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Ausgabe 28 > Interview
mit André Morys
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André Morys/Web Arts AG
André Morys, der Macher der Web Arts AG, ist vor allem im vergangenen Jahr auf und mit vielen Konferenzen in der Öffentlichkeit aufgetreten. Wir haben uns gefragt, wer ist denn der Mann hinter diesen Auftritten? Er stand uns Rede und Antwort. Von Maik Bruns.
Hallo André, du bist seit 1996 der Macher der Web Arts AG – zuvor warst du als Kreativer selbstständig. Was hat dich dazu bewegt, das Metier zu wechseln?
André Morys, der Macher der Web Arts AG
Gute Frage … das lag wohl daran, dass ich nie wirklich ein echter „Kreativer“ war. Auf diese Idee kam ich aber selbst erst nach ein paar Jahren … Mich haben nie Konzepte interessiert, die einfach nur „neu“ oder „cool“ sind. Ich habe mich irgendwie stattdessen immer gefragt „Was soll das überhaupt bringen?“ oder „Wer braucht das denn?“. Ich habe viele Konzepte kritisch hinterfragt und mich damit nicht immer bei der Marketing-Abteilung des Kunden beliebt gemacht. Ich habe denen dann gesagt: Der ganze kreative Kram bringt doch nichts, wenn am Ende kein Deckungsbeitrag steht … Naja, diese Sichtweise hat mich jedenfalls recht bald auf das Thema Profit- und Kundenorientierung und CRO gebracht.
Seit 2008 gibt es neben dem eigentlichen Agenturjob das Blog „konversionsKRAFT“. Wie viel Zeit wendest du persönlich dafür auf? Denn die Beiträge sind ja meist recht aufwendig.
Ohjeh. Keine Ahnung ehrlich gesagt. Wenn mich ein Thema reizt, dann schreibe ich einfach darauf los. Ich habe schon Blogposts in 15 Minuten geschrieben (das waren meist die besten) und manchmal habe ich auch schon 2 Stunden investiert. In der Summe investieren wir mit allen zusammen vielleicht zwei Arbeitstage pro Monat in das Blog.
Welches deiner Projekte liegt dir persönlich am meisten am Herzen? Der Dozenten-Auftrag, konversionsKRAFT - oder doch der ganz normale Agenturtag … und warum?
Ganz einfach: Es ist die Kombination aus allem. Es macht mir sehr viel Spaß in Vorträgen und Blogposts ein Publikum mit einer Idee zu bereichern. Das gleiche gilt für den Job als Dozent an der FH – es bringt Leute voran. Das macht Spaß. Auf der anderen Seite zählen die Ergebnisse, das heißt: Wenn sich der Know-how-Vorsprung am Ende auch für die Kunden rechnet – wunderbar. Das macht den Job „Conversion Optimierung“ am Ende auch so spannend – das Wissen, dass man gerade x-tausend Euro pro Tag oder pro Monat mehr für einen Kunden rausgeholt hat, ist einfach ein tolles Gefühl.
Web Arts wurde in 2009 mit dem Prädikat „Top-Arbeitgeber in Deutschland“ und „Top Job“ ausgezeichnet und ist außerdem unter den „Top 100 innovativsten Unternehmen im Mittelstand“ zu finden. Was bringt dich - oder soll ich sagen euch - dahin?
Es geht dabei um den Spaß. Am Ende muss die Arbeit nicht nur Geld bringen sondern Spaß machen. Betriebswirtschaftlicher Erfolg ist wertlos, wenn die Arbeit nicht Spaß macht. Und die Arbeit macht vor allem dann Spaß, wenn man bei einem Thema vorneweg gehen, innovativ sein, neue Dinge entwickeln und gestalten kann. Wie auch immer: Vorankommen ist wichtig für den Spaß – und umgekehrt. Deshalb haben wir uns bei Web Arts darauf konzentriert, ein guter Arbeitgeber zu sein. Das ist einfach die Grundlage für den Erfolg.
Ihr geht ja auch teilweise ungewöhnliche Wege mit Web Arts. Als Beispiel seien hier einmal eure Kundenspaziergänge genannt. Wie reagieren die Kunden auf Vorschläge dieser Art, wenn sie das erste Mal damit konfrontiert werden?
Lustig, das Thema „Innovationsspaziergang“ (so heißt es eigentlich) fasziniert alle. Ich weiß garnicht mehr, woher das kam – aber zuerst haben wir das nur als interne Methode eingesetzt. Den Raum wechseln, sich bewegen, den Blickwinkel ändern: Das alles ist wichtig in kreativen Prozessen. Erst später haben wir das auch mit Kunden ausprobiert – und auch nur sehr selten. Es macht aber immer wieder Spaß.
Wieviel liegt dir an einer guten persönlichen Beziehung mit dem Kunden?
Naja, für mich heißt „gut“, dass die Beziehung auf Augenhöhe ist. Das hat mit gegenseitiger Wertschätzung zu tun. Unsere Arbeit lässt unsere Kunden oft ein paar Millionen Euro mehr verdienen – daher sehen wir uns als strategischer Partner und als Begleiter – also weniger als „Lieferant“ und mehr als „Partner“. Ohne diese Klarheit funktionieren Kundenbeziehungen nicht. Leute, die diese Sichtweise nicht mit uns teilen, lehnen wir sogar als Kunden ab. Das heißt: Es ist mir also wirklich sehr wichtig.
Im vergangenen Jahr bist du mit dem eintägigen Conversion Camp in Frankfurt durchgestartet. Die Veranstaltung hat so gut eingeschlagen, dass sie in diesem Jahr als ConversionSummit an zwei Tagen stattfinden wird – und bereits ausverkauft ist. Du trittst damit natürlich auch in Konkurrenz zur Conversion Conference? Ist in Deutschland denn schon „Platz“ für zwei Veranstaltungen dieser Art?
Ja, weil der ConversionSummit eben ein ganz anderes Konzept hat. Wir haben keine Sponsoren und müssen mit der Veranstaltung auch keinen Gewinn machen, 2010 haben wir sogar noch kräftig draufgelegt. Bei uns zählt der offene Austausch unter echten Experten, daher auch „Summit“ und wir haben kein Interesse, das Event immer größer zu machen. Daher auch die Begrenzung der Plätze. Das macht es einzigartig.
Was wollt ihr auf dem diesjährigen ConversionSummit noch besser machen? Immerhin habt ihr die Messlatte in 2010 schon recht hoch gelegt.
Ja, das macht es nicht einfach. Aber wir haben da schon ein paar Ideen: Zum einen wollen wir uns thematisch noch stärker auf einzelne CRO-Aspekte, wie z. B. Persuasion, Konsumpsychologie oder Verhaltensökonomik konzentrieren. Das sind die spannenden Themen – wer wissen will, wie man ein Testing-Tool einrichtet, muss also woanders hingehen. Dann werden wir Details am Format verändern und zu guter Letzt den Camp-Teil in den zweiten Tag auslagern. Die Party wird noch ein bisschen besser und das Timing wird optimiert. Heißt: Wir machen alles Gute noch besser und das nicht so gute lassen wir einfach weg.
Wie viel persönlicher und wie viel beruflicher Ehrgeiz steckt denn für dich hinter diesen Konferenzen?
Ich will, dass die Menschen die Wahrheit kennen. Allzu oft wird Quatsch erzählt und Bullshit-Bingo betrieben, nur um irgendein Tool zu verkaufen – so etwas kann ich überhaupt nicht leiden und dagegen kämpfe ich an. Das ist ziemlich tief in mir drin, ich kann gar nicht sagen ob das persönlicher oder beruflicher Ehrgeiz ist. Eher eine Art grundsätzlicher Antrieb.
Hast du denn das Gefühl, dass die Konferenzen, die in 2010 zum Thema Conversion-Optimierung stattgefunden haben, bereits jetzt etwas bewirkt haben? Oder kann man das erst in einigen Jahren sagen?
Schwer zu sagen. Ich glaube, wir sind da noch ganz am Anfang. 90 % der Website- und Shop-Betreiber sind noch vom organischen Wachstum und den daraus resultierenden Fehlern geblendet. Die haben noch nicht kapiert, dass das Web bald ein Verdrängungsmarkt werden wird. Sie sehen deshalb auch noch gar nicht das Potenzial der Optimierungen, sondern haben eher Angst vor der Arbeit, die daraus resultiert. Es wird noch ein wenig dauern, bis CRO als strategisches Thema überall ganz oben steht – spätestens, wenn die organischen Wachstumsraten einstellig werden, so im Jahr 2014 schätze ich.
Wie würdest du denn jetzt das letzte Jahr für dich persönlich resümieren?
2010 hat einfach wahnsinnig viel Spaß gemacht, das Thema Conversion Optimierung versprüht eine Art Pionierstimmung, das war toll und hat Spaß gemacht. Ich bin wahnsinnig viel gereist, habe viel erlebt und auch viel erreicht.
Und beruflich? Hat 2010 Spuren hinterlassen?
So finanziell? Ja, ich bekomme bei der Bahn jetzt einen Rabatt, weil ich mehr als 3.000 Euro für Tickets im Jahr ausgebe! Ganz im Ernst: 2010 hat sich das ganze Thema CRO extrem weiterentwickelt, das ist eine tolle Ausgangslage für das neue Jahr.
Und wie viel Urlaub gönnst du dir in 2011?
Wie jedes Jahr: Volle sechs Wochen … ich bin ja schließlich ein „Top-Arbeitgeber“ und weiß, wie wichtig Urlaub ist …
André, vielen Dank für das Interview.
Gerne!
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Über André Morys
André Morys, Jahrgang 1974, gründete 1996 die Web Arts AG als Beratungsunternehmen und Agentur für digitale Wertschöpfung. Web Arts hat mittlerweile 35 Mitarbeiter, betreut ein Lead- /Retailvolumen von 2.8 Milliarden Euro und zählt damit zu den führenden Anbietern von E-Commerce- und Conversion-Optimierung.
Er bloggt und berichtet unter www.konversionskraft.de und ist zusätzlich seit 2004 als Dozent für Usability und User Centered Design an der Fachhochschule Gießen-Friedberg tätig. |
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