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Was war, was wird?
Zurück in die Zukunft

Welche Entwicklungen haben sich in diesem Jahr bei Google und Co. vollzogen - und welche kommen im nächsten Jahr? Ein Rückblick auf 2010 - und ein Ausblick auf 2011. Von Markus Hövener.

Vor einigen Tagen gab es ein sehr interessantes Zitat von Matt Cutts, der als "Head of Google's Webspam team" arbeitet und große Teile der Kommunikation mit Website-Betreibern steuert. Auf der Konferenz PubCon hat sich Matt Cutts zu verschiedenen Fragen geäußert, wobei vor allem die folgende Meinung interessant ist:

"Matt recommends SEOs do not 'chase the algorithm' and instead try to predict where Google will be going in the future."
http://searchengineland.com/key-takeaways-from-googles-matt-cutts-talk-at-pubcon-55457

Wer also in den Google-Suchergebnissen erfolgreich vertreten sein möchte, sollte sich anschauen, in welche Richtungen sich die Suchmaschine entwickelt und vor allem welche Faktoren für die Bewertung der eigenen Website zukünftig relevant werden könnten.

SEOs vor der Kamera

Wir haben die SEOs Marcus Tandler, Marco Janck, Herbert Hartung und Stefan Fischerländer über das vergangene Jahr und das kommende 2011 befragt. Welche Entwicklungen gab es im Jahr 2010 und welche Trends deuten sich für das kommende Jahr 2011 an?

> Video als WMV runterladen...

Googles Innovationskraft in vielen unterschiedlichen Bereichen ist hinreichend bekannt. Während von Yahoo und Bing nur recht sporadisch Neuerungen kommen, bastelt Google ständig an kleinen und größeren Baustellen. Wer diverse -Blogs wie googleblog.blogspot.com liest oder Accounts wie @GoogleAgencyDE auf Twitter folgt, wird wohl nur selten einen Tag ohne Neuerungen erleben. Diese mögen nicht immer relevant für jedes Unternehmen gleichermaßen sein, aber man muss schon am Ball bleiben, um die vielen kleinen Potenziale auch ausnutzen zu können.

Google passt sich an

Auch wenn sich die SEO-Grundzutaten einer erfolgreichen Website in den letzten Jahren sicherlich kaum geändert haben (gute Verlinkung, guten auf Suchbegriffe abgestimmten Content), hat sich drumherum doch viel verändert. So war es deutlich leichter, Google in den Anfangstagen mit einigen wenigen Links auf drittklassigen Seiten zu beeindrucken und so gute Rankings zu erzielen. Auch Unsitten wie Doorway Pages sieht man nur noch selten, weil das Unternehmen aus Mountain View tausendfach erzeugte Seiten mit wenig Unique Content sehr leicht erkennen kann und dementsprechend negativ bewertet.

Und es steht natürlich zu erwarten, dass Google in den nächsten Jahren noch deutlich besser darin werden wird, die Spreu vom Weizen zu trennen - auch wenn z. B. der Kampf gegen gekaufte Links fast aussichtslos erscheint. Denn ein geschickt eingebundener gekaufter Link ist als solcher nicht zu erkennen und von einem freiwillig gesetzten Link nicht zu unterscheiden.
So ist auch zu erklären, dass Google auf der Suche nach Signalen ist, die zur Ranking-Berechnung herangezogen werden können und die viel schwieriger zu manipulieren sind. Ein besonderes Schlaglicht liegt dabei im Moment wohl auf Social Media - möglicherweise ein Hype-Thema, aber auch etwas, an dem Google ein klares Interesse hat.

Denn wer mit seiner Website Begeisterungsstürme auf Twitter und Facebook entfachen kann, kann ja gar nicht so schlecht sein. Hundert Links kann man schnell kaufen, aber Tausend aktive Facebook-Nutzer? Gar nicht so einfach. Dass auch eine Manipulation versucht werden wird, ist klar. Aber wie gesagt: Der Aufwand ist deutlich größer und damit für die breite Masse an Unternehmen nicht mehr möglich.

Der Ausblick

Google passt sich also algorithmisch an Entwicklungen an - das klassische Katz-und-Maus-Spiel. Aber es würde nicht ausreichen, nur einen Blick auf derartige Aspekte zu werfen, weil Google eben auch Änderungen an der Suche selber durchführt und permanent neue Produkte einführt. Auch diese sind größtenteils für Unternehmen relevant.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit geht es daher auf den folgenden Seiten um den Stand der Dinge sowie die aktuelle Relevanz und die Trends für das Jahr 2011 in den folgenden Bereichen - natürlich in Bezug auf Suchmaschinen-Ergebnisse:

  • Lokale Suche
  • Bewertungen
  • Video
  • Social Media & Realtime
  • Google Produktsuche, Google Base
  • Verlinkung, Linkaufbau
  • Google-Suche und -Algorithmus

Dieser Artikel verfügt übrigens über kein Fazit - vor allem, weil es doch sehr schwierig wäre, alle diese Entwicklungen und Trends in drei Sätzen zusammenfassen. Wer wissen möchte, was kommt, muss also dieses Mal auch alles lesen …

Lokale Suche

Stand der Dinge

In diesem Jahr gab es einige Änderungen, vor allem bei der Darstellung der lokalen Ergebnisse aus Google Places. Während vorher die bekannten 7- oder 3-Packs (den Suchergebnissen vorangestellte sieben/drei Suchergebnisse rechts neben einer Karte) dominierten, werden die Places-Einträge jetzt mit normalen organischen Suchergebnissen gemischt. Je nach Suchanfrage sind die Suchergebnisse dann etwas anders strukturiert. So sieht man bei einer Suchanfrage wie "hotel STADT" zwar in der Regel sieben Places-Ergebnisse in den Suchergebnissen (erkennbar an dem Link "Google Places-Profil"), aber diese stehen mal am Anfang und mal in der Mitte der Suchergebnisliste.

Relevanz

Zur Frage, wieviel Prozent der Suchanfragen lokal sind, gibt es recht unterschiedliche Einschätzungen - auch, weil es unterschiedliche Definitionen gibt: Für die einen sind die Suchanfragen lokal, in denen auch eine Ortsangabe angegeben wird (z. B. "steuerberater köln"). Für die anderen genügt schon ein "local search intent", also dass jemand etwas sucht, was es auch lokal gibt (z. B. "porzellan kaufen" - eine interessante Anfrage für ein lokales Porzellangeschäft).

Ungeachtet dieser Definitionsfragen ist auf jeden Fall zu erkennen, dass Google die lokale Suche sehr ernst wird. Lokale Aspekte finden sich in vielen Google-Produkten: Google Earth, Google Maps und Google Street View. Aber auch eine Google-Personalie wirft ein Schlaglicht auf die lokale Suche: So wechselt Marissa Mayer, bislang VP of Search Products, in den Bereich "location and local services" - ein Wechsel, den sie wohl nur vornehmen würde, wenn dieser auch für Google selber relevant ist.

Wenn Google dieses Thema ernst nimmt, sollten Unternehmen das natürlich erst recht. Es ist unbestritten, dass im Internet stetig mehr nach einer Vielzahl von Unternehmen lokal gesucht wird: Hotels, Restaurants, Ärzte, Anwälte und vieles mehr. Die Relevanz von gedruckten Verzeichnissen wird also definitiv abnehmen, während die Bedeutung lokaler Ergebnisse auf Suchmaschinen definitiv noch mehr zunehmen wird.

Interessanterweise deckt sich das bisher aber noch nicht mit dem Interesse der lokalen Unternehmen. Viele der Places-Listings sind noch nicht "geclaimt", also von dem jeweiligen Unternehmen aus der Obhut von Google übernommen - von einer Optimierung der Listings gar nicht erst zu sprechen.

Prognose

Mit dem wichtigsten lokalen Produkt, Google Maps bzw. Places, verdient Google derzeit in Deutschland direkt noch kein Geld. Zwar werden auch hier natürlich die allgegenwärtigen AdWords eingeblendet, aber der Eintrag ist nach wie vor kostenlos. Ob das so bleibt, ist natürlich noch offen. Derzeit gibt es aber noch keine Anzeichen dafür, dass sich das ändern wird.

Abbildung 1: Google Tags in Aktion (rot markiert)

Interessant ist aber, dass Google mit verschiedenen Testprodukten bereits an die lokale Suche andockt und versucht, den dortigen Traffic zu monetarisieren. So gibt es bereits seit einiger Zeit in den USA die so genannten Google Tags (http://www.google.com/help/tags/), bei denen man sein Places-Listing für 25 Dollar pro Monat um ein Angebot erweitern kann (siehe Abbildung 1). Dieses Produkt wird wahrscheinlich in nächster Zeit auch jenseits der USA verfügbar sein und könnte für Werbetreibende durchaus attraktiv sein.

Ein neues Produkt ist auch Google Boost, das derzeit in einigen Metropolen der USA getestet wird (http://www.google.com/support/places/inproduct/bin/answer.py?hl=en&answer=1040967). Mit Boost soll es für lokale Unternehmen leichter werden, Werbung zu schalten. So gibt man in seinem Places-Konto nur noch ein Werbebudget an - den Rest (z. B. die Auswahl passender Keywords) übernimmt Google selbständig. Derzeit ist noch vollkommen offen, ob dieses Produkt auch in den Regelbetrieb übernommen wird, aber es zeigt auf jeden Fall, dass der Suchmaschinenriese ein starkes Potenzial in der lokalen Suche sieht. Google hat aber wohl auch erkannt, dass bei vielen lokalen Unternehmen wenig Online-Marketing-Know-How vorhanden ist, so dass ein Produkt wie Google Boost Unternehmen helfen kann, die mit der Betreuung eines AdWords-Kontos überfordert wären.

Über Google Places hinaus gibt es aber auch noch andere Aspekte, bei denen man erkennen kann, dass in dem Unternehmen ein Fokus auf Lokales gelegt wird. So steht zu erwarten, dass auch die Produktsuche bald um lokale Angebote ergänzt wird. In den USA gibt es auch das schon: Wer hier nach Produkten sucht, kann auch herausfinden, welche Ladengeschäfte in der Nähe das gesuchte Produkte führen. Hier zeigt sich aber auch, dass diese Option eher von großen Einzelhändlern wie Sears genutzt wird.

Abbildung 2: Hotel-Eintrag mit Preisangaben

Google versucht auch immer mehr Daten in seinen lokalen Ergebnissen zu aggregieren. So werden etwa seit einiger Zeit bei der Suche nach einem Hotel in Deutschland auch die ungefähren Zimmerpreise angezeigt (siehe Abbildung 2). Andere Daten wie Bewertungen, verschiedene Attribute und Fotos von anderen Websites aggregiert Google ja bereits seit längerer Zeit. Lokal agierende Unternehmen müssen also darauf achten, dass sie auf vielen für die Suchmaschine relevanten Plattformen vertreten sind und dass die dort präsentierten Informationen auch kohärent sind.

Bewertungen

Stand der Dinge

Derzeit gibt es bei Google die folgenden Stellen, an denen Bewertungen für Shops, Produkte etc. eine Rolle spielen:

  • Lokale Suche: Bereits seit einigen Jahren werden für Objekte aus Google Places (also lokale Einträge wie Hotels, Restaurants und Rechtsanwälte) durch Benutzer angelegte Bewertungen angezeigt. Diese können zwar auch direkt bei Google abgegeben werden, stammen aber überwiegend von anderen Sites (Yelp, Qype, …).
  • Abbildung 3: Bewertungen erscheinen auch in den AdWords (Seller Rating Extensions)

    Online-Shops: Auch Online-Shops verfügen bereits über Bewertungen, die allerdings noch nicht direkt bei Google abgegeben werden können. Diese werden stattdessen auf externen Websites gefunden (siehe Kasten: Shop-Bewertungen) und in der Google Produktsuche dargestellt - und neuerdings auch in den AdWords (siehe Abbildung 3).

Google wird immer mehr zum Aggregator, da Daten (in diesem Fall Bewertungen) von anderen Plattformen eingelesen werden, um die Suchergebnisse damit anzureichern. Dieser Trend besteht schon seit längerer Zeit und wird wohl auch noch anhalten. Für Website-Betreiber bedeutet dies, dass sie wissen müssen, welche Plattformen von Google beachtet werden, um dann dort gezielt zu optimieren. Wer also z. B. möchte, dass die Suchmaschine mehr Bewertungen für den eigenen Online-Shop erkennen kann, sollte Kunden auf Anbieter wie Trusted Shops oder ShopAuskunft.de lenken, da dort abgelegte Bewertungen von Google erkannt werden.

Relevanz

Zumindest bei Google Places sind Bewertungen (eher die Anzahl als die Qualität) ein wichtiges Ranking-Kriterium. Aber auch für Nutzer sind Bewertungen natürlich hilfreich. Wer zwei Websites zur Auswahl hat, wird sich wohl tendenziell eher für die besser bewertete entscheiden.
Indem man dafür sorgt, dass Google viele Bewertungen für die eigene Website findet, sorgt man also nicht nur für ein besseres Ranking, sondern eventuell auch für bessere Klick-Raten im Vergleich zu anderen Listings mit schlechteren Bewertungen.

Prognose

Zwar kann man Bewertungen (zumindest für Objekte aus Google Places) auch direkt bei Google abgeben, aber der Großteil der Bewertungen wird kurz- und mittelfristig von externen Websites stammen. Website-Betreiber müssen also die entsprechenden Websites kennen und Kunden gezielt dorthin lenken.

Shop-Bewertungen

Google importiert Bewertungen für Online-Shops vor allem aus den folgenden Quellen:

Es ist auch zu erkennen, dass Bewertungen in die bezahlte Suche einfließen: So gibt es seit November 2010 in Deutschland die so genannten Seller Rating Extensions (siehe Abbildung 3). Wenn ein Online-Shop mehr als 30 Bewertungen und eine durchschnittliche Bewertung von 4,0 oder besser hat, werden die Bewertungen auch in den AdWords angezeigt. Derzeit funktioniert das aber nur für Online-Shops. Zukünftig könnte das aber auch für lokale Anbieter erfolgen, so dass die Bewertungen aus Google Places auch in den AdWords erscheinen.

Video

Stand der Dinge

2010 war laut Google das Jahr der Videos, also ein Jahr, in dem man sich besonders um Videos und die Suche danach kümmern wollte. Das wurde sicherlich auch gemacht - wenn auch nicht in gewaltigem Umfang.

In jedem Fall wurden einige Veränderungen an den Video-Sitemaps durchgeführt und auch an der Unterstützung für Videos in den Google Webmaster Tools wurde gearbeitet. So gibt es in den Webmaster Tools nun einen eigenen Unterpunkt, der eventuelle inhaltliche Fehler in der Google-Video-Sitemap anzeigt.

Relevanz

Videos sind in Bezug auf Suchmaschinen-Optimierung vor allem deshalb interessant, weil sie via Universal Search angezeigt werden oder auch, weil Suchergebnisse um ein Video-Thumbnail ergänzt werden können.

Aber auch YouTube - laut eigenen Angaben immerhin die zweitgrößte Suchmaschine der Welt - ist für Website-Betreiber interessant, weil dort in vielen Themengebieten hohe Suchvolumina zu finden sind. Grundsätzlich erfordert YouTube allerdings auch oft ein Umdenken hinsichtlich der Inhalte, da auf YouTube sehr selten nach konkreten Produkten gesucht wird. Wer auf YouTube erfolgreich sein möchte, muss vielmehr relevante Inhalte anbieten, die auch nicht primär werblich sein sollten.

Prognose

Videos sind schon deshalb interessant, weil der Konkurrenzgrad meist nicht besonders hoch ist. Denn nicht alle Unternehmen können oder wollen sie bereitstellen. So hat zwar jede gute Ferienwohnung mittlerweile eine Website, aber für kaum eine findet man auf YouTube oder im Google-Index ein Video. Bei Videos existiert also noch eine echte Marktlücke, bei der - zumindest zurzeit - noch viele Unternehmen Neuland innerhalb ihrer Branche betreten können.

Insgesamt werden sich Videos wohl immer weiter durchsetzen, was dann aber leider wieder dazu führen wird, dass der Konkurrenzdruck auch hier zunehmen wird. So fluten derzeit bereits viele Online-Shops YouTube und den Google-Video-Index mit automatisiert erstellten Produkt-Videos.

Langfristig wird eine solche Strategie wohl nicht aufgehen. Unternehmen, die auch Videos erstellen möchten, sollten sich also eine klare Strategie überlegen, um sich positiv abzugrenzen: Welche Inhalte wünscht der Kunde? Wie sucht er danach? Und wie produziert man möglichst preisgünstig Videos, die vom Kunden als relevant eingestuft werden?

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema Videos (und auch Video-SEO) finden Sie im letzten suchradar, Ausgabe 26. Dort erfahren Sie auch mehr über YouTube Promoted Videos und YouTube Analytics.

 

Unser Blog-Tipp

Wer sich für Video SEO und Video-Marketing interessiert, sollte bei diesem Blog viele aktuelle Informationen finden:
www.reelseo.com

Social Media & Realtime

Stand der Dinge

Abbildung 4: Realtime-Suche bei Google

Seit 2010 gibt es in Google auch die Realtime-Ergebnisse, die aus Twitter, Facebook, Blogs & Co. stammen. Wer etwas sehr aktuelles sucht, sieht manchmal die Realtime-Ergebnisse in den Suchergebnissen. Oder aber man nutzt den neuen Filter namens "Statusupdates", der dann die aktuellsten Nachrichten anzeigt und diese laufend um die neuesten Beiträge ergänzt (siehe Abbildung 4).

Um das überhaupt machen zu können, hat das Unternehmen aus Mountain View in diesem Jahr ein Update namens Caffeine umgesetzt. Während es früher recht lange dauerte, bis Google neue Seiten in den Index aufnahm, ist man dank Caffeine in der Lage, sekundenschnell neue Beiträge einzufügen.

Grundsätzlich muss man aber sagen, dass man zumindest derzeit mit diesen Änderungen und auch der Anzeige der Realtime-Resultate nur extrem selten in Berührung kommt. Die Einbindung der Realtime-Resultate in die Suchergebnisse erfolgt wie gesagt nur sehr selten und auch dann werden diese nicht unbedingt wahrgenommen.

Relevanz

Auch wenn die Auswirkungen derzeit sehr gering sind, darf man die Perspektive hier nicht außer Acht lassen. Google wird die neuen Social-Media-Beiträge sicherlich nicht nur zur Anzeige auf aktuellen Suchergebnisseiten nutzen.
Vielmehr geht es hier um unterschiedliche Aspekte:

  1. Discovery:
    Google kann z. B. via Twitter verbreitete URLs dazu nutzen, den eigenen Crawler zu "füttern". So kann Google aktuelle, beliebte Seiten schneller finden und gezielt indexieren.
  2. Ranking:
    Die Nennung von URLs auf Twitter und Facebook validiert entsprechend verbreitete Websites. Wenn eine Vielzahl von Menschen rund um den Globus eine bestimmte URL via Social Media erwähnen, ist das ein starkes Signal, dass es sich dabei um eine legitime Website handelt.
  3. Trends:
    Wenn bestimmte Themen kurzfristig gehäuft Erwähnung finden, kann Google hieraus schließen, dass es sich um ein aktuelles Thema handelt. Dann greift der so genannte QDF-Mechanismus (Query deserves Freshness), bei dem vermehrt aktuelle Medien in den Ergebnislisten erscheinen.

Relevant ist hier insbesondere der zweite Faktor. Die gehäufte Nennung via Social Media kann eine Website in den Augen Googles validieren.

Prognose

Die Realtime-Suche wird sicherlich noch an Bedeutung zunehmen, auch wenn sie natürlich für viele Themen nicht greifen kann, weil über diese in sozialen Medien einfach nicht geredet wird (große Teile des B2B-Segments, aber auch Erotik-Angebote).
Informationen aus Social-Media-Quellen sind für Google aber viel zu verlockend, um sie nur als Realtime-Ergebnisse anzuzeigen. Unternehmen sollten sich damit - soweit das für die eigene Branche sinnvoll ist - auseinandersetzen, aber auch nicht in Panik verfallen. Der aktuelle Hype um Social Media ist sicherlich nicht gerechtfertigt.

Social Media

Weitere Informationen darüber, welche Signale Google und Bing derzeit in Bezug auf Social Media auswerten, finden sich im folgenden Artikel:

What Social Signals Do Google & Bing Really Count?
http://searchengineland.com/what-social-signals-do-google-bing-really-count-55389

 

Google Produktsuche, Google Base

Zunächst zur Klärung der Begrifflichkeiten: Google Base ist die Schnittstelle, mit der man Produktdaten strukturiert an Google übergeben kann. Die Google Produktsuche ist eine Ausprägung von Google Base, bei der nach Produkten gesucht werden kann.

Stand der Dinge

Die Google Produktsuche hat grundsätzlich zwei Vorteile:

  1. Abbildung 5: Google-Nutzer werden auf die Produktsuche geleitet

    Die Produktsuche generiert für viele Online-Shops signifikant viel Traffic. Google-Nutzer werden bei einer Suche nach einem Produkt oftmals auf die Produktsuche geleitet (siehe Abbildung 5). Auch wenn jemand seine Suche nicht direkt in der Produktsuche beginnt (Link "Shopping" auf der Suchergebnisseite), wird er durch diesen Mechanismus die Produktsuche oftmals doch nutzen - vielleicht, ohne sich dessen bewusst zu sein.
  2. Das Einstellen von Shop-Daten in die Google Produktsuche ist kostenlos. Umso mehr verblüfft es, dass derzeit nur ca. 30 Prozent aller Online-Shops dies nutzen (http://www.internetkapitaene.de/2010/08/09/nutzung-der-google-produktsuche-durch-online-shops-kein-signifikanter-zuwachs-seit-oktober-2009/).

Relevanz

Die Produktsuche wird von vielen Online-Shops, die dort Informationen hinterlegt haben, als sehr wichtiger Traffic- und Umsatz-Kanal angesehen. Da die Nutzung der Google Produktsuche derzeit kostenlos ist, sollten Betreiber von Online-Shops das Angebot nutzen - wenn sie nicht davor zurückschrecken, alle ihre Daten in strukturierter Form bei Google abzuliefern. Um herauszufinden, ob die Maßnahme Erfolg hatte, ist es natürlich wichtig, dass das eigene Web-Analytics-Tool den Traffic aus der Produktsuche vom normalen organischen Traffic unterscheiden kann.

Abbildung 6: Produktsuche meets AdWords

Die Produktsuche ist übrigens auch für AdWords-Werbetreibende relevant, da es eine Erweiterung gibt, bei der die Produkte auch in den AdWords angezeigt werden (siehe Abbildung 6). Diese Erweiterung ist aber seit geraumer Zeit im Beta-Stadium und damit noch nicht für alle Unternehmen verfügbar. In den USA hat es diese Erweiterung jetzt unter dem Namen Google Product Ads (http://www.google.com/support/merchants/bin/answer.py?hl=en&answer=188479) in den Regelbetrieb geschafft. Auch für Deutschland steht das in absehbarer Zeit zu erwarten.

Prognose

Die Google Produktsuche wird sich sicherlich weiterentwickeln. So gibt es derzeit in den USA interessante Erweiterungen, bei denen zu allgemeinen Suchanfragen "Popular Products" (häufig gekaufte Produkte) und "Aisles" (Unterkategorien) angezeigt werden (siehe http://googleblog.blogspot.com/2010/11/improvements-to-product-search-for-this.html).

Es wäre aber nicht fair, Google Base nur auf die Produktsuche zu reduzieren - auch wenn das zumindest in Deutschland derzeit noch der Realität entsprechen würde. In Base können auch viele andere Informationen (Immobilien, Stellenangebote, Fahrzeuge, Veranstaltungen, …) abgelegt werden. Das hat derzeit noch keine Auswirkungen, aber in den USA hat der Marktführer bereits mit einer Immobiliensuche experimentiert, die auf Google Base basiert.

Grundsätzlich ist es nicht unbedingt sinnvoll, bereits jetzt alle Daten strukturiert bei Google abzuliefern. Aber es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis für bestimmte vertikale Themen (z. B. Immobilien) auch Suchmechanismen ähnlich der Google Produktsuche eingebaut werden.

Technisch wäre das mit Sicherheit bereits möglich, so dass man sich schon fragen kann, warum Google diese Einbindungen noch nicht vornimmt. Immerhin wird bereits seit ca. fünf Jahren mit diversen Möglichkeiten experimentiert. Es kann sein, dass die Datenqualität oder -quantität noch nicht ausreicht, aber es könnte eben auch sein, dass Google seine zahlenden Kunden nicht verärgern möchte. Schließlich geben z. B. Immobilienportale viel Geld für Google AdWords aus und diese Kundschaft würde man mit einer prominent eingebundenen Immobiliendatenbank sicherlich verärgern.

Verlinkung, Linkaufbau

Stand der Dinge

Es ist relativ schwierig, den aktuellen Stand der Dinge in Bezug auf Linkaufbau zusammenzufassen, da es hier sehr viele unterschiedliche Aspekte und dazu auch sehr unterschiedliche Meinungen gibt. Google bewertet nach wie vor Websites vor allem auf Basis ihrer externen Verlinkungen - nur dass bei der Bewertung der Links eben immer intelligenter vorgegangen werden muss.

Denn grundsätzlich handelt es sich beim Linkaufbau um ein Katz-und-Maus-Spiel. Google gibt seit Jahren die ewig gleiche Devise aus: "Bau eine tolle Website und die Links kommen wie von selber." Selbst wenn man an diese Devise glaubt, muss man anerkennen, dass diese Strategie einfach zu viel Zeit braucht - Zeit, die viele nicht haben. Außerdem sind gerade im Affiliate-Segment viele Websites zu finden, die keinerlei wirklich gute Inhalte oder Funktionalität haben, so dass ein organischer Linkaufbau hier überhaupt nicht funktionieren würde. Unter diesen Voraussetzungen setzen Website-Betreiber eben auf Tricks, um Verlinkungen aufzubauen - und Google muss gegen diese Tricks vorgehen.

Man kann davon ausgehen, dass die meisten Verlinkungen nicht das sind, was die Erfinder der Suchmaschine eigentlich gerne hätten: Ein Link soll nach dem klassischen PageRank-Modell ein "Vote" sein, also ein positives Indiz dafür, dass die verlinkte Website relevant ist. Folglich muss Google gegen diese "falschen" Links vorgehen und z. B. Heuristiken entwickeln, um Links bewerten zu können. So kann ein Link in einem Forum legitim sein (ein Forenmitglied äußert sich positiv über eine Website) oder eben auch illegitim (der Website-Betreiber schreibt dort unter falschem Namen selber etwas).

Google wird zwar immer besser darin, legitime von illegitimen Links zu unterscheiden, aber es ist nach wie vor möglich, die Verlinkung zu beeinflussen. Insbesondere beim Kampf gegen gekaufte Links ist man nahezu machtlos, weil ein gekaufter Link prinzipiell nicht von einem organischen Link zu unterscheiden ist.

Relevanz

Links stellen im Google-Algorithmus einen sehr wichtigen Baustein dar. Eine Website kann gute Inhalte und Features haben: Ohne eine gute Verlinkung, vor allem von thematisch passenden und ebenfalls gut verlinkten Websites, hat eine Website innerhalb einer größeren Konkurrenz keine Chance.

Prognose

Da es Jahre dauern kann, bis sich Links auf "normalem" Wege einstellen, wird es auch so bleiben, dass Website-Betreiber hier "nachhelfen". In den letzten Jahren haben sich die einfachen Link-Potenziale deutlich verringert. Ein paar Eintragungen in Social-Bookmarking-Verzeichnisse, Artikelverzeichnisse und allgemeine Verzeichnisse erzeugen meist keinen spürbaren Effekt mehr - mal davon abgesehen, dass es meist ohnehin nur noch Nofollow-Links gibt.

Insgesamt sind wohl verschiedene Trends zu spüren:

  1. Die Tatsache, dass es kaum noch gute "leicht erreichbare" Links gibt, könnte dazu führen, dass die Anzahl der gekauften Links zunehmen wird.
  2. Social Media wird - je nach Branche - eine gewisse Relevanz erreichen, weil auf diesem Wege eben relevante Links aus der Community und von gut verlinkten Medienportalen erzeugt werden können. Dadurch, dass immer mehr Unternehmen hier ihr Glück versuchen, wird es allerdings auch schwieriger werden, für die eigenen Maßnahmen noch die nötige Aufmerksamkeit zu erlangen.
  3. Beziehungen werden wichtiger werden - sei es zu anderen SEOs oder Agenturen, um Links zu erhalten, aber auch zu relevanten Bloggern und Portalen. Da viele Website-Betreiber mit Linkanfragen überhäuft werden, ist es natürlich von Vorteil, wenn man eine Beziehung zu einer relevanten Linkquelle unterhält, um so einen Link zu erhalten, den andere nicht bekommen können.

In jedem Fall aber wird es wohl immer mehr Grips erfordern, um ohne gekaufte Links relevante Reichweiten zu erzielen.

Google-Suche und -Algorithmus

Stand der Dinge

Bei der Google-Suche an sich gab es verschiedene Änderungen im Jahr 2010. Einige waren optischer Natur, einige funktional und wieder andere betrafen das Herz der Suche, den Algorithmus.

Vor allem Google Instant hat ein recht großes Presse-Echo erzeugt, auch wenn die Auswirkungen auf SEO und SEM gering bis gar nicht messbar waren. Bei Instant erscheinen die Suchergebnisse bereits, während man tippt. Wer "backo" eingibt, erhält schon die Suchergebnisse für "backofen" angezeigt. Außerdem zeigt die Suchmaschine - ähnlich wie schon vorher bei Google Suggest - Vorschläge für mögliche Suchen an. Man befürchtete, dass Besucher in bestimmte Richtungen gelockt würden. Allerdings gibt es derzeit noch keine öffentlich bekannten Studien, die diese Befürchtung untermauern können.

Neu hinzugekommen sind im Jahr 2010 auch die linken Navigationsfilter, mit denen man die Suchergebnisse filtern kann. So kann man nun dort nach Shopping- oder Blog-Ergebnissen suchen und die Suchergebnisse auch zeitlich weiter einschränken.
Auch am Suchmaschinen-Algorithmus wurde permanent etwas geändert. So gab es in diesem Jahr das so genannte Mayday-Update, das dafür gesorgt hat, dass auch bei Longtail-Suchanfragen die Google-Ergebnisse besser wurden. Über dieses Update sollten vor allem automatisierte Inhalte ohne großen Mehrwert gezielt aus den Suchergebnissen verbannt werden - was natürlich nicht immer gut funktioniert.

Es scheint auch so, als seien die Effekte des 2009 durchgeführten so genannten Vince-Updates zurückgenommen worden. Durch dieses Update wurden besonders Marken-Websites bevorzugt - ein Effekt, den es mittlerweile nicht mehr gibt.
Auch wird offensichtlich, dass Google nach immer mehr Signalen sucht, die nicht einfach manipuliert werden können. Hier sind vor allem die Verbreitung in Social Media und die Absprungrate/Besuchsdauer zu nennen. Dadurch, dass viele Nutzer die Google Toolbar installiert haben und durch die weite Verbreitung von Google Analytics, verfügt Google ja auch über viele Nutzungsdaten, die auch in die Rankings einfließen können. Der 2010 eingeführte Ranking-Parameter der Ladegeschwindigkeit einer Website ist im Vergleich zu den Nutzungsdaten dann schon wieder sehr einfach zu verbessern.

Relevanz

Die optischen und funktionalen Änderungen haben eigentlich keinen spürbaren Effekt gebracht - was man über die algorithmischen Änderungen nicht gerade sagen kann. Derartige Updates betreffen Websites leider immer sehr unterschiedlich. Manche spüren gar keine Effekte, manche erhalten danach noch mehr Traffic und manche verlieren an Traffic - ob gerechtfertigt oder nicht.

Grundsätzlich ist es natürlich hilfreich, sich mit Algorithmus-Änderungen auseinanderzusetzen, aber leider kann man bei SEO eben nicht kurzfristig gegensteuern. Wer vor großen Änderungen relativ gut geschützt sein möchte, muss sich also schon überlegen, welche Arten von Websites der Marktführer gerne "mag" und welche nicht.

Den Kampf gegen automatisiert erstellte, relativ Content-arme Websites wird dabei schon lange geführt. Vor allem Affiliate-Sites mit wenig Inhalten (so genannte Thin Affiliate Sites), die oftmals nur über gute Links nach oben kommen, stehen auf der Beliebtheitsskala nicht gerade weit oben.

Insgesamt ist bei alledem natürlich wichtig, dass Google immer von Signalen spricht. So dominiert nicht ein einzelner Aspekt die Ranking-Faktoren. Vielmehr werden diese anhand vieler unterschiedlicher Aspekte gebildet - was auch ein Grund dafür ist, dass die Ladegeschwindigkeit einer Website bei ca. 99 % aller Sites (laut Google) keine Auswirkungen auf die Rankings hat.

Prognose

Google wird sich immer stärker bemühen, reale Nutzungsdaten in die Rankings einfließen zu lassen, da diese schwieriger zu manipulieren sind. Aber auch Faktoren wie Social Media werden sicherlich wichtiger werden, auch wenn Sie natürlich die etablierten Signale nicht von heute auf morgen verdrängen werden.

Die Grundtendenz hinter all den Änderungen dieses Jahres (und der Jahre davor) ist relativ einfach: Google möchte gerne legitime Websites in den Suchergebnissen anzeigen. Websites, die starke organische Links aufweisen oder die in Twitter und auf Facebook oft genannt werden, sind dabei solche, die Google auch langfristig "mögen" wird.

Deswegen sollten sich Website-Betreiber natürlich vor allem damit auseinandersetzen, wie man die eigene Website besser und attraktiver für die Nutzer macht. SEO ist leider ein sehr strategisches Instrument, bei dem man - anders als bei SEM - nicht kurzfristig alles über den Haufen werfen kann. Unternehmen sollten also grundsätzliche Entscheidungen treffen und die entsprechenden Weichen für die Zukunft stellen.

Die Google-Suche selber wird sicherlich noch weitere Veränderungen in den nächsten Jahren erleben. Aber wie auch in diesem Jahr steht hier nicht zu erwarten, dass diese Änderungen grundlegender Natur sein werden (also z. B. die Abkehr von zehn organischen Suchergebnissen).

 

Über den Autor

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

E-Mail:
markus@suchradar.de

Markus Hövener (@bloonatic) bei Twitter:
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Ausgabe 35 (26. April 2012)

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