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Linkbaits:
Links gezielt ködern

Linkbaits gelten oft als Königsweg des Linkaufbaus. Alles ganz einfach? Nein, denn ein paar Regeln sollte man dabei schon beachten. Von Andre Alpar.

Im SEO wird zwischen Onpage und Offpage SEO unterschieden. Das Wissen darum, wie Onpage SEO umzusetzen ist, ist im Markt relativ breit vorhanden. Der Kampf um die vorderen Ränge wird daher meistens beim Offpage SEO entschieden. Ein Weg zum Ziel: Linkbaits.

Linkbaits (Bait = Köder) sind Offpage-SEO-Maßnahmen, die Links zur Zielseite ködern. Um bei diesem gedanklichen Bild zu bleiben, kann man sagen, dass Linkbaits aus zwei Elementen bestehen:
 

  • dem Platzieren des Köders und
  • dem Anlocken der Links.

Ein Beispiel, an dem schnell klar wird, wie Linkbaits grundsätzlich funktionieren, findet man unter http://mingle2.com/dating/unicorn. Eine Online-Dating Website veröffentlichte hier eine sehr unterhaltsame Aufzählung von zehn Punkten, die beschreibt, warum es hervorragend wäre, ein Date mit einem Einhorn zu haben - und die bislang zu ca. 180 Dofollow-Verlinkungen geführt hat. Eine herrlich sinnlose, aber sehr amüsante Idee, die hervorragend als Köder für Links dienen kann. Es muss nur noch Aufmerksamkeit für den Linkbait generiert werden - dann kommen die Links bei entsprechend gutem Content "fast wie von selbst".

Linkbaits im Vergleich

Linkbaits genießen im Vergleich zu anderen Linkaufbau-Methoden erst seit relativ kurzer Zeit größere Aufmerksamkeit. Es gibt zwei Gründe für die steigende Aufmerksamkeit für Linkbaits. Zum einen ist die Art und Zusammensetzung der geköderten Links sehr vorteilhaft und zum anderen ist es die Kosten-Nutzen-Relation. Beide Gründe werden im Folgenden genauer erläutert.

Um die Qualität der Links einer bestimmten Linkaufbau-Methode einschätzen zu können, muss man sich vor Augen halten, wie ein durchschnittliches Linkprofil aussieht. Konzeptionell wird häufig von einer Pyramide gesprochen, die laut Sistrix Toolbox in der Praxis folgendermaßen aussieht:

Pagerank

Anteil Links

7

0,2%

6

0,7%

5

1,9%

4

3,8%

3

6,0%

2

6,8%

1

6,2%

0

10,0%

Ohne PR

64,6%

Im Unterschied zu anderen Linkaufbau-Methoden liefern erfolgreiche Linkbaits eine sehr gute Mischung von Links. Diese fügen sich nahtlos in das durchschnittliche Linkprofil, welches das Ziel der gebündelten Offpage Maßnahmen sein sollte, ein. Mit Sicherheit ist der Pagerank heutzutage kein Wert mehr, auf den man sich fokussieren sollte, aber er reicht, um vereinfachend den Sachverhalt zu erklären.

Der zweite Aspekt, der Linkbaits attraktiv macht, ist ihre Kosten-Nutzen-Relation. Hier muss "Qualität von Links" etwas genauer definiert werden, eine ausschließliche Betrachtung der Stärke/des Pageranks reicht nicht aus. Die Qualität ergibt sich letztlich auch daraus, wie nachhaltig die Links wirken und wie schwer sie durch Wettbewerber imitiert werden können.

Abbildung 1: Linkaufbau im Vergleich

Aus Sicht des Autors lassen sich unterschiedliche Linkaufbau-Methoden in etwa wie in Abbildung 1 miteinander in Relation setzen.

Da einige der Begriffe ggf. nicht ganz selbsterklärend sind, hier kurze Erklärungen inklusive des Hintergrunds der Kosteneinschätzung:

  • Aufbau: Links, die man "selbst" machen kann. Das umfasst z. B. Webkataloge über Presseportale bis hin zu Social Bookmarks und Artikelverzeichnissen. Hier fallen Kosten nur in Form von Arbeitszeit an. Die Kosten pro Link sind sehr gering.
  • Betteln: Viele solide Links können einfach akquiriert werden, indem man freundlich darum bittet. Hier fallen auch Kosten in Form von Arbeitszeit an, allerdings ist der Aufwand pro Link wesentlich höher, da es für jeden Link viele Versuche und Feingefühl braucht.
  • Tauschen: Um einen Tausch zu bewerkstelligen, der nicht nur reziprok ist, braucht man weitere Domains, auf denen als Gegenleistung Links gesetzt werden können. Ansonsten ist bei Linktausch auch nur Arbeitszeit und Geschick notwendig.
  • Kauf/Miete: Für jeden Link wird hier eine monetäre Gegenleistung erbracht. Diese kann entweder einmalig oder regelmäßig in Form von konkreten Geldbeträgen oder Gutscheinen erfolgen. Zusätzlich ist Arbeitszeit notwendig.

Bei der obigen Einordnung ist die Einschätzung dieser Methoden durch Suchmaschinen nicht eingeflossen. Diese hängt bei jeder der Methoden auch sehr vom Detail und Geschick in der Vorgehensweise ab.

Ein Erfahrungswert des Autors ist, dass bei einem erfolgreichen Linkbait die einmaligen Kosten pro Link bei ca. 35 Euro liegen. Man sieht, dass erfolgreiche Linkbaits ein sehr attraktives Kosten-Nutzen-Verhältnis haben. In dieser Formulierung liegt bei Linkbaits allerdings auch schon die Krux: Das Wort "erfolgreich" macht den Unterschied. Tatsächlich sind die meisten initiierten Linkbaits nicht erfolgreich und auch Erfahrung "aus erster Hand" ist im deutschen und europäischen Markt bisher nicht breit vorhanden.

Arten von Linkbaits

Linkbaits sollen hier anhand dreier Kriterien unterschieden werden.

(1) Link-Herkunft

Die Qualität und Nützlichkeit von Linkbaits hängt stark von der geographischen Herkunft der Links ab. Für eine deutsche Website hat ein Linkbait, der vornehmlich deutsche Links generiert, den größten Wert. Mit "deutschen Links" wären in diesem Fall Links von .de Domains, Links von Domains mit einer Deutschland zugeordneten IP oder Links von deutschsprachigen Websites gemeint. Im Idealfall treffen alle drei Dinge gleichzeitig zu.

(2) Orientierung

Regelmäßig lassen sich erfolgreiche Linkbaits für einen nicht-kommerziellen Zweck beobachten. Dies ist eine gute Fingerübung, um sich in Linkbaits zu versuchen. Ein Transfer von Vorgehensweisen und Einsichten auf den kommerziellen Bereich ist jedoch nur bedingt möglich.

(3) Zeitlicher Verlauf

Dieses Differenzierungsmerkmal ist im Unterschied zu den oben genannten weniger eines, das sich auf die Nützlichkeit bezieht. Man kann kommerziell orientierte Linkbaits, die maßgeblich Links aus dem anvisierten Zielland generieren, nach ihrem zeitlichen Verlauf klassifizieren. Es soll deshalb im Folgenden zwischen kontinuierlichen und explosiven Linkbaits unterschieden werden.

Kontinuierliche Linkbaits sind solche, die über längere Zeit immer wieder einige Links generieren können. Ein Beispiel für einen kontinuierlichen Linkbait findet man unter http://deutscheflug.com/uhr. Dieser "Gratisführer mit allen Billigfluglinien" bietet Website-Besitzern kostenlos eine Uhr für ihre Website an. Die Uhr, die man auf der eigenen Website integriert, enthält dann einen Link zu der Flugseite. Auch wenn Widgets an sich eine gute Idee sind, erscheint die mangelnde thematische Relevanz der Backlinks allerdings problematisch.

Ein Beispiel für länger zurückliegende explosive Linkbaits (des Autors) ist beispielsweise http://www.blogitzeljagd.de/. Obwohl diese Aktions-Website noch nicht einmal die Zielseite der Links war, hat sie eine ansehnliche Domain-Popularität von ca. 300 gewonnen. Auf explosive Linkbaits soll sich dieser Artikel im weiteren Verlauf konzentrieren.

Kosten von Linkbaits

Abbildung 2: Explosive Linkbaits

Natürlich können Linkbaits auch zufällig und ungewollt passieren, aber darauf werden sich kommerziell orientierte Unternehmen nicht verlassen wollen oder können. Bei geplanten kommerziellen Linkbaits, die "explosiv" Links aus einem bestimmten Zielland generieren sollen, entsteht der meiste Aufwand vor dem Start der Aktion. Der Erfahrung des Autors nach entwickelt sich der Aufwand eines Linkbaits wie in Abbildung 2.

Der Aufwand, der vor dem Start des Linkbaits entsteht, wird als Seeding bezeichnet, die Spitzenbelastung findet beim Start selbst statt. Dann gibt es noch einmal einen höheren Aufwand, wenn der Linkbait angeschlossen wird.

Das Seeding ist der zentrale Erfolgsfaktor eines Linkbaits. Beim Seeding gibt es im Wesentlichen zwei Entscheidungen durch den Veranstalter zu treffen:

  1. Wer wird im Rahmen des Seedings angesprochen? Beispiele: Kunden, Affiliates, Teilnehmer anderer ähnlicher Aktionen
  2. Wie wird das Seeding gemacht? Per Post, E-Mail oder auf anderen Kommunikationskanälen? Gibt es via Social Media Möglichkeiten, auf den Linkbait aufmerksam zu machen? Was ist eine gute Tageszeit/Jahreszeit für den Linkbait?

Beim Seeding gibt es ein zentrales Problem, das sich folgendermaßen beschreiben lässt:
"Aufmerksamkeit anlocken - aber so wenig nerven wie möglich!"

Man muss sich als Initiator eines Linkbaits mit aktivem Seeding immer klar sein, dass es immer Leute geben wird, die das Erregen von Aufmerksamkeit weit weniger wert schätzen. Dies ist eine Tatsache, die dem gesamten Unternehmen - auch dem Management - klar sein und akzeptiert werden muss. In der Regel lässt sich durch proaktive und freundliche Kommunikation mit aufkommenden, nicht positiven Stimmen zu einem Linkbait gut umgehen.

Linkbaits sind tot!

Die provokative Aussage gilt zumindest für einige Arten von Linkbaits. Hier einige Gründe, die die Attraktivität von Linkbaits als Linkaufbau-Methode schmälern.

  • Microblogging hat einen Teil des Bloggens ersetzt. Wir wissen zwar mittlerweile, dass Tweets dem Ranking gut tun, aber im Moment werden die meisten Online Marketer 100 Links sicher 100 Tweets vorziehen.
  • Wie zuvor beschrieben, haben erfolgreiche Linkbaits ein hochattraktives Kosten-Nutzen-Verhältnis. Entsprechend oft wird von unterschiedlichen Unternehmen versucht, Linkbaits zu seeden. Mittlerweile sind einige potenzielle Teilnehmer von Seeding-Nachrichten eher gestört als begeistert.
  • Linkbaits sind als Linkaufbau-Methode kaum international skalierbar. Häufig ist eine initiierende Person mit gutem Netzwerk von großem Vorteil für die Aktion. Die systematische Zusammenarbeit mit solchen Personen über Ländergrenzen hinweg konnte bisher noch nirgendwo im Markt beobachtet werden.
  • Linkbaits sind im Vergleich zum Linkmarketing hinsichtlich der Frequenz nur bedingt skalierbar. Es ist gut vorstellbar, dass kompetitive Unternehmen durchgehend ins Linkmarketing investieren wollen. Aber wie oft kann ein Unternehmen mit signifikanter Energie erfolgreich auf ein neues, spannendes Thema aufmerksam machen?
  • Es lässt sich bei Inhabern von Blogs und Homepages eine sinkende Lust an der Teilnahme an Linkbaits feststellen. Die Gründe hierfür sind sicher vielfältig und komplex.

Wie schon einführend angemerkt, liegt der Fokus dieses Artikels auf explosiven Linkbaits. Entsprechend gelten die in diesem Abschnitt aufgeführten Gründe eher für solche Linkbaits.

Tipps für Linkbaits

Wenn ein Unternehmen erwägt, einen Linkbait zu initiieren, sollte gründlich und unvoreingenommen abgewogen werden, welche Form des Linkbaits eher zum Erfolg führen wird. Gerade Entscheider bevorzugen die Art des explosiven Linkbaits, da die Frage nach der Wirkung und des ROIs der Aktion schneller bestimmt werden kann. Zudem ist die Planung und Durchführung eines kontinuierlichen Linkbaits wesentlich komplexer. Allerdings erwecken gerade explosive Linkbaits oft den Anschein eines Gewinnspiels oder können auf den ersten Blick auf ihren Zweck, nämlich das Einsammeln von Links, reduziert werden. Dies erzeugt ein gewisses Desinteresse, welchem man mit einem kontinuierlichen Linkbait wie dem Anbieten eines E-Books oder eines Widgets begegnen kann. Fällt die Entscheidung für die explosive Variante, sollte die Geschäftsführung - für den Fall, dass sich durch das Seeding kommunikative Herausforderungen ergeben - der Aktion die volle Unterstützung zugesichert haben.

Unabhängig von der Art des Linkbaits sollten anfallende Kosten als "sunk" (zu deutsch "versenkt") angesehen werden. Wie im Abschnitt über die Kosten von Linkbaits beschrieben, fällt der größte Aufwand vor dem Start an und ist auf jeden Fall unabhängig vom Erfolg der Aktion. Das Seeding bleibt der zentrale Erfolgsfaktor. Unterstützende positive Einflüsse sind stark vernetze Personen sowie ein guter Markenname (der groß und positiv belegt ist).

 

Fazit


Linkbaits können in gewissem Rahmen ein sehr gutes Element des Linkmarketings sein, insbesondere wenn man sich für langfristig angelegte Maßnahmen entscheidet. Entscheidend über den Erfolg des Linkbaits ist in jedem Fall das Seeding.

 

Porträt Hanns Kronenberg
Über den Autor


Andre Alpar hat ein Diplom in Wirtschaftsinformatik und Bachelor in Psychologie. Er hat bereits drei Unternehmen erfolgreich gegründet und ist im Onlinemarketing seit 1999 tätig. Andre Alpar ist bei einer relevanten Anzahl von Internet Startups als Business Angel aktiv. Heutzutage ist er bei der Rocket Internet GmbH als strategischer Berater im Onlinemarketing-Bereich tätig mit einem Fokus auf SEO und Affiliate Marketing.

 

 

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