in Bezug auf Google - zu sagen, dass deshalb keine Gefahr droht, weil es zwei unterschiedliche Crawler gibt: Der "normale" Googlebot indexiert die stationären Seiten, während der "Googlebot-Mobile" die mobilen Seiten indexiert.

Wer auf eine One-URL-Strategie verzichten und die beiden Crawler optimal bedienen will, muss in der robots.txt-Datei eine Art Crawler-Weiche implementieren:

Stationäre Website

Mobile Website

www.unternehmen.de/robots.txt

m.unternehmen.de/robots.txt

User-Agent: Googlebot
Allow: /

User_Agent: Googlebot-Mobile
Disallow: /

User-Agent: Googlebot
Disallow: /

User_Agent: Googlebot-Mobile
Allow: /

Jeder der beiden Crawler erhält so nur Zugriff auf die jeweils für ihn gedachten Seiten.

In der Praxis findet man allerdings nur selten eine solche Crawler-Weiche. Bei den meisten Websites (z. B. mobil.eltern.de, , m.zdf.de) wird die mobile Website per robots.txt-Datei für alle Crawler komplett gesperrt.

Abbildung 4:
Mobile Ergebnisse in den "normalen" Google-Ergebnissen

Die Angst vor Duplicate Content mag ein Faktor dafür sein. Es kann noch einen Grund geben: Immer wieder erscheinen mobile Suchergebnisse auch in den stationären Suchergebnissen, so dass z. B. ein Firefox-Nutzer auf die Mobil-Version einer Seite gelangt (siehe Abbildung 4), die dann hinsichtlich der Ästhetik und Nutzerführung eher seltsam anmutet.

Aber wie schon oben erwähnt: Grundsätzlich ist die Vollsperrung der mobilen Website auch problemlos möglich, weil eine mobile Website keinen Vorteil in den Rankings hat. In der Regel wird ohnehin die stationäre Seite angezeigt.

Hin und her

Wer aber eine stationäre und eine mobile Website hat und nicht auf eine One-URL-Strategie setzt, muss sicherstellen, dass die Besucher auch auf die jeweils für sie passende Website geschickt werden. Wenn also ein WAP-fähiges Endgerät auf www.audi.de zugreift, muss der Webserver dieses erkennen und den Besucher dann auf m.audi.de umleiten. Analog muss das idealerweise auch in der Gegenrichtung erfolgen.

Die Erkennung der mobilen Geräte erfolgt immer über den User-Agent, also über die Kennung, die jeder Browser mitschickt. Wenn in diesem User-Agent also z. B. "iPhone" vorkommt, kann der Webserver davon ausgehen, dass ein Besucher über ein iPhone verfügt. Dann muss entweder die bestehende Seite richtig dargestellt werden oder der Besucher muss zu der passenden umgeleitet werden.

Wer hier intelligente Entscheidungen und Darstellungen wählen will, kann mit Hilfe von Datenbanken wie DeviceAtlas (www.deviceatlas.com) und WURFL (wurfl.sourceforge.net) sehr viele Informationen über das jeweilige Endgerät erhalten, also z. B. die Bildschirmauflösung erfahren. Eine derartige Implementierung dürfte für die meisten Unternehmen aber schlicht und ergreifend zu viel des Guten sein.

Alternate-Tag

Wer über getrennte Seiten verfügt, hat auch die Möglichkeit in seinen stationären Seiten auf die mobile URL hinzuweisen - und zwar mit Hilfe eines Rel-Alternate-Tags (siehe auch http://www.google.com/support/webmasters/bin/answer.py?hl=de&answer=35312). So könnte die Seite http://www.unternehmen.de/inhalt/ über das folgende Head-Tag auf ihr mobiles Pendant hinweisen:
<link rel="alternate" media="handheld" href="http://m.unternehmen.de/inhalt/" />

Cloaking?

Bei der One-URL-Strategie stellt sich auch die Frage, ob es sich dabei technisch gesehen nicht um Cloaking handelt - und man sich so der Gefahr einer Abstrafung aussetzt. Hierzu gibt es ein Statement von Matt Cutts (http://www.youtube.com/watch?v=mY9h3G8Lv4k), in dem er betont, dass diese Gefahr nicht besteht. Voraussetzung dafür ist lediglich, dass man den Crawler Googlebot so wie einen normalen Browser behandelt.

XML-Sitemaps

Abschließend sei noch auf die Möglichkeit hingewiesen, auch für die mobile Website eine XML-Sitemap zu erstellen und dann über die Google Webmaster Tools einzureichen. Das früher verwendete Format wird bereits seit einiger Zeit nicht mehr unterstützt. Das neue Format ist aber sehr einfach (Dokumentation: http://www.google.com/support/webmasters/bin/answer.py?answer=34648) und wird auch von einigen Sitemap-Generatoren bereits angeboten.

Einschätzung

Natürlich investieren große Internet-Unternehmen wie Amazon und Ebay viel Aufwand in ihre Mobil-Seiten und bieten auch meist Apps für alle relevanten mobilen Betriebssysteme an. Es ist auch definitiv unstrittig, dass die mobile Internet-Nutzung stark ansteigt und wohl auch in Zukunft noch sehr stark steigen wird.

Trotzdem stellt sich die Frage, ob Mobile SEO wirklich relevant ist. Lohnt sich die Optimierung von Inhalten nur für die mobile Suche? Dabei geht es nicht um die Optimierung der Darstellung, sondern um die Frage, ob mobile Seiten in mobilen Suchergebnissen einen Ranking-Vorteil genießen und ob es sich daher lohnt, spezielle mobile Seiten zu erstellen?

Derzeit kann diese Frage eher verneint werden. Es mag einen minimalen Vorteil für mobile Seiten geben, aber in der Praxis hat das alles kaum Relevanz. Wer Google über ein iPhone oder ein Android-Smartphone nutzt, sieht ohnehin nur die "normalen" Suchergebnisse. Und wer sich über ein WAP-fähiges Gerät auf die mobile Suche begibt, wird auch nur selten auf mobile Seiten stoßen.

Wer also primär auf iPhone & Co. gut gefunden werden möchte, muss in Bezug auf SEO zunächst gar nichts machen - außer eben, dass sichergestellt werden muss, dass die Seiten auch gut auf dem iPhone aussehen. Hierfür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten (server- oder browserseitig).

Wer dennoch eine spezielle mobile Website erstellt, muss diese nicht unbedingt vor Suchmaschinen verstecken. Aber das Öffnen der mobilen Website hat in der Regel auch keinen großen Vorteil, so dass es auch hier eher um andere Fragen gehen sollte. Und zwar: Wie sorge ich dafür, dass mobile Nutzer, die auf meiner stationären Seite landen, per Umleitung auf die Mobil-Version umgeleitet werden? An dieser Stelle ist also meistens nicht der SEO, sondern der Web-Entwickler bzw. die IT gefragt.

Fazit

Die mobile Suche wird ohne Zweifel immer wichtiger werden. Es stellt sich die Frage, welche Maßnahmen hierzu in Bezug auf SEO umgesetzt werden müssen. Grundsätzlich gibt es hierzu zwei unterschiedliche Strategien: die One-URL-Strategie (es gibt nur eine einzige URL, die Inhalte werden aber je nach Endgerät unterschiedlich dargestellt) und die Strategie, bei der es spezielle mobile Websites gibt.

 

 

 

Porträt Markus Hövener
Über den Autor

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

E-Mail: markus@suchradar.de
Markus Hövener (@bloonatic) bei Twitter: Follow bloonatic on Twitter

 

 

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