Online-PR:
Welches kostenlose PR-Portal darf's denn sein?

Kostenlos bedeutet nicht immer auch gut. Kostenlose PR-Portale findet man sehr viele im Netz. Aber wie soll man die nutzen? Von Markus Hövener.

Es gibt mittlerweile sehr viele kostenlose PR-Portale, die für die eigene Pressearbeit genutzt werden können - aktuell deutlich mehr als 100 unterschiedliche. Im Vergleich zu den kostenpflichtigen Diensten wie Presseportal.de und Press1.de erscheint die kostenlose Option dabei natürlich erst einmal sehr attraktiv.

PR-Portale haben insgesamt vor allem die vier folgenden Funktionen:

  1. Wie die Bezeichnung „PR-Portal“ schon suggeriert, sollen hier Pressevertreter angesprochen werden. Bei der großen Anzahl an Portalen kann man sicherlich davon ausgehen, dass diese Funktion zumindest bei vielen der Portale zu vernachlässigen ist. Die direkte Funktion, also das gezielte Verteilen von Nachrichten an Journalisten, erfolgt in der Regel sicherlich nicht. Das heißt natürlich nicht, dass ein Journalist nicht mithilfe der Google-Suche bei der Recherche zu einem Thema auf die Pressemitteilung stoßen kann.
  2. Screenshot Suchanfrage "Hörbücher Türkei"
    Abbildung 1: PR-Portale erzielen auch Rankings
     
    Über Pressemitteilungen können auch Rankings generiert werden. Ein Beispiel findet sich in Abbildung 1: Wer nach "hörbücher türkei" sucht, stößt auf eine OpenPR-Mitteilung - noch vor Amazon.de. Und das, obwohl die Mitteilung schon drei Jahre alt ist. Dass Google dem Treiben der PR-Portale aber nicht untätig zuschaut, erkennt man z. B. in Abbildung 2
    Sichtbarkeitsindex eines PR-Portals
    Abbildung 2: Aufstieg und Fall eines PR-Portals
    . Dort sieht man den sich verringernden SISTRIX-Sichtbarkeitsindex im Verlauf der letzten zwei Jahre für die Domain www.openpr.de. Einen ähnlichen Verlauf kann man auch für andere Presseportale sehen, denn Google scheint seine einstige Vorliebe für diese Portale beendet zu haben.
  3. Pressemitteilungen finden sich oftmals auch in Google News wieder, was im Idealfall zu einer Universal-Search-Einblendung bei der der Web-Suche führen kann - das aber auch nur kurzfristig. Aber auch in den via Google Alerts generierten E-Mails tauchen die kostenlosen Mitteilungen oftmals auf. Dass Google aber auch hier nicht tatenlos zuschaut, sieht man z. B. daran, dass seit einiger Zeit deutschsprachige Meldungen von OpenPR nicht mehr in den Google News erscheinen.
  4. Mit der Veröffentlichung von Pressemitteilungen können auch Links generiert werden, da man in die Mitteilungen selber ja auch URLs einbauen kann. Welchen Wert derlei Links genießen, ist zwar fraglich, aber als Beimischung zum Linkaufbau, sind kostenlose PR-Portale wohl angebracht.
Aber welches Portal?

Je nach Zielsetzung (gute Rankings oder Links) muss man aus den Portalen natürlich die auswählen, die am besten zur Zielsetzung passen: Wer einen Link haben möchte, sollte ein PR-Portal danach auswählen, wie gut dieses verlinkt ist. Und wer Rankings erzielen möchte, kann Größen wie den SISTRIX-Sichtbarkeitsindex nutzen.

Es gibt noch weitere Metriken, die man in die Bewertung eines PR-Portals einfließen lassen kann. So kann man von der SEOmoz-Linkdatenbank Werte wie den mozRank und den mozTrust abrufen und auch von dem SISTRIX-Konkurrenten SEO Diver lässt sich über eine API-Schnittstelle ein Wert namens "Statische Sichtbarkeit" abrufen.

Um eine allgemeingültige Rangfolge der PR-Portale erstellen zu können, wurden diese unterschiedlichen Faktoren normalisiert und dann gewichtet, so dass eine maximale Punktzahl von 20 möglich war. Die Tabelle 1 zeigt die Liste der PR-Portale sortiert nach dieser Punktzahl.

Domain

SISTRIX
Sichtbarkeitsindex

SEO Diver
Statische Sichtbarkeit

mozRank

mozTrust

Domain-Popularität
(nach SEOmoz)

Score
(Max=20)

www.online-artikel.de

14,115

17,62

5,86

5,571

1315

18,905

www.openpr.de

9,555

3,11

6,452

6,195

1475

15,759

www.firmenpresse.de

7,611

5,76

5,85

5,73

560

11,108

www.pr-inside.com

0,674

0,11

6,48

6,8

1074

8,124

www.presseanzeiger.de

4,233

1

5,671

5,472

365

7,653

www.fair-news.de

3,819

0,89

5,62

5,443

263

6,983

www.businessportal24.com

0,109

0,04

5,863

5,793

976

6,901

www.prcenter.de

2,752

0,43

5,687

5,441

435

6,804

www.pressemeldungen.at

1,764

0,51

5,293

5,277

281

5,417

www.onlinepresse.info

0,675

0,17

5,061

4,73

503

5,146

Stand der Daten: 21. Januar 2011
Tabelle 1: Rangliste kostenloser PR-Portale

Diese Rangliste wird wohl grundsätzlich Veränderungen unterworfen sein, weil insbesondere der SISTRIX-Sichtbarkeitsindex (wie in Abbildung 2 zu sehen ist) recht große Schwankungen aufweist.

Duplicate Content

Dienste wie „PR Gateway“ (www.pr-gateway.de), welche versprechen, die an sie überreichte Mitteilung an über 100 Pressportale zu verteilen, bedienen gerne - prinzipiell auch legitime – Interesse an der kostenlosen Verteilung. Doch gibt es hierbei auch einen wesentlichen Nachteil: Die eingereichten Mitteilungen werden in immer gleicher Form an alle verteilt und häufig auch so übernommen. Damit ist aber die Einzigartigkeit des Textes im Internet nicht mehr gewährleistet – das Problem von Text-Dubletten (Duplicate Content) entsteht. Das ist natürlich für die Suchmaschinen-Rankings von Nachteil.

Empfehlungen

Bei der Nutzung von kostenlosen PR-Portalen empfiehlt sich insgesamt das Folgende:

  1. Auch wenn Dienste wie PR Gateway verlockend klingen, weil sie eine Nachricht in 100+ Portale eintragen, muss jeder für sich entscheiden, ob er diese nutzen will. Zumindest kann man erwarten, dass Google die vielen Dubletten (s. o.) einfach entfernt bzw. herausrechnet, so dass aus einer Veröffentlichung auf 100 PR-Portalen nicht auch 100 eingehende Links folgen.
  2. Das gleiche gilt eigentlich für die Ansprache von Journalisten: Wer glaubt, dass fachkundige Journalisten sich auf drittklassigen PR-Portalen anmelden, um dort Nachrichten zu empfangen, sollte diese Meinung revidieren. Um gezielt Journalisten anzusprechen, muss man übrigens nicht unbedingt einen PR-Dienst nutzen. Ein selbst aufgebauter recherchierter Verteiler relevanter Journalisten ist meist viel wirkungsvoller.
  3. Wer kostenlose Presseportale für den Linkaufbau nutzen kann, sollte für jedes einzelne eine unterschiedliche Meldung einstellen und auch deren unterschiedliche Möglichkeiten ausnutzen, Links einzubauen. Das ist natürlich bei 100+ Portalen wenig praktikabel, so dass man sich wohl wirklich auf die Top 10 oder Top 20 der Portale konzentrieren sollte.
Fazit

Kostenlose PR-Portale scheinen eine verlockende Leistung zu bieten, die aber in der Praxis meist nicht das hält, was man sich davon verspricht. Wer diese Portale trotzdem nutzen möchte, sollte sich auf die wichtigsten konzentrieren - oder am besten direkt einen eigenen PR-Verteiler aufbauen.

 

Porträt Markus Hövener
Über den Autor

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

E-Mail: markus@suchradar.de
Markus Hövener (@bloonatic) bei Twitter: Follow bloonatic on Twitter