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SEO in Action:
Linkaufbau für ein Gay-Dating-Portal

Wer Links aufbauen muss, kann sie kaufen oder mieten. Oder versuchen, mit Köpfchen passende Links aus der Community heraus aufzubauen. Von Markus Hövener.

Für diese Folge von "SEO in Action" werfen wir einen Blick auf ein fiktives Portal, das als eine Partnerbörse für Homosexuelle fungiert. In diesem Markt tummeln sich - anders als bei Heterosexuellen - nur wenige Anbieter. Als Konkurrenten kann man vor allem de.gay-parship.com, www.gayforum.com und www.novagay.com ausmachen.

Warum Gay Dating als Beispiel?

Es gibt viele Themengebiete, bei denen Linkaufbau relativ mühselig ist, weil es eben kaum Möglichkeiten der Verlinkungen gibt. Wer z. B. Fahrzeugbau betreibt, wird schnell feststellen, dass es dafür keine Foren, keine Portale oder Blogs gibt. Wenn andere thematisch passende Websites fehlen, die man ansprechen kann, wird Linkaufbau eben schnell sehr schwierig, so dass dann oft auf Linkkauf/Linkmiete oder auch Eintragungen in Verzeichnisse zurückgegriffen wird.

Themen rund um Homosexualität sollten allerdings in Bezug auf Linkaufbau attraktiv sein, weil es hierzu viele Websites, aber auch viele Entitäten wie Beratungsstellen, Stammtische und Gruppen gibt, die natürlich auch das Internet nutzen. Grundsätzlich sollte also auch der Linkaufbau für ein Dating-Portal für Homosexuelle viele Potenziale für klassischen Linkaufbau liefern können.

Aber wie würde man Links für ein neues Gay-Dating Portal konkret aufbauen? Über welche Aspekte muss nachgedacht werden? Wie kann der Linkaufbau geplant werden, wenn nicht einfach nur Links gekauft werden sollen?

Grundsätzlich gilt beim Linkaufbau immer, dass die auf "natürlichem Wege" entstandenen Links die besten sind - also solche, die ohne Nachfrage auf anderen Websites entstehen. Leider entstehen derartige Links nur sehr selten zum richtigen Zeitpunkt und in der benötigten Quantität und Qualität. Linkaufbau wird also benötigt, um die Website schnell in den Google-Ergebnissen nach oben zu bringen.

Ein grundsätzliches Problem - und die Lösung

Wer Linkaufbau betreibt, wird schnell feststellen, dass es nur wenig Altruismus unter Website-Betreibern gibt. Eine Website wird von einer anderen auf Anfrage nur sehr selten ohne Gegenleistung verlinkt. In der Regel möchte der Verlinkende etwas zurückhaben - und meist ist das ein Link.

Nun ist Linktausch zwar nicht grundsätzlich von Google untersagt, aber wer hunderte von Links direkt tauscht, läuft schon Gefahr, dass er die unsichtbare Linie, die Google zwischen erlaubtem "normalem" und nicht mehr geduldetem "exzessivem" Linkaufbau zieht, überschreitet. Besser wäre es also, auf Linktausch zu verzichten, was aber eben nicht wirklich praktikabel ist. Deswegen bietet sich es sich an, neben der eigenen Website (A) eine zweite Website (B) aufzubauen, die man dann für den Linktausch nutzen kann (Partner verlinkt Website A, Website B verlink auf Partner zurück). Zwischen den Websites A und B sollte es dabei keinerlei Verbindung geben (unterschiedliche IP, unterschiedliche WHOIS-Einträge, anderes Layout, ...). Inhaltlich gibt es hier natürlich keine Grenzen, aber konzeptionell sollte man sich natürlich für etwas entscheiden, das möglichst viele Linkpartner zufriedenstellen kann und dabei auch optisch attraktiv wirkt.

Im Falle des Gay Dating könnte man z. B. ein Wordpress-Blog aufbauen, das alle Aspekte des "Gay Life" abdeckt. So könnte dort auf viele unterschiedliche Websites verlinkt werden - vom "Motorboys e. V. - der Club für schwule Autofans" (www.motorboys.org) bis hin zur "Aids-Hilfe Oldenburg e. V." (www.aidshilfe-oldenburg.de).

Grundsätzlich muss immer bedacht werden, dass die Website attraktiv für zwei unterschiedliche Zielgruppen sein soll:

  1. Personen, die genau den Wert eines Links kennen (und so z. B. verlangen, dass sie einen Link in einem thematisch passenden Text bekommen)
  2. Personen, die den Linktausch nicht (nur) in Bezug auf Linkaufbau realisieren, sondern z. B. um Reichweite zu erlangen (und so beispielsweise an einem Magazinbeitrag Interesse haben)

Es gibt leider noch ein Problem mit der ersten Zielgruppe: Diese wird meist von einem Backlink erwarten, dass die verlinkende Website einen bestimmten PageRank hat (unabhängig davon, ob das auch wirklich ein sinnvolles Kriterium ist). Eine neue Website hat aber leider gerade am Anfang noch keinen PageRank oder einen PageRank 0, so dass man hier zunächst mit Linkaufbau für die Linktausch-Website beginnen muss. Das erscheint zunächst als unnötiger Aufwand, ist aber für die weitere Arbeit unerlässlich. Im Einzelfall kann man hier natürlich auch Abkürzungen finden, indem etwa eine bereits gut verlinkte Website gekauft wird.

Die Analyse-Phase
Abbildung 1: Der Open Site Explorer zeigt Backlinks anderer Domains an

In der Analyse-Phase sollte zunächst damit begonnen werden, die Verlinkungen der Konkurrenten zu sichten. Das kann z. B. mithilfe des Open Site Explorer (www.opensiteexplorer.org, Abbildung 1) passieren, der zu einer Domain alle verlinkenden Websites liefert.

Diese Backlinks müssen dann durchgearbeitet werden. Dabei stößt man natürlich immer auf Backlinks, die über Verzeichnisse, Gästebücher oder Social-Bookmarking-Dienste kommen - Backlinks also, die ohne Mühe direkt realisiert werden können.

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Google Links, die jeder sofort ohne Mühen erhalten kann, relativ gut erkennen und herausfiltern kann. Für diesen Artikel ignorieren wir also derartige Potenziale und wenden uns den Links zu, die etwas mehr Arbeit erfordern.

Direkte Potenziale: Linklisten

Bei der Durchsicht der Backlinks findet man oftmals Potenziale in der Form von Linklisten, z. B. www.muttis-bierstube.de/content/links.php und www.regenbogengruppe.de/links/suche.html, in denen bereits auf einen Konkurrenten verlinkt wird. Das kann aber auch eine Seite wie www.schwulejungs.de/magazin/show/4083/ sein, auf der sich in einem Magazin-Beitrag als Quellenangabe die Website www.gayforum.de wiederfindet. Von dieser speziellen Nachrichten-Seite aus kann also vermutlich kein Link direkt erhalten werden. Wer aber auf der Website herumstöbert, findet dann schnell die Seite www.schwulejungs.de/links/, auf der man dann einen Link erbitten kann.

Suchmuster finden

Spannender als das direkte Aufstöbern von passenden Linklisten ist allerdings der Ansatz, aus den bestehenden Verlinkungen zu lernen. Wer verlinkt auf ein Gay-Dating-Portal? Und wie kann man mehr dieser Websites finden?

Es werden also (siehe auch suchradar-Ausgabe 27, Seite 23) Google-Anfragen gesucht, über die passende Websites gefunden werden können. Da wären dann eben auch Websites dabei, die auf noch keinen Konkurrenten verlinken, also solche, die über eine reine Analyse der Konkurrenz-Backlinks nicht gefunden werden können.

Der Vorteil vom Linkaufbau über Suchmuster liegt zusätzlich darin, dass man so regelmäßig Vorschläge für neue Websites bekommt, die im Google-Index auftauchen. Da Linkaufbau bei viel beschäftigten Unternehmern im Tagesgeschäft oft aus dem Fokus gerät, hat man so ein probates Mittel, um am Thema dran zu bleiben.

Ein konkretes Beispiel für ein derartiges Suchmuster findet sich bei der Website www.glamourdome.de, einer Website für eine Gay Party in Essen. Es würde sich also anbieten, nicht nur nach "gay party essen" zu suchen, sondern diese Suchanfrage auch für alle anderen relevanten Städte zu nutzen.

Und so stößt man bei der Suche nach "gay party berlin" auf die Website www.propagandaparty.de und bei "gay party köln" auf www.weekendrocker.de, www.kings-und-queens.de und www.homoriental-cologne.de.
Aber auch für viele andere Arten von Seiten können schnell Suchmuster gebildet werden, z. B.

  • schwule verein
  • gay netzwerk
  • inurl:links gay
  • ...
Lokale Suchanfragen

Schnell stellt man bei der Analyse der Verlinkungen auch fest, dass es viele lokale Angebote gibt, z. B. in Form von mehr als 60 lokalen Sub-Domains bei Gay-Web.de wie aachen.gay-web.de. Auch hier besteht ein großes Potenzial für den Linkaufbau - vor allem dann, wenn es parallel auf dem eigenen Portal auch lokale Seiten gibt (wie bei GayCupid.org, z. B. www.gaycupid.com/gay-dating/Germany/Bavaria/München/singles.htm). Dann wäre es gut, wenn ein lokaler Linkpartner auch auf die lokale Dating-Seite verlinken würde.

Bei den lokalen Suchanfragen wäre es auch wichtig, semantische Variationen zu nutzen, um so eine Vielzahl möglicher Angebote zu erfassen:

  • gay dating + STADT
  • lesben + STADT
  • schwule + STADT
  • homosexuelle + STADT
  • ...

Und hier schließt sich dann auch wieder der Kreis zum eingangs beschriebenen Problem: Bei der Durchsicht der Ergebnisse stößt man auf durchaus interessante Websites, die jeweils einen Teilaspekt des schwulen Lebens dokumentieren. So finden sich z. B. www.schwule-lehrer-hamburg.de (ein Stammtisch für schwule Lehrer aus Hamburg und Umgebung) oder auch www.huk.org - eine Website der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e. V.
Man wird nicht von allen diesen Websites einen Link bekommen können. Aber die Chancen dafür steigen doch dramatisch, wenn im Gegenzug auch etwas Attraktives angeboten werden kann, z. B. ein Interview im eigenen Blog, um auf deren spezifische Probleme hinzuweisen. Eine "normale" Anfrage auf Linktausch hingegen wäre bei den beiden oben genannten Beispielen mit Sicherheit aussichtslos.

Redaktionelles

Man kann sich aber auch gut von redaktionellen Erwähnungen inspirieren lassen und den Linkaufbau in Richtung Online-PR und Linkbait ausbauen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Mitteilung "Homosexuelle sind Vorreiter beim Internetshopping – Erste deutsche Studie zur Nutzung des Internets durch Homosexuelle" (www.verbrauchernews.de/artikel/0000005989.html). Studien, die die Unterschiede einer Gruppe im Vergleich zur Gesamtheit aufzeigen, sind insgesamt sehr attraktiv.

Wenn ein Gay-Dating-Anbieter auch gleichzeitig heterosexuelle Kunden hat (so wie de.gay-parship.com), könnte dieser Anbieter aus der Datenbank heraus viele Daten generieren - vorausgesetzt, dass auch interessante Daten abgefragt werden. So könnte man feststellen, ob es bestimmte Hobbies gibt, die es bei Homosexuellen sehr oft/selten im Vergleich zu Heterosexuellen gibt. Aus diesen Daten könnte dann eine Studie generiert werden, die idealerweise mehrere zeitlich aufeinanderfolgende Pressemitteilungen rechtfertigt.

Als Linkbait könnte man aus diesen Daten aber auch ein Gewinnspiel machen. Vor Veröffentlichung der Daten werden die wichtigsten ermittelten Parameter (z. B. Hobbies, Musikgeschmack, Einkommen, Wohnort, ...) genannt - ohne allerdings zu sagen, wie die Ergebnisse lauten. Teilnehmer am Gewinnspiel müssten dann schätzen, wie die einzelnen Ergebnisse lauten. Derjenige, der den Ergebnissen am nächsten kommt, erhält dann einen Preis.

Noch mehr Redaktionelles

Aber auch viele andere Beiträge zeigen ein Interesse am "Gay Life" - sei es, um die eigene homosexuelle Leserschaft zu bedienen, aber auch um den heterosexuellen Lesern Einblick in deren Welt zu geben. Interessant ist dabei z. B. der Artikel "Schwule reisen anders" (www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,69194,00.html), der über Schwulenreisen berichtet. Der Artikel ist zwar schon mehr als zehn Jahre alt, aber eben so lange existiert auch schon der Link auf www.gayforum.de/travel/index.htm (der leider auf eine leere Seite verlinkt). Bei derartigen Themen liegt sehr viel Kraft in Bezug auf Online-PR: Trends ausmachen und diese mit Zahlen belegen.


Der Beitrag "Wie Ernie seinen Bert sucht" (www.abendblatt.de/kultur-live/city-singles/article922588/Wie-Ernie-seinen-Bert-sucht.html) zeigt, dass es auch bei diesem Thema eine lokale Komponente gibt. Wer also Online-PR betreiben möchte, kann auch hierzu Pressemitteilungen generieren und an einen lokalen oder deutschlandweiten Verteiler (je nach Thema) schicken:

  • Welche Stadtteile von Hamburg/Köln/München/... sind für Homosexuelle besonders attraktiv? Warum?
  • Welche Städte sind besonders attraktiv? Welche haben in den letzten Jahren an Attraktivität hinzugewonnen/verloren?

Die Daten für diese Analysen können wieder aus der internen Datenbank kommen oder z. B. über Umfragen auf der eigenen Website generiert werden.

Wer wirklich langfristig Online-PR betreiben möchte, kann auch eine jährlich wiederkehrende Studie erstellen, die über viele Aspekte Daten zusammenträgt (etwa "Gay Life Deutschland 2011"). Derlei Studien haben den Vorteil, dass Sie in der Regel von Jahr zu Jahr mehr Leser/Multiplikatoren bekommen und als feste Größe in der redaktionellen Landschaft gelten können.

Fazit

Am Rahmen des fiktiven Gay-Dating-Portals zeigt sich, dass mit Köpfchen viele gute Websites gefunden werden, die auf das eigene Portal verlinken können. Das funktioniert sicherlich am besten in Branchen/Themen, in denen es auch viele Multiplikatoren und Entitäten gibt, die man um einen Link bitten kann. Es erfordert aber auch die Möglichkeit, den Kontaktierten etwas zurückgeben zu können - in der Regel einen Link.

 

Porträt Markus Hövener
Über den Autor

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

E-Mail: markus@suchradar.de
Markus Hövener (@bloonatic) bei Twitter: Follow bloonatic on Twitter

 

 

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